Schlagworte: IEA, OPEC, Peak Oil, Wirtschaftswachstum
Am heutigen Sonntag treffen sich in Wien Vertreter der OPEC, der Organisation Erdöl exportierender Staaten, um eine weitere Kürzung der Erdölförderung zu diskutieren, nachdem die Ölproduktion bereits im September des letzten Jahres um 2 Millionen Barrel (je 159 liter) pro Tag und im vergangenen Januar um weitere 2,2 Millionen Barrel zurückgefahren wurde. Damit beläuft sich der vereinbarte Produktionsrückgang bereits jetzt auf fünf Prozent der zuvor weltweit geförderten Ölmenge. Zuletzt gab es einen solchen Einbruch während der zweiten Ölkrise Anfang der 1980er Jahre, doch ich biete die Wette an, dass der prozentuale Rückgang der Erdölförderung während der nächsten zwei Jahre jenen während der zweiten Ölkrise noch übertreffen wird.
Der Grund für diese Einschränkung der Produktion ist klar: Der Ölpreis pendelte sich seit Dezember letzten Jahres bei gut 40 US-Dollar ein. Damit kommen aber die OPEC-Länder nicht mehr aus. Dies hat zwei Gründe: Einerseits bildete sich vor allem in den Ländern des Nahen Ostens durch den in die Höhe getriebenen Ölpreis eine bestimmte Form der “Rentenökonomie”, wobei ein guter Teil des so angesammelten Kapitals heute in den Ökonomien des Westens steckt – teilweise waren es Fonds aus dem Nahen Osten, die Banken in Europa und der USA vor dem kompletten Absturz bewahrten. Andererseits wird die Ölförderung selbst immer aufwendiger und es steigt damit der Wert der Ware Öl. In erster Linie gilt das für die aufwendige Offshore-Förderung, genauso wie für Ölsande und Ölschiefer, doch auch im Nahen Osten wird die Produktion schwieriger.
Besonders fatal: Die infolge des sinkenden Ölpreises zurückgehenden Einnahmen der Erdölländer und -Firmen führen dazu, dass weniger Geld in die Suche und Exploration von Erdölfeldern investiert werden kann. Die Folge davon: Ziehen in ein paar Jahren die Wachstumsraten der Weltwirtschaft wieder an, kann die Erdölförderung nicht in dem dafür erforderlichen Ausmaß ausgeweitet werden. Ein in die Höhe schießender Ölpreis mit anschließender weltweiter Rezession wäre die Folge. Ende Februar warnte sogar, genau aus diesem Grund, die ansonsten überaus optimistische Internationale Energiebehörde IEA vor einer Weltwirtschaftskrise im Jahr 2013.
Es ist vor diesem Hintergrund verständlich, warum die OPEC versucht, den Ölpreis durch Produktionskürzungen auf ein höheres Niveau zu bringen, Saudi-Arabien spricht von 75 US-Dollar als “fairem Preis”. Gleichzeitig warnte nun die selbe IEA, die fehlende Erdöl-Investitionen beklagt, vor dem heutigen Treffen, die OPEC solle die Konsequenzen einer Kürzung der Fördermenge bedenken. Ein wieder anziehender Ölpreis hätte gravierend negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Der hier offensichtliche Widerspruch steckt im System: Eine wachsende Weltwirtschaft ist auf niedrige Ölpreise und eine ansteigende Ölfördermenge angewiesen. Gleichzeitig wird die Ausbeutung bestehender, genauso wie die Suche neuer Ölfelder immer aufwendiger und damit teurer. Ein hoher Ölpreis, der diesen Aufwand ermöglichen würde, würgt jedoch das Wachstum der Weltwirtschaft ab, was den Ölpreis wieder in den Keller schickt. Womit wieder, durch den zurückgehenden Aufwand bei der Suche und Exploration neuer Ölfelder, die Voraussetzung für eine erneute Energieverknappung bereitet ist. Solange die Wirtschaft wachsen muss, ist dieser Widerspruch nicht auflösbar.
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