Mononorm und Konstitution des Kapitalismus. Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Workshop von Stefan Meretz und Andreas Exner

Ferienuni Kritische Psychologie, Berlin. Tag/Zeit: Freitag, 19.9.2014, 16:00–18:00 Uhr

Beschreibung:

Die uns gefühlt so vertraute Gesellschaft des Kapitalismus ist das Produkt einer Geschichte der Veränderung von Produktionsweisen und damit auch des Selbstverständnisses und -erlebens der Menschen. Diese Geschichte ist für den Bereich der Produktion gut bekannt. Weniger bekannt und diskutiert ist jedoch die Herausbildung der Liebes- und Gefühlswelt, die den Kapitalismus charakterisiert.

Die (heterosexuelle) Mononorm war und ist nicht immer schon die bestimmende Art des Liebens und der leiblichen Begegnung. Das zeigen Geschichte und Kulturvergleich. Diese Norm wird im Alltag fortwährend aktiv reproduziert. Allerdings können sich auch Abweichungen davon in Gestalt neuer Selbstverständnisse und Erlebensweisen stabilisieren, die Beziehungsformen beeinflussen oder verändern. So wirkt die Mononorm zwar weiter, wird inzwischen jedoch nach verschiedenen Seiten hin aufgelöst. Ein Stichwort dazu ist Polyamorie.

Wir wollen fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und der mononormativen Beziehungsweise gibt; und wenn ja, wie dieser Zusammenhang begriffen werden kann. Dazu gehört auch die Frage, wie sich Beziehungsweisen im Verhältnis zu bestimmten Phasen der kapitalistischen Entwicklung verstehen lassen, namentlich vom Fordismus der Nachkriegszeit zum Post-Fordismus seit den 1980er Jahren.

Diese Fragestellungen skizzieren mehr ein mögliches kollektives Forschungsprogramm als einen Kanon fixer Antworten.

Wir wagen uns damit auf ein offenes Terrain und hoffen auf einen achtsamen Umgang damit im Workshop.

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Verkaufte Zukünfte? Gobale Metallverfügbarkeit und ökonomisches Wachstum an den Peripherien: Verteilung und deren Regulation in einer Postwachstums-Perspektive

von Andreas Exner

In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Antipode veröffentlichten Artikel untersuchen Christian Lauk, Werner Zittel und ich die möglichen Konsequenzen von Metallverknappungen in Hinblick auf Rohstoff-Gleichheit. Wenn einerseits bestimmte Schlüsselmaterialien wie Kupfer den Höhepunkt ihrer Produktion erreichen – und wir denken, dies ist der Fall – und andererseits der größte Teil dieser Materialien in Infrastrukturen im globalen Norden festgelegt ist, dann ist eine Gleichheitsperspektive nur unter der Bedingung aufrechtzuerhalten, dass es zu einer physischen Umverteilung von Metallbeständen des globalen Nordens zugunsten des Südens kommt. Dieser Umstand stellt die kapitalistische Produktionsweise grundsätzlich in Frage, ebenso wie staatliche Politiken, die deren Logik von Konkurrenz und einseitigem Wachstum reproduzieren und absichern.

Unser Artikel umreißt folglich die Eckpunkte einer Postwachstums-Perspektive auf dem Gebiet von Metallpolitiken. Neue institutionelle Arrangements sind sicherlich vonnöten, um die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Allerdings legen wir den Schwerpunkt auf die sozialen Voraussetzungen für Rohstoff-Gleichheit und jene Institutionen, die eine Verwirklichung dieser Zielsetzung unterstützen können. Wir argumentieren, dass diese Voraussetzungen zunächst einmal vor allem in sozialen Kämpfen gegen neue Bergbauprojekte wurzeln, im Norden wie im Süden. Darüberhinaus spricht aus unserer Sicht vieles dafür, dass eine Transformation kapitalistischer Betriebe in demokratischere Formen der Produktion notwendig sein wird, um den subjektiven und objektiven Bedingungen der kommenden großen sozial-ökologischen Transformation zu entsprechen.

Im Folgenden präsentieren wir die Originalversion des Artikels, die bei Antipode eingereicht worden ist. Die dank der hilfreichen Kommentare von zwei anonymen Reviewerinnen oder Reviewern sowie der Redaktion revidierte Fassung ist hier verfügbar, oder auf Nachfrage bei den Autoren. Bei Interesse an der veröffentlichten Version, und falls diese nicht über Universitätsbibliotheken zugänglich sein sollte, bitte eine email an andreas.exner ÄT aon.at. Soll die Arbeit zitiert werden, so bitten wir ausschließlich die in Antipode veröffentlichte Version heranzuziehen.

Hier steht die eingereichte, pre-review Version des Artikels als pdf zum Download bereit.

Die Zusammenfassung in deutscher Übersetzung:

In den letzten Jahren wurde die strategische Bedeutung bestimmter Metalle für staatliche Geopolitiken des globalen Nordens deutlich. Während ein Wandel hin zu erneuerbaren Energieträgern und eine Steigerung der Energieeffizienz für die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern von erheblicher Bedeutung sein dürfte, erhöht sich damit die Abhängigkeit von Metallen. Den Ausgangspunkt des Artikels bildet die wahrscheinliche Verfügbarkeit von Metallen in der näheren Zukunft. Die Analyse widmet sich im Anschluss den politischen Fragestellungen, die sich ergeben, wenn die geologischen Basisdaten sozialer Entwicklung an den Peripherien des kapitalistischen Weltsystems in den Blick genommen werden. Die Ungleichheit der Metallbestände, zukünftige Metallbedarfe und daraus folgende politische Herausforderungen werden am Beispiel Kupfer diskutiert. Der Schlussabschnitt untersucht regulative Erfordernisse angesichts vielfacher Limitierungen von Metallextraktion. Der Fokus dieses Abschnitts liegt auf den Voraussetzungen einer sozial legitimen Transition zu einem erneuerbaren Energiesystem in einer kommenden Periode weltweiten Postwachstums.

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Sold Futures? The Global Availability of Metals and Economic Growth at the Peripheries: Distribution and Regulation in a Degrowth Perspective

by Andreas Exner

In a new paper recently published online by the journal Antipode, Christian Lauk, Werner Zittel and me investigate the possible consequences of metal scarcities in view of what we term raw material equality. If certain key materials such as copper are approaching their peak of production – and we think this is the case -, and if the largest share of these materials is fixed in infrastructures of the global North, then a perspective of equality can only be upheld by considering a physical redistribution of metal stocks to the benefit of the South. This puts fundamentally into question the capitalist mode of production and state policies tied to its logics of competition and one-sided growth.

Thus, in our paper, we outline the cornerstones of a de-growth perspective in terms of metal policies. New institutional arrangements will undoubtedly be necessary for tackling the challenge at hand. However, we rather put emphasis on the social conditions for raw material equality and institutions that support the realization of this goal. We think that these conditions primarily are rooted in social struggles against new mining projects in the North and the South alike. Furthermore, we suggest that transforming capitalist firms to more democratic types of enterprises will be necessary to meet the subjective and objective requirements of the coming great socio-ecological transformation.

In the following, we present the original version of the paper as it was submitted to Antipode. The revised version, thanks to helpful comments of two anonymous reviewers and the editor, is available here or upon request from the authors. Please consider writing an email if you are interested in the published version and are not able to download it via university libraries at andreas.exner ÄT aon.at – in case you want to cite our work, please use the published version of the article as accessible via Antipode only.

Here you can download the submitted, pre-review version of the paper as a pdf file.

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Urban Gardening – zwischen privat und öffentlich

[via ORF Science, 30.5.2014]

Im Folgenden ein Bericht zu unserem Forschungsprojekt “Green Urban Commons“, wo es unter anderem um Gemeinschaftsgärten geht, aus der Sicht einer Journalistin.

Ob in New York, London, Graz oder Wien, die landwirtschaftliche Nutzung von städtischen Flächen wird immer begehrter. Gleichzeitig wird der Zugang zu Land durch zunehmende Privatisierung aber immer schwieriger. Wie Urban Gardening den öffentlichen Raum in einer Stadt verändert, damit beschäftigt sich gerade ein Forschungsprojekt in Wien. Continue reading

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Linksradikaler Menschenverstand: im Kurier?

von Andreas Exner

Dass ich mich weitgehend einer Meinung mit der Tageszeitung Kurier wähne, dürfte nicht allzu oft der Fall sein. Immerhin befindet sich das Blatt im Mehrheitseigentum des Raiffeisenkonzerns. Diesmal aber doch. Hingewiesen freilich sei, dass ich der Staatsanwaltschaft, anders als Kurier-Kommentatorin Doris Knecht, nicht trauen würde. Zur Erinnerung: Eine Demonstrantin wurde in Medienberichten zitiert, schwanger gewesen zu sein und aufgrund von Misshandlungen durch die Polizei ihr Kind verloren zu haben. Dies wurde einige Zeit später von der Staatsanwaltschaft bestritten. Die Frau sei nicht schwanger gewesen. Und die Medien kolportierten die Meinung der Staatsanwaltschaft. Da wäre indes noch auf seriösere Quellen zu warten. Stichworte “Operation Spring”, “Tierrechtsprozess” und “Schlepperprozess”.

Davon abgesehen bleibt mir momentan nur eine Frage: ist der Kommentar von Doris Knecht nun linksradikal, gesunder Menschenverstand; oder ist letzterer schlicht das erstere? Wie auch immer. Der Kommentar im Kurier zu dem erneut unglaublich brutalen Polizeieinsatz in Wien gegen die antifaschistischen Demonstrierenden, die ein Zeichen gegen den Aufmarsch der rechtsextremen “Identitären” setzen, sei an dieser Stelle wiedergegeben. Continue reading

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Zugang zu Land: Flächenfreikauf und gemeinsame Landwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zum Workshop der Initiative Flächenfreikauf und des Hofkollektiv Wieserhoisl. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen.

Von Initiative Flächenfreikauf und Hofkollektiv Wieserhoisl

Immer mehr Menschen hinterfragen die übliche Art der Landwirtschaft. Anstelle des Einkaufs im Supermarkt entstehen Projekte gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft. Zugleich werden auch neue Wege des Zusammenlebens beschritten. Anstelle der isolierten, auf sich zurückgeworfenen Kleinfamilie bilden sich Kollektive gemeinsamen Arbeitens und Lebens. Was diese Ansätze eint, ist nicht nur das Ziel eines guten Lebens. Sie stoßen alle auch an die Grenzen des Privateigentums. Continue reading

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CROSSROADS: Festival für Dokumentarfilm und Diskurs 21.05. – 01.06. 2014 – FORUM STADTPARK, Graz

CROSSROADS: Festival für Dokumentarfilm und Diskurs

21.05. – 01.06. 2014 – FORUM STADTPARK, Graz

Vor dem Hintergrund der sich weiter verschärfenden sozial-ökologischen Krise und gesellschaftlichen Polarisierung lädt das Forum Stadtpark mit der dritten Ausgabe des Crossroads Festivals erneut zur Auseinandersetzung mit entscheidenden Entwicklungen der Gegenwart ein. Neben aktuellen Krisenfolgen macht die Auswahl prämierter Dokumentarfilme vor allem auch Menschen, Initiativen und Bewegungen sichtbar, die sich für gesellschaftliche Alternativen und ein gutes Leben für Alle einsetzen. Mit beeindruckenden Bildern werden inspirierende Geschichten erzählt, die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und zum Aktivwerden ermutigen. Continue reading

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Solidarische Ökonomie der Commons – Ausweg aus dem Wachstumsgetriebe der Marktwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zu meinem Workshop. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen.

von Andreas Exner

Weltweit dominiert die kapitalistische Produktionsweise das Leben der Menschen. Sie unterliegt einem Drang und Zwang zum Wachstum, der sozial und ökologisch verheerend ist. Anders als historisch ältere Formen von Wirtschaft, die zum Teil Märkte inkludierten, ist die kapitalistische Produktionsweise wesentlich Marktwirtschaft. Sogar die Lebenszeit wird zur Ware.

In einer Marktwirtschaft haben die Produkte zweifache Gestalt: Sie sind Gebrauchswerte mit konkretem Nutzen und zugleich abstrakter ökonomischer Wert, der sich im Geld ausdrückt. Reichtum erscheint also in doppelter Form. Abstrakter Reichtum ist eine allgemeine Form des Reichtums, Geld verkörpert pure soziale Macht. Als solche dominiert Geld die Gebrauchswerte. Die Produktion hat daher die Erzielung von Geldgewinn zum Zweck, nicht die Befriedigung konkreter Bedürfnisse. Diese ist notwendige Bedingung, nicht aber zureichender Zweck der kapitalistischen Produktion. Continue reading

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Commons und der Zugang zu Land

Workshop „Gemeingüter“, Input zum Nyéléni Forum Österreich, 13. – 17. April 2014

[via kärnöl, ÖIE]

von Andreas Exner

Die Vielfachkrise von Ernährung, Energie und Klima, des Sozialen und der Demokratie hängt eng mit dem Kapitalismus zusammen. Die Land- und Ernährungsfrage ist ein integraler Bestandteil dieses Krisenkomplexes. Ernährungssouveränität bedeutet in meinem Verständnis ganz wesentlich, Wege aus diesen vielfachen Krisen zu finden. Dafür ist ein gewisses Verständnis des Kapitalismus notwendig. Unter Kapitalismus verstehe ich eine Wirtschaftsweise, die auf Isolation, Konkurrenz und einem zerstörerischen Wachstum beruht. Zerstörerisch ist dieses Wachstum, weil es am Profit orientiert ist und nicht am konkreten Bedürfnis. Continue reading

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Urbane Gärten – ein Schritt zur Ernährungssouveränität? Überlegungen am Beispiel Wien

[aus: Widerspruch 64: 111-119, Themenheft zu Ernährung - Agribusiness oder Agrikultur. Download als pdf hier.]

von Andreas Exner & Isabelle Schützenberger

Der Diskurs des urbanen Gärtnerns verspricht viel, von Demokratisierung, gesellschaftlicher Integration und Gemeinschaftsbildung bis hin zu einer Steigerung des Gesundheitsbewusstseins und einer besseren Ernährung. Darüber hinaus sollen die neuen Gärten in der Stadt, so wird immer wieder angenommen, einen Schritt in Richtung Ernährungssouveränität markieren. Im Folgenden diskutieren wir diesen Anspruch am Beispiel von Wien und gehen gegen Ende auf eine weitere Perspektive ein, in deren Rahmen sich urbanes Gärtnern verorten könnte.

«Das urbane Gärtnern» und seine reale Vielfalt

Denkt man an Klein- oder Schrebergärten beziehungsweise die vielfältigen Formen privater Hausgärten zeigt sich rasch, dass das Gärtnern in der Stadt an sich keine Neuerscheinung ist. Neu scheinen allerdings viele der Formen zu sein, in denen urbanes Gärtnern derzeit zunehmend Verbreitung findet: Ob Guerilla Gardening oder Gemeinschaftsgärten, Baumscheibenbegrünung oder Selbsterntefelder, Window Gardening oder Vertical Gardening – die Stadtgärten erweisen sich als erstaunlich facettenreich und unterscheiden sich nicht nur nach Grösse und in der Dauer ihres Bestehens, sondern zum Beispiel auch in Hinblick auf Zielsetzung sowie in Bezug auf die Organisationsform der GärtnerInnen und den Grad der Kooperation mit öffentlichen Institutionen oder privaten Unternehmen.

Neue Formen nimmt in vielerlei Hinsicht auch der Diskurs an, der über die Gärten geführt wird: «Der Garten in der Stadt ist ein widersprüchliches Terrain: für manche Kristallisationspunkt des privaten Glücks, für andere Experimentierfeld für eine bessere Gesellschaft – und für wieder andere sogar beides», hält Heinrich Guter fest (Guter 2012). Der Soziologin Christa Müller zufolge verbindet und verdichtet sich derzeit eine Vielzahl verschiedener Entwicklungen mit und in der neuen Hinwendung zum Gärtnern: Zum einen sieht Müller ein neues Selbstverständnis von Stadt und Urbanität in Entstehung begriffen, wobei das Verhältnis von Kultur und Natur neu verhandelt und «vergesellschaftet» werde. Zudem sind die neuen Gärten nach Müller auch Ausdruck postmoderner Ethiken: Gerade die jüngere Generation wolle nicht mehr von neokolonialen Verhältnissen profitieren und greife daher auf verschiedenste Praktiken des Selbermachens zurück. Dieses Statement sei im Weiteren auch Teil ihres Lifestyles und spiele somit eine wichtige Rolle in der Selbstverortung und auch Selbstinszenierung. Damit fungieren die städtischen Gemüsegärten nach Christa Müller als «Transmitter, Medium und Plattform» (Müller 2011, 32) für so unterschiedliche Themen wie Stadtökologie, Nachbarschaftsgestaltung, lokaler Wissenstransfer oder interkulturelle Verständigung.

Müllers Beschreibung gibt einen ersten Einblick in das weite Feld der Diskurse zu den städtischen Gärten und lässt damit erahnen, wie vielfältig die Perspektiven sind, die darin Eingang finden. Folgt man Laura Lawson, lassen sich trotz dieser innovativ erscheinenden Vielfalt allerdings einige Parallelen zu früheren Diskursen zu Urban Gardening ausmachen. Ihrer Ansicht nach ziehen sich die drei Elemente der «Rückholung» von Natur in Städte, (Aus-)Bildung bzw. Erziehung (education) und Selbsthilfe wie ein roter Faden durch die den Gärten zugeschriebenen Effekte (Lawson 2005, 8).

Neben den neuartigen Formen urbaner Gärten und der Entwicklung diesbezüglicher Diskurse ist schliesslich auch der Grad der Aufmerksamkeit bemerkenswert, die die städtischen Gärten derzeit von einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure erfahren.

Alle drei der hier angesprochenen Entwicklungen lassen sich seit einigen Jahren auch in Wien beobachten und scheinen sich in letzter Zeit zunehmend zu beschleunigen: Das erste der mittlerweile neun Selbsterntefelder (Pöltner-Roth/Kromp 2013, 7) wurde 1987 angelegt (Vogl et al. 2003). Der erste der noch bestehenden Gemeinschaftsgärten folgte rund ein Jahrzehnt später und fand vor allem in den letzten Jahren zahlreiche Nachfolger: Nach einer Liste des Vereins Gartenpolylog zu schliessen gibt es derzeit 37 Gemeinschaftsgärten in Wien, von denen rund zwei Drittel im Lauf der letzten drei Jahre entstanden sind (Gartenpolylog s. J.). Die AutorInnen zählten zudem zehn weitere Projekte. Auch Guerilla Gardening findet seit einigen Jahren zunehmend Verbreitung in Wien, was sich u.a. an der wachsenden Zahl von Gruppierungen, die sich der Aktionsform verschrieben haben, ablesen lässt (u.a. Kampolerta, KuKuma, Gartenpiraten, Grüne Welle, AG Moos). Ein Vertical-Farming-Projekt ist derzeit gerade in Planung (Vertical Farm Projekt Wien s. J.). Die Entwicklung und Verbreitung der neuen Gartentypen geht auch in Wien zusehends mit einer Intensivierung und Diversifizierung der Diskurse zum städtischen Gärtnern (durchaus auch im Sinne der von Müller identifizierten Tendenzen) und der Steigerung u.a. medialer, wissenschaftlicher und politischer Aufmerksamkeit einher. Diese manifestierte sich beispielsweise – laut der Koalitionsvereinbarung, die SPÖ und Grüne nach den Gemeinderatswahlen 2010 abgeschlossen haben (Stadt Wien s.a.a) – in der Förderung eines Gemeinschaftsgartens pro Bezirk sowie von Selbsterntefeldern und Innenhof- oder Fassadenbegrünungen.

Begriff und Diskurs der Ernährungssouveränität

Die den neuen urbanen Gärten zugeschriebenen Funktionen haben im ersten Moment tatsächlich viel mit Ernährungssouveränität zu tun. So reichen die am Nyéléni-Forum 2007 ausgearbeiteten sechs Prinzipien der Ernährungssouveränität vom «Vorrang für die Ernährung der Bevölkerung», der «Wertschätzung der LebensmittelherstellerInnen» und der «Etablierung von lokalen Produktionssystemen» bis zur «Stärkung der lokalen Kontrolle», zum «Aufbau von Wissen und Fertigkeiten» und zur «Arbeit mit der Natur» (Choplin et al. 2011, 105 ff.). Sie handeln im Kern von der Infragestellung der kapitalistischen Landwirtschaft, der Mechanismen sozial unkontrollierter Lebensmittelmärkte und einer autoritären Struktur von Agrar- und Lebensmittelpolitik.

Allerdings fällt die Antwort, was unter Ernährungssouveränität jenseits dieser allgemeinen Elemente genau zu verstehen ist, verschieden aus, je nachdem, auf welcher Ebene sie gesucht wird. Ein formalistisch-programmatischer Zugang bestünde darin, sich an einer politischen Konsensformulierung wie den genannten sechs Prinzipien zu orientieren. Ein mehr strategisch-politischer Zugang würde das weitere Akteursnetz und die jeweiligen konkreten Kämpfe der Akteure betrachten, die den Diskurs der Ernährungssouveränität entwickeln.

Weder der formalistische noch der strategische Zugang aber bekommen das inspirierende Moment von Ernährungssouveränität zu fassen, die keine utopische Perspektive darstellt, sich aber auch nicht in realen, konkreten Strategien erschöpft. Es artikuliert sich darin vielmehr «a different way of thinking about how the world food system could be organized» (Akram-Lodi 2013, 4). Man kann Ernährungssouveränität in dem Sinn als eine bestimmte Methode politischer Debatte auffassen.

Im Folgenden gehen wir der Frage nach, welchen Beitrag urbanes Gärtnern nun auf der Ebene der materiellen Produktion, des Wissens und der Kollektivität (Kommunikation, Gleichheit, Demokratie) für Ernährungssouveränität leisten kann, wenn man von politisierenden Zuschreibungen absieht und vom gesicherten Wissen ausgeht. Das heisst: Inwieweit bietet urbanes Gärtnern tatsächlich Ansatzpunkte für eine Infragestellung kapitalistischer Landwirtschaft, sozial unkontrollierter Lebensmittelmärkte und autoritärer Politiken?

Produktion
Nach Andrea Heistinger sind Gärten unter Verwendung einfacher Mittel und Methoden «auf kleinstem Raum hochproduktiv» und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Ernährungssouveränität (Heistinger 2011, 305). Allerdings ist der Ertrag nicht kommerzieller Gärten grundsätzlich schlecht dokumentiert. Ein Blick auf die Flächengrössen vor allem neuer urbaner Gärten zeigt jedenfalls, dass diese in Hinblick auf Obst- und Gemüseproduktion bisher kaum ins Gewicht fallen: Die Wiener Selbsterntefelder umfassen 80 885 m² (Pöltner-Roth/Kromp 2013), Gemeinschaftsgärten nur rund 35 400 m². Potenzial für eine Erweiterung der Flächen scheint jedoch grundsätzlich vorhanden: Nach eigener Abschätzung aus dem Grünraumbericht der Stadt Wien (Hoffert et al. 2008) kämen potenziell rund 8360 Hektar der Wiener Grünflächen für den Anbau infrage. Die Erträge innerstädtischen Gemüsebaus können beachtlich sein, wie Tomkins für London zeigte (Tomkins 2006).

Diese Möglichkeiten weiter auszuschöpfen wäre u.a. angesichts der zunehmenden Verknappung fossiler Brennstoffe und deren weitreichender Auswirkungen auf industrielle Formen der Landwirtschaft sinnvoll (siehe z.B. Exner et al. 2008; Hopkins 2008; Müller 2011; Held 2011).

Wissen und Kollektivität
Für manche der Garteninitiativen bildet die Vermittlung von Anbau- und Saatgutwissen ein zentrales Anliegen. Auch unter den individuellen Motiven der Gärtnernden nimmt der Erwerb und die Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten oftmals einen wichtigen Platz ein. Die sozialen Kontakte im Rahmen der Gärten können darüber hinaus auch einen Weg für weiterführende Diskussionen über die Gestaltung des Lebensmittelsystems eröffnen. Inwieweit dies in den Gärten tatsächlich geschieht und ob dies auch materielle Auswirkungen hat, sind aber offene Fragen. Unsere Auswertung für Wien jedenfalls zeigt, dass den Selbstdarstellungen der Garteninitiativen zufolge der überwiegende Teil der Zielsetzungen die Bereiche soziale Kohäsion und Kommunikation im Allgemeinen betrifft (41 Nennungen), nicht Fragen der Lebensmittelproduktion, die nur an zweiter Stelle rangieren (17 Nennungen), wenn man Hinweisschilder und Weblogs von Gärten auswertet.

Der Gemeinschaftsgarten als prominenter Gartentyp soll sich gerade durch seine kommunikativen Funktionen auszeichnen. Menschen unterschiedlicher sozialer Lagen sollen durch ihn egalitäre Beziehungen aufbauen. Dies wäre auch hinsichtlich der Ernährungssouveränität relevant, wenn auf diese Weise agrarpolitisches Engagement und eine Kollektivierung von Produktionsmitteln unterstützt würden. Doch ob die Kommunikationsprozesse in den Gärten wirklich einen Beitrag zu mehr sozialer Gleichheit leisten, ist nicht sicher. Die Praxis der Rotation der Gärtnernden in den Wiener Gemeinschaftsgärten steht jedenfalls einer alltagssprachlich verstandenen Gemeinschaftsbildung entgegen. Dass die Gärten als eng umgrenzte Alltagspraxen die umfassenderen Strukturen sozialer Ungleichheit an sich verändern können, ist eher zu bezweifeln.

Auch die häufig angenommene Funktion einer Demokratisierung des öffentlichen Raums ist zu hinterfragen. Es bedarf noch weiterer Forschung, um zu klären, inwieweit das urbane Gärtnern in Wien nicht (auch) als ein wesentliches Projekt der Repräsentation des lokalen Staates im öffentlichen Raum betrachten werden kann. Die Annahme, dass Gärten an sich einen Freiraum vom Staat darstellen (Heistinger 2011), gilt für viele Wiener Gemeinschaftsgärten gerade nicht. Sie sind vom lokalen Staat initiiert und reguliert, ebenso unterliegen die meisten Kleingärten einer von der Wiener Stadtregierung gesteuerten Privatisierung und Gentrifizierung.

Was das Ziel einer Vergemeinschaftung der Produktion betrifft, sind urbane Gärten ambivalent. Erstens ist die direkte Kooperation in den Gärten in Wien – wohl auch in vielen anderen Städten – vor allem auf Sitzungen und einzelne Tätigkeiten eingeschränkt. Zweitens findet eine Kollektivierung in den Gärten möglicherweise auch wenig Anreiz. Anders als in nicht agrarischen Bereichen bringt Kooperation im Fall von Gartenbau und Landwirtschaft kaum je einen Produktivitätsvorteil. Der Zeitaufwand für das Jäten etwa ist auf eine bestimmte Erntemenge pro Person bezogen konstant, gleichgültig, ob dies individuell oder kollektiv erfolgt.

Einige Akteure des urbanen Gärtnerns in Wien stellen teilweise selbst Verbindungen zu Ernährungssouveränität her. Das gilt etwa für den Gartenpolylog und die Grünstern-LoBauerInnen. Insgesamt ist der Konnex zwischen urbanen Gärten und Bewegungen für Ernährungssouveränität jedoch schwach.

Dass Gartenpraxis selbst schon als Schritt zu Ernährungssouveränität verstanden werden kann, wird im Diskurs des urbanen Gärtnerns häufig mit dem Verweis auf eine verstärkte Eigenmacht der Gärtnernden begründet (z.B. Heistinger 2011, 309). Doch ist mit einem Do-it-yourself noch nicht viel gewonnen, wenn es nicht bestimmte Umschlagspunkte überschreitet, wenn dadurch nicht entweder der Anteil der Lebensmittel aus Eigenproduktion signifikant erhöht werden kann oder dieses explizit in einen Kontext von Ernährungssouveränität eingebettet ist. Wäre die Gartenpraxis selbst schon eine Form des Widerstands gegen die industrielle Landwirtschaft, so hätte sich das in Widerständen gegen die Expansion dieser Form der Landwirtschaft zeigen müssen, was historisch nicht der Fall war. Sie müsste dann auch in Ländern, wo der subsistente Gartenbau eine grosse materielle Rolle spielt, wie in Russland, die Basis für einen solche Widerstand bieten oder als Widerstand verstanden werden. Auch das ist jedoch tatsächlich nicht zu beobachten (z.B. Spoor et al. 2013).

Schlussfolgerung und Ausblick

Ernährungssouveränität zielt auf eine Abkehr von ökologisch und sozial nicht vertretbaren Produktionsmethoden, die Entwicklung einer nicht kommerziellen oder jedenfalls nicht profitorientierten Landwirtschaft und ein «Basic Food Income» als Umsetzung des Rechts auf Nahrung (FIAN 2005). Das urbane Gärtnern, wie es sich in Wien darstellt, könnte grundsätzlich in all diesen Bereichen wichtige Beiträge leisten. In den Zielen und Beschreibungen der Gärten und den Motiven der Gärtnernden zeigt sich dies jedoch nur in geringem Ausmass. In den mittlerweile grösstenteils gentrifizierten Klein- und Schrebergärten in Wien spielt das Gärtnern in der Regel nur mehr eine untergeordnete Rolle – wichtiger ist meist der Hausbesitz (der in Wien in diesen Gartenanlagen üblich ist). Die «neuen urbanen Gärten» wiederum, darunter die Gemeinschaftsgärten, verfolgen nur zum geringeren Teil explizit Ziele der Ernährungssouveränität oder überhaupt solche, die mit Landwirtschaft und Ernährung zu tun haben. Wie erläutert darf man auch die Gartenpraxis für sich genommen nicht unbedingt als eine Form von Widerstand im Sinne der Ernährungssouveränität interpretieren. Der Diskurs des urbanen Gärtnerns ist nicht zuletzt in seiner Verengung auf kleinteilige Gemeinschaftsgärten und spektakuläre Projekte wie Guerilla Gardening oder Vertical Farming kritisch zu hinterfragen.

Stattdessen wäre in den Blick zu nehmen, wo der Grossteil der landwirtschaftlichen Produktionspotenziale in städtischen oder stadtnahen Bereichen eigentlich verortet ist. Tatsächlich ist durchschnittlich ein Viertel der Stadtfläche deutscher Grossstädte als Agrarland ausgewiesen (Lohrberg 2011, 140). Innerhalb des Gemeindegebiets von Wien befinden sich über 5927 Hektar landwirtschaftliche Flächen (Land Wien / LK 2013). Der allergrösste Teil davon ist Ackerland. Der dort erzielte (theoretische) Eigenversorgungsgrad der Stadt mit Gemüse beträgt etwa 35 Prozent (Wiener Bauernbund 2012).

Von diesen Potenzialen zu einer realen Perspektive von urbaner Ernährungssouveränität jedoch ist es ein weiter Weg. Zwar blieb die landwirtschaftliche Fläche in Wien von 2007 bis 2012 praktisch konstant (Land Wien / LK 2013). Doch gilt ein Drittel de facto als Flächenvorrat der forcierten Stadterweiterung (Stadt Wien s.a.b). Die Flächenversiegelung, die sich vorrangig im urbanen und periurbanen Raum vollzieht, ist unter europäischen Verhältnissen objektiv betrachtet der zentrale Flächenkonflikt überhaupt – auch wenn er subjektiv nur selten so thematisiert wird. Sie betrifft nämlich gerade die fruchtbarsten Ackerstandorte. Auf diese kann eine Perspektive der Ernährungssouveränität am wenigsten verzichten: erstens aufgrund erhöhter Produktionsanforderungen zum Ersatz von Erdöl als Energieträger und petrochemischem Grundstoff, zweitens wegen des Übergangs zum Biolandbau, der flächenintensiver ist als die konventionelle Landwirtschaft, drittens als Kohlenstoffreservoir und in beengten Talräumen auch als unabdingbare Ressource von Nahversorgung. So betrachtet spielt sich der zentrale Konflikt um die langfristigen Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft gerade im städtischen Raum ab. Das wird in der Szene der urbanen Gärten in Wien allerdings nicht diskutiert. Lediglich die Initiative Solidarische Landwirtschaft (SoliLa), die sich an Reclaim the fields anlehnt (und sich bezeichnenderweise nicht als Garteninitative beschreibt), nimmt dieses für Ernährungssouveränität zentrale Problemfeld in den Blick.

Die Voraussetzungen wären gerade in Wien günstig, stehen doch über 2000 Hektar landwirtschaftliche Flächen im Eigentum der Gemeinde (die allerdings zum Teil ausserhalb des Stadtgebiets liegen), davon fast alles Ackerland (Stadt Wien s.a.c). Diese besondere Situation würde grundsätzlich die Verwirklichung einer demokratischen, bedürfnisorientierten und ökologischen, krisensicheren Nahversorgung von Wien erleichtern. Ein Konzept, das in eine ähnliche Richtung deutet, ist das des «public produce» (Nordahl 2009), das auf die freie Verfügbarkeit von Nahrungspflanzen und ihrer Früchte im öffentlichen Raum abzielt. Das im deutschen Sprachraum verbreitete Konzept der «essbaren Stadt» ist damit verwandt. Darunter wird allerdings meist keine systematische politische Strategie verstanden, die auch die stadtnahe Landwirtschaft miteinbezieht. Davon ausgehend wäre jedoch die Forderung nach einem öffentlichen Gemüsebau angebracht.

In einer Perspektive von Ernährungssouveränität freilich geht es um mehr als blossen Biolandbau, wie die Stadt Wien ihn bereits zum Beispiel auf dem in der Lobau gelegenen, mit rund 1000 Hektar grössten Biohof Österreichs praktiziert. Es geht um die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung und um eine demokratische Form von Landwirtschaft. Beides löst für sich genommen auch eine kleinbäuerliche Produktionsweise nicht ein (siehe dazu: www.social-innovation.org/?p=4578). Daher könnte gerade ein kommunaler Gemüsebau wichtige Signale in dieser Richtung setzen und Vorbildwirkung entfalten. Er könnte sogar, wie das analog für den kommunalen Wohnbau im «Roten Wien» gegolten hat, Schritte zu einer Zurückdrängung von Lebensmittelmärkten insgesamt setzen.

Eine Demokratisierung von Landwirtschaft im kommunalen Gemüsebau kann zum einen beim Gartenbedürfnis vieler StadtbewohnerInnen ansetzen, das beispielsweise in vergrösserten Selbsternteflächen ein Betätigungsfeld finden könnte. Zum anderen könnten Ansätze einer gemeinschaftsgetragenen Landwirtschaft (Community Supported Agriculture) Anregungen für genossenschaftliche Formen der Kooperation geben und eine Restrukturierung des Landwirtschaftsbetriebs der Stadt Wien anleiten. Das Recht auf Nahrung könnte einerseits durch kostenlose Abgabe der im Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien produzierten Lebensmittel an Menschen unter der Armutsgrenze ernst genommen werden; andererseits wäre gerade in Hinblick auf immer wieder befürchtete Krisenzeiten eine von kommerziellen oder gar profitgesteuerten Kriterien unabhängige Nahrversorgung der Stadt Wien durch einen demokratisch und öffentlich kontrollierten Gemüsebau von Bedeutung.

Eine solche Perspektive aber hat, wie zu sehen war, im urbanen Gärtnern bisher nur vereinzelte Anknüpfungspunkte. Auch wird damit die Frage sozialer Kämpfe um Land aktuell, die von den Gärten bislang nicht gestellt wird. Die Ausweitung des urbanen Gärtnerns in Richtung einer «essbaren Stadt» könnte die Entwicklung einer solchen Perspektive, deren Popularisierung und verstärkte Auseinandersetzungen um den für Ernährungssouveränität nötigen Zugang zu Land begleiten. Sicherlich wäre jedoch schon eine «essbare Stadt» das Ergebnis solcher Auseinandersetzungen um Land. Das zeigt sich unter anderem im Widerstand der Wiener Stadtverwaltung gegen die Forderung der Initiative Stadtfrucht nach Obstbäumen in der Stadt, wobei der Initiative zufolge selbstorganisierte Pflege durch «BaumpatInnen» erlaubt sein soll. Anders als etwa die Gemeinschaftsgärten heute, die zwar öffentliche Flächen nutzen, jedoch Gemüse für den privaten Konsum produzieren, müsste eine «essbare Stadt» die Idee des «öffentlichen Produkts» umsetzen, wie sie in dieser Initiative anklingt.

Literatur

Akram-Lodi, A. H., 2013: How to Build Food Sovereignty. Food Sovereignty: A Critical Dialogue. International Conference Yale University, Sept. 14–15, Conference Paper No. 15

Choplin, G. / Strickner, A. / Trouvé, A., 2011: Ernährungssouveränität. Für eine andere Agrar- und Lebensmittelpolitik in Europa. Wien

Exner, A. / Lauk, C. / Kulterer, K., 2008: Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern. Wien

FIAN, 2005: Basic Food Income – Option or Obligation? www.rtfn-watch.org/uploads/media/basic_food_income.pdf (Abfrage 12.12.2013)

Gartenpolylog (s. J.): www.gartenpolylog.org/de

Guter, H, 2012: Das Einsame und das Gemeinsame. Gärtner in der Stadt zwischen Biedermeier und befreiender Politik: Malmoe 60 (22 ). www.malmoe.org/artikel/ verdienen/2466 (Abfrage 16.12.2013)

Heistinger, A., 2011: Leben von Gärten. Warum urbane Gärten wichtig sind für Ernährungssouveränität, Eigenmacht und Sortenvielfalt. In: Müller, C. (Hg.): Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. München, 305–318

Held, M., 2011: Peak Oil und die Krise der Böden. Urbane Nutzgärten und ihr Beitrag zu einer postfossilen Gesellschaft. In: Müller, C. (Hg.): Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. München, 292–304

Hoffert, H. / Fitzka, G. / Stangl, E. / Lumasegger, M., 2008: Grünraumbericht. Studie im Auftrag der MA 22 . www.wien.gv.at/umweltschutz/naturschutz/gruenraummonitoring/ (Abfrage 10.12.2013)

Hopkins, R., 2008: The Transition Handbook. From Oil Dependency to Local Resilience. Dartington

Land Wien, Landwirtschaftskammer Wien (LK), 2013: Wiener Landwirtschaftsbericht 2013. www.wien.lko.at/?+Wiener+Landwirtschaftsbericht+2013+&id=25 00%2C21233 02%2C%2C (Abfrage 13.12.2013)

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