Peak Oil, Gas und Coal – das Ende der billigen fossilen Ressourcen

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichischen Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Peak Oil, Gas und Coal – das Ende der billigen fossilen Ressourcen

von Werner Zittel

Erdöl

Die zunehmenden Probleme der Beschaffung von Erdöl bilden die Hauptursache für den Ölpreisanstieg seit dem Jahr 2000 (siehe Abbildung links zur wachsenden Kluft zwischen Ölfunden und Ölförderung pro Jahr). Nach einem kurzfristigen Rückgang ist der Ölpreis inzwischen wieder im steilen Anstieg. Innerhalb eines Jahres betrug dieser bereits 50%. Sollte der Verbrauch nicht anderweitig einbrechen, so werden wir bald wieder eine erneute Verschärfung der andauernden Wirtschaftskrise erleben, die den Ölverbrauch unter das Angebot zwingen wird.

Wenn sich die Ergebnisse einer unabhängigen Analyse der Förderentwicklung bewahrheiten – und es sprechen mehr Daten und Indizien für als gegen sie –, dann wird die weltweite Ölförderung bald einen Rückgang von durchschnittlich 2-3% pro Jahr erfahren. Bis 2030 wird ein solcher Förderrückgang nach Peak Oil ungefähr auf eine Halbierung der Fördermenge hinauslaufen, sofern nicht vorher die Nachfrage auf Grund kollabierender ökonomischer Strukturen und Profiterwartungen einbricht (siehe Abbildung der globalen Förderkurve von Erdöl unten).

Peak Oil … ist das Fördermaximum von Erdöl. Die Förderung eines Erdölfeldes verläuft idealisiert in Gestalt einer Glockenkurve. Sie steigt zuerst an, erreicht einen Höhepunkt, den Peak, und fällt dann wieder ab. Entsprechend verläuft die Förderung von Erdöl im weltweiten Maßstab. Die Förderprofile anderer fossiler Ressourcen ähneln ebenfalls Glockenkurven, deshalb spricht man von Peak Gas und Peak Coal. Vergleichbares gilt für Metalle und Mineralien, zum Beispiel für Kupfer oder Phosphor.

Der unvermeidliche Rückgang der Ölförderung geht vermutlich mit der Ausweitung des Verbrauchs in den Exportstaaten einher. Diese profitieren tendenziell von hohen Ölpreisen, sofern die Preissteigerung den steigenden Förderaufwand überflügelt, und werden die Einnahmen vermutlich dazu nutzen, um auch im eigenen Land den Verbrauch zu steigern. Es könnte daher sein, dass Europa im Jahr 2030 fast überhaupt kein Erdöl mehr auf dem Weltmarkt beziehen kann und wenn doch, dann im Vergleich zu heute nur zu wesentlich höheren Preisen. Das gemessen an einer Verbrauchsfortschreibung dann fehlende Erdöl wird weder durch eine Ausweitung des Erdgasbezugs noch durch steigende Kohleimporte auszugleichen sein.

Erdgas

Europa wird in 10 oder 15 Jahren große Mengen an zusätzlichem Erdgas importieren müssen, wenn es den Verbrauch auf heutigem Niveau halten will. Das wird jedoch nicht gehen (siehe Abbildung rechts). Diese erzwungene Verbrauchsreduktion wird fast zeitgleich mit der Abnahme des Ölangebots eintreten, und es ist nicht ersichtlich, dass es in Hinblick auf diese Situation eine angemessene Vorbereitung gibt.

Kohle

Lag 1987 die statische Reichweite (die das aktuelle Verbrauchsniveau unterstellt) der weltweiten Kohlevorräte bei über 450 Jahren, so ist sie bis 2009 auf 130 Jahre gesunken. Heute werden die weltweiten Reserven mit 826 Milliarden t angegeben, wovon nur etwa die Hälfte, nämlich 411 Milliarden t, zur hochwertigen Steinkohle gerechnet werden kann (siehe Abbildung links unten zur weltweiten Förderkurve bei Kohle).

Zudem sind diese Reserven regional ungleich verteilt. Bereits ein Drittel liegt in den USA, die mit Abstand die größten Kohlereserven halten. Ausgerechnet in den klassischen Kohleregionen geht die Förderung seit 25 Jahren jedoch bereits zurück. Heute gilt es als sicher, dass dort das Fördermaximum überschritten wurde.

 

 

 

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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7 Responses to Peak Oil, Gas und Coal – das Ende der billigen fossilen Ressourcen

  1. biersauer says:

    Katar kaufte im vergangenen Jahr für 1 Milliarde Euro das traditionsreiche Münchner Bankhaus Merck, Fink & Co. Katar bestellte bei der Münchner Rüstungsschmiede Krauss-Maffei gerade für 1,89 Milliarden Euro 62 Leopard 2-Kampfpanzer und 24 Panzerhaubitzen. Katar ist der größte Flüssig-Erdgas-Lieferant der Welt, weswegen sich Bundeskanzlerin Merkel vor wenigen Wochen in Berlin mit dem Regierungschef Katars traf und eine umfangreiche Kooperation besprach. Die Qatar Holding, wohl einer der mächtigsten Investitionskonzerne weltweit, steckt mit hohen Beteiligungen in deutschen Unternehmen wie VW (17%), Porsche (10%) und Hochtief (9,1%), In Österreich ist die Beteiligung zB.bei der OMV durch SAUDI auf 25% gestiegen.
    wir tragen unser Geld zur Tankstelle und fördern diese Dekadenz, anstatt unseren Elektrischen Strom zu verwenden und bekommen dafür hunderte Kasernen, genannt Moscheen, aufs Auge gedrückt.

  2. @biersauer:

    die erzeugung elektrischen stroms beruht ebenfalls auf nicht-erneuerbaren ressourcen, die zum allerkleinsten teil in den zentren des verbrauchs (z.b. österreich oder deutschland) gewonnen werden.

    moscheen sind keine zentren der rekrutierung bewaffneter gruppen mit berufung auf religiöse islamische texte. ihre äußerung dazu entbehrt erstens jeder grundlage. zweitens ist sie dazu angetan oder sogar in hinblick darauf getätigt, angst vor und hass auf “fremd” bzw. “muslimisch” definierte menschen zu schüren. sie ist daher rundweg abzulehnen.

    ich weise darauf hin, dass (weitere) anti-islamische postings gelöscht werden (anti-islamisch im sinn des inzwischen weit verbreiteten kulturrassismus gegenüber als “islamisch” definierten oder wahrgenommenen menschen in europa, siehe dazu z.b. zick et al. 2011: http://library.fes.de/pdf-files/do/07905-20110311.pdf).

  3. biersauer says:

    Wie oder wo jeder E-Biker seinen Strom zum Laden hernimmt ist seine Sache und im Wesentlichen unerheblich, weil ich habe dazu 2 Solarpaneele, womit ich ,meine große Batterie in 2 1/2 Stunden vollfülle. der Rest wird entweder nicht gebraucht oder kommt in den Speicherakku. Strom ist kein Luxusgut, wenn er von der Sonne erzeugt wird! Dies wird erst zumLuxusgut durch Fossilkraftwerke, das ist aber in Ö. nur im Winter der Fall, weil wir haben im Gegensatz zu D. enorme Reserven an >Wasser und Windkraft. mfg!

  4. biersauer says:

    Für Ängstliche gibt es dazu die Bemerkung, dass Österreich nördl.d. Donau auf SH 900m um den Weinsberger Wald ein Speicherpotential von etwa 4,7TWh besitzt, welches bei Bedarf noch der Erschließung harrt. So sind wir auch in der glücklichen Lage mittels einer einzigen Pumpe im Speicher Reißeck die ersten 250.000 Evs mit Ladestrom zu versorgen, also mit unserer Energie aus den Bergen.
    Österreich hat sein Klimabewusstsein vergesellschaftet:
    http://www.klimaundenergiemodellregionen.at/start.asp?ID=242147&b=5121
    Religioten müssen meine Meinung nicht lesen, mfg!

  5. Andreas Exner says:

    Die Besorgnis angesichts Peak Oil, Gas, Coal etc. hat nichts mit einer undifferenzierten Ängstlichkeit zu tun, sondern damit, dass der Kapitalismus seine Profite angesichts von Energiekrisen noch mehr durch Lohnkürzungen, Arbeitsverdichtung etc. sichern wird und die Erneuerbaren (für das Kapital) verschiedene Nachteile haben.

    Eine ausführliche Analyse der Potenziale Erneuerbarer Energien in Österreich ergibt, dass diese in einer kapitalistischen, auf Wachstum beruhenden Produktionsweise wohl nicht ausreichen: http://www.umweltbuero-klagenfurt.at/sos/wp-content/uploads/Teilbericht_Lauk%20et%20al_24052012_Finalversion.pdf

    Zugleich ist der Zugriff auf Ressourcen in anderen Weltregionen höchst problematisch.

    Dein oder ihr letzter Beitrag hat nicht eine Idiotie von Religion allgemein kritisiert, sondern spezifisch der islamischen Religion.

  6. biersauer says:

    Unser dekadentes Konsumverhalten hängt sehr wohl und offensichtlich mit diesem archaischen Islamfaschismus unmittelbar zusammen, wo diese der Menschheit aus der Evolution überantworteten Naturschätze von diesen klerikal- herrschaftlichen Potentaten in ihrem Gewinninteresse zu unseren Lasten dazu ausgebeutet werden, ihre dogmatische Hegemonie weiter voran zu treiben, was sogar untereinander zu weltweitem Terror führt.
    Ob dies jemand wahrhaben will oder nicht ist mir als Ökonom erstaunlich, weil dabei keine Rücksicht auf sonstige Menschenrechte genommen wird, aber solche stetig als deren Forderungen lautstark zu vernehmen sind.
    Dazu steht die nunmehrige Erkenntnis über diese Verschwendung, dem entgegen und zeigt auch die politischen Verflechtungen im Profitinteresse, welche einer ökonomischen als auch menschenrechtlichen Vernunft entgegenstehn.
    Es gilt dieses internationale Kapital, bestend aus religiös verbrämter Politk und reiner Kommerzgier, aufzuzeigen und damit den Anfang einer Überwindung einzuleiten.
    Es ist als verbrecherisch zu brandmarken, einen Schatz unserer Erde dem Verschleiß und der Verschwendung zu überlassen und diesen Vorgang in wehleidiger Rücksichtnahme auf klerikale Narrenfreiheit vor Kritik abzuschirmen.
    Daher sind mir Apelle nach solch eigenwilliger Sitte und Ordnung eigentlich gegenstandslos.
    mfg biersauer!

  7. Die Nutzung fossiler Ressourcen hat enorme Vorteile für das Kapital (gehabt). Es hat große Produktivitätssteigerungen ermöglicht, die Profite erhöhten, während sich zugleich Waren verbilligten. Es wurde damit der Klassenkonflikt entschärft.

    Die Ursachen für das fossile Ressourcensystem haben also nichts wesentlich mit sich islamisch definierenden Regierungen zu tun und schon gar nichts mit Moscheen. Das ist ein Unsinn, und ein höchst gefährlicher noch dazu.

    Die Nachfrage nach Erdöl entscheidet in dem Fall, nicht das Angebot (das ja auch politisch seitens des Westens vielfach erst hergestellt und erzwungen wurde und weiter wird). Die Nachfrage war immer und ist nach wie vor (wenngleich mit abnehmendem Anteil) im “Westen” lokalisiert.

    Die wesentliche Frage ist vielmehr: Wie können wir Klassenkämpfe von unten intensivieren, die darauf zielen müssten, die nach sozialer Befriedung durch Warenkonsum verlangenden Herrschaftsstrukturen in den Betrieben, den Haushalten etc. zu überwinden.

    Dazu ist gerade die Solidarität mit den oppositionellen Bewegungen im arabischen Raum vonnöten. Kirchen oder Moscheen sind keine relevanten Kategorien in dieser Sache.

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