Die neue Landnahme an den Grenzen des fossilen Energieregimes

Tendenzen, Akteure und Konflikte am Beispiel Tansanias*

[via PERIPHERIE Nr. 124, 31. Jg. 2011, Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, S. 470-496]

Als PDF hier zum Download, mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

von Andreas Exner

„Was es für landlose Menschen schwer macht, ihren de facto proletarisierten Status zu akzeptieren ist, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass sie eine proletarische Zukunft vor sich haben. Der abgeschnittene Pfad des agrarischen Übergangs in weiten Teilen des globalen Südens, wo es keinen Weg vom Land in die Stadt, von der Landwirtschaft in die Industrie, nicht einmal einen klaren Pfad in eine stabile Plantagenarbeit gibt, die den Lebensunterhalt deckt, ist die entscheidende Skalenebene um die land-grabbing-Debatte einem Review zu unterziehen.“ (Tania Murray Li, 2011) [1]

Seit 2008 ist ein sprunghaftes Anwachsen von Käufen und Anpachtungen großer Landflächen durch ausländische Investoren vor allem in Ländern des Südens festzustellen (World Bank 2010). Hinzu kommen die nur schwer zu erfassenden, aber bedeutenden inländischen Transaktionen (ebd.; ebenso Cotula u.a. 2009). Dieses land grabbing wird seit drei Jahren breit diskutiert (vgl. GRAIN 2008; Hoering 2011). Als Auslöser gelten der Crash der Finanzmärkte und die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Biomasse.

Allein zwischen 2008 und 2009 wurden – konservativ geschätzt – weltweit 46,6 Mio. ha von ausländischen Investoren anvisiert oder akquiriert **. Folgt man Medienberichten, so zielen 37 % der Projekte auf Nahrungsmittel. Die übrigen verteilen sich zu gleichen Anteilen auf industrielle Rohstoffe und andere cash crops, biogene Kraftstoffe sowie Naturschutzprojekte und Jagdreviere, Viehhaltung und Forstplantagen. Viele Momente deuten auf ein stark spekulatives Motiv. Primäres Zielgebiet der Investoren ist das subsaharische Afrika. Die Weltbank stellt die dort angeblich vorhandenen Landreserven heraus, die es ermöglichen sollen, biogene Kraftstoffe und Nahrungsmittel für den Export zu produzieren, ohne in Konflikt mit der Ernährungssicherheit zu geraten (World Bank 2010).

Fragestellung, Kernbegriffe und Methode

Dieser Artikel geht der Frage nach, in welche langfristige Dynamik der globalen Kapitalakkumulation die neue Landnahme eingebettet ist und wie sie als Teil dieser Dynamik in einem bestimmten afrikanischen Land konkret in Erscheinung tritt. Dies erfordert einen weiteren Kontext der Betrachtung, der in der Literatur zur Landnahme bislang nicht im notwendigen Ausmaß erschlossen ist.

Im ersten Schritt werde ich daher nach einer kurzen Beschreibung von Funktion und politischer Position der Weltbank als eines nicht nur prominenten, sondern auch materiell bedeutenden Akteurs der neuen Landnahme die strategische Rolle der Landwirtschaft im kapitalistischen Weltsystem und deren Veränderung im Übergang von der fossilen zur postfossilen Epoche skizzieren. Dies bildet den theoretischen Rahmen für das Verständnis der konkreten Entwicklung der neuen Landnahme in einer bestimmten Region.

Am Beispiel Tansanias werde ich im zweiten Schritt die Dynamik der Landnahme von der Kolonisierung bis zur Gegenwart nachzeichnen und auf die ausschlaggebenden Akteure, den bisherigen Prozess der Landnahme und daraus resultierende Landkonflikte eingehen. Abschließend will ich Eckpunkte der gegenwärtig dominierenden Position zur Landnahme, wie sie die Weltbank vertritt, mit Bezug auf die neue Rolle der globalen Landwirtschaft
und die Verhältnisse in Tansania bewerten.

Der Begriff der Landnahme bezeichnet hier die Transformation von Besitzverhältnissen mit im subsaharischen Afrika zum Teil mehrschichtigen und flexibel organisierten Nutzungsformen in bürgerlich-kapitalistische Eigentumsverhältnisse, darunter die Pacht oder der Kauf für den Zweck der Profitproduktion. Im Anschluss an Henry Bernstein (2010) thematisiere ich Konflikte um Land im Rahmen der vier Kernfragen einer Politischen Ökonomie der Landwirtschaft: Wer besitzt was? Wer tut was? Wer bekommt was? Was tut wer damit? Darin ist die Frage nach Konflikten über Besitz und Nutzung von Land, die Art der Produktion sowie die Verteilung und Verwendung der Produkte eingeschlossen. Folglich stellt Land nicht nur eine naturräumliche Kategorie, sondern vor allem ein Produktionsmittel dar.

Saturnino Borras und Jennifer Franco (2010) folgend verstehe ich unter „Besitz und/oder Kontrolle von Landressourcen“ die „effektive Kontrolle von Art, Geschwindigkeit, Ausmaß und Richtung der Produktion von Überschuss, seiner Verteilung und Verwendung“ (ebd.: 24). Wie Joachim Becker (2002) in allgemeinem Zusammenhang zeigt, sind zwei Achsen des Konflikts um den Zugang zu Land und Nutzungsrechten im Sinn der effektiven Kontrolle zu unterscheiden: die horizontale Konfl iktachse der Konkurrenz zwischen Akteuren derselben Klassenposition und die vertikale Konfliktachse zwischen den unmittelbaren Produzenten und den Eigentümern der Produktionsmittel: dem Staat oder dem Kapital.

Die Rolle der Weltbank

Die Weltbank, UN-Organisationen und viele NGOs sehen in der Landnahme eine potenzielle „Win-Win“-Situation. An dieser Sicht wird vielfach Kritik geübt. Die durch die Weltbank selbst vorgelegte Analyse der real stattfindenden Landnahme entspricht zu einem guten Teil dieser Kritik, wie sie La Via Campesina und andere Organisationen üben (z.B. La Via Campesina u.a. 2010). Dennoch hält die Weltbank an der Perspektive einer sowohl für die ländliche Bevölkerung in den Zielgebieten der Landnahme als auch für die Investoren gleichermaßen vorteilhaften Beziehung fest.

Obwohl sie vermeintlich ungenutzte oder wenig genutzte Flächenpotenziale herausstellt, gibt sie letztlich keine eindeutige Empfehlung für landwirtschaftliche Investitionen im Sinn einer Expansion von Ackerflächen ab. Das entspricht ihrer Darstellung der mannigfachen Problematiken der Landnahme. Als die eigentliche politische Zielrichtung des Berichts lässt sich vielmehr die Verbriefung von Landrechten und die Etablierung von Bodenmärkten herausdestillieren. Dass diese Politiken und eine darauf aufbauende Produktivitätssteigerung den vom Bericht angeführten sozialen, ökologischen und entwicklungspolitischen Zielen dienen, sollen vor allem zwei so genannte best-practice-Beispiele, nämlich aus Mexiko und Peru, glaubhaft machen (Exner 2011).

In diesem Artikel kann eine nähere Analyse des „Win-Win“-Narrativs nicht geleistet werden. Kurz gefasst lassen sich drei Ebenen differenzieren, wonach landwirtschaftliche Investitionen erstens positive Wachstumswirkungen zeigen, zweitens Entwicklung im Sinn von Armutsreduktion ermöglichen und drittens die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie verbessern sowie das Klima schützen. Als Voraussetzung für diese Wirkungen werden vor allem freiwillige Selbstverpflichtungen der Investoren angesehen (Exner 2011).

Im Rahmen der Debatte um land grabbing oder landwirtschaftliche Investionen, wie die Landnahme jeweils bezeichnet wird, vertritt die Weltbank erstens einen Strukturwandel hin zu einer Kommerzialisierung von Land und zweitens die Ausweitung von Lohnarbeit für Landlose im Agrarsektor:

„Wenn Rechte wohl defi niert sind, wenn Bodenmärkte konkurrenzbestimmt funktionieren und wenn Information allen zugänglich ist, dann sollten die Bodenpreise garantieren, dass ein für alle zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wird. In diesem Rahmen können Unternehmer Renten lukrieren, indem sie Technologien einführen, um die Produktivität von Land zu erhöhen, das derzeit weniger intensiv genutzt wird und daher zu relativ niedrigen Preisen erhältlich ist. Die Landeigentümer können theoretisch einen Teil dieser Rente auf der Basis wohl-informierter Verhandlungen aneignen.“ (World Bank 2010: 35)

Den Eigentumslosen verheißt sie ein „beachtliches Potenzial der Schaffung von Arbeitsplätzen“:

„Der Nutzen lokaler Bevölkerungen wird zum großen Teil von der Beschäftigungsintensität potenzieller Investments bestimmt. Die Schaffung von Arbeitsplätzen ist für lokale Einwohner häufi g der Königsweg, um aus Investitionen von außerhalb einen Nutzen zu ziehen, denn Arbeitsplätze entstehen eher in der Produktion als im Bereich der Verarbeitung. In vielen Entwicklungsländern bildet die Fähigkeit des Agrarsektors zur Absorption von Arbeit und zur Schaffung einträglicher Beschäftigung das wesentliche Netz der Sicherheit.“
(World Bank 2010: 38)

Dergestalt suggeriert sie, von der Position eines unbeteiligten Beobachters aus zu sprechen, und kehrt somit ihre Verquickung mit der Landnahme und ihrer Vorbereitung mitsamt handfester Gewinninteressen unter den Tisch. Als internationalem Staatsapparat kommt der Weltbank eine wesentliche Bedeutung bei der Schaffung global gültiger Rahmenbedingungen der Kapitalverwertung zu. Sie agiert in dieser Hinsicht sowohl auf diskursiver Ebene als auch durch politischen und ökonomischen Druck, etwa indem sie Kredite für hoch verschuldete Staaten an Konditionen bindet. Diese Strategie leitet in jüngerer Vergangenheit die Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP) an. Im Zuge der seit den 1980er Jahren wachsenden Integration peripherer Staatsapparate und der Weltbank hat die Organisation auch eine intensive Beratungstätigkeit zur Reform nationaler Gesetzgebung, zum Aufbau von Institutionen zur Kommerzialisierung von Land und zur Förderung ausländischer Investitionen entfaltet (s. z.B. Daniel & Mittal 2010).

Sie agiert insbesondere über Teilorganisationen wie die International Finance Corporation (IFC) und das Foreign Investment Advisory Service (FIAS) direkt als Akteur der Landnahme (für eine Diskussion vgl. Exner 2011).

Ihrer politischen und ökonomischen Funktion entsprechend vertritt sie einen ahistorischen und affirmativen Zugang zur Landwirtschaft im kapitalistischen Weltsystem, der auch das „Win-Win“-Narrativ prägt. Es ist dagegen für ein Verständnis der Rolle, Stellung und Dynamik von Landwirtschaft und von Landnahme im Gesamtzusammenhang der internationalen Arbeitsteilung und Ausbeutungsordnung, deren nationale Verläufe ebenso viele konkrete Momente davon bilden, unerlässlich, sich die langfristigen Bewegungen der globalen Kapitalakkumulation und den Wandel ihrer Ressourcenbasis vor Augen zu führen. Dies soll in den folgenden beiden Abschnitten sehr knapp und eng auf das Verständnis der neuen Landnahme hin ausgerichtet geschehen.

Vom food regime zum Agrarregime

Analysen der Landnahme stimmen darin überein, dass weder die Transformation von Landbesitz zu bürgerlichem Eigentum noch die Aneignung von Land durch Enteignung in großem Stil neue Entwicklungen darstellen. Allerdings hat die heute stattfi ndende Landnahme neue Eigenschaften. So ist die Beteiligung von Staaten und Kapitalien der Semiperipherie augenfällig und auch der gegenwärtige Kontext ökologischer Begrenzungen und Stressoren hat im 19. und frühen 20. Jahrhundert keine Entsprechung. Die Landnahme ordnet sich zudem in eine neue Form internationalisierter und multilateraler Herrschaft ein.

Dies gründet allerdings auf älteren, kolonialen Strukturen. Tatsächlich wurden die in der Kolonialperiode durchgesetzten Eigentumsverhältnisse in der postkolonialen Zeit vielfach fortgeschrieben. Der Staat tritt deshalb häufi g als Generaleigentümer großer Flächen auf, die tatsächlich von Kleinbauern und Pastoralisten genutzt werden. Die erneute Nachfrage nach Land aktualisiert die kapitalistische Funktionalität dieser Machtposition (s. das PERIPHERIE-Stichwort von Uwe Hoering in diesem Heft: 497ff).

Folgt man den gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen, die mit der Landnahme verbunden werden (vgl. World Bank 2010) und insbesondere in Afrika drastische Auswirkungen hätten, so soll nun außerdem das soziale Gewebe durch Ausweitung von Vertragslandwirtschaft, Pachtverhältnissen und Lohnarbeit direkt den kapitalistischen Produktions- und Eigentumsverhältnissen unterworfen werden.

Die strukturelle Ähnlichkeit und geschichtliche Kontinuität der neuen Landnahme mit dem Kolonialismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verlangt nach einer Konzeptualisierung, die es erlaubt, sie in die globale Politische Ökonomie und Ökologie der langen Frist einzuordnen. Dafür eignet sich der Ansatz der food-regime-Analyse, der „die strategische Rolle der Landwirtschaft und der Ernährung in der Entwicklung der globalen kapitalistischen Ökonomie erklären soll“ (McMichael 2009: 139).

Dabei ist aber zuerst einmal im Blick zu behalten, dass die Landwirtschaft eine strategische Rolle für das kapitalistische Weltsystem bislang weniger aufgrund des Mehrwerts spielt, der in diesem Sektor produziert wird. Die Zahl von Lohnarbeitskräften in der Landwirtschaft liegt laut ILO global bei etwa 450 Mio., das ist rund ein Drittel der in diesem Sektor insgesamt tätigen Arbeitskräfte (Pigott 2003) und entspricht demnach etwa 15 % der weltweiten Gesamtarbeitskraft, wenn man Nicht-Lohnarbeiter zu ihr zählt [2]. Darin sind allerdings auch solche Arbeitskräfte enthalten, die zumeist Subsistenzproduktion betreiben und sich nur saisonal gegen Lohn oder Naturalien verdingen (Pigott 2003). Der auf Basis dieser Größenordnungen grob abschätzbare Beitrag der agrarischen Lohnarbeit zur globalen Mehrwertmasse ist relativ gering. Landwirtschaftliche Waren, die mit Familienarbeit ohne die Anwendung von Lohnarbeit für den Weltmarkt produziert werden, tragen nicht zur Mehrwertmasse bei [3].

Die strategische Bedeutung der Landwirtschaft liegt eher in den Gebrauchswerten, die sie produziert. Diese halten erstens die Arbeiterklasse des kapitalistischen Zentrums und der Städte am Leben und sichern damit die Basis der Produktion von Mehrwert. Sie stellen damit zugleich ein beständiges Druckmittel dar, das in letzter Instanz zur Lohnarbeit zwingt (Cleaver 1977). Zweitens erlaubt die fortlaufende Verbilligung der Nahrungsmittel und agrarischen Güter des niederen Luxus – Gewürze, Zucker, Tabak, Kakao, Kaffee, Tee, Blumen, tropische Früchte usw. – insbesondere durch die Steigerung der Produktivität der Arbeit in der Landwirtschaft die Produktion relativen Mehrwerts, die in der fordistischen Epoche und vor allem im Zentrum des Weltsystems zur bestimmenden Form der Mehrwertproduktion avanciert. Drittens lässt sich auf diese Weise die kapitalistische Produktionsweise politisch stabilisieren, indem nämlich die Menge der Konsumgüter der Arbeiterklasse erweitert werden kann, ohne zulasten des Profi ts zu gehen. Schließlich hat die spezifi sch kapitalistische Eigentumsordnung in der Landwirtschaft den strategischen Sinn, die Selbstversorgung der Arbeiterklasse, mithin eine Milderung oder gar den Abbau der proletarischen Kondition zu verhindern.

Die Art der Einbindung der Landwirtschaft in den Weltmarkt haben Harriot Friedmann und Philip McMichael in ihrem theoretischen Ansatz mit Blick auf die Gebrauchswertdimension ihrer Produkte unter den Bedingungen der auf fossilen Energieträgern beruhenden (industriellen) kapitalistischen Produktionsweise als „food regime“ (Friedmann & McMichael 1989: 95; vgl. Friedmann 1982; McMichael 2009) bezeichnet. Im Zuge der industriellen Revolution verlor die Bewirtschaftung der Landfläche insgesamt an Bedeutung für die Energieversorgung und richtete sich immer mehr auf die Produktion von Nahrungsmitteln und stofflich genutzter Biomasse aus. Zwar bildet letztere, vorrangig in Form von Holz, heute den größten Anteil der erneuerbaren Energieträger weltweit. Allerdings wird sie kaum für industrielle Zwecke, sondern vor allem von den Haushalten peripherer Regionen zum Kochen und Heizen genutzt. Den Energiebedarf der kapitalistischen Produktionsweise deckt dagegen hauptsächlich der „unterirdische Wald“ (Sieferle 1982): Erdöl, Erdgas und Stein- oder Braunkohle. Das funktionelle Spektrum der Landwirtschaft und die strategische Bedeutung der Landfläche erweitern sich daher an den Grenzen des fossilen Energieregimes.

Weniger die forstliche, sondern mehr die landwirtschaftlich produzierte Biomasse steht nun im Zentrum der Bemühungen um einen teilweisen Ersatz der fossilen Ressourcen, denn das Verkehrssystem zeichnete 2005 für rund 26 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich (IEA 2008) und bleibt für absehbare Zeit auf flüssige Kraftstoffe angewiesen. Weil sich erstens landwirtschaftliche Kulturen relativ rasch von der Produktion von Nahrungsmitteln auf die Herstellung biogener Kraftstoffe oder stofflich genutzter Biomasse und umgekehrt umstellen lassen, zweitens die Produktionsstrukturen zwischen Nahrungsmittel- und biogenem Kraftstoff-Sektor zum Teil überlappen, auf jeden Fall aber die kurzumtriebliche Bewirtschaftung der Landfläche zum Zweck der Pflanzenproduktion beiden gemeinsam ist, ergibt es Sinn, anstatt von einem food regime von einem Agrarregime zu sprechen. Dieses Regime ist aufgrund der Rolle der Landfläche und ihrer Bewirtschaftung in der postfossilen Ära nicht mehr klar vom Energieregime zu trennen.

Mit dieser zweifachen Veränderung, nämlich der Stellung der Landwirtschaft im kapitalistischen Weltsystem und ihrer Gebrauchswertstruktur, verändert sich auch die strategische Rolle der Landwirtschaft. Zu den bereits genannten tritt nun die Funktion als ein Schlüsselbereich der Energiegewinnung hinzu. Nach wie vor jedoch liegt die strategische Bedeutung weniger in der Mehrwertproduktion, sondern eher in der Gebrauchswertdimension.

Denn auch durch einen erweiterten Sektor biogener Kraftstoffproduktion würde der den landwirtschaftlichen Lohnarbeitern ausgepresste Mehrwert nicht wesentlich vergrößert, weil der Anbau energetisch genutzter Pflanzen ebenso wie deren Verarbeitung zumeist weitgehend mechanisiert erfolgt (s. Exner 2011). Biogene Energie aus landwirtschaftlicher Produktion wird zudem vorrangig im Verkehrssystem eingesetzt, das zum größten Teil den Massenverkehr der Arbeiterklasse vermittelt und nur zu rund einem Drittel den Frachtentransport, wie freilich lückenhafte Daten zeigen (IEA 2008, vgl. Schipper u.a. 1997).

Wechselwirkungen zwischen Kapitalakkumulation, Energie- und Agrarregime

Die nach den fossilen Fördermaxima, beginnend mit dem Gipfelpunkt der Erdölförderung, der entweder bereits erreicht ist oder unmittelbar bevorsteht (Zittel 2010), physisch notwendige drastische Umstellung auf erneuerbare Energieträger erfordert die ganze Palette an Technologien, soll ein dem heutigen Energieverbrauch ähnliches Niveau erreicht werden. Die Biomasse spielt darin insofern eine zentrale Rolle, als ihr Aufkommen als einziger erneuerbarer Energieträger keinen wesentlichen Schwankungen unterliegt, biogene Energie relativ leicht zu speichern und kostengünstig ist und das einzig realistische großflächige Substitut für fossile Kraftstoffe bietet [4], allerdings unter dem Vorbehalt, dass Biomasse auch bei weitgehender Ausschöpfung technischer Potenziale nur einen sehr kleinen Teil der weltweiten Transportenergie zur Verfügung stellen kann.

Ein weitgehender Ersatz fossiler Ressourcen durch erneuerbare, unter anderem landwirtschaftlich produzierte Energieträger hätte tiefreichende Konsequenzen für die weltweite Akkumulation des Kapitals. Diese würden ihrerseits nicht nur die weitere Entwicklung der Landwirtschaft, sondern auch die Dynamik der Landnahme stark beeinfl ussen. Dafür sind die besonderen Eigenschaften der erneuerbaren Energieträger ausschlaggebend: Deren Produktion ist im Vergleich zur Förderung fossiler Stoffe in der Regel aufwändiger und daher teurer. Sie zeichnen sich durch eine geringere Energiedichte aus, sind – mit Ausnahme der Biomasse – schlecht zu speichern und schwer zu transportieren. Schließlich ist der Energieaufwand zur Produktion einer Energieeinheit größer als in der Blütezeit der Förderung fossiler Stoffe.

Aus diesen Gründen dürfte im Zuge eines Umbaus der Ressourcenbasis auf erneuerbare Energieträger zumindest in einer ersten Phase, möglicherweise auch längerfristig die Profitrate sinken. Denn hier schlagen sich zum einen die steigenden Kosten der fossilen Energien, die zum Aufbau der neuen Technologien auf längere Zeit erforderlich bleiben, in wachsenden Investitions- und Betriebskosten nieder [5]. Zum anderen sind die erneuerbaren Energien an sich deutlich teurer als die fossilen (Exner u.a. 2008, Li 2008). Zudem dürfte die Produktivität der Arbeit zurückgehen. Denn in einem weitgehend auf erneuerbaren Trägern basierenden Energieregime sind entweder teure Investitionen in Speichertechnologien und so genannte smart grids erfordert, die zudem entsprechende Vorlaufzeiten haben – oder aber eine Anpassung des Verbrauchs an die schwankende Verfügbarkeit erneuerbarer Energie. [6] Ein dadurch verursachter Fall der Profitrate würde den Umbau des Energieregimes verlangsamen, weil dieser unter kapitalistischen Bedingungen nicht nur vergangene Profite, sondern auch entsprechend positive Profiterwartungen und über die Kreditvergabe der Banken daran gebundene zusätzliche Investitionsmittel voraussetzt.

Auf Basis erneuerbarer Ressourcen ist zudem vermutlich kein oder nur mehr ein stark reduziertes Wachstum des Gesamtkapitals möglich. Zumindest in einer ersten Phase des Umbaus ist eher eine Schrumpfung des Gesamtkapitals wahrscheinlich [7].

Sollte das Öl-Fördermaximum zu einer Unterbrechung von Zyklen der Kapitalverwertung und zur Entwertung von Teilen der Infrastruktur führen (vgl. etwa Korowicz 2010), ist ein erneuter Ausbruch einer akuten kapitalistischen Krise unvermeidlich, die dann wohl für längere Zeit persistierte. Die weitere Dynamik nicht zuletzt der Landnahme wäre in noch stärkerem Ausmaß als bislang von der nicht vorhersehbaren Entwicklung sozialer Kämpfe abhängig.

Angesichts solcher Veränderungen in der Dimension eines Epochenbruchs muss der Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und der Nutzung fossiler Ressourcen näher in den Blick genommen werden. Nur so sind die Rolle der Landnahme in der sich entfaltenden Mehrfachkrise der kapitalistischen Produktionsweise und die mit der Landnahme verknüpften Hoffnungen und Befürchtungen einzuschätzen.

Landwirtschaft und fossile Ressourcen

Das fordistische food regime hatte die Nahrungsmittelströme der Kolonialperiode, die von der Peripherie ins Zentrum fl ossen, umgekehrt (Friedmann 1982, Friedmann & McMichael 1989). Nahrungsmittelhilfe wurde zu einem wesentlichen Moment imperialistischer Hegemonie. Nunmehr zeichnet sich eine Tendenz zu einer neuerlichen Umkehr dieser Ströme ab: von der Peripherie ins Zentrum unter Einschluss der aufsteigenden Schwellenländer und der Golfregion. So ergänzen nun Grundnahrungsmittel die schon seit Längerem wachsende Obst- und Gemüseproduktion für den Export. Dazu kommt die Bedeutung der Landfläche für die Produktion von Biomasse für biogene Kraftstoffe und als chemischen Grundstoff, wenn petrochemische Rohmaterialien knapp und teuer werden.

Dies sind die materiellen Erfordernisse eines globalen Gesamtkapitals, das seit der Kolonialperiode um ein Vielfaches zugenommen hat. Darin inkludiert ist der Konsum einer gegenüber dem 19. Jahrhundert angewachsenen Arbeiterklasse im Zentrum und in den aufstrebenden Schwellenländern, die zudem einen Lebensstandard errungen hat, dessen spezifi sch kapitalistische Form jedoch von einem schon aus physischen Gründen nicht verallgemeinerbaren Stoff- und Energieverbrauch abhängt. Die Hegemonie der kapitalistischen Produktionsweise beruht zudem wesentlich auf der inter- und binnennationalen Spaltung der Arbeiterklasse und dem Differenzkonsum von deren oberen Einkommensschichten. Die bürgerliche Ordnung muss diese „imperiale Lebensweise“ (Brand 2008) daher aufrechterhalten.

Ebenso wie die Erschöpfung fossiler Energieträger einen Wandel in Stellung und Struktur der Landwirtschaft nach sich zieht, hatte schon die Verwendung fossiler Ressourcen und insbesondere des Erdöls tiefreichende Auswirkungen auf das globale food regime. Sie führte Mitte des 20. Jahrhunderts einen ökonomischen Bedeutungsverlust der Peripherie herbei, der die formelle Dekolonisierung gefahrlos werden ließ. Das Kapital und seine staatlichen Stützapparate in den Metropolen entkoppelten sich vom direkten Zugriff auf die Agrarflächen in den peripheren Regionen des kapitalistischen Weltsystems. Dies betraf insbesondere den subsaharischen Raum Afrikas. Einflussreiche britische Staatsbedienstete wie Lord Hailey etwa sahen angesichts der steigenden Bedeutung des Konsums von Erdöl in den 1950er Jahren die strategische Rolle der afrikanischen Kolonien im Verhältnis zu ihrer politischen und ökonomischen Belastung schwinden (Coulson 1982: 110).

Tatsächlich löste das Erdöl die Biomasse als organischen Grundrohstoff ab. Sisal und Kautschuk verloren an Bedeutung. Die Produzenten von Naturfasern mussten fortan mit der Produktivität der Arbeiter in der petrochemischen Industrie konkurrieren (Weis 2007), die seit den 1960er Jahren einen immer größeren Anteil der weltweiten Faserherstellung einnahm (Fourné 1980). Zudem erlaubten die fossilen Ressourcen in den gemäßigten Klimazonen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft deren enormen Produktivitätszuwachs. So konnten tropische Rohstoffe, insbesondere Rohrzucker und bestimmte Pflanzenöle durch andere Produkte ersetzt werden (Weis 2007). Dies ermöglichte es, den Abtransport von Lebensmitteln, der im Zusammenspiel mit der Zerstörung von Sicherungssystemen der Subsistenz und niedrigen Weltmarktpreisen vielen Millionen Menschen an der Peripherie das Leben gekostet hatte (Davis 2004), in die metropolitanen Zentren zu reduzieren und sogar umzukehren: Getreide und andere Lebensmittel flossen nun in Form von Hilfslieferungen, die eine Schlüsselrolle im fordistischen food regime spielten, hegemoniefunktional in die Peripherie, unterstützt durch eine auf fossilen Ressourcen basierende Grüne Revolution (Friedmann & McMichael 1989).

Freilich beseitigte der politische und ökonomische Segen der fossilen Stoffe nicht die Widersprüche des Kapitals. Diese werden allenfalls zeitweilig sistiert, auf Kosten bestimmter Gruppen (Jessop 2000). So dämpfte den Klassenantagonismus eine spezifi sche Form der Steigerung der Produktivität, die ihre Folgen nun präsentiert: erstens als ein so genannter Treibhauseffekt und zweitens – vorrangig in den Zentren – als fast allumfassende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Dem absehbaren Maximum der weltweiten Erdölförderung wird nach Ausschöpfung der leicht auszubeutenden Vorkommen aufgrund steigender Produktionskosten, wie bereits angedeutet, eine langfristige Preissteigerung folgen. Klimawandel und Fördermaximum schlagen doppelt auf den Versuch zurück, weniger Erdöl mit mehr Fläche zu kompensieren, der das neue Agrarregime charakterisiert. Denn die Verknappung fossiler Inputs bedroht die Produktivität der industriellen Landwirtschaft. Der Klimawandel wird zudem voraussichtlich gerade in der erhofften Expansionszone Afrika die Erträge reduzieren.

Dies sind die Entwicklungslinien der longue durée, die erst vollständig begreifen lassen, in welchem Kontext sich der Griff nach der Fläche bewegt, der in Afrika sein primäres Zielgebiet hat. Wie sich dieser erweiterte Flächenzugriff konkret gestaltet und historisch einordnet, soll im Folgenden am Beispiel Tansania näher untersucht werden.

Landnahme in Tansania

Die strukturbestimmende Wirkung der kolonialen Landnahme

Die Kolonisierung des heutigen Tansania begründete an bestimmender Stelle der Wunsch nach der Aneignung von Rohstoffen. Deutsch-Ostafrika galt als der wichtigste Kolonialbesitz des Deutschen Reiches, das unter anderem an einer stabilen Versorgung mit Baumwollfasern interessiert war. Das mit großem Abstand wichtigste Exportgut sowohl unter der deutschen als auch unter der ab 1916-1917 folgenden britischen Herrschaft wurde jedoch die Sisalfaser. Die Briten erklärten im Zweiten Weltkrieg Sisal und Baumwolle ebenso wie Nahrungsmittel, die für den Unterhalt der Lohnarbeiter auf den Sisalplantagen notwendig waren, vor allem Weizen, zu Gütern von strategischer Bedeutung. 1946 plante die Regierung in London auf Initiative von Unilever das vollständig gescheiterte Groundnut Scheme: Auf einer Fläche von mehr als 1 Mio. ha sollten Erdnüsse angebaut werden, um dem Mangel an Pflanzenöl und -fett nach dem Zweiten Weltkrieg abzuhelfen (Coulson 1982; Eckert 2007; Iliffe 1979).

Auch nach der politischen Unabhängigkeit 1961 behielt Sisal eine überragende Bedeutung für den Export. Die Faser war Anfang der 1960er Jahre die bedeutendste Devisenquelle Tansanias. Doch war sie der Konkurrenz der neuen petrochemisch hergestellten Fasern nicht gewachsen, Der Einbruch der Sisalpreise 1964-1967 führte zu einem dramatischen Rückgang der Beschäftigung auf den Plantagen, dem bis dahin größten Arbeitgeber in Tansania, auf etwa ein Drittel. Die Weltproduktion sank von rund 800.000 t in den 1960er Jahren auf etwa 400.000 t in den 1990ern [8].

Der Niedergang der tansanischen Sisalproduktion bildete freilich nur einen Teil einer ökonomischen Krise, die sich im Verlauf der 1970er Jahre immer stärker manifestierte und in einem rückläufi gen Produktionszuwachs in der Landwirtschaft sowie einem beständig steigenden Handelsdefizit äußerte (Coulson 1982). Dazu trug auch die Verschlechterung der internationalen Terms of Trade für landwirtschaftliche Güter (Weis 2007) bei. Sie erfasste neben Sisal auch andere Exportprodukte. Die 1970er Jahre kennzeichnete daher die Ausweitung der Produktion von Nahrungsmitteln für den Inlandsmarkt zulasten der Exportorientierung (Ponte 2002).

Die direkte Landnahme für agrarische Zwecke – das heißt über die politische und die indirekte ökonomische Kolonisierung hinaus – beschränkte sich in Tansania auf relativ wenige, allerdings zum Teil sehr große Plantagen. Erheblich war jedoch schon in der Kolonialzeit der Flächenanspruch für so genannte Naturschutzgebiete (Duvail u.a. 2010; Kjekshus 1977a; Neumann 2001).

Die erklärte Politik der britischen Kolonialmacht zielte auf den Erhalt einer vermeintlich harmonischen afrikanischen Gemeinschaft, die durch ein angeblich unwandelbares Gewohnheitsrecht geregelt sei. Sie sollte billige Arbeitskräfte für die Aufschwungphasen des Weltmarkts zur Verfügung stellen, den cash-crop-Export unterstützen und ansonsten für politische Stabilität sorgen, die man in den Städten und durch die Entstehung eines Proletariats gefährdet sah. Bewirtschaftungsvorschriften, eine indirekte Form des ökonomischen Flächenzugriffs, sollten die cash-crop-Produktion erzwingen (Coulson 1982).

Auch gegenwärtig spielt Lohnarbeit, das charakteristische Produktionsverhältnis der kapitalistischen Produktionsweise, in Tansania nur eine untergeordnete Rolle; es existiert kein Proletariat in größerem Umfang. Die vorherrschende Produktionsweise ist kleinbäuerlich [9]. Sofern ihr Ertragsniveau dies zulässt, richtet sich die Landwirtschaft auf den Export in das Zentrum des kapitalistischen Weltsystems aus; die Akkumulation bleibt disartikuliert (Shivji 2009). Die bestimmenden Strukturen der Kolonialherrschaft in Form einer spezifischen staatlichen Herrschaftsweise, Klassenstruktur und Einbindung in den Weltmarkt erfuhren in der postkolonialen Periode somit keine wesentlichen Änderungen. Allerdings traten in den 1970er Jahren und ab der neoliberalen Strukturanpassung der 1980er Jahren Elemente hinzu, die in Tansania erst die neue Landnahme ermöglichten. Es sind nun daher Kontinuität und Wandel des tansanischen Staates und seiner Verflechtung mit den Staatsapparaten des Zentrums darzustellen. Daran anschließend werden die institutionelle und diskursive Vorbereitung der neuen Landnahme sowie die momentan ausschlaggebenden Akteurskonstellationen erörtert.

Global indirect rule – der Rahmen der neuen Landnahme

Der Staat und die ihn leitende Klasse sind durch ihre Unterordnung und Abhängigkeit gegenüber den Staaten des Zentrums gekennzeichnet. Michaela von Freyhold unterscheidet daher die regierende Klasse von einer herrschenden Klasse in den Metropolen (von Freyhold 1977). Die regierende Klasse des postkolonialen Staates bildete trotz der entscheidenden Rolle, die Bauern und Arbeiter im Unabhängigkeitskampf gespielt hatten, die Mittelklasse [10] (Feierman 1990, Eckert 2007). Seine schwache ökonomische Basis erforderte den Aufbau von Staatseigentum, was die Aneignung von Mehrprodukt erleichterte, ideologisch jedoch als Grundlage eines afrikanischen Sozialismus galt (Shivji 1976; Coulson 1982). Issa Shivji prägte für die regierende Klasse daher den Begriff der „bürokratischen Bourgeoisie“ (1976) [11]. Die Verfügung über den Boden und damit indirekt über die Produzierenden wurde zu ihrem ökonomisch tragenden Element. Die „bürokratische Bourgeoisie“ verfolgte keine Strategie der Industrialisierung, ihr Aneignungsmodus führte im ungünstigen weltwirtschaftlichen Kontext der 1970er Jahre zur Krise (Coulson 1982).

Der Einfluss ausländischer Akteure, der parallel zur Ideologie der sozialistischen Autarkie seit dem Ende der 1960er Jahre beständig zunahm (Rugumamu 1997), erreicht in der jüngsten Periode der PRSP den vorläufigen Höhepunkt. Das Land gilt heute als Musterschüler der Strukturanpassung und hängt nach wie vor überdurchschnittlich von Entwicklungsgeldern ab (Oya & Pons-Vignon 2010: 179). Der Staatsapparat fragmentiert im Verlauf dieser Entwicklung zusehends, während er sich von der villagization-Politik der 1970er Jahre bis zur neoliberalen „Dezentralisierung“, die schon durch die sozialistisch verbrämte Reform der Lokalregierung vorbereitet worden war (Coulson 1982, Shivji 1998: 22), immer tiefer in die Gesellschaft einsenkt (Pallotti 2008).

In gewisser Weise hat sich damit die indirect rule der britischen Kolonialregierung, die lokale Chiefs einsetzte und zur Umsetzung ihrer Politik funktionalisierte, in eine global indirect rule durch die internationalen Institutionen des Kapitals transformiert. Dies lässt sich auch in anderen Regionen Afrikas beobachten. Stellvertreterfunktionen für die Interessen der kapitalistischen Metropolen üben im Regime der global indirect rule unter anderem die nationalen und lokalen Regierungen aus.

Die direkte Einflussnahme der „Geber“, allen voran der Weltbank, auf die nationale Politik Tansanias erfolgt unter den Bedingungen der „Post-Konditionalität“ seit dem Ende der ersten Phase neoliberaler Strukturanpassung nicht mehr in einem klaren Innen-Außen-Verhältnis. Eher sind die „Geber“ inzwischen als Teil des Staatsapparats anzusehen (Harrison 2001).

Die „bürokratische Bourgeoisie“ hat sich gewandelt. Während die Aneignung des Mehrprodukts vor der Strukturanpassung überwiegend in bürokratischen Formen stattfand und das Ausmaß an Korruption vergleichsweise gering war, personalisiert sie sich mit der ökonomischen Liberalisierung, der Einführung eines konkurrenzorientierten Mehrparteiensystems und aufgrund der Verschlankung des Staatsapparates im engeren Sinne drastisch (Kelsall 2002: 610). Insgesamt gesehen nimmt die institutionelle Kohärenz und Leistungsfähigkeit des Staates ab (Kelsall 2002; Oya & Pons-Vignon 2010). Er bleibt allerdings wesentlich für die Reproduktion der „bürokratischen Bourgeoisie“, die sich weiterhin eher auf Karrieren im Staatsapparat hin ausrichtet als auf die direkte Aneignung von Produktionsmitteln und die Akkumulation von Kapital (Ellis & Mdoe 2003).

Die Landreformen seit den 1990er Jahren zielen nun zwar einerseits darauf, einen Bodenmarkt und eine „ursprüngliche Akkumulation“ von Kapital zu ermöglichen, setzen jedoch andererseits die koloniale Basisstruktur eines vom Staat kontrollierten Grundeigentums fort. Die unmittelbaren Produzierenden bleiben damit in einer Position gegenüber dem Staat, die Bill Freund (1981: 492) mit einer der Halbsklaverei vergleicht (s. auch Mueller 1980, Shivji 2009: 80). Die Grundstrukturen der Produktion und Abschöpfung bäuerlichen Mehrprodukts zeigen also eine ebenso langfristige Kontinuität wie die vorherrschende Form des Eigentums an Land.

Ein Vergleich der Akteurskonstellationen der Landnahme im Agrarsektor

Obwohl sich die Landnahme auch in Tansania seit 2008 beschleunigt hat, blickt sie auf eine längerfristige Entwicklung zurück (Bernstein 2005; Peters 2004; Shivji 1998: 36). So veränderte das Land seine agrarpolitische Ausrichtung seit der ersten Phase der neoliberalen Strukturanpassung zwischen 1986 und 1996 (Meertens 2000; Rugumamu 1997) von der Ideologie der Autarkie und eines kleinbäuerlich geprägten, afrikanischen Sozialismus hin zur Kommerzialisierung von Land.

Die Weltbank hat diesen Prozess mit Hilfe ihres 1985 gegründeten FIAS aktiv vorangetrieben. Ein Ergebnis ist die Einrichtung des Tanzania Investment Centre (TIC) zur Förderung ausländischer Investitionen (Daniel & Mittal 2010: 19). Die ebenfalls von der Weltbank gegründete IFC berät die Regierung in Fragen der Pacht von Land durch Investoren (ebd). Im Jahr 2005 verfasste sie den Entwurf eines Leasinggesetzes und einer Novellierung der Steuergesetzgebung (ebd.: 45). Schließlich war es nicht zuletzt die Weltbank selbst, die einen Diskurs prägte, wonach Afrika große Flächen ungenutzten, für landwirtschaftliche Investitionen geeigneten Landes aufweise – in auffälligem Widerspruch zur ansonsten häufig vertretenen These der Überbevölkerung und Übernutzung.

Die Akteurskonstellation der neuen Landnahme lässt sich in einen übergreifenden Komplex von Institutionen, der wesentliche Grundlagen durchgesetzt hat, einerseits und eine Reihe von Investoren, die auf Basis dieser Veränderungen ihre Interessen verfolgen, andererseits unterteilen. Die Durchsetzung der rechtlichen und institutionellen Grundlagen umfasst die Landgesetzgebung, die von der National Land Policy 1995 ausgehend sich im Village Land Act und dem Land Act 1999 niedergeschlagen hat und 2004 nach intensivem Lobbying des tansanischen Bankensektors im Land Amendment Act reformiert worden ist (Pallotti 2008). Das Engagement der Weltbank und anderer „Geber“ ist für die Ermöglichung der Privatisierung von Land entscheidend: sowohl in rechtlicher Hinsicht als auch in Hinblick auf die Schaffung von Institutionen, allen voran des TIC.

Die Regierung versucht parallel dazu, ihren Einfluss auf die Allokation von Land möglichst zu behalten, und schreibt daher auch in der neuen Landgesetzgebung die Verfügungsgewalt des Präsidenten über Grund und Boden fort. Dies steht kaum mit dem Ansatz der Vergabe von Eigentumstiteln an Land in Widerspruch, der umfassende Investitionen in diesen zeitaufwändigen und kostenintensiven Prozess erfordern würde (Pedersen 2010) und zudem der Staatsgewalt zur Kontrolle sozialer Konflikte und zur Sicherung der neuen Eigentumsordnung bedarf. Es ist bislang freilich zweifelhaft, dass die neoliberale Ideologie der individualisierten Verbriefung von Landbesitz tatsächlich in größerem Ausmaß, geschweige denn flächendeckend umgesetzt werden wird.

Neben dem übergreifenden Komplex von Institutionen, der die Voraussetzungen der neuen Landnahme schafft, ist der Komplex spezifischer Interessenskoalitionen für die konkrete Form der Landnahme entscheidend. So drängen etwa der Agriculture Council of Tanzania und das TIC auf großflächige Investitionen in den Nahrungsmittelanbau (Simbeye 2011) und spielen im Verein mit RUBADA, der Regionalverwaltung des Rufiji-Deltas, wo sich derzeit die Verpachtung von Land zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion für den Export konzentriert, die Rolle einer Pressure Group für die Durchsetzung von Investitionen. Den verfügbaren Daten zufolge stammen diese vorrangig aus dem Mittleren Osten und aus Südkorea. Diese Staaten sind mit der Verteuerung von Nahrungsmitteln oder sogar mit Knappheit konfrontiert, gelingt es ihnen nicht, entsprechende Importe zu sichern.

Bislang ist die Landnahme für den Nahrungsmittelexport stark von staatlicher Intervention sowohl auf Seiten der Investoren als auch in Tansania geprägt. Eine offenbar eher geringe Zahl von Investoren, die jedoch sehr große, geschlossene Flächen nutzen will, bedarf umfangreicher Garantien und Unterstützungsleistungen durch den tansanischen Staat und die regionale Verwaltung. Eine Einbindung der Dörfer in diese Bestrebungen ist nicht bekannt, im Gegenteil, die Aussagen eines Verantwortlichen von RUBADA (http://farmlandgrab.org/post/view/18031; letzter Aufruf: 26. 1. 2011) deuten darauf hin, dass der Staat die rechtliche Zweideutigkeit der Abgrenzung von „village land“ (Dorfeigentum) und „general land“ (Staatseigentum) in seinem Interesse ausnutzt, indem er die in Rede stehenden Flächen als ungenutzt klassifiziert und damit unmittelbar darüber verfügen kann.

Die Landnahme zum Zweck der Produktion biogener Kraftstoffe weist eine abweichende Akteurskonstellation auf. Die EU spielt in diesem Bereich aufgrund ihrer Richtlinie zur Beimischung biogener Kraftstoffe eine ebenso entscheidende Rolle wie europäische Unternehmen, die von diesem sicheren Markt profitieren wollen. Sie setzen die engen Verbindungen mit den ehemaligen Kolonialregierungen in England und Deutschland sowie den skandinavischen Staaten fort. Anders als die großfl ächige Exportproduktion von Nahrungsmitteln, die institutionell vergleichsweise leicht an seit langer Zeit etablierte Institutionen des Flächenmanagements anschließen kann, ist die Biomasseproduktion ein ökonomischer Sektor, der sich erst in Entwicklung befindet. Dieser Sektor wird in Tansania bislang von Jatropha-Projekten dominiert, die Marjolein Caniëls und Henny A. Romijn (2008) als eine strategische Nische der technologisch innovativen Produktion erneuerbarer Treibstoffe auffassen. Denn Jatropha hat bislang keinen etablierten Markt und ihr Anbau ist mit erheblichen Risiken verbunden (s. Exner 2011).

Michael Martin, Agnes G. Mwakaje und Mats Eklund (2009) zeigen die Bandbreite an unterschiedlichen Betriebstypen im biogenen Kraftstoff-Sektor auf, auch Caniëls und Romijn (2008) dokumentieren auf Basis einer Netzwerkanalyse die Heterogenität dieses Akteurs-Komplexes. Deren aktuelle Studie (i.E.) zeichnet das Bild einer hoch dynamischen und instabilen Branche, die von unterschiedlichen Entwicklungsvorstellungen geprägt und von Konflikten durchzogen ist. Dabei wird deutlich, dass der Anbau von Jatropha mit divergierenden Perspektiven verknüpft ist, einerseits mit dem Ziel lokalen Wachstums und energetischer Autonomie, andererseits mit der Exportproduktion im großen Maßstab. Eine intermediäre Position nimmt das Modell der Vertragslandwirtschaft ein. Einiges deutet darauf hin, dass sich die großflächige Exportproduktion durchsetzen wird, sofern sich Jatropha als profitabel herausstellen sollte.

Die säkulare Verschärfung vertikaler und horizontaler Landkonflikte

Die Landnutzung ist seit der Kolonialzeit umkämpft. Der Wiederanstieg der Landkonflikte im Verlauf der neoliberalen Strukturanpassung und deren Verschärfung durch die neue Landnahme seit 2008 bettet sich in eine langfristige Kontinuität der staatlichen Intervention in den Bereich der Landwirtschaft ein. Der Versuch, die Landwirtschaft zu modernisieren und Bewirtschaftungspraxen zurückzudrängen, die als ökologisch destruktiv oder ineffi zient gelten, ist das durchgehende Motiv.

Betrachtet man die postkoloniale Periode, so kulminierte der so gerahmte Konflikt zwischen dem Staat und den sich widersetzenden Produzenten in der Zwangsumsiedlung 1973-1975. Offiziell mit der Verbesserung sozialer Dienste begründet und als Voraussetzung der landwirtschaftlichen Produktionssteigerung angesehen, diente die villagization de facto vor allem der politischen Kontrolle der Produzenten und zur Konsolidierung der Einheitspartei Tanganyjika African National Union (Coulson 1982). Einzelhöfe wurden in Dörfer zusammengefasst, häufig an für die Landwirtschaft wenig geeigneten Standorten. Die Zwangsumsiedlung störte die Produktion und zerrüttete die sozio-ökonomischen Beziehungen, was zu einem drastischen Produktionsabfall (Coulson 1982; Kjekshus 1977b; Scott 1998) und zum Anstieg von Landkonflikten führte (vgl. Ojalammi 2006).

Bisher scheiterte der Staat am deklarierten Ziel, die Agrarproduktion für den Markt wesentlich und dauerhaft zu erhöhen [12]. Die vorderhand als ein Versuch technischer Modernisierung der Landwirtschaft erscheinende Umsiedlungs- und Landwirtschaftspolitik der sozialistischen Ära war in der Tat nur der ideologische Mantel eines weit gespannten vertikalen Landkonflikts um die Frage, wer auf welche Weise welches Land für welche Zwecke nutzt. Die Bauern machten in der Periode der sozialistischen Modernisierung handlungspraktisch hauptsächlich das Interesse an einer familienorientierten Subsistenz, der selbstbestimmten Wahl der Feldfrüchte und Anbaumethoden sowie an staatlichen Dienstleistungen geltend. Der Staat dagegen verfolgte das Ziel einer Erhöhung des bäuerlichen Mehrprodukts, anfänglich noch zusammen mit einer Ideologie der Kollektivbewirtschaftung, und förderte selektiv den Anbau von Mais. Der resultierende passive Klassenkampf der Produzierenden gegen die „bürokratische Bourgeoisie“ basierte auf einer vergleichsweise geringen Abhängigkeit von Geldeinnahmen und auf Möglichkeiten, in die Subsistenz auszuweichen und sich dem Blick des Staates zu entziehen (Scott 1998). Folglich blieb der vertikale Landkonflikt unentschieden, ein Patt, das sich in der langfristigen Stagnation der landwirtschaftlichen Produktion äußerte (Coulson 1982).

Parallel drangen Ware-Geld-Beziehungen seit der Zeit der Kolonisierung so weit in die nicht-kapitalistische Produktions- und Lebensweise vor, dass sie ihre spezifischen Formen sozialer Sicherung, Pufferung und Regulierung unterminierten. Mit der Strukturanpassung beschleunigte sich der Prozess der Kommerzialisierung. Damit ging eine zunehmende Prekarisierung und Volatilität sozio-ökonomischer Beziehungen einher. Vor diesem Hintergrund bleibt die Fähigkeit zur teilweisen Subsistenzproduktion lebenswichtig (Bryceson 2000: 312).

Die für die Produktionsschwäche seit der neoliberalen Strukturanpassung spezifischen Faktoren sind zum einen der Wegfall staatlicher Subventionen und die Vernachlässigung der ohnehin schlechten Infrastruktur. Zum anderen werden zunehmend schlechtere Böden in Nutzung genommen, während die landwirtschaftliche Fläche pro Person sinkt (Skarstein 2006). Darüber hinaus sind die früher staatlichen Agrarkooperativen von Korruption geprägt und verfügen zum Teil über eine monopolgleiche Stellung (Cooksey 2003).

Seit den 1990er Jahren nehmen Landkonfl ikte erneut zu. Sie zeigen sich nur zum Teil in der Steigerung von Klagen (s. etwa die Fallstudie von Isinika & Mutabazi 2010), die, wie Sally Moore (1986) eindrücklich anhand der Chagga beschrieben hat, nur wie die Spitze eines Eisbergs, als ein offizieller Ausschnitt aus einem weitreichenden Gewebe informeller gesellschaftlicher Konfliktlagen ragt. Sie drehen sich hauptsächlich um die Verteilung und Bewirtschaftung von Ackerland und Weidegründen. Die Konfliktlinien sind komplex (Havnevik & Isinika 2010b: 10ff; Odgaard 2003).

Brennpunkte bestehen zwischen Pastoralisten und dem Staat sowie zwischen Pastoralisten und den sesshaften Bauern beziehungsweise kommerziellen Investoren [13]. Der Staat diskriminiert die pastoralistische Produktions- und Lebensweise nach wie vor, zumeist mit Verweis auf ihren angeblich archaischen Charakter und eine vermeintlich geringe Produktivität (Mattee & Shem 2006: 3ff, Benjaminsen u.a. 2009). Zudem übt er direkte Gewalt bis hin zu Tötungen aus. So ermordeten seine Wildhüter wiederholt Massai, die Naturschutzgebiete nutzen, oder zerstörten ihren Besitz (Shivji 2006: 182, 243ff). Die Vertreibung insbesondere von Pastoralisten zugunsten so genannter Naturschutzgebiete beschränkt sich nicht auf die Kolonialzeit, sondern ist ein kontinuierlicher Bestandteil von Landkonflikten bis in die Gegenwart. Nicht zuletzt der dominante, pejorative politische Diskurs des Pastoralismus schafft ein günstiges Klima für gewalttätige Konflikte zwischen Bauern und Pastoralisten (Baha u.a. 2008, Benjaminsen u.a. 2009).

Auch in den patriarchalen Geschlechterantagonismus sind Landkonflikte des vertikalen Typus eingelassen. Denn der patriarchale Geschlechterantagonismus senkt die Flächenproduktivität wegen der mangelnden Beteiligung der Männer an der landwirtschaftlichen Arbeit und verschärft eine resultierende Unterernährung aufgrund der Arbeitsüberlastung der Frauen. Sie können die Kinder insbesondere zu Zeiten von Arbeitsspitzen nicht mehr ausreichend versorgen. Unter der von den Männern dominierten cash-Ökonomie und ihren Konsum- und Investitionsprioritäten leidet nicht zuletzt auch die Anschaffung arbeitssparender landwirtschaftlicher Geräte (Geier 1995).

Zusammenzufassend lässt sich feststellen: Die Landkonflikte in Tansania sind erst vor dem Hintergrund der staatlichen Kontrolle über Grund und Boden, der Durchsetzung von Eigentumsrechten und der Strukturanpassung zu begreifen. Zum einen stehen sie im Kontext der Definition von eindeutigen Eigentumsgrenzen zur Erhöhung der Lesbarkeit sozialer Verhältnisse durch den Staat (Scott 1998), die mit der Zwangsumsiedlung einsetzte (Shivji 1998). Im Rahmen der Strukturanpassung dient diese nicht mehr dem direkten Zugriff auf die Landfläche und die Produzenten, sondern soll vor allem die Sicherheit von Kapitalinvestitionen in Land garantieren. Zum anderen sind die Landkonflikte Folge der wachsenden, durch die Kommerzialisierung bewirkten Konkurrenz um Land (Shivji 1998; zu Afrika insgesamt: Peters 2004). So treten zum vertikalen Landkonflikt zwischen Produzenten und dem Staat in verstärktem Maße erstens der vertikale Konflikt mit ausländischen Investoren, zweitens horizontale Konflikte über die Verfügung der Schlüsselressource Land, die ihrerseits die soziale Polarisierung vorantreiben. Schließlich vertieft die Kommerzialisierung auch den patriarchalen Geschlechterantagonismus.

Die Landnahme: „Win-Win“ oder Moment eines Epochenbruchs?

Wie ist nun die Landnahme und die damit verknüpfte Hoffnung auf eine „Win-Win“-Situation einzuschätzen, wie sie unter anderem die Weltbank vertritt?

Existiert womöglich ungenutztes fruchtbares Land, das es erlaubte, den Konflikt zwischen der vermehrten Produktion biogener Kraftstoffe für den „Tank“ und von Nahrungsmitteln für den Export einerseits und für den „Teller“ der lokalen Bevölkerung andererseits von vornherein zu umgehen? Afrika weist nach Ansicht der Weltbank und anderer machtvoller Akteure der Landnahme besonders große Flächenreserven auf. Vergleicht man allerdings Zahlen zur Verfügbarkeit von Flächen, die in Tansania für den Ackerbau geeignet sein sollen, und geht ihren Quellen nach, so ist jedenfalls eines festzustellen: Die Datenlage lässt keine sicheren Aussagen über Landreserven zu. Wahrscheinlich sind die optimistischen Angaben der Weltbank nur Illusion. Die Einschätzung auf Basis von Daten, die man als relativ verlässlich beurteilen kann, ergibt, dass vermutlich nur eine geringe Fläche ungenutzt ist (Exner 2011: 153ff). Die für die profitmotivierte Landwirtschaft kapitalistischer Investoren interessanten fruchtbaren Gebiete befinden sich wahrscheinlich bereits zur Gänze in Nutzung.

Bliebe also der Weg einer umfassenden Kommerzialisierung von Land und der Ausweitung von Vertragslandwirtschaft. Tatsächlich könnte eine Politik der Schaffung von Bodenmärkten und der Vergabe von Landnutzungsrechten an Investoren, wie sie die Weltbank, die FAO und manche NGOs anstreben, möglicherweise zu einer Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft führen und den Gesamtoutput erhöhen. Allerdings würde der Zugang zu Land eingeschränkt und damit die Ernährungssicherheit insbesondere marginalisierter Gruppen bedroht (vgl. Geier 1995: 53). Zudem gilt eine solche Option nur ceteris paribus. Ansonsten gleichbleibende Bedingungen wird es angesichts der fossilen Fördermaxima, des Klimawandels und der weltweiten kapitalistischen Krise jedoch schwerlich geben.

Ähnliches gilt in Hinblick auf das Modell der Vertragslandwirtschaft. Empirische Studien zeigen, dass die Vertragslandwirtschaft zwar häufig Einkommen steigert, jedoch im selben Zug die Notwendigkeit, Ausgaben zu tätigen, sowie das Risiko. Die ärmsten Schichten bleiben in der Regel ausgeschlossen. Zu einer kollektiven Ermächtigung der Bauernschaft trägt Vertragslandwirtschaft nicht bei, denn das Machtungleichgewicht zwischen Investoren und Bauern ist in Afrika sehr groß, und Verträge sind daher in der Regel stark asymmetrisch [14].

Die Landnahme kann schon allein deshalb keine „Win-Win“-Situation im Sinn der Weltbank darstellen, weil es aufgrund des nahen oder bereits überschrittenen Öl-Fördermaximums und der Ertragsgefährdung durch die globale Erwärmung zur Abschließung stofflich-energetischer Wachstumspfade kommt. Die idealisierte Stufenfolge von drastischer Rationalisierung der landwirtschaftlichen Produktion, umfassender Proletarisierung, einem Ausbau industrieller Kapazitäten sowie einem Aufbau öffentlicher Infrastrukturen und sozialstaatlicher Sicherungen bricht unter den absehbaren Bedingungen des postfossilen Zeitalters und der mehrfachen Übergangskrise vielleicht schon bei der Rationalisierung der Landwirtschaft, spätestens aber beim Ausbau industrieller Kapazitäten ab, vom Aufbau eines Sozialstaats und öffentlicher Infrastrukturen ganz zu schweigen.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass sich neben den fossilen Ressourcen auch Phosphor verknappt (Cordell u.a. 2009, Zittel 2010), ein Makronährstoff der Pflanzen, der für hohe Erträge über Dünger ersetzt werden muss. Solche Ressourcen werden sich kaufkräftige und politisch mächtige Akteure aneignen. Dazu gehört weder der Staat noch die Bauernschaft Tansanias.

Die Landnahme könnte in Tansania freilich ein Proletariat schaffen, das sich zum geringeren Teil in der Produktion von Biomasse und Nahrungsmitteln für den Konsum der kapitalistischen Metropolen und der Schwellenländer verdingt, vielleicht begleitet von einem wachsenden Sektor von Vertragslandwirten unter der Kontrolle des Agrobusiness. Die Flächenkonkurrenz zwischen biogenen Kraftstoffen und Nahrungsmitteln würde allerdings ebenso wie die Koppelung des Pflanzentreibstoffs und damit der Lebensmittel an den steigenden Preis der fossilen Energie zur weltweiten Unterernährung beitragen und auch in Tansania den Hunger vergrößern.

Zwar könnten die Metropolen ihre politischen Bemühungen verstärken, biogene Kraftstoffe zu importieren – den mittelfristig einzig realistischen, teilweisen Ersatz für fossile Energie im Transport. Allein die EU kann vermutlich nur ein bis zwei Drittel (de Santi u.a. 2008; Eickhout u.a. 2008, ActionAid 2010) des 2020 auf Basis der Direktive 2009/28/EC erforderlichen biogenen Kraftstoffbedarfs auf ihrem Territorium decken. Afrika hat deshalb eine strategische Bedeutung (Ponti & Gutierrez 2009: 494, Charles u.a. 2009). Doch die EU-Direktive berücksichtigt die Frage der fossilen Fördermaxima nicht. Steigende Biomassenachfrage bei absinkender Flächen- und Arbeitsproduktivität aufgrund von Verknappungen bei fossilen Inputs oder auch bei Phosphor sowie aufgrund des Klimawandels bedeutet, dass größere Flächen in Nutzung genommen werden müssen, um denselben Ertrag zu erreichen, und Verteilungsspielräume somit zurückgehen.

Sollten die fossilen Fördermaxima dagegen die Akkumulation des Kapitals und damit auch den Konsum beeinträchtigen, so könnte auch die Nachfrage nach Rohstoffen und Nahrungsmitteln aus der Peripherie zurückgehen oder sogar einbrechen. Auch in diesem Fall entpuppte sich die Hoffnung auf „Win-Win“ durch vom Profit getriebene landwirtschaftliche Investitionen als eine Illusion.

Die Position der Weltbank und ähnlich orientierter Akteure setzt, wie schon Li (2011) festgestellt hat, implizit voraus, dass ein durch den stummen Zwang von Kommerzialisierung und Rationalisierung oder auch durch illegale Enteignung wachsendes Proletariat entweder im Agrarsektor oder in einer wachsenden Industrie (akzeptable) Einkommensmöglichkeiten vorfindet. Die kapitalistische Mehrfachkrise leitet indes voraussichtlich einen Epochenbruch ein, wobei sich zusammen mit der Ressourcenbasis der Ökonomie auch ihre soziale Form umgestalten wird. Den Verlauf dieser Umgestaltung werden soziale Kämpfe, die nicht vorhersehbar sind, wesentlich beeinflussen. Unter diesen Bedingungen ist nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage eine solche Modernisierungsidee konsistent zu formulieren wäre.

Anmerkungen und Fußnoten

* Der Autor dankt dem Österreichischen Klima- und Energiefonds, der im Rahmen der Förderung für das Projekt „Save our Surface“ die dem Artikel zugrundeliegende Forschung ermöglicht hat, sowie der Redaktion und dem anonymen Review für wertvolle kritische Kommentare. Christian Lauk unterstützte freundlicherweise bei der Besorgung von Literatur. Die Projektergebnisse inklusive des ausführlichen Teilberichts stehen unter http://www.umweltbuero-klagenfurt.at/sos/ zum Download bereit.

** Diese Zahl beruht auf der ersten, von der Weltbank online bereits als „finale Version“ bezeichneten Ausgabe des Reports „Rising interest in global farmland“ vom Sept. 2010 (siehe Seite 35). In der tatsächlichen Endversion hat die Weltbank die Angabe auf 56 Mio. ha erhöht und die Zahlen zur regionalen Verteilung der Akquisitionen verändert (allerdings ohne die Flächenanteile der einzelnen geplanten Nutzungsarten anzupassen). [Diese erläuternde Anmerkung ist nicht Teil der Printausgabe des vorliegenden Artikels]

[1] Übersetzungen fremdsprachiger Zitate durch den Autor

[2] Laut ILO stellten Lohnarbeiter 2006 rund 47 % der globalen Gesamtarbeitskraft (ILO 2009).

[3] Profit ist gemäß der begrifflichen Unterscheidung der theoretischen Kategorie „Mehrwert“ und der empirischen Größe „Profit“, wie sie Karl Marx in Das Kapital (1987/1986/1972) entwickelt, die Form, in der das Kapital sich den durch Mehrarbeit der Lohnabhängigen erzeugten Mehrwert aneignet. Dieser entsteht in der Sphäre der Warenproduktion, seine Aneignung als Profit vollzieht sich hingegen in der keinen Mehrwert produzierenden Sphäre der Warenzirkulation.

[4] Elektroautos stellen keine Lösung des Problems dar; vgl. dazu z.B. Exner u.a. 2008.

[5] Die knapper werdende fossile Energie limitiert unter den Bedingungen eines gering entwickelten erneuerbaren Energiesystems auch den physischen Umfang dieser Technologien – möglicherweise für lange Zeit.

[6] Ob selbst bei entsprechend entwickelten Speicher- und Verteilertechnologien die Volatilität erneuerbarer Energieträger restlos ausgeglichen werden kann, ist noch nicht mit Sicherheit festzustellen (s. z.B. Exner u.a. 2008).

[7] s. dazu z.B. Altvater & Geiger 2010; Exner 2009; Fleissner 2010; Li 2008; langfristig ist, selbst wenn man von den spezifi schen Eigenschaften der erneuerbaren Energieträger absieht, ein dauerhaftes Wachstum des Gesamtkapitals nicht möglich (s. Exner u.a. 2008).

[8] Vgl. Coulson 1982; Hartemink & Wienk 1995; Raikes 1986; Sabea 2008.

[9] Der hier verwendete Begriff der kleinbäuerlichen Produktionsweise hat nichts mit der Vorstellung einer „Economy of Affection“ wie bei Goran Hyden (1980) zu tun.

[10] Der Begriff wird in der einschlägigen Literatur zu Tansania und in den zitierten Quellen nicht verwendet. Er umfasst das Staatspersonal, bezahlte politische Funktionäre, Manager privater Firmen, die so genannten freien Berufe sowie Gewerbetreibende, die Lohnarbeit anwenden und im eigenen Betrieb mitarbeiten, ebenso die Eigentümer landwirtschaftlicher Betriebe, die eigene Arbeit (plus der Arbeit von Familienmitgliedern) mit Lohnarbeit kombinieren.

[11] Shivij selbst setzt ihn in Anführungsstriche.

[12] Meertens 2000; Shao 1985; Skarstein 2006; vgl. URT 2010.

[13] Benjaminsen u.a. 2009; Brockington & Homewood 2001; Kajembe u.a. 2003 und dort zitierte Literatur; Mattee & Shem 2006; Odgaard 2003, 2006; Ojalammi 2006, Shem 2010.

[14] Vgl. Baumann 2000; Little & Watts 1994; Oya 2010: 98, 101; Li 2011; Weis 2007: 115f; White & Dasgupta 2010: 603ff.

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Anschrift des Autors:
Andreas Exner
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