Transition Europe: Kämpfe für Innovation – innovative Kämpfe

von Andreas Exner

Ein neuer Blog namens “Transition Europe” führt soziale Kämpfe und soziale Innovation zusammen. Er füllt damit eine Lücke im alternativen Nachrichten-Angebot: zwischen der nationalen Fixierung vieler sozialer Proteste einerseits, und der harmonistischen, lokalistischen und systemaffirmativen Orientierung eines großen Teils innovativer Ansätze andererseits. Der Blog läuft auf Englisch, zugunsten einer Verständigung über nationale Grenzen hinweg.

Hier die Selbstbeschreibung des Blogs, der momentan vier BeiträgerInnen und diverse ZuträgerInnen vereint:

Die kapitalistische Ökonomie und der Staat zwingen Europa in eine “Zweite Strukturanpassung”. Nach dem globalen Süden kommt nun der Norden direkt unter Beschuss: soziale Dienstleistungen werden gekürzt, die Arbeitslosigkeit steigt, Löhne stagnieren oder fallen sogar, die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds stürzen ganze Länder wie etwa Griechenland ins Chaos, Leben und Lebensperspektiven werden zerstört, Massen von Menschen gedemütigt.

Doch dies ist wahrscheinlich nur der Anfang.

Das kapitalistische Welt-System, das auf Lohnarbeit, Warentausch und Staatsmacht beruht, ist in eine vielfache Krise eingetreten. Energieversorgung, die Stabilität des Klimas, die Produktion von Lebensmitteln und ihre Verteilung, der Zugang zu Land für Bäuerinnen und Bauern, aber auch die politische Stabilität vieler Länder werden von einem System negativ betroffen, das auf rücksichtsloses Wachstum ausgerichtet ist.

Wir brauchen stattdessen eine Transition zu einer Gesellschaft auf der Basis von Kooperation, Solidarität, Demokratie und sozialer Gleichheit. Und das dringend.

Transition ist eine zweifache Bewegung: sie besteht aus sozialen Kämpfen und sozialer Innovation. Kämpfe ohne Innovation sind mitunter nur ein weiterer Bestandteil des Systems; Innovation ohne Kämpfe ist keine wirkliche Innovation. Doch nach drei Jahrzehnten Neoliberalismus sind soziale Kämpfe an sich schon häufig innovativ. Eine Transition, die für Innovationen kämpft und Kämpfe erneuert ist eine radikale Transformation. Sie besteht in einem fundamentalen Wandel, der eine Vielzahl verschiedener Aktionen umfasst, die einander ergänzen. Sie ergeben ein größeres Bild, das mehr ist als seine Teile.

Soziale Kämpfe beinhalten ein weites Feld von Auseinandersetzungen. Alle sozialen Verhältnisse sind ökologische Verhältnisse. Soziale Kämpfe sind daher zuerst einmal Kämpfe um das Verhältnis der Gesellschaft zur Natur. Sozio-ökologische Verhältnisse inkludieren Geschlechterverhältnisse, die vom Patriarchat geprägt sind. Folglich ist Gender eine Komponente sozialer Kämpfe. Soziale Kämpfe involvieren MigrantInnen, Studierende, die arbeitslos Gemachten, Junge und Alte. Sie sind mal sporadisch, unsichtbar für die Öffentlichkeit, und werden ausgetragen mit den “Waffen der Schwachen” (James Scott); dann wieder sind sie laut, sichtbar, politisch gut artikuliert und militant. Selbstverständlich beinhalten soziale Kämpfe auf die eine oder andere Weise immer auch Kämpfe gegen Staatsmacht und die Kontrolle durch das Kapital.

Soziale Innovationen sind dann für die Transition relevant, wenn sie radikal sind. Radikale soziale Innovationen überschreiten die Hauptstrukturen der gegenwärtigen Art der Gesellschaft: Lohnarbeit, Warentausch und die gewaltvolle Trennung zwischen Ökonomie und Politik, dem Privaten und der Öffentlichkeit. Radikale soziale Innovationen sind ein integraler Bestandteil von Kämpfen für eine Transition.

Dieser Blog wird auf beide Aspekte eines Auswegs aus der kapitalistischen Krise fokussieren: auf Kampf und Innovation. Er wird relevante Nachrichten aus den Ländern Europas sammeln, zu sozialen Kämpfen gegen die Krise und für radikale soziale Innovationen wie zum Beispiel:

  • Streiks, vor allem in militanter Form
  • Besetzungen
  • Kooperativen
  • Proteste, vor allem wenn sie innovativ sind
  • Solidarische Ökonomien
  • Commons
  • Demonetarisierung
  • Degrowth / Post-Wachstum
  • etc.

Von Zeit zu Zeit wird der Blog zudem theoretische Reflexionen oder Zusammenfassungen präsentieren. Ebenso haben Beschreibungen schon lange existierender Projekte, Initiativen oder Bewegungen ihren Platz.

Wir möchten diese Weblog zusammen mit anderen weiterentwickeln. Momentan sind wir zu viert. Wir laden BeiträgerInnen aus allen Ländern Europas und darüberhinaus ein, die unser Mission Statement unterstützen! Wenn Du interessiert bist, schreib an andreas.exner ÄT aon.at

Alle Einträge, Demonetize.itPermalink

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