Spenden für Waffen? Ja. Für die Verteidigung der Selbstverwaltungsdemokratie in Rojava!

Das ist auch der Grund, weshalb die jungen Kurdinnen und Kurden ihren beispiellosen, vorbildlichen und glänzenden Kampfgeist weder mit den islamischen noch mit den westlichen Werten begründen, denn diese Werte sind schon vor dem Fall Kobanês für die Kurden gefallen. Die Terrormiliz IS hat nicht nur die Wertlosigkeit der militärischen Überlegenheit der Staaten der Region und des Westens, sondern auch die Inhaltslosigkeit ihrer Werte zur Schau gestellt” (http://kurdischenachrichten.com/2014/10/kobane-und-die-heuchelei-des-westens/)

von Andreas Exner

Kaum etwas stimmt trister als die Nachrichten der letzten Tage zur Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobane. Sie ist Hauptstadt des selbstverwalteten Kantons Rojava. Er bildet ein Beispiel für eine alternative Entwicklung des Friedens und von sozialer Gleichheit in einer Region, die gerade das krasse Gegenteil davon erfährt.

Dabei spielt offenbar auch ein Wandel der Ausrichtung der PKK eine Rolle, die in der Region starken Rückhalt erfährt. So hat der inhaftierte Abdullah Öcalan unter anderem den US-Anarchisten Murray Bookchin rezipiert. AktivistInnen berichten von einem Einfluss dieser Ansätze auf die Bewegungen in Rojava.

Doch Rojava und mit ihr der gesamten nordsyrischen autonomen Provinz drohen die Vernichtung.

Von der türkischen Regierung unter Erdogan wird Kobane von jedem Nachschub an Hilfsgütern und Waffen abgeschnitten. Sie würde es wohl gerne sehen, dass Rovaja scheitert: der Weg der autonomen Selbstverwaltung, der Gleichstellung von Frauen und Männern, und eines multiethnischen Modells von Partizipation und Produktionsgenossenschaften. Nicht zuletzt, weil die kurdische Bevölkerung in der Türkei selbst sich daran ein Beispiel nehmen könnte

Von daher verwundert es nicht, dass der türkische Staat offenbar den IS unterstützt, durch Behandlung ihrer Verwundeten in Spitälern, die Möglichkeit, Nachschub über die Grenze passieren zu lassen und auf anderem Wege. Auch islamistische Kräfte in der kurdischen Bevölkerung der Türkei scheinen von der Regierung in Ankara mit aufgebaut zu werden. Die Forderung nach einer Pufferzone – angeblich zum Schutz von Flüchtlingen – in Nordsyrien, die von der türkischen Regierung zur Bedingung ihres militärischen Eingreifens gemacht wird, erweist sich vor diesem Hintergrund als durchsichtiges Manöver zur Kontrolle der selbstverwalteten Provinz.

Auch die wenig hilfreichen Luftschläge der USA und ihrer Verbündeten gegen IS-Stellungen entpuppen sich so als durchaus kalkuliert halbherziges Eingreifen. Man signalisiert moralische Unterstützung, hilft der Selbstverwaltungsdemokratie in Rojava jedoch damit keineswegs. Es darf davon ausgegangen werden, dass die USA anderes im Sinn haben, als einen Weg der selbstverwalteten Demokratie im Nahen Osten zu unterstützen.

Das ist auch Stellungnahmen von US-VertreterInnen zu entnehmen, etwa in einer Interviewpassage in Der Standard. Öl ist aus Sicht der US-Regierung eben wichtiger als ein gutes Leben für alle.

Dass der Kampf um Kobanê für die USA jedoch nicht oberste Priorität hat, ließ zuletzt die Sprecherin im US-Außenministerium, Jen Psaki, durchblicken. Es werde noch andere Dörfer und Städte in Syrien geben, die ebenfalls bedroht würden, sagte sie am Mittwoch. “Wir müssen uns hier auf unsere strategischen Komponenten konzentrieren – das sind Kommando- und Kontrollzentren, das sind Ölraffinerien”, so Psaki. Pentagon-Sprecher John Kirby versicherte jedoch: “Wir tun aus der Luft alles, was wir können.” Luftangriffe allein würden Kobanê aber nicht retten können, räumte auch er ein.

Und die EU führt die PKK immer noch als “Terrororganisation”, während das Eingreifen gegen den IS von einer gewissen Zögerlichkeit gekennzeichnet scheint.

In dieser Situation stellt sich die Frage des Handelns von Bewegungen und Gruppen, die sich als emanzipatorisch verstehen. Können wir es bei Spendenkampagnen für Hilfsgüter belassen?

Das wäre offensichtlich weitaus zu wenig. Was die Kurdinnen und Kurden in Kobane und mittelfristig in der gesamten nordsyrischen Region brauchen, sind nicht nur Hilfsgüter wie Medikamente, sondern ebenso Waffen, die dem hochmodernen Kriegsgerät der IS ebenbürtig sind. Die VerteidigerInnen von Kobane – rund die Hälfte dürften Frauen sein – waren dem IS bislang nur durch Mut, Willen, Einsatz und Ortskenntnis überlegen. Dieser Vorsprung scheint von Stunde zu Stunden zu schwinden.

Die Unterstützung des Widerstands gegen den IS und seine expliziten wie impliziten Verbündeten ist auch das, was offenbar die Kurdinnen und Kurden in Kobane wollen. Ein Eingreifen der Türkei wird von ihnen ebenso abgelehnt wie eine Pufferzone in Nordsyrien. Sie verlangen vielmehr eine Öffnung der Grenze seitens der Türkei nach Kobane und Waffenlieferungen, die ihr einen Sieg gegen den IS ermöglichen.

All dies sind unbequeme Einsichten; Einsichten allerdings in nicht nur unbequeme, sondern schlichtweg kaum vorstellbar katastrophale Entwicklungen in einer Region, in der sich weitaus mehr entscheiden könnte als das Schicksal des Nahen Ostens. Die Verbindungen zwischen dem IS und der Perspektivlosigkeit vieler Menschen in Europa sind offenkundig. Die Verbindungen zwischen dem geopolitischen Engagement der USA, der Türkei und anderer Regierungen im Nahen Osten und der auf Erdöl basierenden Wirtschaft dieser Länder sind ebenso klar.

Doch könnte der Kampf um die autonome Selbstverwaltung in Rojava und den beiden anderen Kantonen der nordsyrischen Region vielleicht eine historische Bedeutung gewinnen, die der des spanischen Bürgerkriegs gleichkommt. Das ist zwar spekulativ, verweist jedoch auf eine mögliche historische Tragweite der Auseinandersetzungen, die auch nicht von der Hand zu weisen ist. Klar ist jedenfalls, dass sich in der Verteidigung von Kobane und der benachbarten Provinzen eine gravierende Entscheidung für oder gegen einen Weg anbahnt, der den Menschen ein gutes Leben für alle ermöglicht – oder das brutale Gegenteil.

Aus dieser Perspektive ist es unabdingbar, die Spendenkampagne für Waffen für die nordsyrische Region zu unterstützen, die von linken Gruppen inzwischen von Deutschland ausgehend aufgebaut worden ist. Mit binnen kürzester Zeit überraschendem Erfolg.

Hier der Aufruf:

http://arab.blogsport.de/2014/10/03/spendenkampagne-waffen-fuer-die-ypgypj/

http://nao-prozess.de/solidaritaet-mit-rojava-waffen-fuer-die-ypgypj/

Hier gehts zum Spendenkonto:

Empfänger: MD
IBAN: DE98 5005 0201 1243 1674 49
BIC: HELADEF1822

weitere Informationen gibt es unter
kontakt@nao-prozeß.de
arab@riseup.de

Tel. 0172 9169800

Michael Prütz
Tel.030-6943777/ 0172-9169800

Hier wird der Hintergrund geschildert:

https://www.jungewelt.de/inland/%C2%BBwir-k%C3%B6nnen-nicht-die-augen-verschlie%C3%9Fen%C2%AB

Facebook-Gruppe “Ja zu militärischer Hilfe und Waffenlieferungen nach Syrien und Irak”

Die Unterstützer dieses Aufrufs sind der Ansicht, dass der Kampf der Kurden gegen die Terrorbanden des IS auch militärisch unterstützt werden muss.

https://www.facebook.com/pages/Ja-zu-milit%C3%A4rischer-Hilfe-und-Waffenlieferungen-nach-Syrien-und-Irak/567574240055769?fref=ts

Weitere Artikel zur Lage in der Region (gereiht nach Aktualität):

http://derstandard.at/2000007591724/Kurden-schlugen-erneuten-IS-Angriff-auf-Kobane-zurueck

http://derstandard.at/2000007423711/Das-letzte-zerstoerte-Dorf-an-der-Front-gegen-die-IS

https://anarkistan.wordpress.com/2014/10/30/an-interview-with-revolutionary-anarchist-action-on-kobane-we-are-kawa-against-dehaks/

http://infobrief-tuerkei.blogspot.de/2014/10/retter-kobanes-totengraber-rojavas.html

http://fm4.orf.at/stories/1748652/

http://www.thedailybeast.com/articles/2014/10/27/the-secret-life-of-an-isis-warlord.html

http://www.washingtonpost.com/world/syria-tribal-revolt-against-islamic-state-ignored-fueling-resentment/2014/10/20/25401beb-8de8-49f2-8e64-c1cfbee45232_story.html?utm_source=Sailthru&utm_medium=email&utm_term=*Situation+Report&utm_campaign=SitRep1021

http://derstandard.at/2000007243987/Offensive-der-Jihadisten-in-Kobane-vorerst-gestoppt

http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-streitgespraech-mit-einem-islamisten-a-998720.html

http://fm4.orf.at/stories/1748250/

http://derstandard.at/2000007051053/Tuerkei-erleichtert-irakischen-Peschmerga-Kaempfern-Zugang-zuKobane

http://www.spiegel.de/politik/ausland/is-islamischer-staat-jesiden-im-nordirak-umzingelt-a-998089.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/usa-unterstuetzen-kurden-mit-waffen

http://derstandard.at/2000007016888/US-Flugzeuge-werfen-erstmals-Waffen-fuer-Kurden-in-Nordsyrien-ab

http://rudaw.net/english/middleeast/syria/191020141

http://kickerdaily.com/woman-leads-kurdish-troop-vs-isis-in-kobane/

http://roarmag.org/2014/10/kobane-kurds-us-imperialism/

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/3893702/Kaempferinnen-der-YPJ_Die-ISTerroristen-haben-Angst-vor-uns-Frauen

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/turkey/11171939/Inside-Kobane-We-are-winning.-The-town-will-be-a-cemetery-for-Isil.html

http://kurdischenachrichten.com/2014/10/ypg-pressesprecher-polat-can-auch-wir-werden-in-der-koalitions-kommandozentrale-vertreten/

http://rt.com/news/196828-isis-withdraw-kobani-fight/

http://www.sueddeutsche.de/politik/finanzierung-des-is-durch-oel-schwarze-fahne-schwarzes-gold-1.2174771

http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_71408220/guerilla-truppe-weisses-leichentuch-macht-jagd-auf-is.html

http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_71408032/islamischer-staat-hat-in-kobane-wohl-saddams-giftgas-eingesetzt.html

http://www.relevantmagazine.com/slices/isis-new-enemy-terrifying-dutch-biker-gang

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/salih-muslim-tuerkei-inhalt-interview#

http://www.bild.de/politik/inland/bundeswehr/zwischenruf-militaer-experte-wolffsohn-es-droht-ein-krieg-zwischen-kurden-und-tuerken-38128372.bild.html

http://darthnader.net/2014/10/12/a-brief-note-on-rojava-and-solidarity/

http://www.thedailybeast.com/articles/2014/10/13/turkish-president-declares-lawrence-of-arabia-a-bigger-enemy-than-isis.html

http://www.zeit.de/politik/2014-10/kobani-kurden-islamischer-staat-syrien

http://www.n-tv.de/politik/Tuerkei-bombardiert-PKK-Stellungen-article13776321.html

http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/1.620751

http://www.e-flux.com/announcements/kobane-is-not-falling/

http://roarmag.org/2014/10/turkey-kurdistan-democratic-autonomy/

http://www.huffingtonpost.de/2014/09/23/isis-finanzen-terror_n_5866606.html?obref=outbrain-www-fol

https://magazin.spiegel.de/digital/index_SP.html#SP/2014/42/129737014

http://m.welt.de/debatte/kommentare/article133191541/Hauptschuldiger-am-Aufstieg-des-IS-ist-der-Iran.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/is-milizen-in-syrien-taktischer-rueckzug-vor-kobane-13196306.html

http://www.nzz.ch/international/naher-osten-und-nordafrika/kobane-wehrt-sich-weiter-gegen-die-jihadisten-1.18402494

http://fm4.orf.at/stories/1747733/

http://civaka-azad.org/rojava-und-die-spanische-revolution/

https://de.nachrichten.yahoo.com/feature-im-schutze-der-nacht-nach-kobane-142759983.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/fs-kurdische-fluechtlinge-2

http://www.heise.de/tp/news/Waffen-fuer-Kurdistan-2415671.html

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43031/1.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kobane-usa-rechnen-mit-weiterem-vormarsch-des-is-in-syrien-a-996144.html

http://news.sky.com/story/1350972/airstrikes-missing-is-front-line-say-fighters

http://www.n-tv.de/politik/Der-Vormarsch-des-IS-in-Kobane-stockt-article13767566.html

http://fm4.orf.at/stories/1747682/

https://www.adoptrevolution.org/isis-factsheet/

http://www.theguardian.com/world/2014/oct/11/iran-syria-israel-us-air-strikes-isis-assad

http://civiroglu.net/2014/10/10/fsa_kobane_help/

http://www.informationclearinghouse.info/article39928.htm

http://carnegieendowment.org/syriaincrisis/?fa=56905

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/pkk-tuerkei-krieg

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/islamischer-staat-kobani-tuerkei-syrien

http://kurdischenachrichten.com/2014/10/kobane-und-die-heuchelei-des-westens/

http://www.huffingtonpost.co.uk/houzan-mahmoud/kobane-isis_b_5958150.html

http://www.bz-berlin.de/welt/eu-laender-finanzieren-isis-durch-oelimport-2

http://www.channel4.com/news/turkey-kurdish-islamic-state-kobani-taksim-anarchists-kurds

http://roarmag.org/2014/10/kurdistan-kobane-turkey-isis/?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+roarmag+%28ROAR+Magazine%29

http://civaka-azad.org/kampf-um-kobane-ausnahmezustand-der-tuerkei-und-internationale-solidaritaet/

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/667617_Verrat-an-Kobane-und-den-Idealen-der-Demokratie.html

http://m.welt.de/politik/ausland/article133069425/Gebt-uns-Waffen-wenn-ihr-euch-nicht-hertraut.html

http://www.radiobremen.de/politik/alle-artikel/kurdische-kaempfe100.html

http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/oct/08/why-world-ignoring-revolutionary-kurds-syria-isis

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2 Responses to Spenden für Waffen? Ja. Für die Verteidigung der Selbstverwaltungsdemokratie in Rojava!

  1. Peter says:

    Ein paar Informationen zu den ideologischen Neuausrichtungen der PKK finden sich unter http://www.anarchismus.at/blog-anarchismus/6937-die-pkk-und-der-anarchismus

  2. Andreas Exner says:

    Danke! Ich denke, es wäre auch noch viel genauer dem nachzugehen, was aus Rojava berichtet wird in Hinblick auf Selbstverwaltungsstrukturen. Die allgemeine Lage dort ist wohl weder für dieweitere Entwicklung solcher Strukturen noch für tiefergehende Untersuchungen und Berichte günstig. Dass bei Öcalan strategische Motive eine Rolle spielen, wäre mal grundsätzlich zu erwarten und ist an sich legitim. Wenn er oder tonangebende Kräfte in der PKK sich dabei nicht praktisch auf anarchistische Ziele einlassen, scheint mir das mal aus allgemein-politischen Überlegungen und Erfahrungen heraus nicht unplausibel. Es wäre freilich nicht der alleinige Ansatzpunkt einer (solidarischen) Kritik. Und es wäre eben zunächst einmal von großer Wichtigkeit, die Verhältnisse in Rojava aus verschiedenen Blickwinkeln und mit dem wünschenswerten Tiefgang diskutieren zu können. – wenn der Gegenstand solcher Diskussionen nicht vorher militärisch zum Verschwinden gebracht wird.

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