Eine Welt im Übergang

[via Oya, Ausgabe 12, Januar/Februar 2012, S. 89]

von Erik Meininger

Dieses Buch ist ein Weckruf. Und dieser Ruf über 255 Seiten ist zutiefst beunruhigend in seiner bestechenden Deutlichkeit: Fossile Rohstoffe, wie das für unsere Wirtschaft bislang so lebenswichtige Erdöl, aber auch Erdgas, wichtige Metalle und Rohstoffe zur Produktion von Düngemitteln für die Landwirtschaft – sie alle werden absehbar immer knapper.

Unterdessen steigen die Preise für Energie und Nahrungsmittel und damit wird der Zugang zu Land immer wichtiger. Aber Ackerland ist natürlich ebenso begrenzt wie die ausgebeuteten Rohstoffe und so hat die Nutzung des Bodens für biogene Kraftstoffe und den Fleischkonsum westlicher Prägung zur Folge, dass die Lebensperspektiven ganzer Bevölkerungsgruppen in der südlichen Hemisphäre bedroht sind.

Der Titel des Bandes „Kämpfe um Land“ mit dem Untertitel „Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter“ vermittelt einen guten Eindruck des Spannungsfeldes in dem sich die acht Aufsätze bewegen, die im Rahmen des Forschungsprogramms „Neue Energien 2020“ entstanden sind und zwischen Analysen zur Rohstoffsituation, nüchtern formulierten Katastrophenszenarien und alternativen Modellen solidarischer Postwachstumsökonomien changieren.

Die Texte untersuchen nicht nur die Ursachen der aktuellen Krise, sondern auch die bevorstehenden Auswirkungen durch die Verknappung des Erdöls und die Chancen und Grenzen der Energiegewinnung aus regenerativer Biomasse. Darüber hinaus werden die absehbaren Veränderungen in der Landwirtschaft und die Folgen der globalen Verknappung von Metallen behandelt. Insgesamt wird klar, dass die Verheißung allgemeinen Wohlstands durch ein konstantes Wirtschaftswachstum unglaubwürdig geworden ist.

Als Ausweg entwerfen die letzten beiden Texte konkrete Ansätze einer basisdemokratisch organisierten auf Gemeingütern basierenden Gesellschaft, die den Menschen und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen im Fokus hat. Auf der Grundlage „sozialer Basisinnovationen,“ die als veränderte sozialen Verhaltensweisen zu verstehen sind, u.a. der Fähigkeit der Menschen sich in komplexeren Gemeinschaftssystemen zu organisieren, sollen auf kommunaler Ebene Alternative Wirtschafts- und Lebensweisen entwickelt werden. Diese könnten sich im Idealfall so weit entwickeln, so die Autoren, dass sie sich ausbreiten und schließlich das alte System ablösen. Die Frage ist nur wie viel Zeit dafür noch bleibt. Fazit: Wer ernsthaft an dieser Thematik arbeiten will, dem sei ans Herz gelegt, sich Zeit für dieses Buch nehmen.

Andreas Exner, Peter Fleissner, Lukas Kranzl, Werner Zittel (Hg.): „Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter.“ Mandelbaum Verlag, Wien 2011, 255 Seiten, 19,90 €.

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