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	<title>Kommentare zu: Das wichtigste Buch 2008: Minqi Li &#8211; A Must Read</title>
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	<description>Gegen Wirtschaftswachstum!</description>
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		<title>Von: Andreas Exner</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=1030&#038;cpage=1#comment-1152</link>
		<dc:creator>Andreas Exner</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 21:51:44 +0000</pubDate>
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		<description>Grundsätzlich ist die Besprechung eine Empfehlung, das Buch zu lesen *g*. Das kann eine kurze Besprechung in einem Weblog selbst natürlich nicht ersetzen.

Was die Frage des Krisenbegriffs angeht: ich denke, man muss zuerst einmal verschiedene Ebenen von Krise unterscheiden: ökonomisch, politisch, sozial, ökologisch. Diese Krisenebenen hängen zusammen, sind aber nicht deckungsgleich. Beispiel: es kann eine ökologische Krise ohne wesentliche Auswirkung auf die Akkumulation bleiben (Verschmutzung der Ozeane, Überfischung). Anderes Beispiel: es kann eine ökonomische Krise eintreten ohne dass es zur politischen Krise kommt (wie in der Phase der Stagflation der 1970er Jahre). Weiteres Beispiel: es kann eine politische Krise geben, die nicht wesentlich von einer ökonomischen Krise ihren Anstoß erhält (ich denke, das war der Fall beim Zusammenbruch des sowjetischen Realsozialismus; die Sowjetökonomie war keine kapitalistische im eigentliche Sinn, insofern sie nur eingeschränkt dem Wertgesetz unterworfen war; wo der Produktionszweck nicht objektiv der Profit ist, kann man auch nicht umstandslos von einer ökonomischen Krise im kapitalistischen Sinne sprechen).

Und es ist im Auge zu behalten, was eine Krise auf der jeweiligen Ebene bedeutet. Ein Anstieg von Arbeitslosenzahlen etwa ist per se kein Zeichen und keine Ursache einer ökonomischen Krise. Diese hat als grundlegende Bestimmung eine Erschwernis oder Verunmöglichung, den historisch spezifischen Produktionszweck &quot;der Ökonomie&quot; zu realisieren: Profit. Die Bestimmung einer sozialen Krise ist auf der einen Seite einfacher - es handelt sich um eine Reproduktionskrise der Arbeiterklasse oder Teile derselben. Allerdings ist sie auf der anderen Seite schwieriger, weil diskursiv vermittelt. Es ist keineswegs gesagt, dass ein und dasselbe z. B. Armutsniveau als krisenhaft wahrgenommen wird. Wo ein soziales Problem aber nicht als Krise wahrgenommen wird, existiert auch keine Krise auf dieser Ebene (der Reproduktionsbedingungen, d. h. der sozialen und ökologischen Ebene). (Dieses Moment spielt übrigens sogar auf der ökonomischen Ebene eine Rolle; welcher Profit als ausreichend angesehen wird, welcher Profit erwartet wird, und welche Geschwindigkeit im Fall der Profitrate als bedrohlich anzusehen ist, hängt bis zu gewissem Grad - selbstverständlich nicht im vollen Grad, wahrscheinlich nicht einmal in einem sehr hohen Grad - von der Einschätzung der Kapitalisten und den Kräfteverhältnissen innerhalb der Kapitalistenklasse ab).

Davon abgesehen sind kleine Krisen (Konjunkturzyklus, eingegrenzte politische Krisen) von großen Krisen, das heißt Krisen der gesellschaftlichen Form zu unterscheiden. Dabei ist zu fragen, was man an diesem Punkt unter Form versteht. Gesellschaftliche Form ist nicht der Wert allein, sondern umfasst einen komplexen Zusammenhang unterschiedlicher, historisch spezifischer gesellschaftlicher Formen - von Ökonomie und Politik über Ideologie und Denkformen hin zu den Geschlechter- und Naturverhältnissen. Wobei man argumentieren kann, dass Wert/Ware und Recht/Staat die in einem begrifflichen Sinn grundlegenden Formen darstellen (dass diese - nämlich Ware und Recht - schon in der einfachen Beziehung zweier Warenbesitzer zugleich gesetzt sind, macht Marx deutlich).

Das heißt, das Problem der Gesellschaftskrise oder der &quot;großen Krise&quot;, der Krise der Form der Gesellschaft, ist nicht auf die Ebene der Ökonomie zu begrenzen. Diese hat keine Eigenständigkeit, sondern ist immer nur im Zusammenhang mit den anderen Ebenen, allen voran, wie ich denke, mit jener der Politik bzw. dem Staat zu denken.

Und hier kommt die Hegemonie herein.

Bei Li selbst ist das allerdings nur ein Punkt unter anderen. Das gegenüber der bisherigen Weltsystemtheorie neue ist die explizite Beachtung der ökologischen Basis der Akkumulation und damit der Möglichkeit von Hegemonie. Erlaubt die Ressourcenbasis (Stichwort Peak Oil) und der natürliche Kontext der Produktionsweise (z. B. das Klima) nicht mehr, Hegemonie herzustellen, dann ist auch kein Akkumulationsregime denkbar. Es können kapitalistische Produktionsverhältnisse in &quot;verwildender&quot;, sich &quot;de-formierender&quot; Form weiterbestehen (allen voran das Lohnverhältnis), aber sie können nicht mehr ein Regime bilden, das per definitionem durch eine temporäre Stabilität - die in jedem Fall hegemonialen Charakter trägt - gekennzeichnet ist. Dabei ist auch zu diskutieren, wie sich die Artikulation der nicht-kapitalistischen Produktionsweisen mit der kapitalistischen Produktionsweise verändert. Die Gesellschaftsformation als übergreifender Zusammenhang umfasst nicht allein letztere; und die Bedeutung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der Formation ist meines Erachtens grundsätzlich veränderlich. Historisch war sie das auf jeden Fall.

Neu gegenüber Arrighi ist bei Li das Ergebnis, dass ein neuer Hegemon oder eine hegemoniefähige Konstellation nicht sichtbar ist. Arrighi geht zwar nicht umstandslos davon aus, dass eine neue hegemoniale Konstellation entsteht; er zieht aber auch nicht den Schluss, dass diese unmöglich geworden wäre. 

Wenn Hegemonie material nicht mehr möglich ist, so ist damit die Bestandsfähigkeit des kapitalistischen Weltsystems in gegenwärtiger Ausdehnung (nicht unbedingt der kapitalistischen Produktionsweise als solcher, d. h. der Existenz kapitalistischer Produktionsverhältnisse überhaupt) fundamental gefährdet.

Was durchaus ein weiteres Defizit bei Li (und der Weltsystemtheorie insgesamt) darstellt, ist in der Tat die Vermittlung zwischen Akkumulation und Hegemonie. Hier bietet die Regulationstheorie ein feineres begriffliches Instrumentarium und einen größeren Reichtum an Theoretisierung. (Einmal davon abgesehen, dass der Begriff von Staat und Kapital bei Wallerstein nicht jener der marxistischen Variante der Regulationstheorie ist; wie Li selbst dazu steht, ist mir nicht ganz klar.)

An Marx orientiert ist Li&#039;s Krisendiagnose in einem bestimmten Sinn durchaus (weil er Krise der Hegemonie und Krise der Akkumulation zusammendenkt und analysiert; weil Krisen notwendig auftreten; sowie auf historisch wachsender Stufenleiter auftreten). Allerdings hat Marx keine vollständige ökonomische Krisentheorie hinterlassen und er hat keine Theorie der Krise der Gesellschaftsform bzw. der Gesellschaftsformation entwickelt (weil er keine Theorie der Gesellschaft entwickelt hat, sondern eine der kapitalistischen Produktionsweise). Und schließlich hat Marx auf hohem Abstraktionsniveau gearbeitet und in diesem Sinn, selbstverständlich historisch spezifisch als Theorie kapitalistischer Krise - eine im Ansatz &quot;unhistorische&quot; Krisentheorie (der kapitalistischen Produktionsweise) hinterlassen. Was sich bei ihm allerdings findet, ist der Gedanke, dass die Krisen immer schärfere Auswirkungen zeigen und sich die Widersprüche der Produktionsweise in immer größeren Ausmaß zuspitzen. Das allein gefährdet die Produktionsweise noch nicht fundamental; insofern die Krise aber immer brutalere Auswirkungen auf die Reproduktion zeitigt, stellt sie immer höhere Anforderungen an eine hegemoniale Bearbeitung als Bedingung eines nachfolgenden Akkumulationsregimes. Dass diese Art der Bearbeitung nicht unbegrenzt möglich ist - einerseits aufgrund der nicht unendlichen Leidensfähigkeit des Menschen, andererseits aus ökologischen Gründen - ist denke ich klar. An diesen Gedanken, der den Einstieg in eine Theorie der spezifisch historischen kapitalistischen Krisen (und ihrer systemsprengenden Wendung) bietet, schließt die Weltsystemtheorie an.

Was Li auf jeden Fall macht, ist, den &quot;Zirkulationismus&quot; von Wallerstein, aber auch von Arrighi hinter sich zu lassen. Und dazu braucht man in der Tat Karl Marx. (Wenngleich die Theorie der systemischen Akkumulationszyklen als Idee auf Marx zurückgeht bzw. sich bei ihm vorformuliert findet).

Die Frage nach dem &quot;kategorialen Begriffsraster&quot; ist selbstverständlich eine legitime (hier liegt auch ein Defizit bei Li, wie in der Besprechung deutlich gemacht). Allerdings heißt das nicht, dass eine Analyse unbrauchbar wird dadurch, dass sie nicht bei Adam und Eva, will heißen bei Ware und Wert beginnt. Das heißt umgekehrt wiederum natürlich nicht, dass es keine Gefahr birgt, sich nicht kategorial zu versichern. Es hängt dies von der Fragestellung und den jeweiligen theoretischen Aussagen ab.

Was Li argumentiert, hält durchaus ohne Rückgriff auf die begriffliche Entwicklung der Wertform.

Man könnte sogar im Gegenteil sagen: die begriffliche Entwicklung der Wertform und die allgemeine Theorie kapitalistischer Krise führt nicht weiter. Hier ist in den letzten Jahren vieles entwickelt und rekonstruiert worden, was unser Verständnis von Krise insgesamt präzisiert. Für sich genommen ist dies aber nicht in der Lage, die konkrete historische Entwicklung zu erhellen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Grundsätzlich ist die Besprechung eine Empfehlung, das Buch zu lesen *g*. Das kann eine kurze Besprechung in einem Weblog selbst natürlich nicht ersetzen.</p>
<p>Was die Frage des Krisenbegriffs angeht: ich denke, man muss zuerst einmal verschiedene Ebenen von Krise unterscheiden: ökonomisch, politisch, sozial, ökologisch. Diese Krisenebenen hängen zusammen, sind aber nicht deckungsgleich. Beispiel: es kann eine ökologische Krise ohne wesentliche Auswirkung auf die Akkumulation bleiben (Verschmutzung der Ozeane, Überfischung). Anderes Beispiel: es kann eine ökonomische Krise eintreten ohne dass es zur politischen Krise kommt (wie in der Phase der Stagflation der 1970er Jahre). Weiteres Beispiel: es kann eine politische Krise geben, die nicht wesentlich von einer ökonomischen Krise ihren Anstoß erhält (ich denke, das war der Fall beim Zusammenbruch des sowjetischen Realsozialismus; die Sowjetökonomie war keine kapitalistische im eigentliche Sinn, insofern sie nur eingeschränkt dem Wertgesetz unterworfen war; wo der Produktionszweck nicht objektiv der Profit ist, kann man auch nicht umstandslos von einer ökonomischen Krise im kapitalistischen Sinne sprechen).</p>
<p>Und es ist im Auge zu behalten, was eine Krise auf der jeweiligen Ebene bedeutet. Ein Anstieg von Arbeitslosenzahlen etwa ist per se kein Zeichen und keine Ursache einer ökonomischen Krise. Diese hat als grundlegende Bestimmung eine Erschwernis oder Verunmöglichung, den historisch spezifischen Produktionszweck &#8220;der Ökonomie&#8221; zu realisieren: Profit. Die Bestimmung einer sozialen Krise ist auf der einen Seite einfacher &#8211; es handelt sich um eine Reproduktionskrise der Arbeiterklasse oder Teile derselben. Allerdings ist sie auf der anderen Seite schwieriger, weil diskursiv vermittelt. Es ist keineswegs gesagt, dass ein und dasselbe z. B. Armutsniveau als krisenhaft wahrgenommen wird. Wo ein soziales Problem aber nicht als Krise wahrgenommen wird, existiert auch keine Krise auf dieser Ebene (der Reproduktionsbedingungen, d. h. der sozialen und ökologischen Ebene). (Dieses Moment spielt übrigens sogar auf der ökonomischen Ebene eine Rolle; welcher Profit als ausreichend angesehen wird, welcher Profit erwartet wird, und welche Geschwindigkeit im Fall der Profitrate als bedrohlich anzusehen ist, hängt bis zu gewissem Grad &#8211; selbstverständlich nicht im vollen Grad, wahrscheinlich nicht einmal in einem sehr hohen Grad &#8211; von der Einschätzung der Kapitalisten und den Kräfteverhältnissen innerhalb der Kapitalistenklasse ab).</p>
<p>Davon abgesehen sind kleine Krisen (Konjunkturzyklus, eingegrenzte politische Krisen) von großen Krisen, das heißt Krisen der gesellschaftlichen Form zu unterscheiden. Dabei ist zu fragen, was man an diesem Punkt unter Form versteht. Gesellschaftliche Form ist nicht der Wert allein, sondern umfasst einen komplexen Zusammenhang unterschiedlicher, historisch spezifischer gesellschaftlicher Formen &#8211; von Ökonomie und Politik über Ideologie und Denkformen hin zu den Geschlechter- und Naturverhältnissen. Wobei man argumentieren kann, dass Wert/Ware und Recht/Staat die in einem begrifflichen Sinn grundlegenden Formen darstellen (dass diese &#8211; nämlich Ware und Recht &#8211; schon in der einfachen Beziehung zweier Warenbesitzer zugleich gesetzt sind, macht Marx deutlich).</p>
<p>Das heißt, das Problem der Gesellschaftskrise oder der &#8220;großen Krise&#8221;, der Krise der Form der Gesellschaft, ist nicht auf die Ebene der Ökonomie zu begrenzen. Diese hat keine Eigenständigkeit, sondern ist immer nur im Zusammenhang mit den anderen Ebenen, allen voran, wie ich denke, mit jener der Politik bzw. dem Staat zu denken.</p>
<p>Und hier kommt die Hegemonie herein.</p>
<p>Bei Li selbst ist das allerdings nur ein Punkt unter anderen. Das gegenüber der bisherigen Weltsystemtheorie neue ist die explizite Beachtung der ökologischen Basis der Akkumulation und damit der Möglichkeit von Hegemonie. Erlaubt die Ressourcenbasis (Stichwort Peak Oil) und der natürliche Kontext der Produktionsweise (z. B. das Klima) nicht mehr, Hegemonie herzustellen, dann ist auch kein Akkumulationsregime denkbar. Es können kapitalistische Produktionsverhältnisse in &#8220;verwildender&#8221;, sich &#8220;de-formierender&#8221; Form weiterbestehen (allen voran das Lohnverhältnis), aber sie können nicht mehr ein Regime bilden, das per definitionem durch eine temporäre Stabilität &#8211; die in jedem Fall hegemonialen Charakter trägt &#8211; gekennzeichnet ist. Dabei ist auch zu diskutieren, wie sich die Artikulation der nicht-kapitalistischen Produktionsweisen mit der kapitalistischen Produktionsweise verändert. Die Gesellschaftsformation als übergreifender Zusammenhang umfasst nicht allein letztere; und die Bedeutung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der Formation ist meines Erachtens grundsätzlich veränderlich. Historisch war sie das auf jeden Fall.</p>
<p>Neu gegenüber Arrighi ist bei Li das Ergebnis, dass ein neuer Hegemon oder eine hegemoniefähige Konstellation nicht sichtbar ist. Arrighi geht zwar nicht umstandslos davon aus, dass eine neue hegemoniale Konstellation entsteht; er zieht aber auch nicht den Schluss, dass diese unmöglich geworden wäre. </p>
<p>Wenn Hegemonie material nicht mehr möglich ist, so ist damit die Bestandsfähigkeit des kapitalistischen Weltsystems in gegenwärtiger Ausdehnung (nicht unbedingt der kapitalistischen Produktionsweise als solcher, d. h. der Existenz kapitalistischer Produktionsverhältnisse überhaupt) fundamental gefährdet.</p>
<p>Was durchaus ein weiteres Defizit bei Li (und der Weltsystemtheorie insgesamt) darstellt, ist in der Tat die Vermittlung zwischen Akkumulation und Hegemonie. Hier bietet die Regulationstheorie ein feineres begriffliches Instrumentarium und einen größeren Reichtum an Theoretisierung. (Einmal davon abgesehen, dass der Begriff von Staat und Kapital bei Wallerstein nicht jener der marxistischen Variante der Regulationstheorie ist; wie Li selbst dazu steht, ist mir nicht ganz klar.)</p>
<p>An Marx orientiert ist Li&#8217;s Krisendiagnose in einem bestimmten Sinn durchaus (weil er Krise der Hegemonie und Krise der Akkumulation zusammendenkt und analysiert; weil Krisen notwendig auftreten; sowie auf historisch wachsender Stufenleiter auftreten). Allerdings hat Marx keine vollständige ökonomische Krisentheorie hinterlassen und er hat keine Theorie der Krise der Gesellschaftsform bzw. der Gesellschaftsformation entwickelt (weil er keine Theorie der Gesellschaft entwickelt hat, sondern eine der kapitalistischen Produktionsweise). Und schließlich hat Marx auf hohem Abstraktionsniveau gearbeitet und in diesem Sinn, selbstverständlich historisch spezifisch als Theorie kapitalistischer Krise &#8211; eine im Ansatz &#8220;unhistorische&#8221; Krisentheorie (der kapitalistischen Produktionsweise) hinterlassen. Was sich bei ihm allerdings findet, ist der Gedanke, dass die Krisen immer schärfere Auswirkungen zeigen und sich die Widersprüche der Produktionsweise in immer größeren Ausmaß zuspitzen. Das allein gefährdet die Produktionsweise noch nicht fundamental; insofern die Krise aber immer brutalere Auswirkungen auf die Reproduktion zeitigt, stellt sie immer höhere Anforderungen an eine hegemoniale Bearbeitung als Bedingung eines nachfolgenden Akkumulationsregimes. Dass diese Art der Bearbeitung nicht unbegrenzt möglich ist &#8211; einerseits aufgrund der nicht unendlichen Leidensfähigkeit des Menschen, andererseits aus ökologischen Gründen &#8211; ist denke ich klar. An diesen Gedanken, der den Einstieg in eine Theorie der spezifisch historischen kapitalistischen Krisen (und ihrer systemsprengenden Wendung) bietet, schließt die Weltsystemtheorie an.</p>
<p>Was Li auf jeden Fall macht, ist, den &#8220;Zirkulationismus&#8221; von Wallerstein, aber auch von Arrighi hinter sich zu lassen. Und dazu braucht man in der Tat Karl Marx. (Wenngleich die Theorie der systemischen Akkumulationszyklen als Idee auf Marx zurückgeht bzw. sich bei ihm vorformuliert findet).</p>
<p>Die Frage nach dem &#8220;kategorialen Begriffsraster&#8221; ist selbstverständlich eine legitime (hier liegt auch ein Defizit bei Li, wie in der Besprechung deutlich gemacht). Allerdings heißt das nicht, dass eine Analyse unbrauchbar wird dadurch, dass sie nicht bei Adam und Eva, will heißen bei Ware und Wert beginnt. Das heißt umgekehrt wiederum natürlich nicht, dass es keine Gefahr birgt, sich nicht kategorial zu versichern. Es hängt dies von der Fragestellung und den jeweiligen theoretischen Aussagen ab.</p>
<p>Was Li argumentiert, hält durchaus ohne Rückgriff auf die begriffliche Entwicklung der Wertform.</p>
<p>Man könnte sogar im Gegenteil sagen: die begriffliche Entwicklung der Wertform und die allgemeine Theorie kapitalistischer Krise führt nicht weiter. Hier ist in den letzten Jahren vieles entwickelt und rekonstruiert worden, was unser Verständnis von Krise insgesamt präzisiert. Für sich genommen ist dies aber nicht in der Lage, die konkrete historische Entwicklung zu erhellen.</p>
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		<title>Von: Juli</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=1030&#038;cpage=1#comment-1149</link>
		<dc:creator>Juli</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 20:21:49 +0000</pubDate>
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		<description>Das klingt erstmal nach einer fundierten und weitsichtigen Fortschreibung der Ideen Wallersteins. So weit, so gut. Nur scheint es mir, als wenn es dabei auch bleibt. Die Krise, die Li begutachtet, ist eine der Hegemonie. Wie sie mit dem kapitalistischen Fundament, also der Organisation der Arbeitsteilung über Ware, Geld und Kapital, zusammenhängt, bleibt offen. Es gibt keine in diesem kategorialen, an Marx orientierten Sinne krisentheoretische Diagnose. Fasst fragt mensch sich, was er die zwei Jahre im Knast mit den blauen Bänden gemacht haben mag....

Was bleibt, sind Ausführungen über Hegemonie, Zentrum, Peripherie und ähnliches. Alles nicht unspannend, aber wirklich weiterführend m.E. erst dann, wenn es in ein kategoriales Begriffsraster eingebettet ist.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Das klingt erstmal nach einer fundierten und weitsichtigen Fortschreibung der Ideen Wallersteins. So weit, so gut. Nur scheint es mir, als wenn es dabei auch bleibt. Die Krise, die Li begutachtet, ist eine der Hegemonie. Wie sie mit dem kapitalistischen Fundament, also der Organisation der Arbeitsteilung über Ware, Geld und Kapital, zusammenhängt, bleibt offen. Es gibt keine in diesem kategorialen, an Marx orientierten Sinne krisentheoretische Diagnose. Fasst fragt mensch sich, was er die zwei Jahre im Knast mit den blauen Bänden gemacht haben mag&#8230;.</p>
<p>Was bleibt, sind Ausführungen über Hegemonie, Zentrum, Peripherie und ähnliches. Alles nicht unspannend, aber wirklich weiterführend m.E. erst dann, wenn es in ein kategoriales Begriffsraster eingebettet ist.</p>
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