Irgendwie ist es ja sensationell: in wenigen Tagen erscheint bei Mandelbaum unser Buch “Unsichtbare Intelligenz” und thematisiert Eckpunkte für eine neue Theoriekultur. Eigentlich gerade rechtzeitig zum Erwachen der Studentenbewegung. Es geht in dem Buch einerseits um Unterdrückung und Ausgrenzung kritischen Denkens, und wer die Beiträge von Peter Weibel und Stephan Templ liest, der wird sicherlich einiges zum Geistesleben der Nation erfahren was nicht in den offiziellen Feiertagsreden vorkommt und damit auch einiges zum Zustand unserer Universitäten und der dominanten wissenschaftlichen und intellektuellen Diskursen. Aber es geht, bei aller Berechtigung des Aufweises einer brutalen Vergangenheit und der Kontinuität einer bloß repressiven Toleranz gegenüber abweichenden und innovativen Wegen des Denkens auch darum, wie sich Theorie auch selbst ausgrenzt. Mein Bemühen in der Zusammenstellung des Buches war es, die Frage zu stellen, welche Ergänzungen und Konstellationen notwendig wären, um die Wirkung guter Einsichten und notwendiger Ideen zu erhöhen. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop von Perspektiven, die heutzutage in sehr abgetrennten Subkulturen existieren, aber die ich alle nachvollziehen kann, verstehe und sogar für notwendig halte.
Die Beiträge kann man noch unlektoriert und unformatiert hier nachlesen: http://unsichtbareintelligenz.mixxt.at/networks/wiki/index.home
Die These die das Buch vertritt ist dass kritischer Aufweis von Wahrheit (gegen Täuschung), freie und phantasievolle Vision (gegen Lähmung) und systematisches und pragmatisches Umsetzen (gegen Selbstherrlichkeit) notwendige Modi einer Theoriekultur sind. Jeder dieser Wege gehorcht freilich anderen Gesetzen; es ist fatal den Pluralismus in der Theoriearbeit auszuleben oder die Vision durch den Hinweis auf die Nichtexistenz ihres Gegenstandes abzuschneiden. Und erst wer das ganze Trivium erlernt hat, dem gelingt es auch glaubhaft und authentisch zu sein indem er/sie seine/ihre Stärke und Kern findet.
In dem Sinn sind die Beiträge im Buch alles andere als perfekt, aber sie können Anhaltspunkte geben, wie groß der Denkraum sein müsste, der uns wirklich weiter tragen kann. Manche Beiträge sind gerade erst damit beschäftigt diesen Denkraum zu erschließen oder sogar resignativ, Silke Rosenbüchler etwa mit ihrem nie realisierten Traum von Utopie in Österreich. Aber genau diese Provokation zu setzen ist vielleicht besser als zu tun als wären wir schon da wo wir hinwollen.
Ich finde es schön dass die Studenten im Audimax begonnen haben, auf die Suche nach Vortragenden und Themen zu gehen. Ich hab beschlossen, nicht nur auf das Buch und seine AutorInnen als Empfehlung hinzuweisen, sondern mich auch für einen Vortrag zu bewerben, und als Thema einer hypothetischen Kurzvorlesung jenen Text genommen, der im Buch nicht erschienen ist, weil ich nicht gleichzeitig “aktiv und intensiv kommentierender Herausgeber” und Beitragender sein wollte:
Kurzfassung in einem Absatz bzw. In Stichworten::
Titel: Kommunikation statt Markt – Skizze einer Integrativen Sozialwissenschaft des Digitalen Zeitalters.
aufbauend auf 4 modalitäten der digitalen Medien.
* Idee und generative Realisation statt Original vs Kopie
* Ubiquitäre Verfügbarkeit und neue Ökonomie der Kreation (gegen die unsägliche Herabstufung dieser Modalitäten auf bloß “sinkendeTransaktionskosten”)
* Kontextualität: das Ende der Kommodifizierbarkeit
* Hyperlokalität: eine neue Grundlegung von Zeit und Raum
nachzulesen ist das ganze hier: http://unsichtbareintelligenz.mixxt.at/networks/wiki/index.Franz_Nahrada

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