Urbanes Gärtnern in der «kreativen» Stadt. Kulturen des Grün

von Gruppe Roter Mangold [via Augustin]

Das urbane Gärtnern ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Broschüre «Do it yourself», herausgegeben von der MA 25, bezeichnet es als «fast schon einen alten Hut».

In linksorientierten Strömungen galt das urbane Gärtnern längere Zeit als subversiv. Und wird teilweise auch gegenwärtig so verstanden. Besondere Aufmerksamkeit zieht dabei das Gärtnern ohne Vertrag und Zustimmung der Flächeneigentümer_innen auf sich, so genanntes Guerilla Gardening. Es scheint mit der Logik des Privateigentums und einer anonymen Bürokratie zu brechen, die als kontrollierend und uniformierend erlebt wird. Tatsächlich gibt es auch in Wien einige Gruppen und zahlreiche Aktive, die ohne eine Erlaubnis dafür einzuholen öffentliche oder private Grundstücke bepflanzen. Continue reading

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Constructing landscapes of value: Capitalist investment for the acquisition of marginal or unused land—The case of Tanzania

Andreas Exner

Our new paper on land use classification approaches in relation to commercial use of land in Tanzania is out now. It was published by the journal Land Use Policy and can be downloaded for free until 14th Dec. here: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264837714002191

You find a pdf version for non-commercial use to download also here.

Constructing landscapes of value: Capitalist investment for the acquisition of marginal or unused land—The case of Tanzania

by Andreas Exner, Lara E. Bartels, Markus Windhaber, Steffen Fritz, Linda See, Emilio Politti, Stephan Hochleithner

Highlights

• Marginal and unused land refer to two distinct rationalities of domination.
• They are often employed manipulatively to support biofuel production.
• In Tanzania, figures on marginal and unused land are poorly supported empirically.
• In Tanzania, biofuel potentials seem to be very limited, contrary to most views.

Abstract

The current global wave of land acquisition – variously debated as land grabbing or investment in land – is promoted by the World Bank and the FAO as creating win–win-situations for local populations and investors alike. Common policy recommendations suggest expanding the production of export crops, by making use of marginal or unused land. Considerable potentials for such an expansion are assumed. Taking Tanzania as a case study, the evidence for such types of land is assessed by using a broad range of statistics. We will argue firstly, that the terms marginal and unused land serve as a manipulative terminology for the benefit of attempts to commercially valorize and commodify African landscapes, from biofuel to large-scale food production and tourism. However, they relate to different rationalities of domination. Unused land refers to a state-bureaucratic narrative, which excludes user groups deemed irrelevant for national development, while marginal land refers to a capitalist-economic narrative that excludes what is not profitable. Secondly, the terms are analyzed as categories central for state simplification of social relations attached to land. Modelling of these land use categories based on remote sensing is an attempt to compensate weak state capacities to enhance the legibility of the landscape by constructing it as a landscape of commercial value.

Keywords

Biofuels; Marginal land; Unused land; Land grab; Nature conservation; Tanzania

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Gemeinschaftsgärten: Aneignung oder Privatisierung des öffentlichen Raums?

von Andreas Exner [via kärnöl]

Einem Trend in vielen Städten folgend, boomen Gemeinschaftsgärten seit einigen Jahren auch hierzulande. In Wien erfolgten viele Neugründungen im Gefolge der rot-grünen Koalitionsvereinbarung 2010. Die Stadt Wien fördert Gemeinschaftsgärten seither finanziell, teilweise auch mit Arbeitsleistungen, Pflanzen oder Komposterde.

Nicht alle der Wiener Gemeinschaftsgärten befinden sich auf öffentlichen Flächen. Dennoch gilt als ein Pluspunkt häufig die Belebung öffentlichen Raums. Gemeinschaftsgärten sollen soziale Innovation fördern, Demokratie oder Integration stärken und das ökologische Bewusstsein. Sie werden vielfach mit einer „Aneignung“ von öffentlichem Raum in eine positive Verbindung gebracht. Anstelle einer anonymen Stadtverwaltung, die relativ einheitlich gestaltete Grünflächen zur Betrachtung, zum Spazieren, Picknicken oder für sportliche Aktivitäten pflegt, sollen nun die Bürgerinnen und Bürger einen „Freiraum“ der „Selbstbestimmung“ erhalten. Und sie sollen den öffentlichen Raum auch gärtnerisch oder gar landwirtschaftlich nutzen können.

In der österreichischen Medienlandschaft dominierte unlängst noch der Neuheitswert dieses Phänomens. Doch gelten Gemeinschaftsgärten inzwischen weithin als etabliert. Eine vor kurzem erschienene Broschüre der Stadt Wien namens „Do it yourself“ bezeichnet sie gar als „fast schon einen alten Hut“. Wohnbaustradtrat Michael Ludwig verfasste dazu das Vorwort. Continue reading

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Spenden für Waffen? Ja. Für die Verteidigung der Selbstverwaltungsdemokratie in Rojava!

Das ist auch der Grund, weshalb die jungen Kurdinnen und Kurden ihren beispiellosen, vorbildlichen und glänzenden Kampfgeist weder mit den islamischen noch mit den westlichen Werten begründen, denn diese Werte sind schon vor dem Fall Kobanês für die Kurden gefallen. Die Terrormiliz IS hat nicht nur die Wertlosigkeit der militärischen Überlegenheit der Staaten der Region und des Westens, sondern auch die Inhaltslosigkeit ihrer Werte zur Schau gestellt” (http://kurdischenachrichten.com/2014/10/kobane-und-die-heuchelei-des-westens/)

von Andreas Exner

Kaum etwas stimmt trister als die Nachrichten der letzten Tage zur Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobane. Sie ist Hauptstadt des selbstverwalteten Kantons Rojava. Er bildet ein Beispiel für eine alternative Entwicklung des Friedens und von sozialer Gleichheit in einer Region, die gerade das krasse Gegenteil davon erfährt.

Dabei spielt offenbar auch ein Wandel der Ausrichtung der PKK eine Rolle, die in der Region starken Rückhalt erfährt. So hat der inhaftierte Abdullah Öcalan unter anderem den US-Anarchisten Murray Bookchin rezipiert. AktivistInnen berichten von einem Einfluss dieser Ansätze auf die Bewegungen in Rojava.

Doch Rojava und mit ihr der gesamten nordsyrischen autonomen Provinz drohen die Vernichtung. Continue reading

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Afrika bleibt Afrika? Oder: Kann es eine alternative afrikanische Modernisierung geben?

[via kärnöl]

von Andreas Exner

Afrika wird gewohnheitsmäßig mit menschlichem Elend assoziiert. Die Bilder von lächelnden Massai vor den Kameras von Touristinnen in Tansania, oder der von Reichtum zeugenden Wolkenkratzer in Südafrika können daran wenig ändern.

Und tatsächlich scheint die Realität den dominierenden Bildern Recht zu geben. Diese Realität besteht – nicht nur für die öffentliche Wahrnehmung – aus wiederkehrenden Kriegen, Hungerkatastrophen, Krankheiten wie neuerdings die Seuche Ebola, aus Regierungen, die als notorisch korrupt gelten und einer allgemeinen „Rückständigkeit“. Ja, schlimmer noch, von Afrika nimmt man in der Regel überhaupt nur Notiz im Fall einer besonders spektakulären Katastrophe – und selbst dann nur marginal. Continue reading

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Land ohne Menschen? Zur Idee ungenutzten Landes in Afrika am Beispiel Tansanias

[via kärnöl]

von Andreas Exner

„Dieses Land ist ungenutzt, ungenutzt, ungenutzt“, hört man den Vertreter der staatlichen Entwicklungsagentur im tansanischen Rufiji-Delta sagen. Nachgerade unwirsch reagiert er auf die Nachfrage der Reporterin von CNN. Im Rufiji-Delta leben doch viele Bäuerinnen und Bauern, sagt diese. Doch die tansanische Entwicklungsbehörde will Investoren holen. Sie sollen die Landwirtschaft entwickeln, den Ertrag steigern. Das alles wäre nur zum Besten, versichert der Vertreter.

Dieser Ausschnitt eines Interviews ist bezeichnend für die gegenwärtige Debatte um Biofuels, offshore-Farming und die afrikanische Landwirtschaft. Das Schlagwort vom „Landraub“ oder des „Land Grabbing“ kennen viele. Doch kaum bekannt sind manche Hintergründe, die dabei eine Rolle spielen. So eben auch die Frage des ungenutzten Landes. Selbst unter Expertinnen und Experten ist das Unwisssen, ist die Unsicherheit dazu momentan noch groß. Doch wird das häufig nicht unbedingt kenntlich gemacht. Continue reading

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Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Überlegungen zur Subjektkultur

Andreas Exner

Der inspirierende Workshop von Stefan Meretz und mir bei der Ferienuni “Kritische Psychologie” dieses Wochenende in Berlin hat einige Debattenstränge freigelegt, die weiterzuverfolgen von großem Interesse sein wird. Der Workshop war mit etwa 50 Leuten recht gut besucht. Die Ferienuni und das Commoning-Umfeld, das sie für mich spürbar tönte, empfand ich als ausgesprochen angenehm.

Hier stehen die Folien meiner Präsentation zum Download bereit.

Die darin skizzierten Gedanken sind als vorläufige zu verstehen. Sie sollen weitere Untersuchungen anleiten. Aufgrund der Komplexität der Fragestellungen und der Fülle an aufzuarbeitendem Material würde sich die Thematik für ein kollektives Forschungsvorhaben eignen. Dieses wäre in loser Kooperation oder wechselseitigem Verweis vielleicht stärker voranzubringen als auf individueller Basis.

Die Präsentation von Stefan Meretz wird, verbunden mit der meinen sowie einer Tonaufzeichnung unserer Kurzvorträge in Bälde auf keimform.de erscheinen.

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Bread in 1848 Vienna. The Role of a Staple Food in Revolutionary Uprisings of the 19th Century

Andreas Exner & Marielle Zuk

Complete study to be downloaded here.

Abstract:

Our analysis of the uprisings of 1848 has allowed us to develop a body of observations we believe may be applied to future studies of uprisings both past and present. By taking a staple food such as bread as the focus of our research, we were able to analyze and describe certain social, economic, and political factors of the uprising without deviating from the core issue that food is of great importance to human activity. The particular human activity under scrutiny in this report is the uprisings of 1848 Vienna, which, as we have seen, cannot be evaluated simply as a middle-class, bourgeois push for liberal democratic reform. Without the revolutionary muscle of the lower classes and petty bourgeoisie, these uprisings arguably would have had a weaker, and decidedly different character. The lower classes and petty bourgeoisie were spurred to action by a variety of factors and circumstances, yet the fact that affordable food was not accessible to many stands out as a primary factor.

Yet, as reiterated throughout this paper, class and gender constructions are not sociologically uniform and are manifested and experienced by individuals with differing levels of significance. Thus, by focusing on bread, rather than a particular social class or gender, we were able to describe and explore the heterogeneity within these socially-constructed categories and produce scholarship we hope will be considered nuanced and cognizant of the multiplicitly of experiences triggered by events and trends and how these experiences may in turn, effect future courses of action.

Our decision to pair literature sources written many years after the events with an analysis of widely-circulated newspapers issued during the time allowed us to see how our hunches and hypotheses played out in the popular media, thus enabling us to see how events, processes and trends were portrayed to contemporaries. The fact that the year surveyed included both periods of intense censorship and periods of relatively free press allowed us a measure of valuable insight into what the absolutist government believed to be newsworthy and what the newspapers themselves valued as news. The analysis of the newspaper also showed a lack of information about the working class and their issues and interests, which indirectly bolsters our conclusion that issues of survival and hunger were relevant only to a certain portion of participants in the uprisings.

The uprisings of 1848 in Vienna were the result of a confluence of factors. They represented a call for change, a call for recognition and representation, a call for modern politics, and a call for the maintenance of a moral economy as much as they represented a call for food and basic survival.

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Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Ferienuni Kritische Psychologie, Berlin. Tag/Zeit: Freitag, 19.9.2014, 16:00–18:00 Uhr

Beschreibung:

Die uns gefühlt so vertraute Gesellschaft des Kapitalismus ist das Produkt einer Geschichte der Veränderung von Produktionsweisen und damit auch des Selbstverständnisses und -erlebens der Menschen. Diese Geschichte ist für den Bereich der Produktion gut bekannt. Weniger bekannt und diskutiert ist jedoch die Herausbildung der Liebes- und Gefühlswelt, die den Kapitalismus charakterisiert.

Die (heterosexuelle) Mononorm war und ist nicht immer schon die bestimmende Art des Liebens und der leiblichen Begegnung. Das zeigen Geschichte und Kulturvergleich. Diese Norm wird im Alltag fortwährend aktiv reproduziert. Allerdings können sich auch Abweichungen davon in Gestalt neuer Selbstverständnisse und Erlebensweisen stabilisieren, die Beziehungsformen beeinflussen oder verändern. So wirkt die Mononorm zwar weiter, wird inzwischen jedoch nach verschiedenen Seiten hin aufgelöst. Ein Stichwort dazu ist Polyamorie.

Wir wollen fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und der mononormativen Beziehungsweise gibt; und wenn ja, wie dieser Zusammenhang begriffen werden kann. Dazu gehört auch die Frage, wie sich Beziehungsweisen im Verhältnis zu bestimmten Phasen der kapitalistischen Entwicklung verstehen lassen, namentlich vom Fordismus der Nachkriegszeit zum Post-Fordismus seit den 1980er Jahren.

Diese Fragestellungen skizzieren mehr ein mögliches kollektives Forschungsprogramm als einen Kanon fixer Antworten.

Wir wagen uns damit auf ein offenes Terrain und hoffen auf einen achtsamen Umgang damit im Workshop.

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Verkaufte Zukünfte? Gobale Metallverfügbarkeit und ökonomisches Wachstum an den Peripherien: Verteilung und deren Regulation in einer Postwachstums-Perspektive

von Andreas Exner

In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Antipode veröffentlichten Artikel untersuchen Christian Lauk, Werner Zittel und ich die möglichen Konsequenzen von Metallverknappungen in Hinblick auf Rohstoff-Gleichheit. Wenn einerseits bestimmte Schlüsselmaterialien wie Kupfer den Höhepunkt ihrer Produktion erreichen – und wir denken, dies ist der Fall – und andererseits der größte Teil dieser Materialien in Infrastrukturen im globalen Norden festgelegt ist, dann ist eine Gleichheitsperspektive nur unter der Bedingung aufrechtzuerhalten, dass es zu einer physischen Umverteilung von Metallbeständen des globalen Nordens zugunsten des Südens kommt. Dieser Umstand stellt die kapitalistische Produktionsweise grundsätzlich in Frage, ebenso wie staatliche Politiken, die deren Logik von Konkurrenz und einseitigem Wachstum reproduzieren und absichern.

Unser Artikel umreißt folglich die Eckpunkte einer Postwachstums-Perspektive auf dem Gebiet von Metallpolitiken. Neue institutionelle Arrangements sind sicherlich vonnöten, um die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Allerdings legen wir den Schwerpunkt auf die sozialen Voraussetzungen für Rohstoff-Gleichheit und jene Institutionen, die eine Verwirklichung dieser Zielsetzung unterstützen können. Wir argumentieren, dass diese Voraussetzungen zunächst einmal vor allem in sozialen Kämpfen gegen neue Bergbauprojekte wurzeln, im Norden wie im Süden. Darüberhinaus spricht aus unserer Sicht vieles dafür, dass eine Transformation kapitalistischer Betriebe in demokratischere Formen der Produktion notwendig sein wird, um den subjektiven und objektiven Bedingungen der kommenden großen sozial-ökologischen Transformation zu entsprechen.

Im Folgenden präsentieren wir die Originalversion des Artikels, die bei Antipode eingereicht worden ist. Die dank der hilfreichen Kommentare von zwei anonymen Reviewerinnen oder Reviewern sowie der Redaktion revidierte Fassung ist hier verfügbar, oder auf Nachfrage bei den Autoren. Bei Interesse an der veröffentlichten Version, und falls diese nicht über Universitätsbibliotheken zugänglich sein sollte, bitte eine email an andreas.exner ÄT aon.at. Soll die Arbeit zitiert werden, so bitten wir ausschließlich die in Antipode veröffentlichte Version heranzuziehen.

Hier steht die eingereichte, pre-review Version des Artikels als pdf zum Download bereit.

Die Zusammenfassung in deutscher Übersetzung:

In den letzten Jahren wurde die strategische Bedeutung bestimmter Metalle für staatliche Geopolitiken des globalen Nordens deutlich. Während ein Wandel hin zu erneuerbaren Energieträgern und eine Steigerung der Energieeffizienz für die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern von erheblicher Bedeutung sein dürfte, erhöht sich damit die Abhängigkeit von Metallen. Den Ausgangspunkt des Artikels bildet die wahrscheinliche Verfügbarkeit von Metallen in der näheren Zukunft. Die Analyse widmet sich im Anschluss den politischen Fragestellungen, die sich ergeben, wenn die geologischen Basisdaten sozialer Entwicklung an den Peripherien des kapitalistischen Weltsystems in den Blick genommen werden. Die Ungleichheit der Metallbestände, zukünftige Metallbedarfe und daraus folgende politische Herausforderungen werden am Beispiel Kupfer diskutiert. Der Schlussabschnitt untersucht regulative Erfordernisse angesichts vielfacher Limitierungen von Metallextraktion. Der Fokus dieses Abschnitts liegt auf den Voraussetzungen einer sozial legitimen Transition zu einem erneuerbaren Energiesystem in einer kommenden Periode weltweiten Postwachstums.

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