Macht Deportation menschlich! Das System der Heuchelei

von Andreas Exner

Rund 2.000 Menschen zeigten sich heute in Wien solidarisch mit den Flüchtlingen im Hungerstreik: Menschen, die zufällig in Österreich geboren wurden, ebenso wie Zugereiste und Geflüchtete. Es bleibt zu hoffen, dass der Protest den Druck auf das Innenministerium verstärkt. Dass der harte Kern des Staates, der Repressionsapparat, zugunsten der Forderungen der Flüchtlinge einlenkt, scheint momentan freilich noch fast wie eine Utopie. Wohlwissend, dass das Unmögliche in der Geschichte: Arbeitsgesetze, die Abschaffung der Sklaverei, die Dekolonisierung, das Frauenwahlrecht, Sozialsysteme und das Ende des Faschismus, genau durch jene möglich wurde, die beharrlich und unerschütterlich beim sozialen Kampf für das „Unmögliche“ geblieben sind.

Apparate wie die Ministerien reagieren auf gesellschaftliche Kräfteverhältnisse, und diese bilden sich unter anderem in den Medien ab. Dort zeigt sich eine interessante Lage: Auf der einen Seite werden die Flüchtlinge mit symphatisierenden Worten bedacht; auf der anderen wird ihnen bedeutet, sie hätten sich gefälligst in ein warmes Quartier zu begeben, und zwar ohne Aufsehen bitteschön.

In diese Kerbe schlägt auch unser geschätzter Herr Bundespräsident Heinz Fischer in seinem Brief an die Flüchtlinge. Ganz der paternalistische Symbolvater, der die strukturelle Gewalt des Staates natürlich unterstützen muss, weil sie, wie man weiß, einfach sein muss und der Staat es mit uns allen doch nur gut meine, rät er in freundlichem Ton den Flüchtlingen zur Aufgabe. Man sieht förmlich die Verlogenheit, wie sie aus seinen Sätzen quillt, spürt den süßlichen Unterton, hinter dem das Zuchthaus wartet und die Deportation. Fehlte nur noch, dass Fischer den Flüchtlingen im Hungerstreik von gebratenen Tauben spricht, die draußen, vor der Kirche auf sie warten würden, wenn sie doch nur den Mund aufmachten. Man fühlt sich an ein politisches Verhör erinnert, wo Fischer den guten Bullen mimt und den realistischerweise bösen Bullen im Ministerium die Arbeit leichter macht.

Verlogenheit ist jedoch keineswegs das Privileg der dafür vorgesehenen Funktionäre des Staates.

Besonders perfide etwa ist in dieser Hinsicht der kleinbürgerliche „Standard“. Berichte, Interviews und Kommentare changieren ganz ähnlich wie bei Fischer zwischen süßlicher Anbiederung und gewaltvollem Unterton. Eine immer wiederkehrende Phrase – nicht nur im „Standard“ – ist dabei der Verweis auf die „Unterstützer“, die den Flüchtlingen schlechten Rat gäben würden. Sogar ein eher kritisches Medium wie „übermorgen“ fühlt sich bemüßigt zu betonen, dass die Flüchtlinge das System ja gar nicht verändern wollten – der O-Ton beweist es!

Das mag durchaus so sein. Die mediale Vermittlung dieser einfachen Aussage hat jedoch eine spezifische Botschaft, Berichterstattung ist niemals unschuldig. Die Botschaft von „übermorgen“ ist im Klartext: Das System soll nicht verändert werden. Das nennt sich dann Journalismus. Ganz ähnlich übrigens das lesenswerte Interview in “diestandard” mit der Aktivistin Grace Latigo, das ganz subtil eine ihrer Aussagen aus ihrem Kontext nimmt und zur suggestiven Kernbotschaft erklärt, die der verblichenen “Prawda” einige Ehre gemacht hätte: “Es ist ein Zocken mit dem Leben anderer“, spricht “diestandard”, indem sie sich in Worte von Latigo kleidet, und weiß, wie die Leserinnen und Leser das schon auffassen werden: Die “Unterstützer” nämlich sind schuld.

Der Gipfelpunkt der Heuchelei ist wohl „Irene Brickners Blog“ im Online-Standard. In einer Linie mit der klassisch falschen Begründung für die Kooperation mit der FPÖ, man würde die Rechten nur stärker machen je mehr man ihnen offen entgegen setze, rät Brickner den „Unterstützern“ der Flüchtlinge und diesen selbst dazu, den Protest doch endlich aufzugeben. „Kommt raus“, so scheint Brickner ihnen zuzurufen, freundlich, engagiert, mit emphatischer Stimme, „seid vernünftig, hier in Österreich müssen sich eben alle an die Gesetze halten, auch wenn sie nicht so gut sind, das ist schon gut so. Esst doch wieder was, wir machen uns Sorgen um Euch. Ihr werdet sehen, alles wird noch in Ordnung kommen, man wird sich um Euch kümmern – wenn ihr erst mal wieder kooperativ seid und Euch unvernünftige Ideen aus dem Kopf schlagt. Hier werdet ihr eben lernen müssen, nach unseren Regeln zu denken und nur das zu fordern, was Euch auch zusteht.“

Umgekehrt wirft Brickner den „Unterstützern“ vor, mutwillig den Tod der Flüchtlinge in Kauf zu nehmen, würden sie nicht auf diese dahingehend einwirken, ihren Protest sein zu lassen. Ganz ähnlich könnte sich ein Vergewaltiger äußern, der das Opfer bezichtigt, selbst an der Gewalt schuld zu tragen, die ihr widerfährt: „Warum hat sie auch nur so einen kurzen Rock angehabt?“ Nicht der Staat mit seinen „Asylgesetzen“ ist Brickner folgend am Flüchtlingselend schuld, sondern die Flüchtlinge selbst und ihre Unterstützer. Sie haben es doch in der Hand, was zu essen oder nicht. Ist doch ganz einfach, oder? Also, schön den Mund aufmachen und brav löffeln.

Ganz offen beklagt Brickner das Fehlen von Repräsentation: „andere, moderatere Gruppen, die die Forderungen der Flüchtlinge ihrerseits bündeln und vertreten könnten, sind vorort ja leider nicht anwesend“. Nicht nur an dieser Stelle spricht sie den Flüchtlingen Verstand und die Fähigkeit ab, selbst zu sagen, was sie wollen. Wer die Flüchtlinge reden gehört hat, wie zum Beispiel bei der Flüchtlingsdemo, weiß, dass diese Menschen sehr wohl wissen, was sie denken, dass sie sehr wohl für sich sprechen können und keine Brickners brauchen.

Mehrfach betont Brickner, die Flüchtlinge seien zu geschwächt, um sich vermeintlichen schlechten Beratern zu widersetzen – eine schon fast komische Volte – oder, wahlweise, sie verstünden eben nicht, wie der Hase in Österreich so laufe. Die Bloggerin ist sich auch nicht zu dumm, ihren Ratschlag, doch endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen, in eine Spitzenleistung verantwortungsvollen Handelns zu verkehren: „Stattdessen ist vielmehr geboten, Mitmenschen gegenüber Verantwortung an den Tag zu legen – ganz besonders in Situationen, wo diese unter Druck stehen. Wer dies beherzigt, wird in der Votivkirche eine Gruppe ins Eck getriebener, gesundheitlich ziemlich bis schwer angeschlagener Männer vorfinden, die von Caritas, Johannitern sowie etlichen ehrenamtlichen HelferInnen – vom Studierenden zu PensionistInnen – so gut es geht betreut werden.“

Das offizelle Österreich, der Bundespräsident, die Caritas, die Kirche, die Medien, die sich kritisch dünken, sie alle meinen es doch nur gut mit den Flüchtlingen. Man muss sich wundern: Woher kommen dann all die Toten an den Stacheldrähten und in den Wassergräben der EU? Wie hängt der Alltag der Deportation mit all diesen guten Menschen zusammen? Sehen sie nichts, hören sie nichts? Oder arbeiten sie, ganz im Gegenteil, in Wahrheit fieberhaft daran, der Forderung nach „No Border, No Nation, Stop Deportation“ Geltung zu verschaffen? Wahrscheinlich steckt die Innenministerin da mit unter dieser Decke. Na dann ist ja alles Bestens!

Man sage nicht, ich wäre zynisch.

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14 Responses to Macht Deportation menschlich! Das System der Heuchelei

  1. Peter Blot says:

    Schluss mit dieser Erpressung .Wer sich nicht an die Gesetze in Österreich hält soll gehen.Unerträglich diese “Flüchtlinge” ( übrigens nur Männer)!!

  2. Jürgen Faas says:

    @ Andreas: Danke.
    Kennst du den Artikel im Schattenblick? http://www.schattenblick.de/infopool/buerger/ticker/btif0018.html

  3. @Peter Blot: Die Flüchtlinge sind gar nicht in der Lage jemanden zu erpressen. Du verkehrst Täter und Opfer. Ich schlage vor, dass die Innenministerin geht, sie ist unerträglich, genauso wie die Zustände, die sie vertritt.

  4. @Jürgen Faas: Diesen Artikel kannte ich noch nicht. Danke dafür!

  5. Andreas Pretorius says:

    Diese komische “Demo”,ein erbärmlicher Aufzug von einem Teil Asylsuchenden,einem Teil illegal Aufhältigen und einem Teil ultralinken Berufsdemonstranten,die-wirre kommunistische Parolen grölend-die Kirchenbesetzer als Vehikel für ihre absurden politischen Forderungen missbrauchen,verstärkt ganz sicher nicht den Druck auf das Innenministerium.Den hat es bei der ganzen unsinnigen Aktion gar nicht gegeben.Die Verantwortung liegt einzig und allein bei den Armutsflüchtlingen in der Kirche(die meisten bereits mit abschlägigen Asylbescheiden) und den sie unterstützenden Personen und Institutionen.Und wer jetzt noch immer den Kirchenbesetzern die Illusion eines Bleiberechts vorgaukelt,wenn sie nur lang genug ihre unsinnige “Aktion” fortsetzen,handelt grob fahrlässig,wenn nicht sogar kriminell.

  6. tante ösi says:

    ich kannte website noch gar nicht – ist jetzt aber gebookmarked. guter blogpost!

    brickners (und nicht nur ihre) heuchelei ist kaum zu ertragen. es ist zum brüllen, wenn sie so tut, als sorge sie sich um die geflüchteten, ist doch anzunehmen, dass die sofortige deportation auf sie wartet, wenn sie die votivkirche räumen. das pochen auf die einzelfallabklärung zeigt darüberhinaus, dass sie selber die geflüchteten nicht erst nimmt: es geht nicht um probleme, die einzelne haben, also nicht um “einzelfälle”. zu “einzelfällen” will man sie nur machen, damit alles beim alten bleibt.

  7. Andreas Exner says:

    @Andreas Pretorius: Der Flüchtlingsprotest hat offensichtlich Druck ausgeübt, anders ist die teilweise sympathisierende Reaktion sogar rechter Medien nicht zu erklären. Das Innenministerium geht zwar nicht auf Forderungen ein, scheut jedoch noch vor purer Repression zurück, nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus Imagegründen.

    Auch die Medienlandschaft spiegelt dieses Kräfteverhältnis wider.

    Der Protest hat einen Debattenraum geöffnet, aber noch nicht mehr.

    Die herrschenden Institutionen versuchen, den Protest zu kanalisieren und damit für sie unschädlich zu machen. Das geschieht erstens durch die Umkehrung von Täter und Opfer, zweitens durch “Teile und Herrsche”, zum Beispiel mit der Trennung “guter, armer Flüchtlinge” und “böser, arroganter Unterstützer”. Drittens geschieht es mit dem Appell, von politischen Forderungen abzurücken und sich einer Behandlung als “Einzelfälle” zu unterziehen. Dabei wird das Recht als unumstößliche, quasi gottgegebene Kategorie ins Treffen geführt. Dies geschieht um den Protest zu depolitisieren, um ihm das vermeintlich Unvermeidliche vor Augen zu führen, nämlich sich den herrschenden Verhältnissen zu fügen.

    Doch Recht ist keineswegs in Stein gemeißelt, es muss interpretiert werden, ist veränderlich und umkämpft. Es unterliegt immer Kräfteverhältnissen. Die wiederkehrenden Legalisierungswellen in einigen EU Ländern zeigen dies an einem Beispiel.

    Grob fahrlässig ist zweifellos die herrschende Repressionspolitik und die Unterstützung durch Teile der österreichischen Gesellschaft, die diese genießt.

  8. Andreas Exner says:

    @tante ösi: Danke! Wie ich sehe betreibst Du / betreiben Sie auch einen Weblog, und der schaut sehr interessant aus!

  9. zombie1969 says:

    “Sie kündigten an, in den nächsten Tagen weitere Entscheidungen zu treffen”
    Was für Entscheide die Scheinasylanten treffen ist nicht massgeblich. Die wichtigsten Entscheide, die Ablehnung der Asylanträge, sind längst gefallen und bedarfen keines weiteren Dialoges. Diese Scheinasylanten haben A/EU ohne Wenn und Aber zu verlassen. Ihren Platz nehmen dankend echte Flüchtlinge ein.

  10. Sie pflegen eine autoritäre Sprache, die abzulehnen ist.

    Ohne Dialog gibt es kein menschliches Zusammenleben.

    “Scheinasylanten” gibt es nicht.

    Alle Menschen haben ein Bleibe- und Mitbestimmungsrecht, dort, wo sie sich gerade aufhalten, und zudem das besondere Recht auf Schutz vor Verfolgung. Umso mehr in Ländern wie Österreich, die im Wesentlichen von der extremen Ausbeutung und dem Elend derer leben, die vor extremer Ausbeutung und Elend berechtigtermaßen fliehen.

    Wenn Menschen aus Ländern zu uns kommen, in denen Elend und Verfolgung herrschen, dann hat Österreich diese ohne Wenn und Aber aufzunehmen. Dieses Recht genießen alle Menschen auf der Welt – und es haben auch Österreicherinnen und Österreicher sonder Zahl in der Geschichte für sich in Anspruch genommen.

    Es erstaunt, wie sehr Sie den Entscheidungen korrumpierter und menschenverachtender Institutionen vertrauen. Ich kann für Sie nur hoffen, dass Sie ansonsten über ein besseres Urteilsvermögen in ihrem Leben verfügen.

  11. Andreas Pretorius says:

    @Andreas Exner

    Schein bzw.Wirtschaftsasylanten,zB.jene,die momentan noch in der Kirche herumhängen-so sie gerade nicht bei diversen Lustbarkeiten wie Bällen oder Demos zugange sind, im Cafe ihre Facebookseiten updaten,oder über zwischenzeitlichen Urlaub (um sich vom anstrengenden Refugeedasein zu erholen) bei ihren Lieben in der Heimat (die sie vorher verliessen,um sich in Europa ein angenehmeres Leben zu verschaffen) nachsinnen-gibt es also tatsächlich und nicht zuwenige.
    Natürlich fallen solche-nur von Armut Verfolgte-nicht unter die Genfer Flüchtlingskonvention.Im Gegensatz zu tatsächlich Verfolgten,die bisher in der Tat ohne Wenn und Aber von Österreich Schutz bekamen.Jene,die ob ihrer politischen,religiösen oder sexuellen Einstellung der Verfolgung in ihrer Heimat ausgesetzt waren.Wobei anzumerken wäre,dass solche Menschen zumeist im ersten sicheren Land Zuflucht suchen,wie es etwa die vielen syrischen Flüchtlinge gerade in der Türkei tun und nicht wie die Kirchenbesetzer über den halben Globus von Pakistan zielgerichtet nach Österreich kommen,quer durch mehrere sichere Drittländer,um hier “ein besseres Leben “zu haben,wie es einer der Besetzer ausdrückte.
    Ein Bleibe und MitbestimmungsRECHT können nur jene haben,die mit legalem Status und Aufenthaltstitel in Österreich aufhältig sind.Treffen diese Voraussetzungen nicht zu,haben sie das Land zu verlassen.Ohne Wenn und Aber.

  12. Im NS hätten Sie der Vernichtung der Jüdinnen und Juden zugestimmt. Das war bekanntlich ganz “legal”. Und Sie wären gegen das Frauenwahlrecht gewesen – völlig “legal”. Im 19. Jahrhundert hätten Sie für die Sklaverei argumentiert. Die war nämlich auch “legal”.

    Sie sehen: “Legalität” ist kein Argument. Das bleiben Sie mir noch schuldig.

    [Hier interessiert uns gar nicht mal die konkrete Biographie der protestierenden und fordernden Refugees, die m.M. mit Sicherheit unter die Flüchtlingskonvention fallen; ich kritisiere Ihr Argument jedoch grundsätzlich.]

    Davon abgesehen: Der österreichische Staat und mit ihm die EU sind ein Stück Scheiße. Deren “Legalität” bedeutet tausendfachen Mord an Menschen, die von Österreich und der EU ausgebeutet werden und ihrem Elend überlassen.

    Haben Sie schon einmal überlegt, warum die in Österreich Lebenden im Weltmaßstab gesehen so “reich” sind? Doch nicht, weil das so toll arbeitende Menschen sind, so klug, schön, intelligent und fleißig.

    Nein, sie profitieren von billigem Öl, billigen Metallen, billigen organischen Rohstoffen, von der Ausbeutung der letzten 500 Jahre bis heute, von billigen Arbeitskräften. Und warum sind die Arbeitskräfte andernorts so billig? Weil die meisten in Slums leben müssen, oder von zu wenig Land mit zu wenigen Maschinen und Düngemitteln, nach vielen Jahrzehnten des Kolonialismus und der sozialen Ungleichheit, die wir zu verantworten haben. Und weil unterdrückerische Regime herrschen, so wie in Pakistan, oder in weiten Teilen Afrikas, die zumeist der Westen aufgepäppelt hat, oder, in einigen Fällen, der Osten – um ihre eigene Vormachtsposition zu sichern. Dort lebt die “Reservearmee”, die allen Lohnabhängigen mit Arbeitsplätzen als Warnung vor Augen steht. So erzeugt man billige Arbeitskräfte, von denen Sie, lieber Andreas Pretorius, in ihrem bequemen Lehnsessel mit High Quality-TV vor den Augen durchgefüttert werden.

    Sie sollten sich also bei den Flüchtlingen bedanken – nebenbei gesagt.

    Sie sehen: Es ist völlig logisch, dass jene, die unter dieser sozialen Ungleichheit am meisten leiden, vor ihrem Elend, das Länder wie Österreich mit verschulden, fliehen. Der “Staat Österreich” ist mit Sicherheit keine Kategorie, auf die sich Mitbestimmung und Bleibe einschränken lassen. Das gilt weltweit und für alle überall. Im übrigen ist die Aufnahme von Flüchtlingen eine zumindest minimale Form der Reparationsleistung Österreichs an die Opfer des Kolonialismus.

    Wir leben im 21. Jahrhundert, lieber Andreas Pretorius.

    No Border, No Nation, Stop Deportation!

    Dies in der Tat und einzig dies: Ohne Wenn und Aber.

  13. Andreas Pretorius says:

    @Andreas Exner

    War ja klar,dass Ihrerseits als nächstes die Nazi-Keule,verbunden mit Österreich-Beschimpfungen geschwungen wird.Das wird ja immer so gehandhabt,wenn Euch vernünftige Argumente fehlen.Alle,die Eure ultralinke Gesinnung nicht teilen,werden umgehend zu Nazis erklärt.
    Da wundert es einen ja direkt,dass Sie “Bleiberecht für Alle” fordern.Ausgerechnet in einem Land,das Sie als Stück Scheisse bezeichnen.Eine Meinung,die offensichtlich von den “Refugees” ganz und gar nicht geteilt wird.Denn sonst würden sie nicht mit allen Mitteln versuchen,sich in diesem Staat festzusetzen.
    Es ist übrigens schon lang klar geworden,dass es Ihnen eigentlich gar nicht um Flüchtlinge geht,sondern Sie nur auf deren Rücken Ihre klassenkämpferischen Parolen an den Mann/die Frau bringen wollen.Als nächstes werdet Ihr wohl Denkmäler für Stalin,Mao oder Pol Pot fordern.
    Ich frag mich auch,welche Kolonien Österreich jemals ausgebeutet hat.Wir hatten nie welche,wenn man von einer 5jährigen Besetzung von vier Inselchen in der Andamanensee mal absieht.Das war übrigens um 1780…
    Und was meinen Flat-TV angeht,den hab ich mir erarbeiten müssen.Arbeit ist das,was ihr ewiggestrigen Westentaschenrevolutionäre mal versuchen solltet,statt Euren Lebensunterhalt nur mittels Stütze vom “Scheiss-Staat”,-wie Ihr es nennt,oder aus Muttis Portemonnaie zu bestreiten.
    Auf den No Border,No Nations-Unsinn geh ich gar nicht erst ein.
    Und eine weitere Diskussion mit träumenden Jungrevolutionären ist sowieso sinnlos.Aber irgendwann werden auch die in der Realtät des 21.Jahrhunderts erwachen (müssen).
    Schönen Tag noch!

  14. Andreas Exner says:

    Lieber Andreas Pretorius!

    Danke für Ihre Rückmeldung!

    Sie setzen den Staat Österreich – der ein Stück Scheiße ist – mit den Leuten gleich, die in dem Land leben, das dieser Staat einzäunt. Ihre Verwunderung ob meiner Worte lässt sich also leicht auflösen.

    Meinen Hinweis, dass “Legalität” als solche kein Argument darstellt, was ich mit dem Beispiel der NS-Diktatur, die ein legales System war, veranschaulicht habe, beantworten Sie nicht mit einem Argument.

    Es tut mir leid, aber ich muss Ihre Kritik der fehlenden Argumentation erneut an Sie zurückgeben.

    Klassenkämpferische Parolen vermisse ich in meinem Posting, ebenso wie in meiner Antwort an Sie.

    Ihnen ist nicht klar, dass die industrielle Revolution in Europe nur mit Hilfe von Nahrungsmittel-Lieferungen aus den Kolonien hat stattfinden können. Das hat Mike Davis in “Late Victorian Holocausts” detailliert aufgearbeitet, aber auch viele andere WissenschafterInnen der “Food Regime”-Schule. Sie können einiges davon in unserem Buch “Kämpfe um Land” nachlesen (Mandelbaum, 2012): http://www.mandelbaum.at/books/806/7397

    Wie Sie ebenfalls sicher wissen, beruht die Energieversorgung in Österreich zu weiten Teilen auf fossilen Stoffen. Vermutlich ist Ihnen auch bekannt, dass die nur zu einem vernachlässigbaren Anteil aus dem Marchfeld kommen. Wahrscheinlich wissen Sie zudem, dass die Länder, aus denen fossile Stoffe vorrangig kommen, frühere Kolonien sind, dass die Förderung von Rohstoffen allgemein das Hauptanliegen des Kolonialismus war – und der so gennanten “Strukturanpassung” im globalen Süden in den 1980er und 1990er Jahren -, und dass auch heute noch imperialistische Kriege um Öl geführt werden. Wahrscheinlich wissen Sie um die Vorgänge im Irak, oder im Nigerdelta, um zwei Beispiele herauszugreifen.

    Weiters werden Sie vermutlich nachvollziehen können, dass nur ein Bruchteil der Metalle, die sich in Österreich in Verwendung befinden, in diesen Landen auch gewonnen wurden.

    Und wahrscheinlich haben Sie auch schon gehört, dass heutzutage zum Beispiel vieles in China hergestellt wird, weil dort die Arbeitskosten sehr niedrig sind. Warum sind die Arbeitskosten dort so niedrig? Weil Menschen dort lieber “freiwillig” in sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse gehen als zu verrecken. “Wir” hier in Österreich zahlen ihnen nämlich nicht mehr für ihre Waren.

    Es dürfte evident sein, dass Österreich in eine Weltwirtschaft eingebunden war – und ist -, die auf Kolonialismus beruhte. Das hat gar nichts damit zu tun, ob der österreichische Staat – der ein Stück Scheiße ist – Kolonien in seinem Besitz hatte oder nicht. Er profitierte und er profitiert von kolonialen Verhältnissen, die heute keineswegs überwunden sind. Wie sie vermutlich wissen, kann jemand “legal” – unser Thema! – frei sein, und de facto dennoch vollkommen abhängig.

    Wenig bekannt ist, dass die Wirtschaft Österreichs vor dem Zweiten Weltkrieg im europäischen Vergleich ziemlich rückständig war. Erst der Zweite Weltkrieg hat ihr die Modernisierung und das nachfolgende “Wirtschaftswunder” gebracht. Es beruhte auf der Enteignung, Zwangsarbeit und Ermordung von Jüdinnen, Juden, Menschen aus Osteuropa, Roma und vielen anderen Gruppen, die von Gesetz wegen – Sie sehen: die Legalität! – als “fremd” definiert worden sind und daher, im Grunde ähnlich wie heute die Flüchtlinge, als vogelfrei erklärt. Im Allgemeinen verbindet man mit der Nachkriegszeit hierzulande Hunger und Not. Die industriellen Anlagen waren davon jedoch nicht betroffen, und dieses Erbe der Nazizeit ist der direkte Boden unseres tollen “Wohlstands”.

    Leider haben Sie offenbar noch nicht davon gehört, dass illegalisierte MigrantInnen – wie die protestierenden Flüchtlinge in Österreich – einen erheblichen Anteil des BIP in den Ländern Europas produzieren, in der Gegend von 10 oder mehr Prozent. Vermutlich essen Sie auch Gemüse aus dem Supermarkt. Wenn Sie zum Beispiel das Herkunftsetikett betrachten, wird Ihnen vielleicht “Almeria” auffallen. An dieser Region in Südspanien ist besonders detailliert untersucht worden, dass Gemüse nur deshalb so billig produziert werden kann, weil illegalisierte MigrantInnen eingesetzt werden.

    Das ist auch ein Effekt der Verfolgung und Deportation von Flüchtlingen. Klarerweise werden die Rassisten und der Staat – der ein Stück Scheiße ist – damit nicht die Flüchtlinge “los”. Menschen versuchen sich immer dorthin zu bewegen, wohin sie eben wollen, sogar unter widrigsten Umständen: der Wille zum guten Leben ist unbeugsam. Was damit allerdings erreicht wird, ist die Produktion rechtloser und daher konkurrenzlos billiger Arbeitskräfte.

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