Schlagworte: Kapitalismus, Krise, Solidarische Ökonomie
Weltweit schießen Staaten der im wahrsten Sinn „fossilen“ Wirtschaft Mittel zu, sie übernehmen Garantien für marode Banken und häufen enorme Schuldenberge an. Während man so das Schlimmste abzuwenden glaubt, wird es noch dicker kommen. Bestenfalls gelänge es dem Staat, faule Kreditketten kontrolliert zu entsorgen. Ob dies angesichts der weltweiten Kapitalverflechtungen überhaupt möglich ist, scheint aber fraglich. Dass dies einen neuen Aufschwung generiert, noch mehr. Selbst im besten Fall wäre man also wieder dort, wo die Krise ihren Ausgang nahm: beim System des rücksichtslosen Kapitalwachstums.
Anstatt dies zu erkennen, sucht man jedoch nach Sündenböcken. Die Manager sollen schuld sein, die Gier der Banken oder gar die USA. Nichts könnte falscher sein. Denn Kapitalismus heißt nun einmal: Profitmaximierung um jeden Preis. Im System des wirtschaftlichen Wachstums zählt nämlich nur, dass mehr Geld gemacht wird als investiert worden ist. Das hat zwei Gründe: erstens die Geldwirtschaft, in der eben Geld und nicht die Bedürfnisbefriedigung den Ausschlag gibt und Ziel allen Handelns ist; zweitens die zum Markt gehörende Konkurrenz, die zum Wachstum zwingt. Wer nicht wächst, geht unter.
Nun befinden wir uns am Ende des Wachstumsmodells der Nachkriegszeit. Nachzutrauern ist ihm nicht. Denn seine Bilanz ist in ökonomischer und sozialer Hinsicht desaströs, ebenso mit Blick auf unsere Umwelt. Tatsächlich wuchsen mit der Wirtschaft sowohl der Verbrauch an Ressourcen als auch die Emission von Schadstoffen aller Art, deren bedrohlichstes Resultat der Klimawandel ist. Die ökologische Grenze des Kapitalwachstums hatte sich in den Jahren vor 2008 bereits klar gezeigt: die Preise von Rohstoffen und von Energie stiegen kontinuierlich. Und die zunehmende Produktion von Biotreibstoff entzog vielen Millionen Menschen ihre Nahrungsgrundlage.
Die eigentliche Ursache der Krise ist also nicht der Einbruch des Kapitalwachstums, sondern dieses Wachstum selbst. Die Lösung liegt damit auf der Hand: Es gilt, unser Leben vom Kapital zu entkoppeln. Wirtschaft gehört in die Hände derer, die sie machen. Dazu muss eine Solidarische Ökonomie die Geldwirtschaft ersetzen. Sie überlässt Entscheidungen nicht dem so genannten Sachzwang oder einem selbsternannten Management, sondern gestaltet Wirtschaft demokratisch. Ansätze dazu gibt es weltweit. Sie auszubauen ist nicht nur eine Überlebensfrage, sondern die historische Chance, den Kapitalismus positiv zu überwinden.
Erschienen in “Alternative“, Nr. 2009/02, der Zeitschrift der “Alternativen und Unabhängigen GewerkschafterInnen” (AUGE) in Österreich
Entscheidern fällt es offensichtlich sehr schwer, anders als im bisher angewandten wirtschaftlichen Schema zu denken. Die Frage, wie etwas finanziert werden kann oder was in Geld dabei rausspringt versperrt zunehmend die Sicht auf die Frage, worauf es ankommt. Menschen sollen, ja müssen versorgt werden, und das tun sie jetzt schon füreinander, ob ihnen das bewusst ist oder nicht.
Der Fehler im System ist, dass die Erfüllung eines Bedarfs immer von der Zahlungsfähigkeit des Gegenübers abhängt, und man seine Bereitschaft ihm weiterzuhelfen, davon abhängig macht ob er sie bezahlen kann. Das macht uns zunehmend unfrei, einander zu helfen, ohne dabei selbst zu verlieren (rein materiell gesehen).
Hallo Gabriele
Vielen Dank für Dein Posting, das für mich das sympathischste seit Langem ist. Ich halte es sogar für unschlagbar intelligent, und ich will damit nicht im Mindesten schmeicheln. Vielmehr freu ich mich ehrlich, dass hier so etwas geschrieben wird.
Herzlich, Andreas
PS: Darf ich fragen, wo Du so verortet bist?
andreas.exner*ÄT*chello*PUNKT*at
Hallo Andreas,
klar darfst Du fragen :-). Ich bin in Bregenz, Vorarlberg und habe mich gestern so sehr darüber gefreut, dieses Blog zu finden, dass ich es gleich in meine Blogrollliste aufnahm, um es nicht mehr aus den Augen zu verlieren.
Liebe Grüße vom sonnigen See
Gabriele