Zugang zu Land: Flächenfreikauf und gemeinsame Landwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zum Workshop der Initiative Flächenfreikauf und des Hofkollektiv Wieserhoisl. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen.

Von Initiative Flächenfreikauf und Hofkollektiv Wieserhoisl

Immer mehr Menschen hinterfragen die übliche Art der Landwirtschaft. Anstelle des Einkaufs im Supermarkt entstehen Projekte gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft. Zugleich werden auch neue Wege des Zusammenlebens beschritten. Anstelle der isolierten, auf sich zurückgeworfenen Kleinfamilie bilden sich Kollektive gemeinsamen Arbeitens und Lebens. Was diese Ansätze eint, ist nicht nur das Ziel eines guten Lebens. Sie stoßen alle auch an die Grenzen des Privateigentums.

So befinden sich Projekte wie das Hofkollektiv Wieserhoisl in der problematischen Situation, auf Land zu leben, das sie nur gepachtet haben. Es ist keine Nutzung auf Dauer sicher. Das Hofkollektiv Wieserhoisl hat daher mit anderen Gruppen gemeinsam einen Verein namens Co.Sy gegründet. Sein Ziel ist es, den Freikauf von Immobilien und Flächen zu unterstützen um Gebäude oder Land dauerhaft vom Markt zu entkoppeln. Der Verein entscheidet basisdemokratisch über die Nutzung.

Das erste große Projekt von Co.Sy ist der Freikauf des Wieserhoisl selbst. Dafür wird auf der Website http://zugangzuland.noblogs.org/konkrete-projekte/ um Spenden gebeten. Das Wieserhoisl wird von einer Gruppe von Menschen bewohnt, die mit einer gemeinsamen Kasse solidarische Ökonomie praktizieren und biologische Landwirtschaft betreiben. Sie verbinden politisches Engagement mit lokaler Verankerung und einer konkreten Veränderung von Lebens- und Arbeitsverhältnissen.

Der Ausgangspunkt der benachbarten Initiative Flächenfreikauf in der Steiermark mit der Website http://bodenfreikauf.wordpress.com/ ist der Wunsch nach gemeinsamer Landwirtschaft auf gleicher Augenhöhe. Die Gruppe will keine Fläche dafür pachten, denn ein Pachtverhältnis ist ein ungleiches Abhängigkeitsverhältnis. Zudem will sie Alternativen zum Privateigentum an Grund und Boden sichtbar machen. Denn solange ein Bodenmarkt existiert, werden Nutzungswillige immer nur selektiv zum Zuge kommen. Auf der anderen Seite bleiben Menschen von denjenigen abhängig, die jeweils Zugang zu Land und landwirtschaftlichem Wissen und den entsprechenden Maschinen haben.

Die Initiative hat nun als Startschuss eine Fläche von etwa 3.600 Quadratmetern bei Wettmannstätten in gut erreichbarer Lage gekauft. Die Fläche soll dauerhaft dem Markt entzogen bleiben. Produkte werden nicht verkauft, sondern selbst konsumiert und zu etwa 20% verschenkt.

Die beiden Ansätze teilen die Perspektive, nach und nach weitere Freiräume zu schaffen, die nicht-kommerziell produzieren und auf sozialer Gleichheit basieren. Kooperationen könnten Synergien schaffen, zum Beispiel über gemeinsam genutzte Maschinen und gepooltes Wissen.

Weiterlesen: Wem gehört der Acker? http://www.social-innovation.org/?p=4578

Alle Einträge, Demonetize.itPermalink

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