Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Überlegungen zur Subjektkultur

Andreas Exner

Der inspirierende Workshop von Stefan Meretz und mir bei der Ferienuni “Kritische Psychologie” dieses Wochenende in Berlin hat einige Debattenstränge freigelegt, die weiterzuverfolgen von großem Interesse sein wird. Der Workshop war mit etwa 50 Leuten recht gut besucht. Die Ferienuni und das Commoning-Umfeld, das sie für mich spürbar tönte, empfand ich als ausgesprochen angenehm.

Hier stehen die Folien meiner Präsentation zum Download bereit.

Die darin skizzierten Gedanken sind als vorläufige zu verstehen. Sie sollen weitere Untersuchungen anleiten. Aufgrund der Komplexität der Fragestellungen und der Fülle an aufzuarbeitendem Material würde sich die Thematik für ein kollektives Forschungsvorhaben eignen. Dieses wäre in loser Kooperation oder wechselseitigem Verweis vielleicht stärker voranzubringen als auf individueller Basis.

Die Präsentation von Stefan Meretz wird, verbunden mit der meinen sowie einer Tonaufzeichnung unserer Kurzvorträge in Bälde auf keimform.de erscheinen.

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Bread in 1848 Vienna. The Role of a Staple Food in Revolutionary Uprisings of the 19th Century

Andreas Exner & Marielle Zuk

Complete study to be downloaded here.

Abstract:

Our analysis of the uprisings of 1848 has allowed us to develop a body of observations we believe may be applied to future studies of uprisings both past and present. By taking a staple food such as bread as the focus of our research, we were able to analyze and describe certain social, economic, and political factors of the uprising without deviating from the core issue that food is of great importance to human activity. The particular human activity under scrutiny in this report is the uprisings of 1848 Vienna, which, as we have seen, cannot be evaluated simply as a middle-class, bourgeois push for liberal democratic reform. Without the revolutionary muscle of the lower classes and petty bourgeoisie, these uprisings arguably would have had a weaker, and decidedly different character. The lower classes and petty bourgeoisie were spurred to action by a variety of factors and circumstances, yet the fact that affordable food was not accessible to many stands out as a primary factor.

Yet, as reiterated throughout this paper, class and gender constructions are not sociologically uniform and are manifested and experienced by individuals with differing levels of significance. Thus, by focusing on bread, rather than a particular social class or gender, we were able to describe and explore the heterogeneity within these socially-constructed categories and produce scholarship we hope will be considered nuanced and cognizant of the multiplicitly of experiences triggered by events and trends and how these experiences may in turn, effect future courses of action.

Our decision to pair literature sources written many years after the events with an analysis of widely-circulated newspapers issued during the time allowed us to see how our hunches and hypotheses played out in the popular media, thus enabling us to see how events, processes and trends were portrayed to contemporaries. The fact that the year surveyed included both periods of intense censorship and periods of relatively free press allowed us a measure of valuable insight into what the absolutist government believed to be newsworthy and what the newspapers themselves valued as news. The analysis of the newspaper also showed a lack of information about the working class and their issues and interests, which indirectly bolsters our conclusion that issues of survival and hunger were relevant only to a certain portion of participants in the uprisings.

The uprisings of 1848 in Vienna were the result of a confluence of factors. They represented a call for change, a call for recognition and representation, a call for modern politics, and a call for the maintenance of a moral economy as much as they represented a call for food and basic survival.

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Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Ferienuni Kritische Psychologie, Berlin. Tag/Zeit: Freitag, 19.9.2014, 16:00–18:00 Uhr

Beschreibung:

Die uns gefühlt so vertraute Gesellschaft des Kapitalismus ist das Produkt einer Geschichte der Veränderung von Produktionsweisen und damit auch des Selbstverständnisses und -erlebens der Menschen. Diese Geschichte ist für den Bereich der Produktion gut bekannt. Weniger bekannt und diskutiert ist jedoch die Herausbildung der Liebes- und Gefühlswelt, die den Kapitalismus charakterisiert.

Die (heterosexuelle) Mononorm war und ist nicht immer schon die bestimmende Art des Liebens und der leiblichen Begegnung. Das zeigen Geschichte und Kulturvergleich. Diese Norm wird im Alltag fortwährend aktiv reproduziert. Allerdings können sich auch Abweichungen davon in Gestalt neuer Selbstverständnisse und Erlebensweisen stabilisieren, die Beziehungsformen beeinflussen oder verändern. So wirkt die Mononorm zwar weiter, wird inzwischen jedoch nach verschiedenen Seiten hin aufgelöst. Ein Stichwort dazu ist Polyamorie.

Wir wollen fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und der mononormativen Beziehungsweise gibt; und wenn ja, wie dieser Zusammenhang begriffen werden kann. Dazu gehört auch die Frage, wie sich Beziehungsweisen im Verhältnis zu bestimmten Phasen der kapitalistischen Entwicklung verstehen lassen, namentlich vom Fordismus der Nachkriegszeit zum Post-Fordismus seit den 1980er Jahren.

Diese Fragestellungen skizzieren mehr ein mögliches kollektives Forschungsprogramm als einen Kanon fixer Antworten.

Wir wagen uns damit auf ein offenes Terrain und hoffen auf einen achtsamen Umgang damit im Workshop.

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Verkaufte Zukünfte? Gobale Metallverfügbarkeit und ökonomisches Wachstum an den Peripherien: Verteilung und deren Regulation in einer Postwachstums-Perspektive

von Andreas Exner

In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Antipode veröffentlichten Artikel untersuchen Christian Lauk, Werner Zittel und ich die möglichen Konsequenzen von Metallverknappungen in Hinblick auf Rohstoff-Gleichheit. Wenn einerseits bestimmte Schlüsselmaterialien wie Kupfer den Höhepunkt ihrer Produktion erreichen – und wir denken, dies ist der Fall – und andererseits der größte Teil dieser Materialien in Infrastrukturen im globalen Norden festgelegt ist, dann ist eine Gleichheitsperspektive nur unter der Bedingung aufrechtzuerhalten, dass es zu einer physischen Umverteilung von Metallbeständen des globalen Nordens zugunsten des Südens kommt. Dieser Umstand stellt die kapitalistische Produktionsweise grundsätzlich in Frage, ebenso wie staatliche Politiken, die deren Logik von Konkurrenz und einseitigem Wachstum reproduzieren und absichern.

Unser Artikel umreißt folglich die Eckpunkte einer Postwachstums-Perspektive auf dem Gebiet von Metallpolitiken. Neue institutionelle Arrangements sind sicherlich vonnöten, um die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Allerdings legen wir den Schwerpunkt auf die sozialen Voraussetzungen für Rohstoff-Gleichheit und jene Institutionen, die eine Verwirklichung dieser Zielsetzung unterstützen können. Wir argumentieren, dass diese Voraussetzungen zunächst einmal vor allem in sozialen Kämpfen gegen neue Bergbauprojekte wurzeln, im Norden wie im Süden. Darüberhinaus spricht aus unserer Sicht vieles dafür, dass eine Transformation kapitalistischer Betriebe in demokratischere Formen der Produktion notwendig sein wird, um den subjektiven und objektiven Bedingungen der kommenden großen sozial-ökologischen Transformation zu entsprechen.

Im Folgenden präsentieren wir die Originalversion des Artikels, die bei Antipode eingereicht worden ist. Die dank der hilfreichen Kommentare von zwei anonymen Reviewerinnen oder Reviewern sowie der Redaktion revidierte Fassung ist hier verfügbar, oder auf Nachfrage bei den Autoren. Bei Interesse an der veröffentlichten Version, und falls diese nicht über Universitätsbibliotheken zugänglich sein sollte, bitte eine email an andreas.exner ÄT aon.at. Soll die Arbeit zitiert werden, so bitten wir ausschließlich die in Antipode veröffentlichte Version heranzuziehen.

Hier steht die eingereichte, pre-review Version des Artikels als pdf zum Download bereit.

Die Zusammenfassung in deutscher Übersetzung:

In den letzten Jahren wurde die strategische Bedeutung bestimmter Metalle für staatliche Geopolitiken des globalen Nordens deutlich. Während ein Wandel hin zu erneuerbaren Energieträgern und eine Steigerung der Energieeffizienz für die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern von erheblicher Bedeutung sein dürfte, erhöht sich damit die Abhängigkeit von Metallen. Den Ausgangspunkt des Artikels bildet die wahrscheinliche Verfügbarkeit von Metallen in der näheren Zukunft. Die Analyse widmet sich im Anschluss den politischen Fragestellungen, die sich ergeben, wenn die geologischen Basisdaten sozialer Entwicklung an den Peripherien des kapitalistischen Weltsystems in den Blick genommen werden. Die Ungleichheit der Metallbestände, zukünftige Metallbedarfe und daraus folgende politische Herausforderungen werden am Beispiel Kupfer diskutiert. Der Schlussabschnitt untersucht regulative Erfordernisse angesichts vielfacher Limitierungen von Metallextraktion. Der Fokus dieses Abschnitts liegt auf den Voraussetzungen einer sozial legitimen Transition zu einem erneuerbaren Energiesystem in einer kommenden Periode weltweiten Postwachstums.

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Sold Futures? The Global Availability of Metals and Economic Growth at the Peripheries: Distribution and Regulation in a Degrowth Perspective

by Andreas Exner

In a new paper recently published online by the journal Antipode, Christian Lauk, Werner Zittel and me investigate the possible consequences of metal scarcities in view of what we term raw material equality. If certain key materials such as copper are approaching their peak of production – and we think this is the case -, and if the largest share of these materials is fixed in infrastructures of the global North, then a perspective of equality can only be upheld by considering a physical redistribution of metal stocks to the benefit of the South. This puts fundamentally into question the capitalist mode of production and state policies tied to its logics of competition and one-sided growth.

Thus, in our paper, we outline the cornerstones of a de-growth perspective in terms of metal policies. New institutional arrangements will undoubtedly be necessary for tackling the challenge at hand. However, we rather put emphasis on the social conditions for raw material equality and institutions that support the realization of this goal. We think that these conditions primarily are rooted in social struggles against new mining projects in the North and the South alike. Furthermore, we suggest that transforming capitalist firms to more democratic types of enterprises will be necessary to meet the subjective and objective requirements of the coming great socio-ecological transformation.

In the following, we present the original version of the paper as it was submitted to Antipode. The revised version, thanks to helpful comments of two anonymous reviewers and the editor, is available here or upon request from the authors. Please consider writing an email if you are interested in the published version and are not able to download it via university libraries at andreas.exner ÄT aon.at – in case you want to cite our work, please use the published version of the article as accessible via Antipode only.

Here you can download the submitted, pre-review version of the paper as a pdf file.

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Urban Gardening – zwischen privat und öffentlich

[via ORF Science, 30.5.2014]

Im Folgenden ein Bericht zu unserem Forschungsprojekt “Green Urban Commons“, wo es unter anderem um Gemeinschaftsgärten geht, aus der Sicht einer Journalistin.

Ob in New York, London, Graz oder Wien, die landwirtschaftliche Nutzung von städtischen Flächen wird immer begehrter. Gleichzeitig wird der Zugang zu Land durch zunehmende Privatisierung aber immer schwieriger. Wie Urban Gardening den öffentlichen Raum in einer Stadt verändert, damit beschäftigt sich gerade ein Forschungsprojekt in Wien. Continue reading

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Linksradikaler Menschenverstand: im Kurier?

von Andreas Exner

Dass ich mich weitgehend einer Meinung mit der Tageszeitung Kurier wähne, dürfte nicht allzu oft der Fall sein. Immerhin befindet sich das Blatt im Mehrheitseigentum des Raiffeisenkonzerns. Diesmal aber doch. Hingewiesen freilich sei, dass ich der Staatsanwaltschaft, anders als Kurier-Kommentatorin Doris Knecht, nicht trauen würde. Zur Erinnerung: Eine Demonstrantin wurde in Medienberichten zitiert, schwanger gewesen zu sein und aufgrund von Misshandlungen durch die Polizei ihr Kind verloren zu haben. Dies wurde einige Zeit später von der Staatsanwaltschaft bestritten. Die Frau sei nicht schwanger gewesen. Und die Medien kolportierten die Meinung der Staatsanwaltschaft. Da wäre indes noch auf seriösere Quellen zu warten. Stichworte “Operation Spring”, “Tierrechtsprozess” und “Schlepperprozess”.

Davon abgesehen bleibt mir momentan nur eine Frage: ist der Kommentar von Doris Knecht nun linksradikal, gesunder Menschenverstand; oder ist letzterer schlicht das erstere? Wie auch immer. Der Kommentar im Kurier zu dem erneut unglaublich brutalen Polizeieinsatz in Wien gegen die antifaschistischen Demonstrierenden, die ein Zeichen gegen den Aufmarsch der rechtsextremen “Identitären” setzen, sei an dieser Stelle wiedergegeben. Continue reading

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Zugang zu Land: Flächenfreikauf und gemeinsame Landwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zum Workshop der Initiative Flächenfreikauf und des Hofkollektiv Wieserhoisl. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen.

Von Initiative Flächenfreikauf und Hofkollektiv Wieserhoisl

Immer mehr Menschen hinterfragen die übliche Art der Landwirtschaft. Anstelle des Einkaufs im Supermarkt entstehen Projekte gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft. Zugleich werden auch neue Wege des Zusammenlebens beschritten. Anstelle der isolierten, auf sich zurückgeworfenen Kleinfamilie bilden sich Kollektive gemeinsamen Arbeitens und Lebens. Was diese Ansätze eint, ist nicht nur das Ziel eines guten Lebens. Sie stoßen alle auch an die Grenzen des Privateigentums. Continue reading

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CROSSROADS: Festival für Dokumentarfilm und Diskurs 21.05. – 01.06. 2014 – FORUM STADTPARK, Graz

CROSSROADS: Festival für Dokumentarfilm und Diskurs

21.05. – 01.06. 2014 – FORUM STADTPARK, Graz

Vor dem Hintergrund der sich weiter verschärfenden sozial-ökologischen Krise und gesellschaftlichen Polarisierung lädt das Forum Stadtpark mit der dritten Ausgabe des Crossroads Festivals erneut zur Auseinandersetzung mit entscheidenden Entwicklungen der Gegenwart ein. Neben aktuellen Krisenfolgen macht die Auswahl prämierter Dokumentarfilme vor allem auch Menschen, Initiativen und Bewegungen sichtbar, die sich für gesellschaftliche Alternativen und ein gutes Leben für Alle einsetzen. Mit beeindruckenden Bildern werden inspirierende Geschichten erzählt, die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und zum Aktivwerden ermutigen. Continue reading

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Solidarische Ökonomie der Commons – Ausweg aus dem Wachstumsgetriebe der Marktwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zu meinem Workshop. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen.

von Andreas Exner

Weltweit dominiert die kapitalistische Produktionsweise das Leben der Menschen. Sie unterliegt einem Drang und Zwang zum Wachstum, der sozial und ökologisch verheerend ist. Anders als historisch ältere Formen von Wirtschaft, die zum Teil Märkte inkludierten, ist die kapitalistische Produktionsweise wesentlich Marktwirtschaft. Sogar die Lebenszeit wird zur Ware.

In einer Marktwirtschaft haben die Produkte zweifache Gestalt: Sie sind Gebrauchswerte mit konkretem Nutzen und zugleich abstrakter ökonomischer Wert, der sich im Geld ausdrückt. Reichtum erscheint also in doppelter Form. Abstrakter Reichtum ist eine allgemeine Form des Reichtums, Geld verkörpert pure soziale Macht. Als solche dominiert Geld die Gebrauchswerte. Die Produktion hat daher die Erzielung von Geldgewinn zum Zweck, nicht die Befriedigung konkreter Bedürfnisse. Diese ist notwendige Bedingung, nicht aber zureichender Zweck der kapitalistischen Produktion. Continue reading

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