Zweideutige Resilienz, eindeutige Indikatoren: mit Commons gegen die Mehrfachkrise

von Andreas Exner

Eine jüngst veröffentlichte Studie im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Resilienz von Peak Oil und Gas diskutiert den zweideutigen Charakter der Resilienzdebatte, die immer weitere Kreise zieht. Das Forschungsprojekt wird vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank gefördert.

Der Bericht, den ich neben Rosemarie Stangl, Tatjana Fischer, Reinhard Paulesich und Sacha Baud herausgeben durfte, enthält unter anderem eine Analyse des Resilienzdiskurses. Aus Sicht von an sozialen Bewegungen interessierten Menschen, die sich mit Peak Oil befassen, sind die Kapitel 9 und 10 besonders relevant. Dort nämlich werden Überlegungen zu so genannten Indikatoren der Resilienz angestellt. Es geht dabei um die Frage, was Gesellschaften denn eigentlich gegen Krisen absichert oder, noch besser, sie so gestaltet, dass das RIsiko von sozialen, ökologischen und ökonomischen Krisen von Haus aus gering ist.

Die kapitalistische Produktionsweise ist historisch eng mit der Nutzung fossiler Ressourcen verkoppelt. Einiges spricht dafür, dass das Kapital mit seiner abstrakten Wachstumsdynamik sich überhaupt erst mit Hilfe der fossilen Energieträger weltweit und lebensbestimmend durchsetzen konnte. Elmar Altvater hat dies in vielen Veröffentlichungen überzeugend dargelegt. Die Verknappung der Fossilen wird diese Produktionsweise daher in ihrer heute globalisierten Form in Frage stellen. Doch die in ihr verkörperten Strukturen von Herrschaft, die es schon weit vor dem Kapitalismus gab, wird sie nicht unbedingt zu Fall bringen.

Damit sich nicht soziale Herrschaft als resilient erweise, sondern im Gegenteil ein gutes Leben für alle, das heute nicht existiert, sind Hinweise darauf von Bedeutung, wo dieses gute Leben sich entgegen aller Krisen entwickeln könnte. Das ist im Grunde der Kern der Frage nach den Indikatoren der Resilienz gegenüber Peak Oil und Gas, wie jedenfalls ich als einer der Autorinnen und Autoren des Berichts sie stelle und worauf ich Antworten suche.

Die Hauptrichtung, in der ich solche zu finden vermeine, kann man mit den Stichworten soziale Gleichheit, Kooperation und Commons (Gemeingüter) benennen. Es mag Anlass zu vorsichtiger Hoffnung geben, dass zum Beispiel die weltweit prominente Resilience Alliance den Commons ebenfalls relativ breiten Raum widmet.

Doch ist damit noch nicht allzu viel gesagt, denn was Commons sind oder sein sollen, wird verschieden konzipiert. Deren Verhältnis zu der aus sich heraus krisenhaften und zerstörerischen kapitalistischen Produktionsweise, die auf Lohnarbeit beruht und eine Marktwirtschaft hervorbringt, wird häufig unkritisch betrachtet.

Statt eines Schockabsorbers für Kapital und Staat in der sich entwickelnden Mehrfachkrise müssten Commons soweit expandieren, dass sich die ihnen eigenen Logiken als die gesellschaftlich Bestimmenden durchsetzen. Commons müssten staatliche Machtstrukturen und die kapitalistische Produktion zurückdrängen und längerfristig überwinden. Sie dürften in einer emanzipatorischen Perspektive nicht die historisch gewohnte Rolle einer bloßen Resilienzressource spielen. Anstatt der Selbstorganisation nur zur Dämpfung von Krisenfolgen eine limitierte Bedeutung zuzuweisen, müsste das Prinzip der Selbstorganisation die ganze Gesellschaft erfassen.

 

 

 

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