Geldfreie Ökonomien global und lokal: Der einzige Weg zu weltweiter Nachhaltigkeit?

von Anitra Nelson

Wirklichen Wandel wird es nur geben, wenn wir die marktwirtschaftlichen Praktiken angreifen und unsere Zukunftsstrategien an nicht-monetären Werten, an Gebrauchswerten ausrichten.

Unsere Vision von Pakten und Netzwerken besteht darin, Vereinbarungen über eine kleinteilige und effiziente Lebensweise zu treffen. Darüberhinaus zielt sie darauf, Netzwerke von einzelnen Personen, von Haushalten und Nachbarschaften, die bereit sind, Verpflichtungen einzugehen, zu formalisieren. Wassereinzugsgebiete und „ganzheitlich“ orientierte Menschen werden zu gesellschaftlichen und ökologischen Bausteinen.

Wir brauchen einen doppelten Ansatz: nicht-monetäre Weisen der Zusammenarbeit stärken und monetäre sowie marktwirtschaftliche Prinzipien schwächen. So erreichen wir sozialen Wandel, mit Hilfe eines Prozesses gewaltfreier Aktion.

Ein praktisches Beispiel, das im Folgenden kritisch diskutiert wird, ist die Rationierung von Kohlenstoff.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nachhaltigkeit erfordert das Ende des Marktes, das Ende der Produktion für den Handel und das Ende des Handels. Stattdessen müssen wir uns um die Erde kümmern, um die Menschen, und unsere Überschüsse teilen.

Sollten wir nicht bereits eine Dynamik in Gang gesetzt haben, die unser Ende als eine biologische Art bedeuten wird, so müssen wir rasch handeln um genau das zu verhindern. Die globale Erwärmung ist dabei nur Spitze des Eisbergs. Es reicht daher nicht aus, einfach nur auf den Klimawandel zu fokussieren, das heißt die momentanen Emissionstrends zu stoppen, ja, umzukehren, und uns an die bereits unvermeidlichen Folgen des Klimawandels anzupassen.

Um die Krisen zu durchtauchen, mit denen wir uns nun konfrontiert sehen, und um unsere Stellung im ökologischen Netz der Natur zu stabilisieren, müssen wir nachhaltige Praktiken institutionalisieren, zum Beispiel den Energie- und Ressourcenverbrauch minimieren. Allerdings sind nachhaltige Praktiken nur möglich, wenn wir einen fundamentalen Wandel vollbringen: in der Lebensweise, in der Art unserer sozialen Beziehungen und in der Weise, wie wir die nicht-menschliche Natur wertschätzen und behandeln.

Der jetzige Fokus darauf, das Regierungshandeln, die Wohngebiete, Geschäfte und andere Bereiche des öffentlichen und privaten Raums ökologisch nachhaltiger zu gestalten, erreicht die notwendigen Veränderungen nicht mit der nötigen Geschwindigkeit. Zwar gibt es immer mehr Visionen und Strategien der Nachhaltigkeit. Doch stehen sie in Konflikt mit den Vorrechten der Ökonomie, die Entscheidungen und Aktivitäten nach wie vor dominieren. All diese Initiativen sind zu klein und zu langsam. Warum ist das so?

Nach einer Zusammenfassung der Gründe für den Übergang in eine Welt ohne Geld und der Wege, dies zu erreichen, die ich geben werde, findet ihr praktische Tips wie wir Lebensstile entwickeln können, die ohne oder mit wenig Geld auskommen.

Die Praktiken des Marktes

Wir versuchen an den alten, nicht nachhaltigen Lebensweisen festzuhalten, namentlich am Kapitalismus, anstatt nachhaltige zu etablieren. Kapitalistische Praktiken basieren auf dem Handel, auf dem Tausch von Gütern und Dienstleistungen gegen Geld, und darauf, Güter und Dienste für den Handel zu produzieren. Das heißt, im Kapitalismus ist der ganze Produktionsprozess, sind alle Entscheidungen darüber, wie und was produziert werden soll, auf den Markt ausgerichtet.

Diese Marktlogik benutzt die monetäre Kalkulation. Es scheint daher als wäre Geld unser gemeinsamer Gott, unser zentraler Wert. Es sieht so aus als würde Geld die Prinzipien all unserer grundlegenden Beziehungen und Aktivitäten stellen.

Im Rahmen dieser Mainstream-Perspektive müssen sogar Nachhaltigkeitsinitiativen “wirtschaftlich” sein. Ein Beispiel dafür ist die Vorherrschaft der „triple bottom line“, wonach Projekte und Unternehmen nach den Kriterien „people, planet, profit“, das heißt sozial, ökologisch und wirtschaftlich beurteilt werden sollen. Die Welt wird also in der Nachhaltigkeitsdebatte immer noch mit kapitalistischen Augen betrachtet: fragmentiert in einzelne Komponenten, die nach wie vor mit wirtschaftlichen Kriterien und nach ihrer wirtschaftlichen Berechtigung beurteilt werden, das heißt nach ihrer Profitabilität.

Während kapitalistische Unternehmen ihren Erfolg anhand der Profitabilität messen, sind kapitalistische Staaten um exponentielles wirtschaftliches Wachstum zentriert. Dabei steht der Überkonsum an der Basis der nicht nachhaltigen Dynamik, die uns mit unserem eigenen Aussterben bedroht, als würden wir den kollektiven Selbstmord wählen. Alle maßgeblichen internationalen, zwischenstaatlichen Institutionen und Regierungseinrichtungen unterstützen den Handel und die Produktion für den Handel. Auf diese Art vermeiden das Kyoto-Protokoll und andere internationale Bemühungen substanzielle Vereinbarungen zum Klimaschutz und für die Schaffung der Grundlagen globaler Nachhaltigkeit.

Nicht-monetäre Werte: Gebrauchswerte

Die heutigen Nachhaltigkeits-Initiativen versagen. Denn in einer wirklich nachhaltigen Praxis müssen unsere Entscheidungen und Aktivitäten von nicht-monetären Werten, Prinzipien und sozialen Verhältnissen bestimmt werden. Um nachhaltig sein zu können, müssen wir alles gemäß seines Gebrauchswert behandeln und anhand von Gebrauchswert-Effizienzen betrachten. Es geht darum, Bedarfe und Umweltfolgen zu minimieren. Gebrauchswerte müssen ökologische Werte beinhalten.

Wir müssen von den monetären Werten und der monetären Kalkulation Abstand nehmen, die der Markt erfordert. Das heißt, wir müssen die kapitalistischen Kriterien und die unnötigen Komplikationen loslassen, die sich daraus ergeben, dass wir Unternehmen anhand von Vermögen und Geldflüssen, Kredit und Schulden strukturieren. Es ist schon schwer genug, allein die ökologischen Prozesse und Dynamiken zu verstehen und zu bearbeiten. Machen wir es uns nicht noch schwerer, indem wir uns die Aufgabe aufhalsen, die Produktion und das Geben und Nehmen dem Markt und seiner Logik verständlich zu machen.

Die wirklichen sozialen Erfordernisse bestehen darin, dass Menschen genug haben um zu leben und dass wir die Verantwortung für die Produktion und ihr Ergebnis teilen. Es ist eine Tatsache, dass grundlegende menschliche Bedürfnisse im Handel und in der Produktion für den Handel ignoriert werden, die ja lediglich an der Nachfrage ausgerichtet sind, das heißt an zahlungsfähigen Bedürfnissen. Genau deshalb können nachhaltige Praktiken, die auf Gebrauchswerten basieren, soziale Bedürfnisse ebenso wie ökologische Erfordernisse besser befriedigen.

Es ist ganz klar, dass wir diese Vision einer Gesellschaft basierend auf sozialen und ökologischen Bedürfnissen nicht über Nacht erreichen können. Dennoch: Wenn wir eine klare Vision der Werte, Prinzipien und Beziehungen haben, die wir etablieren wollen, und wenn wir uns für vernünftige Strategien entscheiden, diese gemeinsame Vision auch zu erreichen, so werden wir sie schneller realisieren. Zuerst werden wir daher die Vision diskutieren, danach den Weg sie zu verwirklichen.

Die Diskussion der Strategien wird am Beispiel der Kohlenstoff-Rationierung einige wichtige Aspekte des Übergangsprozesses verdeutlichen.

Die Vision: Pakte[1] und Netzwerke

Eine Welt zu schaffen, die mit Erfolg Fairness, Gleichheit und Nachhaltigkeit ermöglicht, verwirklicht und aufrecht erhält, bedarf sozialer Verhältnisse ohne Geld, einer „Gesellschaft des sozialen Pakts“. Warum „Pakt“? Pakt verweist in dem Zusammenhang gleichermaßen auf eine „Vereinbarung“ als auch auf „Kleinteiligkeit und Effizienz“. Denn in einer Gesellschaft des sozialen Pakts sind unsere Alltagspraktiken bescheiden und effektiv, sie minimieren Ressourcen- und Energie-Einsatz um einfache und grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Formalisierte kollektive Vereinbarungen, Pakte also, erlauben es uns gemeinsam in diesem Sinn zu handeln. Nur so können wir vermeiden, dass Aktionen einer Gruppe die Aktionen anderer konterkarieren. Netzwerke sozialer Pakte bilden die Grundlage von Pakten zwischen Nachbarschaften, von Regions-Pakten und schließlich einer globalen Gesellschaft des sozialen Pakts.

Das Konzept des “Paktes” steht in einem Naheverhältnis zum “Vertrag“. Doch beinhaltet ein Pakt nichts von den monetären, finanziellen Elementen, die Verträge in der Regel auszeichnen. Pakte haben das Potenzial zu politischen und ökonomischen Bausteinen einer Welt ohne Geldverhältnisse und Geldwerte. Pakte involvieren in der Regel zumindest zwei Parteien, die zum Beispiel übereinkommen Nutzungsrechte und die Verantwortung für eine bestimmte Ressource zu teilen, oder einander mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Anders gesagt: Pakte würden Vereinbarungen festschreiben, wie Ressourcen genutzt und verwaltet werden, die erstens notwendig sind um Menschen ein bescheidenes Leben zu ermöglichen, und zweitens die Verantwortung als BewahrerInnen der Erde und all ihrer natürlichen Gemeinschaften zu teilen.

Pakte und Netzwerke sind tragfähige Formen der direkten Entscheidungsmacht der Menschen und für ihre Aufteilung. Pakte beinhalten formelle Vereinbarungen zwischen Einzelnen und Gruppen, die alle möglichen Arten von Aktivitäten unterstützen, darunter die gemeinsame Produktion und den Bereich des Gebens und Nehmens. Solche Pakte würden lokal organisiert und in der Form von Netzwerken die verschiedene Lokalitäten verbinden. Das heißt, wir sprechen hier von einer „Bewegung des sozialen Pakts“, insoweit wir es nämlich mit Netzwerken sozial ausgewogener Pakte zwischen Gruppen und Einzelnen zu tun haben, Pakten, die ökologische Nachhaltigkeit respektieren und schließlich ineinander übergehen und so einen dynamischen Weg zu einer vernünftigen, menschlichen und tragfähigen Lebensweise bilden.

Viele Menschen haben einige Beziehungen und Verhaltensweisen, die mit der Vision der Pakt-Gemeinschaften übereinstimmen.Eine “Bewegung des sozialen Pakts” ist bereits sichtbar in den individuellen Akten und freiwilligen Vereinigungen, die menschliche und ökologische Prinzipien und Werte über die monetären, kapitalistischen stellen. Solche Werte zu verallgemeinern und sie in Pakten zu formalisieren würde alternative Formen der Governance kreieren und schlussendlich in eine globale Gesellschaft des sozialen Pakts münden.

Diese Vision ist nicht ganz neu: viele Befreiungsphilosophien deuten in diese Richtung einer planetaren Gesellschaft des sozialen Pakts. Der Anarchismus, die Permakultur, der Humanismus und der Kommunismus priorisieren alle die Gleichheit und die Fairness zwischen den Menschen, zusammen mit einem bescheidenen und nachhaltigen Leben, das die Natur respektiert. Die Prinzipien und Werte, die damit verbunden sind, finden sich in den Schriften und Aktionen vieler PhilosophInnen und AktivistInnen.

Allerdings gibt es ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal der Vision des sozialen Pakts. Diese Vision gehört eindeutig zu den nicht-marktwirtschaftlichen sozialistischen Visionen von Produktion und Verteilung, und zwar auf der Basis, dass die menschlichen und planetarischen (ökologischen) Bedürfnisse ohne den Einsatz von Geld oder mit Bezug auf Geldwerte, und die damit verbundenen Prinzipien und Beziehungen erfüllt werden.

Netzwerke sind die internen Strukturen von Kommunikation und Beziehung zwischen den Mitgliedern innerhalb eines Paktes als auch der externen Verbindungen, die weitere Pakte darstellen und andere Arten von Beziehungen, die Pakte unterstützen. Zum Beispiel würde ein Haushalt mit Hilfe eines Pakts organisiert, der seinerseits Mitglied anderer Pakte wäre, die man für den speziellen Zweck eingeht, den Haushalt aufrechtzuerhalten und seine Mitglieder darin zu unterstützen, andere Menschen in der Nachbarschaft mitzutragen, ebenso wie die lokale natürliche und gebaute Umwelt.

Wenn erst einmal die geeigneten Prinzipien und Werte die Kraft von Gewohnheitsrechten und ganz gewöhnlicher Verantwortlichkeiten haben, wird das Potenzial von Pakten und Netzwerken sichtbar, alternative Gesellschaften zur kapitalistischen Gesellschaften zu bilden. Die heutigen kapitalistischen Praktiken widersprechen universellen Menschenrechten auf Nahrung, Kleidung, Behausung, Sicherheit und Pflege. Jede denkbare Aktivität in ihrem Rahmen beinhaltet auf irgendeiner Ebene letztlich monetären Überlegungen, was direkte und vernünftige Antworten auf menschliche und ökologische Bedürfnisse verhindert. Nicht-monetäre Pakte und Netzwerke arbeiten stattdessen direkt mit den vorhandenen menschlichen Fähigkeiten und Anstrengungen, mit Energie und Stoffen, die man als Gebrauchswerte bewertet.

In einer solchen Gesellschaft hat jedes menschliche Wesen das Recht auf die Befriedigung seiner grundlegenden Bedürfnisse. Alle wären Mitglied von sozialen Pakten, die dazu dienen diese Bedürfnisse zu erfüllen. Zugleich wären sie damit auch Mitglied von Netzwerken, worin sie die Verantwortung dafür tragen, die Grundbedürfnisse anderer Menschen zu erfüllen und für die lokale Umwelt. Die Planung und die Verteilung, die in den Pakten formalisiert sind, würden durch den Einsatz elektronischer Kommunikationsmedien erleichtert. Solche Medien würden Haushalte mit ihren Nachbarschaften und Bezirken verbinden, ebenso wie breitere, sub-bioregionale Gemeinschaften und bioregionale Netzwerke.

Pakte und Netzwerke wären vielfältig. Sie würden eine ganze Reihe von Zwecken für unzählige Mitglieder erfüllen. Formale Pakte wären die Basisform der Organisation und würden als solche robuste und stabile Formen der lokalen und globalen Verwirklichung aller möglicher Arten von Aktivitäten darstellen: von solchen zur Erfüllung von Grundbedürfnissen und -bedarfen bis hin zu kulturellen Bedürfnissen und Freizeitaktivitäten.

Die Prinzipien der Einfachheit, der Lokalität und der Kleinheit würden ebenso effiziente wie effektive Techniken zur Erfüllung von Basisbedürfnissen anleiten. So wäre eine für unseren Planeten freundlichere soziale und ökologische Entwicklung gewährleistet. Die Permakultur, aber auch andere geeignete alternative Technologien zur Erzeugung von Energie und zur Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen sind einsatzbereite und erprobte Methoden dafür.

Wassereinzugsgebiete und “ganzheitlich” orientierte Menschen

Nachhaltigkeit erfordert, dass man solche Formen gesellschaftlichen Stoffwechsels, die eines energieintensiven Transports bedürfen, auf ein Minimum reduziert. Aus diesem Grund müssen Eigenversorgung und kollektive Selbstversorgung die Hauptziele der lokalen Organisation ökologisch tragfähiger Einheiten sein, darunter die Haushalte eines Wassereinzugsgebiets, das auf der Vernunft bioregionaler Kriterien beruht[2].

Manche Menschen würden umziehen müssen, nach Maßgabe der natürlichen Bedingungen und Grenzen der lokalen und regionalen Umwelt. Dennoch würde eine ortsgebundene Lebensweise nach wie vor die Mobilität über den Radius der lokalen Gruppe hinaus ermöglichen, insbesondere für Mitglieder mit Fähigkeiten und Wissen, das mit anderen geteilt würde. Nicht-monetäres Geben und Nehmen beruhte immer schon auf Gewohnheitsrechten und Verantwortlichkeiten, die je nach Lokalität und den involvierten Personen variierten, abhängig von sozialen und ökologischen Bedingungen und Entwicklungen. Nicht-monetäres Geben und Nehmen wird Pakte und Netzwerke beinhalten, die es Gruppen erlauben, Basisbedürfnisse und -bedarfe auch mit Ressourcen von außerhalb der lokalen Umgebung zu erfüllen, wo es nötig ist.

Die jeweiligen Defizite lokaler gemeinschaftlicher Eigenversorgung und der Produktion direkter Gebrauchswerte können ausgeglichen werden, indem man ein geringes Ausmaß an Geben und Neben auf überregionaler Ebene durch elektronisch gestützte Verhandlungen organisiert. Dabei wären die Potenziale und Grenzen der betroffenen Menschen und Landschaften zu berücksichtigen. Das heißt, der Bereich des überregionalen Stoffwechsels wäre minimal, formalisiert und würde entweder zu beider Seiten Vorteil gereichen – von Einzelnen oder Gemeinschaften – oder aber multilaterale Vorteile für viele Einzelne oder Gemeinschaften bieten.

Vereinbarungen würden durch offiziell unabhängige Vermittlungsgruppen formalisiert und bei Bedarf auch wieder aufgelöst. Die größte Bedeutung haben diese Stoffwechsel-Netzwerke dort, wo sie Gemeinschaften ergänzen, die ein einfaches Leben durch Produktion direkter Gebrauchswerte organisieren, womit sie einerseits unabhängig bleiben, andererseits aber zugleich die Vorteile der Effizienz nutzen, die sich aus der gemeinschaftlichen Eigenversorgung ergeben – eben indem sie komplementäre und zusätzliche Güter und Dienstleistungen im wechselseitigen Geben und Nehmen erhalten und anbieten. Um lokale gemeinschaftliche Selbstversorgung zuu erreichen benötigen die EinwohnerInnen Nutzungsrechte und Verantwortlichkeiten für die Wassereinzugsgebiete, die ihnen das Leben überhaupt erst ermöglichen. Lokale, gemeinschaftsbasierte Formen des Lebens, Produzierens und der Verteilung, die gemeinschaftliche Selbstversorgung betonen, sind überhaupt am umweltfreundlichsten. Denn sie minimieren Energie und Ressourcen, die ansonsten für den Transport vergeudet würden. Und sie sind sparsam indem sie die meisten täglichen Bedürfnisse direkt befriedigen.

Im selben Maße als relativ kleinräumige Regionen sich entlang gemeinschaftlicher Selbstversorgung entwickeln, sind sie auch sozial und ökologisch semi-autonom, robust und resilient. Gemeinschaftliche Selbstversorgung überwindet die Begrenzungen der Selbstversorgung als solcher, indem Aufwendungen eingespart und Skaleneffekte („economies of scale“) wirksam werden in der Nutzung von Ressourcen, darunter Energie. Subsistenzaktivitäten inkludieren das Sammeln, Pflanzen, Ernten, die Lagerung und Haltbarmachung von Nahrungsmitteln, so umweltfreundlich wie möglich. Dabei werden Prinzipien angewandt, wie sie etwa die Permakultur oder die Slow-Food-Bewegung entwickelt haben.

Ein “ganzheitlich” orientierter Mensch entfaltet seine Fähigkeiten und entwickelt sein Wissen in einer ganzen Palette von Bereichen. Pakt-Gemeinschaften ernähren Menschen und werden von Menschen ernährt, die über vielfältige Skills verfügen und sie auf verschiedenste Arten anwenden, namentlich in der Subsistenz, beim Teilen, in der Sorge um andere, im Lernen und Lehren.

Die Arbeitszeit würde zwischen diesen Aktivitätsbereichen aufgeteilt, sodass im idealen Fall jeder Mensch zum Beispiel einen Tag in der Woche in der Produktion und dem Geben und Nehmen von Subsistenzgütern und -diensten teilnimmt, darunter Nahrungsmittel, Kleidung, Behausung, Möblierung, Geräteausstattung Gebäude für Haushalte und Nachbarschaften, sowie alle Güter und Dienstleistungen für die elektronische Kommunikation. An einem anderen Tag nimmt man an Betreuungsaktivitäten teil: die Betreuung von Kindern, kranken und alten Menschen, mit einer ganzen Palette an Aufgaben, darunter als „Barfuß-Ärztin“ oder „Barfuß-Arzt“, in Zusammenarbeit mit hochqualifizierten ÄrztInnen. An einem wieder anderen Tag widmet man sich Entscheidungen und der Kommunikation mit Pakt-Partnern und den Aktivitäten in den Netzwerken. Fortwährende Trainings würden Pakt-Gemeinschaften auszeichnen.

Spezifische Bereiche der Produktion und Verteilung würden auf die lokale, regionale und globale Ebene fokussieren. Diese Bereiche würden sowohl ökologischer als auch sozialer Vernunft folgen, mit lokalen Ökonomien auf der Skalenebene von Wassereinzugsgebieten, entlang bioregionaler Kriterien. Die Haushalte entwickeln zum Beispiel zwei Mal im Jahr Listen von Grundbedürfnissen und stellen fest in welchem Ausmaß sie ihre Bedürfnisse durch Selbstversorgung decken können, etwa durch ihre Haushaltsgärten, das Backen von Brot in den eigenen Küchen, Haltbarmachung und Lagerung, und die Produktion von Milch, Fleisch und anderen Produkten aus ihren Haustieren, darunter Geflügel und Ziegen. Die Haushalte würden Pflanzen und Tiere gemäß ökologischer Prinzipien und Technologien anbauen und halten. Das würde auch bedeuten, vorzugsweise die einheimische Vegetation, ihre Pflanzenarten und Tierwelt zu nutzen. Dazu gehören weiters nachhaltige Praktiken, die sich von permakulturellen Ansätzen inspirieren lassen.

Nachbarschafts-Farmen und -Gewerbebetriebe würden die Bedürfnisse von Haushalten ergänzen und den Haushaltsmitgliedern die Möglichkeit eröffnen, eine weitere Palette an Aktivitäten für ihre kollektive Selbstversorgung abzudecken. Jede Nachbarschaft würde dabei das für ihre Landschaft spezifische Potenzial an Überschüssen identifizieren, die relativ leicht produziert werden können, und die Defizite in anderen Nachbarschaften ausgleichen. Das kann auch über Nutzungsrechte für bestimmte Zwecke anderer lokaler Nachbarschaften geschehen, etwa in eingegrenzten Waldbereichen oder Fischgründen, die damit einen Teil ihrer Subsistenzbedürfnisse decken. Nachbarschafts-Kommittees würden die Produktionsmengen abschätzen, die benötigt werden um Schwankungen und nicht vorhersehbare Einbußen abfedern zu können. Sie würden sich auch mit weiter ausgreifenden Netzwerken des Wassereinzugsgebiets koordinieren, sodass solche Überschüsse als eine für viele relevante Sicherheit dient und hilft, Abfall zu vermeiden.

Strategien: Stärken und Schwächen

Der Übergang zu einer Welt ohne Geld – was nichts anderes heißt, als dass die Bedingungen geschaffen werden um sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Gemeinschaften zu etablieren – hätte zwei Aspekte: Erstens würden Produktion und Tausch auf der Grundlage der monetären, kapitalistischen Logik zurückgehen. Zweitens würden Produktion und Stoffwechsel fortschreitend von nicht-monetären Pakten übernommen.

In einem solchen kollektiven Prozess würden unsere Aktionen die Abhängigkeit von kapitalistischen Praxen schwächen, während sie alternative Formen der Governance, der Produktion und des Stoffwechsels stärken. Die größte Herausforderung dabei ist, Taktiken innerhalb der Mainstream-Strukturen mit den Strategien außerhalb davon zu verbinden. Das Ziel ist eine Brücke, ein Kontinuum zwischen Reformen und Revolution. Dieses Ziel zu erreichen wird nur möglich sein, wenn es auch eine gemeinsame Strategie gibt, um nicht-monetäre Formen politischer, sozialer und kultureller Beziehungen im Rahmen der Vision einer geldfreien Gesellschaft einzurichten, um es Menschen zu erlauben, zu produzieren und auf transparente Art Produkte zu verteilen, auf der Basis von Gebrauchswerten. Das heißt, es werden direkt die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit ausgedrückt, und es wird dann möglich, ökologisch nachhaltige Prinzipien zu etablieren. Dafür müssen wir Kompromisse eingehen und entscheiden, wie der beste Weg aussieht um diese letztendliche Vision zu erreichen, und zwar am schnellsten und auf die tragfähigste Weise.

Unsere Stragien, als eine biologische Art nachhaltig zu leben müssen von bescheidenen, effektiven Aktivitäten getragen sein. Doch sind solche Strategien nicht möglich in den gegenwärtigen Formen von Governance. Sie sind nicht möglich, solange wir Geld und Preise weiterhin in Produktion und Verteilung verwenden. Daraus folgt, dass eine Übergangsstrategie zum Beispiel danach trachten sollte, die Arbeitszeit von allen zu verkürzen, damit die Arbeit gegen Geld höchstens einen Teil der täglichen Gesamtarbeitszeit einnimmt und fortschreitend abnimmt. So würden wir dem Arbeitsmarkt schrittweise Arbeitskraft entziehen und im Gegenzug mehr und mehr auf nicht-monetäre Produktion und Verteilung zurückgreifen. Die Legitimation dieser Strategie bestünde in einem einfachen ethischen Prinzip, nämlich der Einrichtung substanzieller Demokratie für ein gutes Leben aller Menschen und des Schutzes eines lebendigen Planeten.

Über das letzte halbe Jahrhundert sind viele Menschen nicht nur aktive Mitglieder in Organisationen geworden, die für soziale Gerechtigkeit eintreten und ökologische Nachhaltigkeit voranbringen. Eine Minderheit davon hat ihr ganzes Leben dieser Bewegung gewidmet. Sie hat in zeitaufwendigen experimentellen Projekten Ökodörfer aufgebaut, Permakulturanlagen errichtet und biologische Landwirtschaft praktiziert, sie hat alternative Kleintechnologien entwickelt um hochqualitative Güter und Dienstleistungen zu erzeugen. Diese bereits existierenden Aktivitäten, Strukturen, Organisationen und Bewegungen tragen Modelle und experimentelles Wissen bei, aber auch viele Fähigkeiten, die für positive Strategien in Richtung einer Gesellschaft der sozialen Pakte notwendig sind.

Die geldgesteuerte Verteilung und Produktion für den Markt muss umgebaut werden zu einem Geben und Nehmen, das sein Augenmerk auf zwei Aspekte legt: Erstens auf die Gebrauchswerte, die produziert und verteilt werden. Zweitens auf diejenigen, die an diesem Geben und Nehmen teilnehmen. Auf diese Art würden Produktion und Verteilung formell geplant, sie würden um kollektive Selbstversorgung zentriert, die auf Bioregionen gründet. Diese Bioregionen würden im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit bewirtschaftet und nur am Rande die Produktion und den Stoffwechsel für bestimmte externe Gruppen und Umwelten besorgen.

Die Permakultur entwickelt permanente, nachhaltige landwirtschaftliche Praxen und Prinzipien für tragfähige Lebensweisen. Sie ist inzwischen als eine internationale Bewegung bekannt und bietet uns Möglichkeiten, über eine Welt nachzudenken, die sozial gerecht und ökologisch nachhaltig ist. Sie erlaubt es auch eine solche Welt zu planen, strategisch vorzubereiten und in diesem Sinn zu handeln. Die Permakultur betont Selbstversorgung, die Produktion für die direkte Nutzung, die Minimierung des gesellschaftlichen Stoffwechsels und seine Konzentration in kleinräumigen Gebieten, indem gemeinschaftlich gearbeitet wird, in Zusammenarbeit mit der Natur anstatt in Konkurrenz und im Versuch, sie zu kontrollieren.

Die Permakultur zeigt also Wege auf, um Menschen zu ermächtigen und uns selbst materiell auf ökologisch nachhaltigere Weise zu erhalten. Allerdings befinden sich die meisten Anwendungen auf einem individuellen Level oder auf einer niedrigen Organisationsstufe der Grassroots-Bewegungen, obwohl ihre Prinzipien einen Schwerpunkt auf die Gemeinschaft legen. Dennoch erlauben die Prinzipien der Permakultur es, solche Praktiken auch zu verallgemeinern um eine planetare Tragfähigkeit zu erreichen.

Sozialer Wandel

Radikale AktivistInnen-Organisationen, zum Beispiel die Frauenbefreiungsbewegung, haben mit hilfreichen Prozessen experimentiert, und sie auch selbst entwickelt, um Verhaltensänderungen und sozialen Wandel zu katalysieren und selbst zu vollbringen. Viele Diskussionen in dieser Bewegung zentrierten sich auf die Frage, wie Frauen am Besten einen Wandel initiieren, erleichtern und unterstützen können. Viele wollten nicht, was die Männer besaßen, sondern wollten stattdessen eine neue Welt, worin Männer und Frauen eine andere Art von Beziehung eingehen würden.

Viele Frauen nahmen die Konsequenzen dieser Art von revolutionärem Streben sehr ernst, insbesondere die Losung “das Persönliche ist politisch”. Sie fanden sich in „Selbstaufklärungs-Gruppen“ zusammen. Diese Gruppen wiederholten Aspekte jahrhundertealter politischer Widerstandszellen, was Solidarität und Diskussion anlangt, waren aber mit spezifisch femininen Qualitäten des Teilens, des Sich-Öffnens und der wechselseiten Unterstützung angereichert.

Solche Gruppen – die typischerweise mehrere Frauen, die sich regelmäßig trafen, involvierten – ermöglichen die Diskussion alltäglicher Herausforderungen und strategischer Optionen um einen Wandel in den engsten Beziehungen mit Verwandten, Partnern, Freunden und Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen zu erreichen. Die Bedeutung dieser informellen sozialen Gruppen herauszuheben, die in keiner Weise den formalen oder repräsentativen Charakter hatten wie im Mainstream üblich, und die stattdessen auf das „Private“ fokussierten statt auf „öffentlichen“ Wandel, war selbst ein Akt, der sozialen Wandel verkörperte.

Die Frauenbefreiungsbewegung kennzeichnete auch noch ihre mehr aktionsorientierte „öffentliche“ Struktur. Es gab keine formale Mitgliedschaft. Wenn man sich mit ihr identifizierte und sie unterstützte, gehörte man auch dazu. Auf die gleiche Art entstanden Arbeitsgruppen und Kollektive zu bestimmten Fragestellungen oder für bestimmte Events. So wurde die Vielfalt in der Einheit gewahrt und die Notwendigkeit, zeitraubende Entscheidungen über eine Vielzahl von Fragen zu treffen umgangen. Zwar wurden Kontaktpersonen definiert, aber auch in diesem Fall waren die Gruppen flach und nicht-hierarchisch, basierend auf direkter Entscheidungsfindung und den jeweiligen Initiativen der unmittelbar Beteiligten. Wenn man ein effektives Mitglied sein wollte, musste man daher direkt teilnehmen.

Die Frauenbefreiungsbewegung entwickelte soziale Formen, die auch für die Mobilisierung der Massen geeignet waren, ebenso für eine effektive und substanzielle Demokratie. Einige dieser Formen der Organisierung wurden von Umweltgruppen übernommen, oder jedenfalls einige ihrer Aspekte, insbesondere bei denen der radikalsten Strömungen, zum Beispiel den Friends of the Earth oder dem sozial und ökologisch engagierten Non Violence Network. Die Aktivistinnen der Frauenbefreiung stellten die Arbeit als einen nicht gerade wünschenswerten Seinszustand in Frage, während die Feministinnen[3] zugleich für Training und Jobs kämpften.

Die Formen der Organisierung, die von der Frauenbefreiung, den Umweltgruppen und Aktivisten der Gewaltfreiheit entwickelt, verfeinert und benutzt wurden, sind zugleich Formen um effektive Veränderungen in Ganz zu setzen, die das Potenzial haben, einen viel größeren Sprung nach vorne zu machen als bloße Reformen. Diese Formen, und die sozialen Fähigkeiten, die sie nähren, gehen ganz natürlich zusammen mit der Entwicklung von Strukturen und Prozessen, die es Gemeinschaften, die von ökologischen Unsicherheiten und Schäden betroffen sind, ermöglichen, die Massen zu mobilisieren. Sie können damit rasche Veränderungen in Werten und Beziehungen anstoßen, die es braucht um soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit umzusetzen. Durch das Engagement in solchen sozialen und ökologischen Organisationen haben viele Menschen langsam aber sicher – und auf eine experimentelle Art – gelernt, wie man sozialen und ökologischen Wandel effektiv und effizient erreichen kann.

Gewaltfreie Aktion

Obwohl die fortgeschrittenen kapitalistischen Gesellschaften mehr eine formale denn eine substanzielle Demokratie auszeichnet, so hat doch die Angst vor Verlusten bei Wahlgängen viele Parteien und Politiker dahin gebracht, auf lautstarke, soziale Unruhe stiftende Opposition halbherzig zu reagieren. Allerdings bestand zugleich der einfachste Weg immer darin, diese Gruppen zu dämonisieren und den Staat mit stärkeren Rechten auszustatten um deren Aktionen einzuschränken. Man zielte damit auf eine Verringerung der Publicity, die diese Gruppen bekommen, und auf eine Verschlechterung der Bedingungen für öffentlichen Protest überhaupt.

Das ganze 20. Jahrhundert hindurch waren bestimmte Gruppen und Einzelne darin engagiert, gegen Kriege einzutreten, gegen die Wehrpflicht, gegen anti-soziale und anti-ökologische Politiken, Praktiken und Programme, die von verschiedenen Staaten entwickelt und durchgesetzt worden waren. Ihre Kampagnen inkludierten politisches Lobbying, Medienarbeit, friedfertige Zusammenkünfte und Sit-ins. Zentrale strategische Fragen drehten sich um das Potenzial solcher Protestbewegungen, das business-as-ususal zu unterbrechen, darin zu intervenieren und ihm zu schaden. Denn das Ziel war, die Aufmerksamkeit jener zu gewinnen, deren Praktiken und Positionen sie verändern wollten oder jener, die über die Macht verfügten, sie zu regulieren oder zu beschränken.

Konfrontiert mit physischer Gewalt, mit bewaffneten Einheiten und Bereitschaftspolizei, haben viele Umwelt- und sozial engagierte Protestgruppen gewaltfreie Aktionen und Widerstandsformen sowie zivilen Ungehorsam praktiziert. Sie zielten darauf, die Begründungen und Methoden der Mainstream-Autoritäten, Gesetz und Ordnung durchzusetzen, bloß zu stellen. Gewaltfreie Aktionen, zum Beispiel das Sitzen auf Bäumen, die in ökologisch sensiblen Gebieten gefällt werden sollen, haben vielfältige Vorteile. Diese Aktionen erlauben es Protestierenden ihre Anliegen, die sonst ziemlich defensiv bleiben, auf lebendige gemeinschaftliche Weise auszudrücken und dabei Solidarität, Entschlossenheit und Mut zu entwickeln; sie ermöglichen es den Protestierenden ganz allgemein, ihre soziale und ökologische Ethik damit auszudrücken; und sie ziehen in der Regel Medien an, die Öffentlichkeit schaffen und Debatten zu der betreffenden Fragestellung, einem Ereignis oder einer Kampagne initiieren. Zum Beispiel hat man Prinzipien und Taktiken der gewaltfreien Aktion in den letzten Jahrzehnten regelmäßig zum Schutz der Wälder in Australien angewandt.

Philosophien und Aktivitäten der Gewaltfreiheit beinhalten verschiedene Momente. Menschen üben sich in direkter Aktion für ihre Leben und tiefsten Wünsche; sie ermächtigen die TeilnehmerInnen auf eine Weise, die zum Ausdruck bringt, dass das Persönliche politisch ist; und sie entwickeln die Fähigkeiten und das Wissen der Leute, sich selbst und ihre Umwelt zu verteidigen, die sie auf eine sehr tiefgreifende, gewaltfreie Art wertschätzen. Während die staatlichen Autoritäten auf solche wohlmeinenden Aktionen mit brutal legaler und politischer Gewalt reagierten, indem sie die Protestierenden bestraften, ins Gefängnis steckten, einschüchterten und verletzten, gingen sie zugleich daran, schon die bloßen Protestmöglichkeiten zu limitieren. Dies geschah zum Beispiel indem man öffentliche Plätze zurückdrängte und die Verhaltensweisen, die dort toleriert werden, mittels staatlicher Regulierung einschränkte.

Ein großer Teil der Apathie und der Demoralisierung, die man in der heutigen Gesellschaft fühlt, hat damit zu tun, dass die Leute wissen, dass die nackte und versteckte Gewalt der Staaten auf der ganzen Welt nur allzu rasch dazu bereit ist, den Kapitalismus aggressiv zu unterstützen. Doch haben parallel dazu die AktivistInnen gewaltfreier Bewegungen Positionen und Fähigkeiten entwickelt um den Leuten ihre Macht zurückzugeben.

So wächst zum Beispiel der Widerstand gegen die Entwicklung, den Aufbau und den Einsatz von Nuklearmacht und es nehmen auch die Politiken zu, die den Gebrauch und den Besitz von Waffen eindämmen sollen. Dies hat damit zu tun, dass die Funktion solcher Maschinen und Technologien immer deutlicher wird, die Macht der staatlichen Autoritären zu mehren, die sogar dazu übergehen, Sicherheitsaufgaben an private Firmen auszulagern und schon immer von privaten Firmen abhängig waren, die ihnen die militärische Hardware herstellten, um gegen ihre eigenen Leute und gegen Menschen mit einer weniger schlagkräftigen Bewaffnung einzuschreiten.

Gewaltfreie Erklärungen und gewaltfreie Verteidigung werden wesentliche Strategien sein um die Bewegung des sozialen Pakts zu schützen, auszuweiten und schließlich in eine globale Gesellschaft zu transformieren. Eine lange Tradition von gewaltfreien Graswurzel-Aktivitäten bietet experimentelle Lernerfahrungen zur Verteidigung von Gemeinschaften, die nicht-monetäre Weisen des Tätigseins, des Lebens und des eigenen Lebensunterhalts und Selbstausdrucks etablieren.

Gewaltfreiheit ist eine Philosophie, eine politische und ökonomische Lebensweise, die Taktiken und Techniken anbietet, um mit Gewalt umzugehen ohne selbst zu Gewalt Zuflucht zu nehmen. Diese Prinzipien und Prozesse tragen zu modellhaften Ansätzen und Institutionen bei, um den Übergang in eine Gesellschaft des sozialen Pakts weiterzuverfolgen und zu verteidigen.

Kohlenstoff-Rationierung

Aus der Perspektive des Pakts ist der einzige Weg, das Wachstum der Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre umzukehren und wirklich nachhaltige Praktiken auf dem ganzen Planeten zu etablieren, die Reduktion von Konsum und Produktion auf ein Niveau, wo einfach Basisbedürfnisse befriedigt werden, wo wir natürliche Umwelten wiederherstellen und andere Umwelten heilen, die von kapitalistischen Aktivitäten geschädigt worden sind.

Die bedeutendste Strategie dabei wird die Reduktion des Konsums sein, indem man nicht mehr kauft als absolut notwendig ist. Ohne Nachfrage kann die kapitalistische Produktion ihren eigenen Gesetzen nach nicht existieren. Wir müssen versuchen unsere Bedürfnisse direkt zu erfüllen, oder es so einrichten, dass wir diese Bedürfnisse lokal befriedigen können, durch Teilen, durch die Weitergabe von Gütern und Diensten, durch Wiederverwendung, Recycling und die Abfallbearbeitung. Diese Strategien des Schwächens und Stärkens müssen im Gleichklang verfolgt werden.

Zum Beispiel: Um die gegenwärtige globale Erwärmung zu reduzieren, müssen wir uns mit anderen zusammentun, die für eine Kohlenstoff-Rationierung argumentieren, indem man die Prinzipien der Kleinteiligkeit und der Effizienz auf allen Ebenen anwendet. Zugleich müssen wir jedoch darauf achten, Kohlenstoff-Emissionslizenzen nicht zu einer neuen Ware zu macehn. Der beste Ansatz der Rationierung ist ein gemeinschaftlicher Emissionsdeckel, der mit der Zeit immer weiter abgesenkt wird.

Die Begrenzung von Kohlenstoff emittierenden Aktivitäten kann direkt durch Regulierung erreicht werden. Allerdings ist staatliche Regulierung höchstwahrscheinlich ineffizient und auch ineffektiv. Stattdessen sollten wir eher in Betracht ziehen, einer Kohlenstoff-Rationierungsgruppe (Carbon Rationing Action Group = CRAG) beizutreten, als einer möglichen Strategie um von unserem gegenwärtigen Zustand einer Vision nachhaltiger Pakt-Gemeinschaften näher zu kommen. Eine CRAG vereint Elemente der Selbstaufklärung, ein Support-Netzwerk und eine Kohlenstoff-Management-Einheit (siehe www.carbonrationing.org.uk).

Das Gute an einer CRAG ist, dass es sich um eine Graswurzel-Initiative handelt, die direkte gemeinschaftliche Aktionen setzt um die eigenen Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. So kann man sie als eine Methode der Stärkung betrachten, das heißt, sie stärkt Fähigkeiten, den Willen und das Wissen in Hinblick auf Gemeinschaften des sozialen Pakts. Doch sind diese Gruppen freiwillig und werden wenig erreichen solange es keine verpflichtenden persönlichen Kohlenstoff-Emissionslizenzen gibt.

Eine CRAG teilt einige erhebliche Beschränkungen mit anderen Plänen zur Reduktion von Kohlenstoffemissionen, zum Beispiel indem es Handel miteinbezieht, was die besten Aspekte der Rationierungsidee untergräbt. Denn der Einbezug der Möglichkeit, Emissionslizenzen zu handeln bedeutet, dass reiche, ungenierte Kohlenstoffverschmutzer sich von einer kohlenstoffeffizienten Lebensweise freikaufen können und ganz einfach ihr Verhalten auf dem hauptsächlichen Weg fortsetzen können, der gerade nicht nachhaltige Praktiken hervorbringt: Handel und die Produktion für den Handel (das heißt für Geld).

Durch den Handel mit Kohlenstofflizenzen sinkt die Wahrscheinlichkeit, gemeinschaftlich mehr zu reduzieren als das Limit vorgibt. Denn es gibt dann einen monetären Anreiz, ungenutzte Lizenzen zu handeln. Dieses Ergebnis illustrieren einige Fallstudien, die Modelle begrenzter Wasserrechte mit Modellen des Handels mit  Wasserlizenzen vergleichen, ebenso wie Fallstudien nachhaltigerer Verhaltensweisen, die auf Beschränkungen anstelle von Handel beruhen.

Nationale und verpflichtende Maßnahmen, zum Beispiel wie sie das Carbon Equity Project vorschlägt (www.carbonequity.info), sind stärker, beinhalten aber immer noch den Handel. Diese Maßnahmenlinie ist nicht glaubwürdig am heutigen geschichtlichen Scheidepunkt, sofern sie mehr sein soll als ein Notbehelf.

Ein sinnvolleres Schema, das einen direkten und schnellen Weg zu einem nachhaltigen Leben darstellt, besteht darin, individuelle Rationen festzulegen und jeden Handel damit unmöglich zu machen. Zuschläge und Schulden würden in einem spezifischen Kohlenstoff-Accounting-System verrechnet, wobei Strafen für Schuldner auf den Einzug von Eigentum fokussieren und die Leute mit Zuschlägen nicht-monetäre Vergünstigungen erhalten würden.

Es ist freilich unklar, ob ein Standardlevel von Kohlenstoff-Emissionslizenzen fair ist, wenn ich zum Beispiel daheim arbeite, wie das ja viele Menschen tun. Diese  grundlegenden Gleichheitsaspekte zu berücksichtigen macht ein solches Schema schwerfälliger. Wenn die Antwort auf diese Herausforderung jedoch darin besteht, den Handel mit Kohlenstoff-Emissionslizenze zu erlauben, der auf seine Weise Flexibilität ermöglicht, so bedeutet das in Wahrheit, dass der Handel die konkreten Probleme der Kohlenstoffreduktion umgehen will.

In jedem Fall sind komplementäre Methoden erfordert um den größeren Teil der Emissionen, die nicht von Haushalten verursacht werden, einzudämmen. Es ist durchaus ein gangbarer Weg, Unternehmen mit Emissionslizenzen auszustatten, doch ist es notwendig, diese als nicht-handelbare Lizenzen zu konzipieren, zusammen mit der klaren Ansage, dass wir nicht mit „Business-as-usual“ weitermachen werden. So betrachtet ist die staatliche Regulation einer aussterbenden Praktik (der Emissionen von Treibhausgasen) eine direkte Maßnahme. Die gegenwärtigen politischen Strukturen erlauben durchaus den nötigen Druck, das heißt den Input für die Entscheidung welche Industrien wieviele Lizenzen erhalten sollten. Wir müssen klare Vorschläge für solche staatliche Politiken erarbeiten und sie mit Straßenprotesten unterstützen.

Um es noch einmal zusammenzufassen: Nachhaltigkeit erfordert das Ende des Marktes, der Produktion für den Handel und den Handel. Stattdessen müssen wir für die Erde sorgen, für die Menschen und den Überschuss teilen. Betrachten wir im letzten Teil nun einige Schritte zur Nachhaltigkeit in diesem Sinn.

Wie wir ökologisch tragfähige und sich selbst versorgende Nachbarschaften schaffen können

Eine Revolution bedeutet, den Status quo zu transzendieren, ihn fundamental zu verändern. Wir können dabei mit unserem Alltag beginnen, und zwar mit individuellen Aktionen in Kombination mit kollektivenm Handeln, um den Wandel zu vollbringen. Die Vorschläge konzentrieren sich auf das, was du jetzt gleich dafür tun kannst.

Schau dir alles an, was du möchtest, tust und womit du in Verbindung stehst – und frag dich:

  • Muss ich das tun/kaufen/weiterhin machen?
  • Kann ich die gleichen/mehr Vorteile erzielen mit weniger Ressourcen?
  • Können die Fähigkeiten und das Wissen der Menschen effektiver genutzt werden?
  • Welche Substitute, Alternativen vermeiden den Kauf neuer Güter?

Was nun folgt sind einige Alternativen zur Vollzeit-Lohnarbeit um für Dinge bezahlen zu können, die man am unpersönlichen globalen Markt erhält.

Tätigsein und Grundbedürfnisse

Versuche eine bezahlte Teilzeit-Arbeit zu finden, die deine ethischen Werte in Hinblick auf andere Menschen und die Natur zum Ausdruck bringt. Arbeite für Geld nicht mehr als Teilzeit, bloß um bescheiden leben zu können. Auf diese Art kannst du mehr Zeit den Beschäftigungen widmen, die deine ethischen Werte gegenüber Menschen und Natur zum Ausdruck bringen, indem du das Beisammensein mit Menschen und die Natur genießt – im Sinn eines „leichten Gangs“ durch das Leben, seine Beziehungen und seine natürlichen Voraussetzungen. Übe deine Macht am Arbeitsplatz aus, sodass du ihn schrittweise so gestaltest wie diese anderen Beschäftigungen. Gib Güter und Dienste großzügig weiter, und nehme sie dankbar an, wenn du sie brauchst und gratis erhältst. Tausche in Naturalien, gib weiter, borg her und borge aus, teile und kooperiere.

Kollektive Strukturen

Schaffe und erhalten in deiner Nachbarschaft kollektive Strukturen um eine Reihe von Prozessen mit dem Ziel der Erfüllung von Grundbedürfnissen wachsen zu lassen. Zum Beispiel:

  • Versuche alle Grundbedürfnisse mittels gemeinschaftlicher Produktion zu erfüllen, etwa indem ihr Nahrungsmittel in Gemeinschaftsgärten herstellt und austauscht, und indem ihr die Nahrungsmittel in Kooperativen verteilt, unter Beachtung demokratischer und ethischer Prinzipien
  • Etabliere und unterstütze formelle und informelle, regelmäßige und ad hoc Naturaltausch-Treffen
  • Etabliere und unterstütze internet-basierte Netzwerke für die Weitergabe von Dingen, für das Teilen von Wissen und die Wiederverwendung von Gütern und Diensten, darunter das Training von Fähigkeiten
  • Etabliere und unterstütze Bibliotheken für Bücher, Zeitschriften, Computer, Spielsachen, Transportmittel und andere Geräte und Ressourcen. Solche Einrichtungen werden am Besten so betrieben, dass jede Person die Verantwortung für ein Gerät oder eine Ressource, oder für zwei, übernimmt, sie lagert und pflegt, und sie gratis herborgt, während sie andere darüber am Laufenden hält und im Gebrauch berät

Geteilte Governance

Versuche so zu handeln, dass es den Kapitalismus in etwas anderes transformiert anstatt ihn zu unterstützen oder gar zu verschärfen. Arbeite stattdessen für Strukturen, die es uns ermöglichen, direkt Macht über unsere Leben auszuüben, indem wir in Netzwerken mit Menschen ähnlicher Werthaltungen, Prinzipien und Beziehungen kooperieren. Das inkludiert die Reflexion, die Diskussion und Aktion in formellen und informellen politischen Foren und Zusammenhängen. Es inkludiert auch das Experiment und die Entwicklung einer Kultur des Feierns und der Unterstützung. Es geht darum, in ökologisch ausgewogenen und sozial gerechten Strukturen eine Vielfalt zu zelebrieren, die Gemeinschaftlichkeit unterstützt. Praktiziere Gewaltlosigkeit.

Wissen und das Teilen von Fähigkeiten

  • Nehme gratis Beratungsdienste in Anspruch und stelle sie gratis bereit
  • Tausche deine Expertise und deine Arbeitskraft direkt mit der Expertise und der Arbeitskraft von jemand anderem

Nahrungsmittel

Erzeuge deine eigene Nahrung dort, wo du lebst, indem du biologische Permakultur-Methoden anwendest

  • Wenn du in Naturalien tauschst oder kaufst, so versuche lokale und biologisch hergestellte Nahrungsmittel zu nutzen
  • Denke an lokale Gemeinschaftsgärten, Nahrungsmittel-Tausch und Nahrungs-Kooperativen
  • Kauf in großen Mengen und/oder mache gemeinsame Einkäufe mit FreundInnen
  • Teile, gibt einfach her, was du an Überschüssen hast und nimm sie dankbar an
  • Lagere Essen und mache es haltbar – und vermeide Abfall
  • Bereite Essen daheim zu und nimm es zu dir, wenn du unterwegs bist, und nimm dir Wasser von zuhause mit
  • Feiere zusammen mit anderen indem alle etwas zu Essen mitbringen

Kleidung

  • Halt deine Garderobe klein
  • Flicke Kleidung, nähe sie um oder richte sie neu her
  • Kauf Second-Hand-Kleidung von Charity Shops, bei Wohnungsauflösungen, auf Flohmärkten
  • Mache Kleidung selbst, einzigartig und passend, für dich und als Geschenk
  • Kaufe billige Restposten
  • Teile die Kleidung oder gib sie einfach weiter, die nicht mehr nützlich für dich ist und nimm dankbar Kleidung von anderen an

Wohnen

  • Schau auf die Wohnung oder das Haus von anderen, wenn sie weg sind; entweder gratis oder für einen nur symbolischen Betrag; biete auf der anderen Seite deine Wohnung oder dein Haus anderen an
  • Teile deine Wohnung oder dein Haus – teile die Betriebskosten, die Einrichtungen, Transportmittel und so weiter
  • Praktiziere Co-Housing – teile Siedlungsraum, darunter Gebäude und Ackerland sowie Infrastruktur mit anderen
  • Besetze leerstehende Gebäude

Reinigung

Stelle günstige Grundwäsche und Badeseifen her, zum Beispiel mit Soda, Essig und Salz, mit Hilfe von Beratungsliteratur oder einem Berater, die über solche Methoden informieren. Poliere mit dem Ellbogen, weiche schmutzige Kleidung ein, lerne die Eigenschaften von Kräutern wie etwa des Lavendels kennen, den du im eigenen Garten anbauen und für deine Garderobe nutzen kannst.

Geräte und Materialien

  • Teile Geräte und Materialien
  • Gib Güter und Dienste einfach weiter und nimm sie von anderen dankbar an
  • Interveniere, wenn gebrauchte, jedoch nach wie vor brauchbare Güter auf dem Abfall landen
  • Halte Ausschau nach günstigen neuen Gütern, zum Beispiel solchen, die schon für Vorführzwecke oder als Probeexemplar benutzt worden sind
  • Kaufe günstige Second-Hand und recyklierte Güter

Transport

  • Geh zu Fuß
  • Benutze einen Tretroller, einen fußgetriebenen Scooter oder ein Skateboard
  • Benutze den öffentlichen Verkehr: Eisenbahn, Tram oder Bus
  • Teile dein Auto und dein Fahrrad (entweder über formelle oder informelle Vereinbarungen)

Reisen

  • Mach bei einer Gruppe wie den Willing Workers on Organic Farms mit
  • Bleib bei FreundInnen oder mach Couch-Surfing
  • Campiere auf ökologisch tragfähige Weise
  • Mach Freiwilligenarbeit für ökologische oder soziale Forschungsprojekte
  • Bezieh deine Unterkunft in günstigen, bescheidenen, sicheren Einrichtungen, zum Beispiel in Youth Hostels.

Übersetzt von Andreas Exner

Die Originalfassung des Textes findet sich hier zum Download.

Anitra Nelson ist Professorin an der RMIT University in Austrialien. Sie dissertierte zur Theorie des Geldes im entwickelten Kapitalismus. Diese Studie wurde 1999 unter dem Titel “Marx’s Concept of Money. The God of Commodities” bei Routledge veröffentlicht. Sie ist Herausgeberin des Buches “Life Without Money. Building Fair and Sustainable Economies” (Pluto Press, 2012) und hat sich insbesondere mit den ökologischen Folgen des Geldes befasst sowie mit gemeinschaftsorientierten Strategien der Nachhaltigkeit. Anitra Nelson ist Aktivistin der Plattform demonetize.it!


[1] [Der Begriff „compact“, womit die Autorin die Ordnung einer nicht-monetarisierten Gesellschaft beschreibt, hat im Englischen eine Zweideutigkeit, die Anitra Nelson bewusst betont: einerseits meint „compact“ eine Vereinbarung, andererseits verweist das Wort auch auf etwas „Kompaktes“, was sie im Sinn von Wassereinzugsgebieten als bioregional definierten kleinräumigen Ökonomien interpretiert, Anm. d. Übers.]

[2] siehe z.B. die Feststellung des Department of Sustainability and Environment im australischen Bundesstaat Victoria: “Auf Basis von Naturgegebenheiten definierte Einheiten wie lokale Wassereinzugsgebiete sind gute Ansatzpunkte um Bioregionen zu definieren” (http://www.dse.vic.gov.au/conservation-and-environment/biodiversity/victorias-biodiversity-strategy-1997/sustaining-our-living-wealth/a-deliberate-focus-on-ecosystems) [Anitra Nelson, die in Australien lebt, orientiert sich hier an einer Konzeption von Bioregionalismus, die von den dort vorherrschenden trockengetönten Verhältnissen geprägt ist, Anm. d. Übers.]

[3] [Im australischen Sprachgebrauch, den die Autorin pflegt, gelten die „women’s liberationists“ als radikale Feministinnen, während „feminists“ an das System angepasste Feministinnen bezeichnet, Anm. d. Übers.]

Alle Einträge, Demonetize.itPermalink

8 Responses to Geldfreie Ökonomien global und lokal: Der einzige Weg zu weltweiter Nachhaltigkeit?

  1. Rudolf Scheutz says:

    Ressourcenverbrauch minimieren: Im Internet steht 99,999… Prozent Unsinn. 99,999… Prozent der Mobiltelefonate sind voellig ueberfluessig.

  2. Hermann Wick says:

    (ver)störend an dem ganzen Artikel finde ich vor allem die Überschrift: zwar als Frage formuliert, aber dann doch als der “einzige” Weg angepriesen. TINA lässt grüßen.
    Und dann sind noch etliche offene Fragen:
    z.B. wer ist wie legitimiert Verstöße gegen die Pakte zu sanktionieren? (wird in dem Artikel ja immerhin vorgeschlagen und damit wieder nach einem “starken” Staat gerufen)
    Als ein Teil des Weges wird die (wieder)einführung des Tausches beschrieben, also Tauschhandel mit Tauschwerten – m.E. kein wirklicher Schritt in die richtige Richtung. Da wäre ein funktionsreduziertes Geld immer noch besser. z.B. selbstgeschöpftes Lebensgeld nach dem Vorschlag von Joytopia; das zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, aber immerhin eine Umsetzungsstrategie aufzeigt. Zudem beinhaltet das “Lebensgeld-Modell” auch ein BGE das auch “finanzierbar” ist – ein Riesenvorteil gegenüber anderen BGE-Modellen.

  3. Hermann Wick says:

    Der “einzige” Weg … zwar als Frage formuliert – aber trotzdem: TINA lässt grüßen.

  4. Andreas Exner says:

    @Hermann Wick: Nach dem Staat wird in dem Text nicht “gerufen”, auch nicht nach einem starken. Die Pakt-Gesellschaft ersetzt ja gerade den Staat als einer neben und über der Gesellschaft stehender Instanz.

    Sanktionen kann klarerweise niemand setzen, wenn es keinen Staat gibt. Man kann Pakte lediglich aufkündigen.

    Der Text argumentiert radikal gegen den Tausch, daher gibt es in der Pakt-Gesellschaft gerade keine Tauschwerte mehr; hier liegt ein Missverständnis vor.

    Ein BGE ist eine Geldleistung und wird von Anitra Nelson daher auch nicht als Teil einer Pakt-Gesellschaft – die weder Tausch noch Geld oder Markt kennt – beschrieben.

    Es gibt keine Alternative dazu, das Geld, den Markt und den Staat zu überwinden, wenn wir ein gutes Leben für alle wollen. Ja, hier gilt TINA. Aber auch nur hier.

  5. Hermann Wick says:

    …. Die gegenwärtigen politischen Strukturen erlauben durchaus den nötigen Druck, das heißt den Input für die Entscheidung welche Industrien wieviele Lizenzen erhalten sollten. Wir müssen klare Vorschläge für solche staatliche Politiken erarbeiten und sie mit Straßenprotesten unterstützen. ….
    Aus meiner Sicht durchaus ein Ruf nach dem (starken) Staat.

  6. …finde ich nicht; Anitra Nelson schreibt ja gleich vor der zitierten Stelle:

    “So betrachtet ist die staatliche Regulation einer aussterbenden Praktik (der Emissionen von Treibhausgasen) eine direkte Maßnahme.”

    Die “staatliche Regulation einer aussterbenen Praktik” ist für mich kein Ruf nach dem Staat und schon gar keiner nach einem “starken” – Der Text betont des weiteren mehrfach die Selbstorganisation außerhalb des Staates und den Protest gegen staatliche Politiken, ja, solche Formen der Selbstorganisation, die überhaupt nicht direkt auf den Staat zielen (die Praktiken der Frauenbefreiung, die Nelson referiert).

    Zudem: man kann den Staat ja auch nicht einfach wegwünschen; er ist da und ist ein Machtapparat, dessen Aktivitäten sehr entscheidend sind auch für Bestrebungen, ohne den Staat auszukommen und ihn abzubauen. Insofern ist der Aufruf, den ich unterstützen würde, nicht gleichbedeutend mit dem, was man üblicherweise als “Ruf nach dem Staat” verstehen würde.

    Anders gesagt: könnte man schneller zu einer Gesellschaft der “Pakte” kommen (wo vom Staat keine Rede ist), dann wären auch solche “reformistischen” Aktionen nicht sinnvoll; das hängt also wohl alles von den sozialen Bewegungen und Kräfteverhältnissen ab.

  7. Phillip says:

    Teilweise nette Tipps zum Umgang miteinander. Hätte jetzt aber keine Lust Seife oder Klamotten selber zu machen, da verdien ich lieber Geld und kauf sie mir. Ist zeitlich effektiver und umweltfreundlicher. ;)

  8. Hallo Phillip

    Es wird nirgendwo dafür plädiert, die Arbeitsteilung zu beseitigen.

    Geld ist für Arbeitsteilung nicht notwendig, wie man ja z.B. an jeder Firma sieht, darunter solchen im Ausmaß von Konzernen, die weit mehr erwirtschaften als viele Nationalökonomien zusammengenommen.

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