NEU: Messung regionaler Resilienz gegenüber Versorgungsgrenzen bei fossilen Rohstoffen

von Andrea*s Exner

Vor Kurzem ist unser Artikel zur Messung regionaler Resilienz im Kontext sozial-ökologischer Transformation am Beispiel Österreich im renommierten Fachmagazin Energy Policy erschienen. Darin geht es um die Frage, welche Faktoren die flexible Krisenfestigkeit angesichts eines Peak Oil-Szenarios ausmachen. Und wie in Hinblick auf solche Faktoren die Regionen Österreichs abschneiden. Unser Ansatz wurde in einem Projekt im Auftrag des Klima- und Energiefonds entwickelt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die mittlere Resilienz von Gemeinden in Österreich gegenüber Peak Oil ist moderat
  • Der Unterschied zwischen Resilienzwerten von Gemeinden ist gering
  • Es gibt statistisch signifikante Resilienzunterschiede zwischen Raumtypen
  • Weniger urbane Raumtypen zeigen höhere Resilienz
  • Politische Maßnahmen sollten die Faktoren der Resilienz mit den geringsten Werten zuerst verbessern

Neu an unserer Studie ist

  • die Ausrichtung der Frage der Krisenfestigkeit an einem Peak Oil-Szenario
  • die Begründung der Indikatoren von Resilienz in ausgewiesenen theoretischen Überlegungen und Bezügen
  • die Anwendung eines breiten und detaillierten statistischen Materials zu Indikatoren der Resilienz
  • die Messung von Resilienz im Vergleich zu einem best practice-Wert
  • die Interpretation anhand von Raumtypen unterschiedlichen Urbanisierungsgrades.

Der Artikel kann noch bis 4. März gratis hier downgeloadet werden. Der Link zur kostenpflichtigen Version des Artikels ist hier abzurufen.

Abstract

Resilience has become a prominent concept to understand system vulnerabilities and flexible ways of adapting to crises. Recently, it gained importance in discussions about the possible peak in oil production (peak oil) and its consequences, which might affect economic performance, social well-being and political stability, and thus also the energy transition to a low-carbon economy. The paper presents a new way of measuring resilience as absolute resilience related to a best practice-model of a resilient society. The resilience model is grounded in explicit theoretical assumptions. All indicators are justified by theoretical and empirical arguments. We present a case study of Austrian municipalities and broader-scale spatial types, which were defined according to their degree of urbanization. The mean resilience of Austrian municipalities is moderate, the difference between resilience values of municipalities is small. Significant differences between spatial types exist. Higher resilience is displayed by less urbanized types due to a higher share of agricultural activities and a more favorable level of GDP per capita. Austria has considerable latitude to improve resilience. Corresponding policies should target resilience components with the lowest values first. A sole focus on regionalization is not recommended. These conclusions are applicable to OECD countries in general.

 

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Keine Integration für niemand. Alles für alle!

von Andrea*s Exner

Seit der weltweiten Finanzkrise 2008 eruptieren die krassen sozialen Ungleichheiten einer Gesellschaft, die von Kapitalismus, Sexismus und Rassismus geprägt ist, in fortschreitend brutaleren Konflikten. Die Spaltung in Arm und Reich nimmt immer weiter zu. Die vom sozialen Abstieg erfassten so genannten Mittelschichten tendieren politisch nach Rechts und zur Abschottung.

Das kapitalistische Wirtschaftssystem saugt in noch erhöhtem Maße Ressourcen aus dem globalen Süden. Die Verschlechterung der menschlichen Lebensgrundlagen wird weiter vorangetrieben. Dies alles zum Nutzen insbesondere der schmalen Schicht an superreichen Männern weltweit. Allgemein jedoch zum Nutzen auch der arm Gemachten in Ländern wie Österreich und Deutschland. Zwar sinkt der Anteil der Arbeitseinkommen am gesamten Volkseinkommen dort beständig seit Jahrzehnten. Doch dies kompensieren bis dato zu einem Teil die Waren, die von Billigarbeitskräften und mit kostengünstigen Naturressourcen hergestellt werden. Dazu zählt an wesentlicher Stelle Erdöl.

Diverse Versuche einer nachholenden Modernisierung im ehemaligen Staatskapitalismus sowjetischer Prägung wie in den Staaten des arabischen Raums sind an der Weltmarktkonkurrenz gescheitert ebenso wie am Konflikt mit den USA. Die verallgemeinerte Konkurrenz, die der Kapitalismus egal welcher ideologischer Vorzeichen tief in die von ihm geprägte Gesellschaft eingelassen hat, ist schon lange nicht mehr Teil einer Wachstumsperspektive mit steigenden Löhnen bei Vollbeschäftigung und einer scheinbar verheißungsvollen Zukunft. Sie brutalisiert sich folglich im Kampf um künstlich verknappte Güter und Dienstleistungen. Kooperation oder die Hoffnung darauf, doch die Oberhand im Konkurrenzkampf zu behalten, wird immer häufiger religiös verbrämt, oder nationalistisch begründet – oder beides zugleich. Religion beziehungsweise Nationalismus spiegeln eine Einheit von tatsächlich tief in Arm und Reich, in Herrschende und Beherrschte gespaltene Gesellschaften vor. Religion und Nationalismus erscheinen attraktiv, weil damit die Hoffnung auf eine Stärkung der Konkurrenzfähigkeit und die Stärkung einer Gruppe, die andere ausschließen und ausbeuten darf, verbunden wird.

Diese enorm besorgniserregende, sozusagen zweigleisige Entwicklung zeigt sich insbesondere in den Verliererinnenschichten, bei den Abstiegsgefährdeten und im immer größeren Kreis der Abgehängten. Die Zusammenrottung von orientierungslosen Menschen, die sich noch dazu bedroht fühlen, unter der deutschen, österreichischen oder sonst einer Staatsflagge auf der einen Seite, oder im Namen des Islamischen Staates auf der anderen geschieht auf Basis von ein- und demselben Mechanismus – freilich auf sehr unterschiedlichen Niveaus der psychischen Verelendung, der direkten Gewalt und der materiellen Güterausstattung. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sowohl der fundamentalistische Islam wie auch der Nationalismus der EU-Staaten beide Ausgeburten eines einzigen kapitalistischen Weltsystems sind. Beide wollen mit brutalen Mitteln die Abschottung einer selbsterklärt überlegenen Kultur gegen „die Anderen“ bewirken. Während die Schergen des Islamischen Staates (ebenso wie das bei der EU wohlgelittene Saudi-Arabien) Köpfe abschlagen, lässt die EU die vor solchen Höllen Flüchtenden im Mittelmeer ertrinken oder in Lagern verkommen.

Die Sichtweise, der fundamentalistische Islam hätte etwas mit vorkapitalistischen Zuständen zu tun, führt völlig in die Irre. Sie ist freilich eine bequeme Lebenslüge all jener, die nach wie vor an die kulturelle Überlegenheit des so genannten Westens glauben und keinen Grund erkennen wollen ihre eigene Denk- und Lebensweise zu hinterfragen. Eins bildet sich mächtig etwas auf die so genannte Aufklärung ein und vergisst, dass Kant keineswegs aus purem Zufall Rassist war und Sexist. Eins vergisst, dass die Aufklärung auf den Scheiterhaufen der Hexenverbrennungen entstand und kaum etwas anderes war als die ideologische Begleitmusik des entstehenden Kapitalismus, wie John Holloway es formulierte. Eins vergisst, dass Aufklärung immer schon Herrschaft über die Natur und als „anders“ und „rückständig“ definierte „Völker“ legitimierte – die Grundlagen also genau jenes Systems der Unterdrückung und Ausbeutung mit geschaffen hat, das sich für die meisten Menschen dieses Planetens als eine Hölle auf Erden entpuppt hat. Eins vergisst, dass sexualisierte Gewalt eine Alltagserfahrung auch von vielen als Frauen geltenden Menschen in hiesigen Breiten ist. Und dass kein als Mann geltender Mensch gegen die westlichen Kleidervorschriften verstoßen darf ohne schwerwiegend diskriminiert zu werden. Eins vergisst, dass die Menschen im so genannten Westen nicht weniger normiert sind als jene im Islamischen Staat. Nur dass sich hierzulande die Identifikationen unterscheiden: “eigenverantwortlich”, “kreativ”, “teamfähig”, “leistungsorientiert”, “konkurrenzstark”, “beschäftigungsfähig” gelten den meisten als erstrebenswert. Das macht sie indes nicht weniger repressiv. Wer ins Treffen führen wollte, dass die nicht Eigenverantwortlichen, die Unkreativen, die nicht Leistungsorientierten und so weiter doch immerhin nicht getötet würden, verkennt den sozialen Tod, den diese erleiden – und den physischen, der den nicht Normierten droht, durch deutlich verringerte Lebenserwartung nämlich, die direkt aus der soziale Ungleichheit resultiert. Immer schon galt als besonders nobles Zeichen westlicher Zivilisation, dass sie einen guten Teil ihrer Morde nicht mit bloßer Hand mehr ausführt. Und auch diese Noblesse ist historisch äußerst brüchig. Die Eugenik, der Sozialdarwinismus, der Diskurs der nutzlos Essenden, all dies ist entweder bereits fester Bestandteil der europäischen Gesellschaften, oder droht sich zu etablieren, wird jedenfalls schon vorbereitet und kann bei der nächsten Krisenverschärfung abgerufen werden.

Die so genannten westlichen Werte, die nach dem Dafürhalten vieler auf der Aufklärung gründen sollen, bräuchten freilich gar nicht derart weitgehend kritisiert werden. Sie delegitimieren sich selbst, wo das Demonstrationsrecht ausgesetzt oder eingeschränkt wird wie in Frankreich oder Spanien, Praktiken einer neuen Apartheid Einzug halten oder verschärft werden wie neuerdings besonders krass in Deutschland und der Staat immer weitere Teile der Gesellschaft erfasst, kontrolliert und unterdrückt – was für ganz Europa gilt ebenso wie etwa für die USA.

Die EU-Staaten befinden sich unzweifelhaft in einer Entwicklung zu immer autoritäreren Herrschaftsgebilden. Sie folgen nur mehr der Ideologie einer Verteidigung des so genannten Wohlstands, der auf einer immer weiter verschärften Ausbeutung im In- wie Ausland beruht.

In dieser historischen Situation verhärten sich auch die öffentlichen Diskurse. Bekannte Linke verfassen Pamphlete, deren Schlussfolgerungen aus der Feder des österreichischen Außenministers Sebastian Kurz stammen könnten. Bekannte Feministinnen rufen zum Kampf der Kulturen auf als spräche Samuel Huntigton aus ihnen. Immer neue Abscheulichkeiten werden ins Werk gesetzt, von der Ausweisung krimineller Ausländerinnen und der Beraubung jener, die der Staat ins Verderben abschiebt bis hin zur Errichtung neuer Grenzzäune, die der EU-Todesaußengrenze sekundieren sollen. Die Abscheulichkeiten werden ergänzt durch lachhafte Maßnahmen der so genannten Integration.

Gegen diesen hinterhältigen Angriff aus Borniertheit, Verlogenheit, Unmenschlichkeit und selbstinteressierter Dummheit bedarf es dringend einer menschlichen Perspektive. Diese kann nur gegen Kapitalismus, Rassismus, Sexismus und den damit verbundenen Staat gewonnen werden.

Eine solche Perspektive kann sich nur aus vielen Stimmen zusammensetzen und benötigt eine Reihe von Elementen: neue Formen so genannter Wirtschaft, einen neuen Bezug zu Körper und Gefühlen und ein anderes Verhältnis zur Natur, Strukturen umfassender Kooperation und neuen Arten der politischen Aushandlung und einer Konfliktkultur, die sich jenseits der herrschenden Frontstellungen von „Westen“ gegen „Islam“ entwickeln muss, die sinnlos und gemeingefährlich sind.

An dieser Stelle seien einige Positionen in aller Kürze aufgeführt, die einer solchen Perspektive beigesellt werden sollten, in der Hoffnung, den Raum des Denkmöglichen zu erweitern. Sie heben Denkverbote auf. Sie verweigern sich der erzwungenen Eingemeindung in ebenso unterdrückerische wie fantastische Kollektive wie „der Westen“, „Österreich“, „Deutschland“ und so weiter.

Diese Positionen sind:

1. Integration ist abzulehnen und beständig zu unterminieren und zu hintertreiben. Es gibt keine einheitliche „Kultur“, in die sich ein Individuum integrieren kann. Es soll dies auch nicht anstreben. Einheitliche „Kulturen“ sind eine Illusion, und eine höchst gefährliche noch dazu. Die in Europa aufgewachsenen Menschen sollten sich stattdessen des Umstands erinnern, dass ihr „Wohlstand“ historisch unter anderem wesentlich auf den Errungenschaften des alten China und des arabischen Raums beruht. In religiöser Hinsicht ist Europa ein Fortsatz des Nahen Ostens, in geographischer ein Anhängsel Asiens. Ohne den arabischen Raum wäre Europa historisch ziemlich wenig, und das gilt in Hinblick auf Ressourcen weiterhin.

2. Alle Menschen haben das Recht ihr Glück anzustreben – und dies an jedem Ort dieser Welt, der ihnen dafür geeignet erscheint. Die Menschheit ist insgesamt und historisch gesehen eine einzige Migrationsbewegung. Nationale Grenzen beruhen auf tödlicher Gewalt, stiften einen auf der Korruption durch Billigimporte basierenden Konsens der arbeitenden Klasse mit dem Kapital, und sind folglich illegitim. Die mit Gewalt gehemmte Migration – die immer bestehen bleiben wird – hemmt den Ausgleich illegitimer, auf Gewalt beruhender Reichtumsunterschiede. Die Trennung zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen ist illegitim. Der Kapitalismus ist ein permanenter Kriegszustand, der als Frieden gilt. Jeder Mensch hat das Recht, sich seinen Lebensstandard durch Migration in eine reichere Region zu verbessern. Immerhin wird auf diese Weise ein Teil des entzogenen und vorenthaltenen Reichtums von den Erniedrigten und Beraubten wieder angeeignet. Es ist genug für alle da.

3. Die Zuschreibung von Identitäten wie „Inländerin“ oder „Migrantin“ ist abzulehnen. Sie dienen zu nichts außer zur Unterdrückung.

4. Der Staat ist zurückzubauen und durch Strukturen freiwilliger Kooperation zu ersetzen. Die Funktion des Staates ist im Kern Herrschaft und Ausschluss. Weder Bildungs- noch Gesundheitseinrichtungen oder sonst eine Art von Infrastruktur hat je des Staates bedurft.

5. Auf allen Ebenen ist für soziale Gleichheit, also die Aufhebung von Rangunterschieden einzutreten.

6. Alle Gefolgschaften sind aufzukündigen, allenfalls pragmatisch aufrechtzuerhalten. Keine Askese ist verlangt, sondern eine subversive Umwendung aller Verhältnisse, wo immer das möglich ist. Die Hand, die füttert, darf gebissen werden.

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Köln, die Medien & die Heuchelei

Der beste mir bekannt gewordene Kommentar zu einer unsäglichen Debatte. Und treffende Kommentare sind mir erschreckend wenige bekannt geworden. Reblogging via fadegrad

von fadegrad [via]

Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, nicht von Ethnien.

Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, nicht von Ethnien.

Zwei Vergewaltigungen (die gleiche Frau, zwei Täter), unzählige sexuelle Übergriffe und das trotz über 2000 Polizeieinsätzen … oh, sorry, das war nicht Köln, das war das Müncher Oktoberfest 2015. Gerade mal 3 1/2 Monate her und schon vergessen.

Damals gabs keine Sonderberichterstattung. Es gab keine Aussagen wie «Mit dem kulturellen Hintergrund war sowas ja zu erwarten. Die leben faktisch noch im Mittelalter, reine Machokultur». All die Journalistinnen und Journalisten, die sich jetzt «für die Opfer stark machen», verurteilten nicht ganz Bayern, oder jeden Lederhosenträger. Sie machten sich nicht mal die Mühe, die Mechanismen hinter den Übergriffen zu hinterfragen oder nur schon aufzuzeigen. Es gab keine politischen Sondersessionen, keine betrübt wirkenden Politiker zischten wütende Sätze in die Kameras der gespannt wartenden Presse.

Versteht mich nicht falsch: Ich will die Übergriffe in Köln nicht mit denen in München entschuldigen. Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, immer und überall. Da gibts nichts zu entschuldigen. Arschlöcher haben keine Nationalität, sondern nur ein Verhalten.

Mir gehts nicht um die Täter, um die soll sich der Rechtsstaat kümmern. Mir gehts um die politische und wirtschaftliche Instrumentalisierung der Übergriffe von Köln. Damit lassen sich Menschen mobilisieren, damit lässt sich hetzen – und nicht zuletzt: Damit lässt sich in den Medien Geld verdienen.

Jede dritte Frau in Europa musste sexuelle Gewalt erleben, jede Frau hat Erfahrungen mit Situationen, die an sexuelle Übergriffe grenzen. Am 25. November war der Tag gegen Gewalt an Frauen. Keine der grösseren Newsplattformen brachte eine grössere Geschichte zu diesen Millionen von Frauen. Das sind die ganz alltäglichen Opfer. Offenbar sind die nicht so interessant, weil sie sich nicht so gut verkaufen lassen wie die Horden aus Nordafrika.

Niemand spricht von kulturellem Defizit, niemand fordert stärkere Massnahmen. Seit 1992 ist Vergewaltigung in der Ehe in der Schweiz strafbar, seit 2004 ein Offizialdelikt. Seit 2004!

Und genau die Kräfte, die zur Zeit am stärksten gegen eine ganze ethnische Gruppe hetzen, haben sich damals geschlossen gegen den Straftatbestand der Vergewaltigung in der Ehe ausgesprochen. Kulturelles Defizit, my ass.  Wenn man böse wäre, könnte man behaupten, die Täter von Köln hätten sich ganz gut in unsere Kultur und unseren Umgang mit Frauen integriert.

Und jetzt werfen sich Leute heroisch in die Brust, um Frauen zu schützen, deren  Rechte ihnen an den restlichen 364 Tagen total am Arsch vorbeigehen.

Also, erzählt mir keinen verfluchten Scheiss, ihr besorgten Bürger. Es geht euch einen Dreck um die Frauen. Ihr wittert eine Möglichkeit, die Straftaten der Arschlöcher von Köln zu euren Zwecken zu nutzen und missbraucht die Opfer gleich nochmals. Einfach mit euren widerlichen populistischen Organen.

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Studie: Solidarische Ökonomie in Österreich

von Andrea*s Exner [via]

Im Auftrag von Südwind habe ich eine Studie zur Solidarischen Ökonomie in Österreich erstellt. Die Arbeit erfolgte im Rahmen des EU-Projekts SUSY – Sustainable and Solidarity Economy. Die Studie steht als Langfassung und als Kurzfassung auf Deutsch bereit. Die Kurzfassung gibt es auch auf Englisch. Siehe dafür auch die Projektlinks für Lang- und Kurzfassung.

Sie beinhaltet

1. eine Abgrenzung des für das Thema Solidarische Ökonomie charakteristischen Transformationsdiskurses

2. eine Systematisierung von Sichtweisen und Erfahrungen wichtiger Akteur*innen zum Thema

3. einen selektiven Überblick solidarökonomischer Initiativen in Österreich

4. persönliche Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen auf Basis der Studienergebnisse.

Zusammenfassung

Aus 27 Interviews zum Thema ergibt sich: Solidarische Ökonomie ist kein fest definierter Gegenstand. Die Bedeutung Solidarischer Ökonomie liegt in der Perspektive einer umfassenden gesellschaftlichen Transformation. Diese Transformation geht von Nischen aus, in denen Menschen darauf zielen gleichberechtigt, demokratisch, solidarisch, für die ganze Welt und kommende Generationen verantwortlich miteinander umzugehen. Dazu zählen etwa Food Coops, Kostnixläden, Volxküchen und gemeinschaftliches Wohnen. Die Bewegung für Ernährungssouveränität, für das Recht von Menschen über ihre Lebensmittelproduktion und Ernährung selbst bestimmen zu können, ist ein gutes Beispiel für Solidarische Ökonomie als Transformationsbewegung. Die Nischen existieren im Rahmen eines Herrschaftssystems: von Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und anderen Formen der Ungleichheit und Rücksichtslosigkeit. Die Nischen sind widersprüchlich und können nur Teilbereiche für sich besser regeln als im System üblich. Solidarische Ökonomie aus ihren Widersprüchen heraus weiterzuentwickeln ist der Motor der Transformation. Dabei müssen Projekte multipliziert, Attraktivität für breitere Schichten der Gesellschaft entfaltet und Unterstützung für Initiativen organisiert werden. Entscheidend ist der Kontext einer sozialen Bewegung, die Raum für Austausch und eine beständige (selbst)kritische Reflexion der eigenen Praxis bietet. Längerfristig sind eine Politisierung und die Stärkung der sozialen Bewegungen für Solidarische Ökonomien entscheidend. Sie müssen Ressourcen vom Staat einfordern, konventionelle in solidarökonomische Betriebe überführen helfen und verschiedene Formen der solidarischen Vernetzung zwischen Initiativen und Betrieben entwickeln. Ziel ist der eigenständige Aufbau neu definierter Regionen in einem wirtschaftsdemokratischen Kontext.

Als persönliche Wertung ergibt sich: Momentan bestehen Wissensdefizite in der Diskussion zu Solidarischer Ökonomie. Wissen über die Erfolgsbedingungen solidarökonomischer Betriebe sollte stärker vermittelt werden, ebenso wie das Wissen über angepasste Rechtsformen Solidarischer Ökonomien. Soziale Absicherung, eine betriebsrätliche Interessensvertretung und demokratische (z. B. soziokratische) Organisationsmodelle können im Rahmen einer Genossenschaft umgesetzt werden, unabhängig von der Belegschaftsgröße.

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Gemeinschaftsgärten als räumlicher Ausdruck von Organisationsstrukturen

von A. Exner und I. Schützenberger [via]

Abstract:

Der Artikel untersucht Gemeinschaftsgärten in Wien unter dem Blickwinkel einer grundlegenden Transformation der Matrix des gegenwärtigen urbanen Raums hin zu einem differenziellen Raum (Lefebvre). Dies geschieht, indem wir anhand von acht Fallstudien Projekte mit unterschiedlich starkem staatlichem Einfluss vergleichen. Wir untersuchen, inwiefern die lokalstaatlich beeinflussten Gärten Anforderungen an die Lesbarkeit sozial-räumlicher Verhältnisse durch den Staat erkennbar verkörpern, und sich damit in die Matrix des abstrakten, bürokratisch geprägten Raums bruchlos einfügen. Im Gegensatz dazu zeigen die vom Staat nicht direkt beeinflussten Gärten einen geringeren Grad von Lesbarkeit und widersprechen der umgebenden Raummatrix deutlicher. Wir arbeiten heraus, dass Gärten, in denen der staatliche Einfluss stärker ist, in ihrem Binnenraum sowie im Vergleich miteinander homogener sind als Gärten, in denen staatlicher Einfluss keine oder eine geringe Rolle spielt. Es wird deutlich, dass eine bloße Ästhetisierung des Raums über die Markierung von Differenzen für eine Überwindung des abstrakten Raums nicht ausreicht.

Weiterlesen hier.

Referenz:

Exner, Andreas; Schützenberger, Isabelle (2015): Gemeinschaftsgärten als räumlicher Ausdruck von Organisationskulturen. Erkundungen am Beispiel Wien. sub/urban 3 (3), S. 51-74. http://www.zeitschrift-suburban.de/sys/index.php/suburban/article/view/203/345

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Commons: ein nomadisierender Begriff im Wandel von Bedeutungsfeldern. Anmerkungen zur theoretischen Analyse des Werks von Elinor Ostrom und linksalternativer Bezüge darauf

von Andreas Exner [via]

In der neuen Nummer der Zeitschrift “Emanzipation” ist ein Artikel von mir erschienen, der das Werk von Elinor Ostrom zu der Funktionsweise von Commons kritisch analysiert.

Volltext hier.

Hier das abstract:

Der Artikel untersucht die Bedeutung des Begriffs der Commons aus der Perspektive der Theorie kollektiver Selbstorganisation zur Nutzung von Allmenderessourcen von Elinor Ostrom. Dieser Ansatz ist in der linksalternativen Commonsdebatte prominent. Der Ansatz von Elinor Ostrom wird auf sein spezifisches Erkenntnisinteresse hin befragt und die Architektur ihres theoretischen Gebäudes dargestellt. Ostrom steigert die Komplexität vorangegangener Theorien rationaler Wahl durch die Berücksichtigung von kulturellen, psychologischen und sozialen Faktoren. Dem Erklärungsmodus des Paradigmas rationaler Wahl, das Institutionen aus individuellen Kosten-Nutzen-Kalkülen ableitet und deren Messbarkeit voraussetzt, wird dies jedoch nicht gerecht. Die linksalternative Debatte unterscheidet sich von diesem Paradigma durch eine weitgehende Ablehnung seiner Kernannahmen. Dennoch sind die meisten Bezüge auf Ostrom in dieser Debatte positiv. Neben einer Schwäche der Rezeption zeichnet für diese Paradoxie der Entwicklungsstand genuin linksalternativer Theoriebildungen zu Fragestellungen der Commonsdebatte verantwortlich.

Schlüsselworte: Commons, Institution, Kapitalismus, rationale Wahl

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Ö1-Sendung zum Projekt Green Urban Commons: “Soziales Grün. Parks und Freiräume als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen.”

[via]

Städtisches Gartenprojekt Am 17. Juni strahlt Ö1 in der Sendereihe “Dimensionen. Welt der Wissenschaft” ab 19.05 ein Interview von Ilse Huber mit Projektmitarbeiter Andreas Exner zu Gemeinschaftsgärten in Wien aus.

Aus der Sendungsbeschreibung:

Grün- und Freiräume in Wien unterliegen permanenten Veränderungen. Abhängig von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft wandeln sich die Ansprüche, aber auch die Nutzungen im öffentlichen Raum. Das lässt sich nicht nur in der gebauten Szenerie der Stadt erkennen, sondern auch in den weichen Stadtformen. Die vielen “grünen” Initiativen sind an der Stadt nicht spurlos vorübergegangen, siehe Gemeinschaftsgärten, urbane Ernteflächen oder bepflanzte Baumscheiben. Historische Plätze, aber auch ganz gewöhnliche Freiflächen befinden sich in permanenter Transformation.

Wie sich eine Gesellschaft verändert, lässt sich auch an dem Erscheinungsbild von Gärten und Parks ablesen. Das wird zumindest in einigen Wiener Forschungsprojekten untersucht. Sie legen ihren Schwerpunkt auf die Wechselwirkung Gesellschaft, Zeit und Raum. Wie das alles zusammenhängt, fasst Ilse Huber zusammen.

 

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+ + + RESILIENZ GEGENÜBER ENERGIEKRISEN + + + ÖSTERREICH IM MITTELFELD + + + SUFFIZIENZ UND SUBSISTENZ SIND WICHTIG

PR Aussendung zum Abschluss des KLIEN-Projekts „Resilienz Österreich“

+ + + RESILIENZ GEGENÜBER ENERGIEKRISEN + + + ÖSTERREICH IM MITTELFELD + + + SUFFIZIENZ UND SUBSISTENZ SIND WICHTIG

Klagenfurt und Wien, 15.6. 2015

Das vom Österreichischen Klima- und Energiefonds (KLIEN) der Österreichischen Bundesregierung geförderte Forschungsprojekt „Resilienz Österreich“ untersuchte, wie krisenfest die österreichischen Regionen angesichts mittelfristig weltweit rückläufiger Erdölförderung (Stichwort „Peak Oil“) sind. Die Projektergebnisse sind nun auf http://www.umweltbuero-klagenfurt.at/resilienz/ verfügbar. Beteiligt waren EB&P Umweltbüro GmbH, energieautark consulting gmbH, Energy Economics Group (TU Wien), Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung (BOKU-IRUB), DI Dr. Rosemarie Stangl, ÖGUT GmbH, Institut für Multilevel Governance and Development (WU), Bundesanstalt Statistik Österreich (Statistik Austria).

Sowohl der Klimaschutz als auch die Erdölknappheit nach dem Gipfelpunkt der Erdölförderung machen die Energiewende hin zu erneuerbaren Energieträgern[1] unausweichlich. Erdölknappheit kann diese jedoch zugleich erschweren, da Erdöl ein wichtiger Input jener Infrastruktur ist, die zur Produktion erneuerbarer Energieträger erforderlich ist. Zudem hängen Wirtschaftswachstum und daran gebundene Investitionen bislang von Erdöl ab.

Die Ergebnisse zeigen: Die Resilienz als flexible Krisenfestigkeit der österreichischen Regionen liegt im Mittelfeld. Zwar ist der Unterschied in der Resilienz zwischen den urbanen bis ländlichen Regionstypen in Österreich eher gering, dennoch lassen sich spezifische Stärken und Schwächen ausmachen. Während Städte Vorteile bezüglich energiesparender Lebensstile und Wirtschaftsweisen haben, können ländliche Räume durch ein großes Angebot an erneuerbaren Energien und die lokale bzw. regionale Nahrungsmittelproduktion punkten.

Bei einer unterschiedlichen Ausgangsbasis für Resilienzstrategien haben die Regionen Österreichs deutliches Potenzial zur Verbesserung: Eine geringe Resilienz weist erwartungsgemäß der Verkehrssektor auf. Verkehrssparende Siedlungsentwicklung, die das zu Fuß gehen und Radfahren erleichtert, und ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr würden die Resilienz erhöhen. In urbanen Räumen ist die Abhängigkeit von fossiler Wärmeversorgung derzeit problematisch. Die Dichte und Qualität menschlicher Beziehungen (Sozialkapital) dürfte in ländlichen Räumen besser ausgeprägt sein und Resilienz erhöhen. Die massive Abhängigkeit der Nahrungsmittelproduktion von fossilen Energiequellen ist sehr problematisch. Resilienzstrategien sollten die Lebensqualität anstelle quantitativen Wachs­tums ins Zentrum rücken. Lebensqualität hängt nicht nur von der Wirtschaftsleistung ab.

Besonders problematisch ist ein alleiniger oder hauptsächlicher Fokus auf ökonomische Effizienz. Diese führt zu einer übertriebenen Spezialisierung, die eine Grundversorgung mit überwiegend regionseigenen Mitteln im Krisenfall erschweren kann. Redundante und daher weniger effiziente Systeme sind resilienter, d.h. krisenfester. Subsistenzmöglichkeiten und eine Orientierung am rechten Maß (Suffizienz) sollten gestärkt werden.

PR-Rückfragen: Mag. Andreas Exner –+43-0699 12 72 38 87, andreas.exner@umweltbuero.at, andreas.exner@aon.at

[1] Brennbare Abfälle, Brennholz, Biogene Brenn- und Treibstoffe, Umgebungswärme, Wasserkraft, Wind, PV.

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Inseln im kapitalistischen Meer? Nicht alle Formen alternativer Landwirtschaft hinterfragen die Eigentumsordnung

[via ak - analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 605 / 19.5.2015]

von Andreas Exner

Linksalternative Kreise erproben vermehrt Wege aus der industriellen Landwirtschaft. In Abgrenzung zum konventionellen Biolandbau geht es dabei auch um die Reorganisation sozialer Verhältnisse in der Landwirtschaft.

Solidarische Landwirtschaft, Community-Supported Agriculture oder Community-Made Agriculture, Food-Coops und Gemeinschaftsgärten bezeichnen prominente Konzepte und konkrete Organisationstypen, die unter anderem den Anspruch verfolgen, den Bezug zur Produktion von Lebensmitteln sowie zu deren Verteilung neu zu gestalten.

Community-Supported Agriculture (CSA) meint eine Landwirtschaft, die von einer Gemeinschaft von Konsumierenden unterstützt wird (siehe den Beitrag auf Seite 27). Als Community-Made Agriculture bezeichnen sich manche kollektive Landwirtschaftsprojekte mit Selbstversorgungsfokus. Food-Coops sind meist Initiativen von Konsumierenden, die mit unbezahlten Eigenleistungen eine sozial verträgliche und umweltgerechte Landwirtschaft abseits von und in Opposition zu Supermärkten etablieren wollen.

Gemeinschaftsgärten verfolgen vielfältige Zielsetzungen, die allerdings häufig auch eine Neuordnung des Bezugs zu Lebensmitteln und pflanzenbaulicher Produktion umfassen, zusammen mit einer stärker kollektiven Organisation von gartenbaulicher Tätigkeit. All diese Aktivitäten können als Komponenten einer Perspektive solidarischer Landwirtschaft verstanden werden.

Das Ideal kleinbäuerlicher »Unabhängigkeit«

Die industrielle, von Supermärkten dominierte Landwirtschaft ist integraler Bestandteil des Kapitalismus, auch wenn die landwirtschaftlichen Betriebe selbst nicht unbedingt kapitalistisch, das heißt unter Einsatz von Lohnarbeit, produzieren. Wesentlich aber ist die Produktion auf Grundlage von Privateigentum, was eine Abhängigkeit von Märkten mit sich bringt und eine auf Profit hin orientierte Produktion ermöglicht.

Die Rolle von Privateigentum freilich wird in der linksalternativen Debatte vergleichsweise wenig beleuchtet und ist Gegenstand konträrer Perspektiven. Vielfach beruhen Visionen einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die von einem guten Teil der Bewegungen für Ernährungssouveränität propagiert werden, auf einer »kleinen Warenproduktion« auf Basis von Privateigentum an Produktionsmitteln.

So schreiben solche Visionen das Kernelement des Kapitalismus fort. Sie tendieren dann zur Annahme, dass es eine Produktionsweise mit Privateigentum und Markt, aber ohne Profitorientierung und Kapitalismus geben könnte. Damit verbindet sich mitunter auch eine Ablehnung des gesellschaftlichen Charakters der Produktion im Kapitalismus, in gewisser Hinsicht etwa, wenn ein Ideal kleinbäuerlicher »Unabhängigkeit« gegen das »Subventionswesen« in Anschlag gebracht wird.

Solche Komponenten einer Kritik der industriellen Landwirtschaft können verschiedene Bedeutungen transportieren. Eine davon ist eine Kritik staatlicher Herrschaft, eine andere allerdings auch das kleinbürgerliche Ideal eines von gesellschaftlichen Steuerungsmechanismen »unbehelligten« und scheinbar »nur auf der eigenen Hände Arbeit« beruhenden Agierens am Markt.

Initiativen solidarischer Landwirtschaft thematisieren zumindest implizit die Eigentumsfrage in einem etwas weiterreichenden Sinn als die Vorstellung einer kleinbäuerlichen Warenproduktion und eine primär auf das Privateigentum bezogene Interpretation von Ernährungssouveränität. Dabei sind zwei Ebenen zu unterscheiden: das Eigentum an Produktionsmitteln und das Eigentum an den Konsumgütern, den Lebensmitteln.

Kollektivistische Projekte einer Community-Made Agriculture tendieren dazu, Arbeitsleistung und Ernte zu entkoppeln oder den Zusammenhang zu lockern. Mitunter, freilich keineswegs durchgehend betonen solche Projekte auch den nichtkommerziellen Charakter ihrer Aktivitäten. Damit ist gemeint, dass sie den Verkauf ihrer Produkte ausschließen und Menschen oder Projekte, die nicht zur Arbeit am Feld beigetragen haben oder beitragen können, mit einem gewissen Teil der Ernte versorgen.

Viele Gemeinschaftsgärten verfügen über kollektive Produktionsflächen, die häufig frei nach Maßgabe von Bedürfnissen beerntet werden können. Allerdings dominieren in diesen Initiativen meist individuelle Parzellen. Manche CSA-Gruppen lockern den Zusammenhang zwischen Bezahlung und individueller Bezugsmenge. In solchen Fällen kommt es also zu einer ansatzweisen Veränderung von Eigentumsverhältnissen auf der Ebene des Zugangs zu Lebensmitteln.

Diese Veränderungen bleiben freilich beschränkt – sei es durch den fehlenden kollektiven Willen, wirklich zu einer deutlichen Umverteilung von Kaufkraft zwischen den Konsumierenden zu kommen, sei es, weil der Zugang zu den Projekten sehr selektiv ist, wodurch diese sozial relativ einheitlich sind und Nischencharakter haben.

Kollektivierung von Produktion und Landbesitz

Auch auf der Ebene des Zugangs zu Produktionsmitteln gibt es Ansätze einer praktischen Hinterfragung der kapitalistischen und der kleinbäuerlichen Eigentumsordnung als eines Teils der kapitalistischen Produktionsweise, die frühere Allmenden vielfach privatisiert und den Charakter bäuerlicher Produktion seit dem Feudalismus tiefgreifend verändert hat. Solche Bestrebungen sind in der Regel seltener als Veränderungen auf der Konsumseite.

Food-Coops betreiben Lagerräume kollektiv, diese werden allerdings zumeist angemietet. CSAs kollektivieren manche Aspekte der Produktion, allen voran das Risiko der Ernte. Dies geschieht jedoch auf eingeschränkte und potenziell problematische Weise, weil die Konsumierenden nun einem weiteren Risiko ausgesetzt werden anstelle einer übergreifenden, gesellschaftlichen Regulierung der Produktionsrisiken in Form von Versicherungen.

Selbst wo die formelle Privateigentumsordnung in CSAs aufrechterhalten bleibt, tendieren diese in einigen Fällen allerdings zu einer Aufweichung dieser Ordnung und der damit einhergehenden Trennung von Produzierenden und Konsumierenden. Dies ist vermutlich eher dann der Fall, wenn die Betriebe ohne substanzielle Finanz- und Arbeitsleistungen der Konsumierenden nicht marktfähig wären und daher Macht an die Konsumierenden abgeben müssen und auch teilen wollen.

Initiativen wie die französischen AMAPs (Verbrauchervereinigungen für die Beibehaltung der bäuerlichen Landwirtschaft) und vergleichbare Bestrebungen etwa in Österreich und Deutschland gehen demgegenüber einen Schritt weiter und kollektivieren Landbesitz in Gestalt von Stiftungen oder Vereinen. Hier gilt es allerdings zu fragen, ob sich lediglich ein neuer Privateigentümer (etwa in Form einer Stiftung) etabliert, der Pacht von den Produzierenden verlangt, auch wenn die Pacht geringer sein mag als am Bodenmarkt, und der kaum Mitsprache bei Entscheidungen ermöglicht. Oder ob es sich um substanziell kollektivistische Projekte handelt, welche die Egalität aller Beteiligten in Entscheidungsprozessen anstreben, die die gemeinschaftlich verwalteten Flächen und andere Produktionsmittel betreffen.

Wie an diesen Beispielen zu sehen ist, treffen Versuche einer Veränderung von Eigentumsverhältnissen in der alternativen Landwirtschaft auf mannigfaltige Hindernisse. In demselben Maße, wie solche Versuche kleine Brüche mit der Marktwirtschaft darstellen, werden sie immer auch dadurch limitiert, dass die Lebensreproduktion bisher von eben dieser Wirtschaftsweise abhängig ist.

Andreas Exner lebt in Graz und arbeitet zu den Themen Ökologie, solidarische Ökonomie und Commons.

 

 

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CROSSROADS: Festival für Dokumentarfilm und Diskurs. 03.-13.06. 2015, FORUM STADTPARK, Graz

Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden sozial-ökologischen Krise und fortschreitenden Entdemokratisierung lädt das Forum Stadtpark mit der vierten Ausgabe des Crossroads Festivals erneut zur Auseinandersetzung mit entscheidenden Entwicklungen der Gegenwart ein. Neben aktuellen Krisenfolgen macht die Auswahl prämierter Dokumentarfilme vor allem auch Menschen, Initiativen und Bewegungen sichtbar, die sich für gesellschaftliche Alternativen und ein gutes Leben für Alle einsetzen. Mit beeindruckenden Bildern werden inspirierende Geschichten erzählt, die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und zum Aktivwerden ermutigen.

Filmgespräche im Anschluss an die Screenings ermöglichen es, persönlich mit Filmemacher_innen und Protagonist_innen ins Gespräch zu kommen und die in den Filmen behandelten Themen zu diskutieren. Zusätzliche Diskursformate mit kritischen Denker_innen und Aktivist_innen vervollständigen das Programm und laden zur Partizipation ein. Diese kann im Rahmen verschiedener Workshops, Exkursionen und Vernetzungstreffen weiter vertieft werden. Interessierte können Gleichgesinnte kennenlernen und den nächsten Schritt zum gemeinsamen Handeln machen.

Themenschwerpunkte:
- Klimawandel und Energiewende (3.-6.6.)
- Zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährungssouveränität (6.-7.6.)
- Brennpunkte der sozial-ökologischen Krise (8.6.)
- Frauen und der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit (9.6.)
- Mensch-Tier-Beziehungen (10.6.)
- Festung Europa (11.6.)
- Wirtschaftskrise, Gegenstrategien, Alternativen (12.6.)

Eintritt frei! Freiwillige Unkostenbeiträge sehr willkommen!

http://crossroads-festival.org/


CROSSROADS

Festival for documentary film and discourse

JUNE 3rd – 13th, 2015

FORUM STADTPARK, Graz, Austria

Crossroads warmly invites you to engage with current social, ecological, economic and political developments. As the global socio-ecological crisis intensifies (think climate change, peak everything, economic and social disintegration, etc.) and governments fail to bring about the transformations we need, our program focuses on the courageous people and inspiring movements and initiatives who fight for social justice and for the preservation of our natural means of livelihood worldwide.

A selection of award-winning films offers the audience intimate insight into personal and collective efforts to make the world a better place. Impressive stories about the most important issues of our times are told with arresting images. The festival’s aim is not only to raise awareness, but also to empower people to get active and join the struggle for a sustainable future in which everybody is able to live well.

Many film screenings are followed by q&a sessions and debates with filmmakers, protagonists, activists and critical thinkers to deepen the engagement with the issues covered in the films. Additional talks, panel discussions, teach-ins and workshops complete our program.

Topics:
– Climate Change & Energy Struggles (June 3rd-6th)
– Food Sovereignty, Solidarity Agriculture & Urban Gardening (June 6th-7th)
– Confronting the Socio-ecological Crisis (June 8th)
– Wimmin* & Gender Justice (June 9th)
– Human-animal Relations (June 10th)
– Fortress Europe (June 11th)
– Economic Crisis, Counter-Strategies, Alternatives (June 12th)

Free Entry! Donations very welcome!

http://crossroads-festival.org/en/

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