Studie: Solidarische Ökonomie in Österreich

von Andrea*s Exner [via]

Im Auftrag von Südwind habe ich eine Studie zur Solidarischen Ökonomie in Österreich erstellt. Die Arbeit erfolgte im Rahmen des EU-Projekts SUSY – Sustainable and Solidarity Economy. Die Studie steht als Langfassung und als Kurzfassung auf Deutsch bereit. Die Kurzfassung gibt es auch auf Englisch. Siehe dafür auch die Projektlinks für Lang- und Kurzfassung.

Sie beinhaltet

1. eine Abgrenzung des für das Thema Solidarische Ökonomie charakteristischen Transformationsdiskurses

2. eine Systematisierung von Sichtweisen und Erfahrungen wichtiger Akteur*innen zum Thema

3. einen selektiven Überblick solidarökonomischer Initiativen in Österreich

4. persönliche Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen auf Basis der Studienergebnisse.

Zusammenfassung

Aus 27 Interviews zum Thema ergibt sich: Solidarische Ökonomie ist kein fest definierter Gegenstand. Die Bedeutung Solidarischer Ökonomie liegt in der Perspektive einer umfassenden gesellschaftlichen Transformation. Diese Transformation geht von Nischen aus, in denen Menschen darauf zielen gleichberechtigt, demokratisch, solidarisch, für die ganze Welt und kommende Generationen verantwortlich miteinander umzugehen. Dazu zählen etwa Food Coops, Kostnixläden, Volxküchen und gemeinschaftliches Wohnen. Die Bewegung für Ernährungssouveränität, für das Recht von Menschen über ihre Lebensmittelproduktion und Ernährung selbst bestimmen zu können, ist ein gutes Beispiel für Solidarische Ökonomie als Transformationsbewegung. Die Nischen existieren im Rahmen eines Herrschaftssystems: von Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und anderen Formen der Ungleichheit und Rücksichtslosigkeit. Die Nischen sind widersprüchlich und können nur Teilbereiche für sich besser regeln als im System üblich. Solidarische Ökonomie aus ihren Widersprüchen heraus weiterzuentwickeln ist der Motor der Transformation. Dabei müssen Projekte multipliziert, Attraktivität für breitere Schichten der Gesellschaft entfaltet und Unterstützung für Initiativen organisiert werden. Entscheidend ist der Kontext einer sozialen Bewegung, die Raum für Austausch und eine beständige (selbst)kritische Reflexion der eigenen Praxis bietet. Längerfristig sind eine Politisierung und die Stärkung der sozialen Bewegungen für Solidarische Ökonomien entscheidend. Sie müssen Ressourcen vom Staat einfordern, konventionelle in solidarökonomische Betriebe überführen helfen und verschiedene Formen der solidarischen Vernetzung zwischen Initiativen und Betrieben entwickeln. Ziel ist der eigenständige Aufbau neu definierter Regionen in einem wirtschaftsdemokratischen Kontext.

Als persönliche Wertung ergibt sich: Momentan bestehen Wissensdefizite in der Diskussion zu Solidarischer Ökonomie. Wissen über die Erfolgsbedingungen solidarökonomischer Betriebe sollte stärker vermittelt werden, ebenso wie das Wissen über angepasste Rechtsformen Solidarischer Ökonomien. Soziale Absicherung, eine betriebsrätliche Interessensvertretung und demokratische (z. B. soziokratische) Organisationsmodelle können im Rahmen einer Genossenschaft umgesetzt werden, unabhängig von der Belegschaftsgröße.

Alle EinträgePermalink

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>