Der autoritäre Charakter im gesellschaftlichen Kontext

A. Exner

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Die Literatur zum Autoritarismus ist seit den 1990er Jahren deutlich angewachsen (Roiser/Willig 2002). Einerseits hat sich die psychologische Forschung dazu intensiviert. Andererseits sind Indikatoren das Autoritarismus Bestandteil einiger politikwissenschaftlicher Studien zum Aufstieg rechtsradikaler Parteien. Die vorliegende Arbeit verortet sich an der Schnittstelle zwischen diesen Forschungssträngen. Die Leitfrage richtet sich auf das Verhältnis zwischen autoritärem Charakter und gesellschaftlichem Kontext: Wie wird dieses theoretisiert und empirisch untersucht? Der Schwerpunkt liegt auf der Rekonstruktion der wenig bekannten Theorien des autoritären Charakters bei Wilhelm Reich und Erich Fromm. Es folgt ein Gang durch die kontemporäre Forschung. Aus Platzgründen werden Untersuchungen zur Sozialisation ausgeklammert, dafür wird die Frage nach der genetischen Bedingtheit politischer Ideologien näher diskutiert. Der Wissensstand zu rechtsradikalen Parteien wird skizziert bevor eine integrative Forschungsperspektive umrissen wird.

Massenpsychologie und autoritärer Charakter

Wilhelm Reichs Massenpsychologie

Wilhelm Reich galt in den 1920er Jahren als einer der “rising stars” der zweiten Generation der Psychoanalyse (Samelson 1986, Danto 2011). Wenige Monate nach Hitlers Machtergreifung erschien “Massenpsychologie des Faschismus” (Reich 1933). Reichs Ausgangspunkt ist die Frage, warum die Weltwirtschaftskrise nicht zur Revolution geführt hat. Für eine Antwort hält er eine Massenpsychologie für notwendig, die er als Erforschung der einer Klasse, Schichte oder Berufsgruppe gemeinsamen psychischen Prozesse definiert.

Reich sieht Ideologie und materielle Lebensbedingungen in einer Wechselwirkung. Zu den letzteren zählt er nicht nur der Arbeitsprozess, sondern alle Lebensäußerungen. Die Ideologie reflektiere die Lebensbedingungen, wirke aber ebenso auf sie zurück. Ihre Funktion bestehe nicht allein darin, diese auszudrücken, sondern auch sie in psychischen Strukturen zu verankern. Lebensbedingungen und Ideologie seien in sich widersprüchlich und stünden in Widerspruch zueinander.

Diese Widersprüche spitzen sich Reich zufolge im Kleinbürgertum zu, das er als soziale Basis des NS ausmacht, obwohl dieser die Interessen des Großkapitals verfolge. Drei Lebensbedingungen seien für das Kleinbürgertum charakteristisch, wozu Reich die mittlere Kaufmannschaft, das Kleinbauerntum und das Beamtentum zählt: seine Stellung im Produktionsprozess; seine Stellung im Staatsapparat; seine besondere familiäre Situation. Letztere bezeichnet Reich als das verbindende Merkmal und die Grundlage der kleinbürgerlichen Ideologie. Zentral sei das Verhältnis zur Autorität, die zuerst der Vater in der monogamen Kleinfamilie verkörpere. Die patriarchale Autorität beruhe auf der Unterdrückung der Sexualität der Frau und der Kinder. Sie werde durch die Funktion der Familie als Wirtschaftseinheit bei Kaufleuten und Kleinbauern noch intensiviert. Die Familie sei zudem wichtig für die Sozialisation zur Konkurrenz. Im Fall des Beamtentums führe der “Blick nach oben” im Beruf zu einem zwiespältigen Verhältnis zur Autorität: Nach außen werde diese repräsentiert, nach innen werde sie angestrebt. Bei allen drei Gruppen mobilisiere der absolute oder relative wirtschaftliche Abstieg die Angst vor der Auflösung in das Proletariat. Dagegen würden mangels wirtschaftlicher Mittel v.a. die spezifische Lebensführung und Moral von Pflicht und Ehre eingesetzt. Lebensbedingungen und Ideologie können u.a. in Widerspruch treten, weil sich die Ökonomie schneller entwickle als die Ideologie, die in der familiären Sozialisation wurzle.

Die für das Kleinbürgertum typischen Widersprüche betreffen laut Reich auch die Arbeiterklasse, insoweit sie eine Verbürgerlichung der Lebensführung und eine sozialdemokratische Führerbindung erfahre. Eine direkte Erklärung von Wahlverhalten aus den ökonomischen Lebensbedingungen sei nicht möglich.

Für das nationalsozialistische Kleinbürgertum und die den NS unterstützenden Teile der Arbeiterklasse diagnostiziert Reich einen Widerspruch zwischen Abstiegsangst und Identifizierung mit der Autorität einerseits und Rebellion andererseits. Damit erklärt er das Moment der antikapitalistischen Revolte in der NS-Ideologie, die diesen Widerspruch ausdrücke. Der Faschismus verbinde kollektivistische Elemente aus der Arbeiterbewegung, die dessen Vormachtstellung in der Arbeiterklasse festigen, und individualistische Elemente, die den Interessen des Großkapitals und der faschistischen Führung entsprächen (vgl. Schatz/Woeldike 2001).

Die Entstehung des autoritären Charakters in der kleinbürgerlichen Familie erklärt Reich mit Rückgriff auf die Freud’sche Triebtheorie. Die moralische Hemmung der Sexualität mache ängstlich, scheu, autoritätsfürchtig, gehorsam und erziehbar. Das sexuelle Denkverbot führe zu einer allgemeinen Denkhemmung und Kritikunfähigkeit. Entscheidende Prägungen erfahre das Kind bis zum Alter von 4 Jahren. Die Familie agiere wie ein autoritärer Miniaturstaat. Damit fungiere sie als die ideologische Keimzelle des Staates und Produktionsstätte des bürgerlichen Menschen. Die besondere Bedeutung der Familie gründe sich in dem Umstand, dass sie in der Klassengesellschaft die intensivste und affektvollste Bindung darstelle. Folglich sozialisiere sie den Kleinbürger in die Struktur seiner Berufssituation hinein. Die unterdrückte Sexualität finde verschiedene Ventile: im Sadismus, in Träumerei, Sentimentalität und Religion sowie in der sexuellen Aufladung von Uniformen, des Führers und im Nationalismus. Ausführlich analysiert Reich die zwiespältige Beziehung der NS-Ideologie zu “fremden Rassen” als eine Projektion der eigenen Sinnlichkeit sowie die Sexualunterdrückung in der christlichen Religion.

Erich Fromms Theorie des autoritären Charakters

Der Psychoanalytiker Erich Fromm versuchte wie Reich, Psychoanalyse und Marxismus zu verbinden. Die beiden standen inhaltlich in Austausch, wobei Reichs Theorieentwicklung der von Fromm wahrscheinlich voraus war. Fromm (1936a) bildet die direkte theoretische Grundlage für Adorno et al. (1950) (Samelson 1986). Fromms Ausgangspunkt ist die empirische Mannigfaltigkeit von Autoritätsverhältnissen. Ein Autoritätsverhältnis beruhe auf zumindest einem Rest von Freiwilligkeit. Fromm betont ähnlich wie Reich, dass das Autoritätsverhältnis auf der Transformation einer äußeren Gewalt in eine innere in Gestalt des Über-Ich gründe. Dies erlaube die reibungslose Reproduktion von Autorität in der Gesellschaft, die andernfalls zu kostspielig wäre. Für die Genese des Über-Ich sei die patriarchale Kleinfamilie entscheidend, allerdings nicht nur die Kindheit prägend. Dennoch ist die Familie Fromm zufolge die psychologische Agentur der Gesellschaft. Wie Reich betont Fromm die zentrale Funktion der Unterdrückung des Sexualtriebes aufgrund seiner großen Elastizität. Stärker als Reich streicht Fromm heraus, dass nicht die Unterdrückung selbst wesentlich sei, sondern die Angst und Scham, die durch sie dem Ich eingepflanzt werde, dieses schwäche, und dadurch das Bedürfnis nach Autorität erzeuge. Die Autorität unterdrücke allerdings nicht nur, sie sporne ein bestimmtes Verhalten auch an.

Fromm betont mehr als Reich die Lust an der Unterwerfung unter eine Autorität, hebt allerdings ganz ähnlich wie dieser den gleichzeitigen Neid und Hass auf die Autorität hervor, die jedoch verdrängt würden. Während Reich vor allem die Abgrenzung des Kleinbürgertums nach unten analysiert, die dessen “Blick nach oben” kompensiere, arbeitet Fromm präziser die Doppelseitigkeit des Autoritätsverhältnisses heraus: Liebe für die Mächtigen (oder eines Teils davon) und Hass gegen die Schwachen und Hilflosen. Die Mächtigen werden Fromm zufolge häufig in eine gute und eine böse Macht aufgespalten. Als Beispiel führt er eine zentrale ideologische Figur des NS an, die Auftrennung des Kapitals in ein verhasstes (jüdisch identifiziertes) Finanzkapital und ein gutes (deutsches) “schaffendes Kapital”. Der autoritäre Charakter sei masochistisch. Dessen allgemeine Haltung zur Welt bestehe in der Unterwerfung unter scheinbar unabänderliche Mächte. Der autoritäre Charakter könne durchaus kämpfen, aber nur, wenn er glaube, im Auftrag einer solchen Macht zu handeln (z.B. Geschichte, Natur, Zwang der Tatsachen, Gott).

Die allgemeine Planlosigkeit des gesellschaftlichen Lebens führe häufig zum Gefühl der Hilflosigkeit. Diesen Umstand hebt Fromm als wesentlich für die Verbreitung des autoritären Charakters hervor, differenziert jedoch nach Klassen. Aufsteigende Klassen würden weniger autoritäre Züge aufweisen. Absteigende oder bedrohte Klassen würden dagegen zum autoritären Charakter tendieren, der eine Ersatzbefriedigung durch Teilhabe an Macht schaffe.

Fromm leitete 1929 und 1930 Erhebungen zu Arbeitern bzw. Arbeiterinnen und Angestellten in Deutschland (Fromm 1936b), deren Ergebnisse erst 1980 vollständig publiziert wurden (Fromm 1980). Es handelte sich um die erste große Fragebogenstudie im deutschsprachigen Raum. Sie verfolgte den Anspruch der repräsentativen Erfassung einer definierten Population. Etwa 15% der Interviewten wiesen einen stark antiautoritären, etwa 10% einen autoritären und rund 75% einen ambivalenten Charakter auf. Das Schicksal der politischen Parteien lässt sich Fromm zufolge aus der Stärke und Verlässlichkeit der Überzeugungen ihrer Mitglieder erklären. Zwischen der ökonomischen und psychischen Entwicklung der Klassen bestehe eine Kluft, sodass ein großer Teil der Arbeiterklasse Persönlichkeitseigenschaften aufweise, die für das Bürgertum typisch seien. Allerdings zeigten sich Parteischwerpunkte nach Berufsklassen.

In “Die Furcht vor der Freiheit” entwickelt Fromm (1941) die Theorie des autoritären Charakters durch die Einführung des Begriffs des Gesellschafts-Charakters weiter. Darunter versteht er den relativ stabilen Kern der Charakterstruktur der meisten Mitglieder einer Kultur oder Gruppe im Gegensatz zum einzigartigen individuellen Charakter eines Menschen. Der Gesellschafts-Charakter entspreche den grundlegenden Erfordernissen einer bestimmten Gesellschaftsform, etwa in den Arbeitsverhältnissen. Sein Inhalt werde durch ökonomische, ideologische und soziologische Faktoren bestimmt, jedoch in der Familie über die Eltern ansozialisiert (vgl. Fromm 1949). Der Gesellschafts-Charakter veranlasse das in einer Gesellschaft praktisch notwendige Handeln und gewähre zugleich eine psychologische Befriedigung dabei.

In Fromm (1941) wird die kausale Erklärung des autoritären Charakters aus der Freud’schen Libidotheorie herausgelöst. Vielmehr wird ein allgemeiner Widerspruch der kapitalistischen Gesellschaft ins Zentrum gerückt: einerseits bewirke die kapitalistische Entwicklung eine negative Freiheit von traditionellen Bindungen, die zu Einsamkeit und Isolation führe; sie schaffe aber auch die positive Freiheit zu wirtschaftlicher und politischer Initiative. Diese zwiespältige Situation eröffne zwei Reaktionsmöglichkeiten. Entweder das Individuum vereine sich mit der Welt in spontaner Liebe und produktiver Arbeit, oder aber es gehe Bindungen an die Welt ein, die seine Freiheit und die Integrität seines individuellen Selbst zerstören. Für den zweiten Ausweg differenziert er drei Mechanismen: Flucht ins Autoritäre, Destruktive oder Konformistische. Den ersten Ausweg würden die kapitalistischen Herrschafts- und Konkurrenzverhältnisse erschweren.

1947 formuliert Fromm in “Psychoanalyse und Ethik” seine Charaktertheorie weiter aus. Er stellt als Differenz zu Freud fest, dass in seinem eigenen Zugang “die eigentliche Basis des Charakters nicht in den verschiedenen Formen der Libidoorganisation gesehen wird, sondern in den verschiedenen Arten, in denen sich der Mensch zur Welt in Beziehung setzt” (Fromm 1947, zit. nach Fromm 1999, 41). Dies geschehe über Assimilation (Aneignung) von Dingen und über Sozialisation. Fromm unterscheidet in Hinblick auf den Assimilationsprozess fünf Charaktertypen als Idealtypen von Orientierungsmustern: vier nicht-produktive und den produktiven Charaktertyp. Diese parallelisiert er mit Charaktertypen unter dem Blickpunkt des Sozialisationsprozesses. Die nicht-produktiven Orientierungen treten Fromm zufolge immer in Mischung mit produktiven auf. Bei produktiver Gesamtorientierung seien die nicht-produktiven Orientierungen konstruktiv. Der Gesellschafts-Charakter werde durch Anpassung des Kindes an die Familie erworben und sei klassen- bzw. kulturspezifisch. Der individuelle Charakter sei dagegen durch die Persönlichkeit der Eltern, die Konstitution – v.a. das Temperament (das nicht veränderbar sei) – sowie durch Lebenserfahrungen im individuellen und kulturellen Bereich bestimmt.

Dieses theoretische Modell wurde empirisch von Fromm/Maccoby (1970) in der Untersuchung eines mexikanischen Dorfs geprüft. Die Autoren stellen dabei den theoretischen Unterschied zu Adorno et al. (1950) und anderen Ansätzen zum autoritären Charakter heraus, der für sie Anlass für eine abweichende Methode ist. Mit Verweis auf Fromm (1936b, vgl. 1980) werden Meinungen von Überzeugungen unterschieden. Nur diese seien in der Charakterstruktur verwurzelt. Eine Meinungsumfrage vor Hitlers Machtergreifung hätte beispielsweise keinen Hinweis auf den Sieg des NS ergeben. Demgegenüber habe die Auswertung der psychoanalytisch interpretierten Fragebögen diese absehbar gemacht (vgl. Benicke 2016). Weil Meinungen nicht notwendig Überzeugungen entsprächen, sehen Fromm/Maccoby das Instrument der Fragebogenuntersuchung mittels Likert-Skalen kritisch. Ihr Datenmaterial gewannen sie stattdessen durch rund 400 offene Fragebögen, deren Antworten psychoanalytisch interpretiert und statistisch ausgewertet wurden. Die Leitfrage dabei war, wie Arbeit, Produktionsweise, Familienbeziehungen und Charakterstrukturen korrelieren. Fromm/Maccoby (1970) erweitern Fromm (1947) um drei Prozesse, die zu einer Vertiefung sozialer Ungleichheit und zu sozialem Wandel beitragen: der produktiv-hortende Charakter akkumuliere Kapital auf Grundlage des nicht-produktiven rezeptiven Charakters; wegen der überwiegenden Heirat von Partnern ähnlicher Charakterstruktur reproduzieren sich klassenspezifische Charakterstrukturen; durch gesellschaftliche Selektion. Maccoby (2002) ergänzt Fromms Ansatz um die Entwicklungstheorie Erik Eriksons.

Der autoritäre Charakter bei Adorno et al.

Ausgangspunkt von Adorno et al. (1950) ist die Frage, ob es in den USA die psychologische Basis für eine ähnliche Entwicklung wie im Deutschland der Zwischenkriegszeit gibt. Der Fokus liegt dabei auf Vorurteilen und dem Antisemitismus. Anders als bei Reich und Fromm fehlt ein gesellschaftstheoretischer Kontext weitgehend. Der Zusammenhang von Autoritarismus mit kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse und sozialer Klasse, der für Reich und Fromm zentral war, wird kaum diskutiert. Samelson bemerkt: “Reich’s original problem had been transformed to fit a liberal, empiricist, individual-psychology framework [...]” (Samelson 1986, 200).

Eine Faschismus- bzw. F-Skala soll ein latentes antidemokratisches Potenzial messen. Für die F-Skala war laut Adorno et al. (1950) nicht entscheidend, einen starken statistischen Zusammenhang der items zu erzielen, sondern nur “eine angemessene statistische Korrelation” (zit. nach Adorno 1950, 19). Die Studie erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die items der F-Skala sind durchgehend positiv formuliert, ein acquiescence bias war nicht auszuschließen. Daher wurde eine mögliche Verzerrung statistisch geprüft. Adorno et al. (1950) meinen, dass Akquieszenz zwar eine Komplikation darstellen könnte, aber keinen Hauptfaktor im Antwortverhalten (a.a.O., 161f.). Aus methodologischer Sicht wird festgehalten, dass der Ansatz nicht nur an der aktiven Rezeptivität, sondern auch an der passiven Beeinflussbarkeit durch antidemokratische Ideologie interessiert sei (Adorno et al. 1950, 280). Die Studie diskutiert den möglichen Einwand, niedrige Intelligenz und geringer Bildungsgrad könnten mit antidemokratischer Ideologie aufgrund eines unreflektierten Antwortverhaltens korreliert sein. Allerdings war das sample nicht repräsentativ und es war anzunehmen, dass die Befragten einen höheren Bildungsgrad aufwiesen als im gesellschaftlichen Durchschnitt. Der mögliche Antwortbias wird als gering eingeschätzt. Die Untersuchung der unteren Bevölkerungsschichten erfordere andere Messinstrumente.

Wiederholt wird in der Literatur angegeben, Adorno et al. hätten die Theorie vertreten, strafendes Verhalten der Eltern sei Ursache des autoritären Charakters (z.B. Pratto et al. 1994, Jost et al. 2003, Duckitt 2015, Kemmelmeier 2015). Zwar wird im Kapitel zum Eltern-Kind-Verhältnis die These ausgeführt, die Disziplinierung des Kindes durch die Eltern sei von entscheidender Bedeutung für Einstellungen gegenüber der Autorität. Allerdings wird betont, dass die Daten keine Aussage über das tatsächliche Verhältnis erlauben würden. Vielmehr werden Angaben zu Eltern und Familie auf ihren Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstruktur untersucht. Die Schlussfolgerungen sind vorsichtig und folgen lediglich Tendenzen im Datenmaterial (Adorno et al. 1950, Kapitel X, 337ff.).

Rezeption der Theorie des autoritären Charakters und deren Modifikationen

Unmittelbar nach der Veröffentlichung wurde die Studie ausgesprochen positiv rezipiert (Samelson 1986, Roiser/Willig 2002). Doch setzte rasch auch eine Kritik daran ein, die Samelson (1986) zufolge zwei Linien einschlug. Die erste kritisierte die Studie aus politischen Gründen. Der Grundvorwurf lautete, Adorno et al. (1950) hätten nur den rechten Autoritarismus behandelt, den linken jedoch unterschlagen. Unmittelbar anschließende empirische Studien zur Frage eines Linksautoritarismus erbrachten allerdings keinen Nachweis (Roiser/Willig 2002).1

Die zweite Stoßrichtung der Kritik war eine methodische und griff die Vorbehalte auf, die Adorno et al. (1950) selbst reflektiert, deren Bedeutung sie für die Studienergebnisse jedoch als gering erachtet hatten. Zum einen wurde ein acquiescence bias kritisiert, zum anderen die Möglichkeit, dass ein solcher bias die interne Konsistenz der Skala beeinflusst haben könnte. Sie würde dann nicht nur eine Persönlichkeitsdimension messen, sondern verschiedene Dimensionen (Duckitt 2015; vgl. Samelson 1986, Roiser/Willig 2002). Das methodische Problem der acquiescence gab zu mehreren Studien Anlass. So argumentierte etwa Peabody (1966) für einen bias, während Samelson/Yates (1967) widersprachen. Manche der items ließen aufgrund ihres Sinngehalts nur schlecht eine Umkehr der Antwortrichtung zu (Roiser/Willig 2002).

Die politische und methodische Kritik konvergierten ab den 1960er Jahren in Ansätzen, die zwar vom Konzept des autoritären Charakters ausgingen, es allerdings stärker kognitionspsychologisch interpretierten und entsprechende alternative Skalen entwickelten (Samelson 1986, Roiser/Willig 2002, Duckitt 2015). Rokeach schlägt das Konzept des Dogmatismus vor, das geschlossene kognitive Systeme, Autoritarismus und Intoleranz umfassen sollte (Rokeach 1954). Anschließende Studien argumentierten, die von Rokeach entwickelte Dogmatismus- bzw. D-Skala messe keinen kognitiven Stil, sondern Meinungen und Einstellungen, die der F-Skala ähnelten. Auch diese Skala hat nur eine Antwortrichtung, die innere Konsistenz ist schwach (Duckitt 2015).

Glenn Wilsons Ansatz wird in einem von ihm herausgegebenen Sammelband (Wilson 1973a) dargestellt. Wilson betrachtet die psychologische Literatur zu “Faschismus”, “Autoritarismus” ebenso wie jene zu “Rigidität” und “Dogmatismus” als “semi-scientific” (Wilson 1973b). Die Gründe dafür werden nicht genannt. Der Beitrag von Wilson/Nias (1973) bricht die Debatte um den Einfluss von acquiescence bei Peabody (1966) ab, spätere Arbeiten dazu werden nicht erwähnt. Auf die methodische Selbstreflexion von Adorno et al. (1950) gehen sie nicht ein. Wilson leitet das Bemühen, diese Konzepte durch einen Begriff zu ersetzen, der “relatively free of derogatory value-tone” ist (Wilson 1973, 4). Seine Alternative einer Konservativismus- bzw. C-Skala zu den von ihm so genannten “semi-scientific” Ansätzen teilt allerdings deren Problematiken (Duckitt 2015).

Einen ersten Wendepunkt in der Frage der Messmethode markiert Bob Altemeyer. Zur Konstruktion einer Right Wing Authoritarianism- bzw. RWA-Skala verwendet er drei der Dimensionen der F-Skala: Konventionalismus, autoritäre Unterwürfigkeit und autoritäre Aggression. Die Skala ist statistisch valide (Duckitt 2015). Der zweite Wendepunkt ist der Vorschlag einer Mess-Skala für eine Persönlichkeitsdimension namens Social Dominance Orientation (SDO), die von Pratto et al. (1994) von interpersoneller Dominanz, Konservativismus und Autoritarismus abgegrenzt wird.

Die kontemporäre Diskussion

Forschungsstand

Seit Altemeyers Arbeiten ist ein Aufschwung in der Forschung um die Fundierung von politischen Einstellungen und Ideologien in der Persönlichkeit zu verzeichnen. Dabei artikulierte sich die Kritik, weder die RWA- noch die SDO-, F-, D- oder C-Skalen würden Persönlichkeitsmerkmale messen, sondern Glaubenssätze und Einstellungen (Duckitt 2015). Diese Kritik hatten schon Fromm/Macoby (1970) hinsichtlich der F-Skala geäußert. Damit, so Oesterreich (2005), werde das Unterfangen tautologisch: Einstellungen würden mit Einstellungen erklärt (vgl. Jost et al. 2003).

Als Alternative zu einem Ansatz, der RWA bzw. SDO ins Zentrum stellt um die individuelle Zustimmung zu autoritären Ideologien zu erklären, unterscheidet Duckitt (2015) hauptsächlich zwei Möglichkeiten: erstens das dual process model of ideology and prejudice von Duckitt selbst; zweitens die motivated cognition theory (MCT) of ideology (Jost et al. 2003). Die Einschätzung von Duckitt (2015), die MCT gebe die Zentralität des Konzepts des autoritären Charakters bzw. des Charakters im allgemeinen auf, scheint allerdings überzogen, geht es Jost et al. (2009) doch darum, die von Adorno et al. (1950) postulierte strukturelle Einheit zwischen psychologischen Bedürfnissen und ideologischen Manifestationen derselben theoretisch präziser zu fassen (Jost et al. 2009, 327).

Die Debatte um Gehalt und Stellenwert von RWA und SDO ist unabgeschlossen. Altemeyer hatte zunächst bestätigt, dass RWA und SDO verschiedene Persönlichkeitsdimensionen messen (Altemeyer 1998). Er interpretierte RWA und SDO als zwei Aspekte der Konzeption des autoritären Charakters bei Adorno et al. (1950) und betrachtete deren Wechselverhältnis in politischen Organisationen als eine Erklärung für die Disposition zu Führern und Geführten. Ähnlich hatte schon Fromm vorgeschlagen, zwischen einem rezeptiv-masochistischen und einem ausbeuterisch-sadistischen Charaktertyp zu unterscheiden. Der psychoanalytischen Theorie entsprechend handelt es sich dabei allerdings um zwei unterschiedliche Schwerpunktsetzungen eines Syndroms (Fromm 1947). Diese Interpretation wird – aus anderer Perspektive – von Hodson et al. (2017) gestützt, die eine Korrelation zwischen generalisiertem Autoritarismus und generalisierter Vorurteilsstruktur aufweisen (ähnlich: Kandler et al. 2016). Umgekehrt haben Nakrami/Ekehammar (2006) und Nicol/France (2016) die Einheitlichkeit von RWA und SDO infrage gestellt.

Zwei Brennpunkte der neueren Forschung zu Bedingungsfaktoren des Autoritarismus sind erstens das Verhältnis zwischen Werten und politischen Ideologien und zweitens der Einfluss der Genetik auf Persönlichkeitsmerkmale und Einstellungen. Die Psychologie der Werte bezieht sich zumeist auf das von Schwartz entwickelte Konzept der basic human values (Schwartz 1992, Schwartz et al. 2012; vgl. Jost et al. 2015). Werte werden in diesem Ansatz als “trans-situational goals, varying in importance, that serve as guiding principles in the life of a person or a group” verstanden (Schwartz et al. 2012, 2). Jost et al. (2015) interpretieren Werte als ein doppelseitiges Konzept, das sowohl Dispositionen aufgrund von Sozialisationserfahrungen reflektiere als auch Prinzipien zur Priorisierung von Interessen. Sie zeigen auf, dass beide Aspekte für politische Ideologien eine Rolle spielen. Werte vermitteln den Effekt von Persönlichkeit auf Ideologie (vgl. Caprara et al. 2009), während diese z.T. den Effekt von Persönlichkeit auf Werte vermittelt (ähnlich: Schwartz et al. 2010; core political values entsprechen dort ideologischen Kernaussagen).

Eine Reihe von Untersuchungen stellt den Einfluss genetischer Faktoren auf Persönlichkeitsmerkmale und politische Ideologien heraus (z.B. Funk et al. 2013, Hatemi et al. 2014). Funk et al. (2013) argumentieren, dass politische Dispositionen entlang einer Links/Rechts-Achse etwa zur Hälfte genetisch bestimmt sind, zur anderen Hälfte durch so genannte einzigartige Umwelterfahrungen und nur geringfügig durch gemeinsame (familiäre) Umwelteinflüsse. Dieser Studie zufolge zeigen Persönlichkeitsmerkmale, Werte und Ideologien ein erhebliches Maß an Kovarianz und ein deutlicher Anteil davon sei in gemeinsamen genetischen und Umweltfaktoren begründet. Für die Auswirkungen genetischer Unterschiede spielen verschiedene Variablen eine Rolle. So zeigen Hatemi et al. (2009) und Hatemi/McDermott (2012), dass der genetische Einfluss auf politische Einstellung erst ab dem Verlassen des Elternhauses stark zunimmt. Auch werden Unterschiede des genetischen Einflusses für bestimmte Einstellungsmuster herausgestellt. So finden Kandler et al. (2016), dass RWA stark genetisch determiniert sei, im Gegensatz zu SDO. Funk et al. (2013) zufolge ist RWA dagegen nur schwach genetisch determiniert.

Grundsätzlich sind genetische Bedingungsfaktoren von Persönlichkeitsmerkmalen, politischen Einstellungen und Ideologien für die politikwissenschaftlich orientierte psychologische Forschung von begrenzter Relevanz. Die genetische Konstitution einer Population bleibt abgesehen von langsamen Prozessen der biologischen Evolution und genetischer Drift insgesamt relativ konstant. Ein allfälliger biologischer Wandel ist für die üblichen Zeithorizonte der Politikwissenschaft nicht von Belang. Genetische Faktoren können folglich die enorme Variabilität und Dynamik politischer Verhältnisse nicht erklären. Dazu kommen spezifische Aspekte. Erstens bedeuten die in der Regel angegebenen rund 50% genetisch bedingter Determinierung einen erheblichen Einfluss von Umweltfaktoren. Zweitens wirkt der Genotyp nicht unvermittelt auf den Phänotyp. Deren Zusammenhang ist durch komplexe Gen-Umwelt-Interaktionen bestimmt (Smith et al. 2012).

Methodische Probleme der Forschung zu genetischen Bedingungsfaktoren werden von Smith et al. (2012) diskutiert. Aus politikwissenschaftlicher Sicht wichtiger sind allerdings die politikwissenschaftlichen Schlussfolgerungen, die aus genetischer Forschung mitunter gezogen werden und die Relevanz derselben rechtfertigen sollen. So meinen Hatemi/McDermott (2012): “Political attitudes in modern human society encompass fundamentally the same issues of reproduction and survival that confronted group life in ancient humans because they involve the same interpersonal traits” (Hatemi/McDermott 2012, 528). Das ist ein Fehlschluss. Die spezifische biologische Determiniertheit des Menschen besteht im weitgehenden Fehlen einer biologischen Determination des spezifisch Menschlichen: seiner Gesellschaftlichkeit (Berger/Luckmann 1966). Die historische Entstehung, die Strukturen und Dynamik moderner staatlicher Wohlfahrtssysteme mit der Frage in eins zu setzen, wie frühmenschliche Gruppen Nahrungsmittel aufteilten (siehe Hatemi/McDermott 2012), ist daher nicht haltbar. Hatemi/McDermott (2012) implizieren weiters, dass es sich bei in- und outgroups um natürliche Kategorien handele. Dies ist zum einen nicht der Fall, weil die Kriterien für in- und outgroups historisch höchst spezifisch und variabel sind. Zum anderen variiert die Stärke der Abgrenzung. McDermott et al. (2014) führen für die Annahme, Konservativismus als Verteidigung der in-group habe über disgust sensitivity eine evolutionsbiologische Grundlage u.a. Navarette/Fessler (2006) als Beleg an. Diese Studie beruht allerdings ihrerseits auf der Annahme, die subjektive Assoziation von out-groups mit Krankheit in einem experimentellen Setting demonstriere die evolutionsbiologische Fundierung von in-group favoritism. Dieser Schluss ist spekulativ. Über das Sozialleben in der für die Evolution des Menschen relevanten Epoche ist sehr wenig bekannt. Sicher ist dagegen, dass Homo sapiens sich mit anderen Arten, nämlich H. neandertalensis, H. heidelbergensis und den Denisovans paarte. Das Genom von Homo sapiens besteht zu mindestens einem Fünftel aus dem Genom des Neandertalers (Ko 2016). Die in-group wurde von unseren Vorfahren – oder nur den “Liberals”? – jedenfalls in dieser Hinsicht offenbar sehr weit gefasst.

Von politikwissenschaftlichem Interesse sind freilich die Ergebnisse der genetischen Forschung zur Relevanz von familienspezifischen und in der Literatur so genannten einzigartigen Umweltfaktoren (z.B. Smith et al. 2012, Funk et al. 2013). Der in der Regel deutlich größere Anteil der einzigartigen Umweltfaktoren scheint der soziologischen Annahme zu widersprechen, dass Charakterstrukturen ein Ergebnis von u.a. der klassenspezifischen Sozialisation darstellen. Umweltfaktoren, die in der genetischen Forschung als einzigartig gelten, z.B. Liebespartner, Arbeitsplatz oder Freundschaften, die nicht mit den Geschwistern geteilt werden (Medland/Hatemi 2009), sind dies in soziologischer Sicht jedoch nicht. Sie folgen klassenspezifischen Mustern (siehe z.B. Bourdieu 1979).

Mehrere Untersuchungen verweisen darauf, dass die unter modernen Bedingungen selektive Partnerwahl ein relatives inbreeding zwischen Gruppen mit linken und rechten politischen Ideologien bewirke. Dieses sei einer der Faktoren der genetischen Determination politischer Ideologien (Kandler et al. 2011, Klofstad et al. 2012). Ob dieses inbreeding biologisch begründet ist scheint unklar (vgl. McDermott et al. 2014), ebenso wie die Frage, ob dies bei einem erheblichen Anteil von Vererbung individueller politischer Ideologie zu einer Zunahme der politischen Polarisierung führt, wie McDermott et al. (2014) diskutieren. In den 1960er Jahren jedenfalls, als in den USA wohl bereits weitgehend freie Partnerwahl bestand, spielte die politische Ideologie für die Partnerwahl wahrscheinlich eine geringere Rolle, sofern von der Einstellung der Eltern zur Partnerwahl ihrer Kinder rückgeschlossen werden kann (vgl. Iyengar et al. 2012). Sicherlich aber trägt sozial selektive Partnerwahl zu einer klassenspezifischen Sortierung von politischen Ideologien bei (vgl. Fromm 1947) – sei es auf genetischem oder sozialisatorischem Wege.

Hinsichtlich einer möglichen Relevanz genetischer Forschung für politikwissenschaftliche Perspektiven sind viele Fragen offen. Für diese Perspektiven ist jedenfalls der Blick auf gesellschaftliche Prozesse und Strukturen entscheidend. Wenn z.B. in einer Klasse 50% der Varianz hinsichtlich der Unterstützung einer sozialen Bewegung, die von Mitgliedern dieser Klasse gebildet wird, genetisch bedingt ist, so ist doch die Klassenspezifik der politikwissenschaftlich wichtige Umstand, nicht die Frage, welches Individuum aus genetischen oder anderen Gründen aktiv wird.

Bewertung

Die kontemporäre psychologische Forschung zum Autoritarismus im besonderen und politischen Ideologien im allgemeinen unterscheidet sich von den Ansätzen bei Reich und Fromm durch ihren Fokus auf die psychologische Theoriebildung. Die Einbettung in eine gesellschaftstheoretische Analyse wie bei Reich und Fromm sowie in einen expliziten politischen Problem- und Lösungsbezug wie noch bei Adorno et al. (1950) ist weitgehend verloren gegangen. Der wiederkehrende Verweis auf die Komplexität und Dynamik des modernen Lebens, das Unsicherheiten schaffe und RWA begünstige (z.B. Oesterreich 2005) bleibt weit hinter den differenzierten Theoretisierungen bei Reich und Fromm zurück. Während bei Reich und Fromm die doppelte Bedeutung des Charakters für die Reproduktion einer historisch spezifischen Gesellschaftsform wie für die Befriedigung psychologischer Bedürfnisse im Zentrum steht, sprechen Jost et al. bezeichnenderweise nur von der Funktionalität politischer Einstellungen für das Individuum (Jost et al. 2015, 352). Damit in Zusammenhang steht eine grundlegend verschiedene Konzeption von Persönlichkeit und Charakter zwischen Reich, Fromm und Adorno et al. (1950) auf der einen Seite und den darauf folgenden Ansätzen. In der Regel wird beim Bezug auf diese erste Generation der Autoritarismus-Studien vom Konzept der autoritären Persönlichkeit gesprochen – eine Begrifflichkeit, die für Adorno et al. (1950) selbst den Titel abgegeben hat. Mit Persönlichkeit ist in der heutigen psychologischen Literatur jedoch das Temperament gemeint (Gerber et al. 2014), nicht der Charakter im psychoanalytischen Sinn. Fromm führt eine wichtige Präzisierung ein, indem er den (vom Temperament unterschiedenen) Individualcharakter vom Gesellschafts-Charakter differenziert. Insbesondere der Begriff des Gesellschafts-Charakters findet in der kontemporären psychologischen Literatur kein Pendant (ähnelt jedoch dem Habitusbegriff bei Bourdieu 1979).

Selten wird die Korrelation zwischen Klassenzugehörigkeit, politischer Ideologie und ihren psychologischen Bedingungsfaktoren untersucht. An die Stelle eines komplexen Klassenbegriffs (Bourdieu 1979) im Sinn von Lebensstil/Milieu tritt die Suche nach Korrelationen zwischen Einkommen, Bildungsgrad, Berufsklasse, Alter und Geschlecht mit psychologischen Variablen (z.B. de Almeida et al. 2006, Napier/Jost 2008). Für weitergehende Aussagen müssten jedoch der Gesamtumfang der Machtmittel eines Individuums (kulturelles, ökonomisches und soziales Kapital), dessen gesellschaftliche Anerkennung (symbolisches Kapital) sowie die Gesamtstruktur des individuellen Kapitals (v.a. das Verhältnis kulturelles/ökonomisches Kapital) gemessen werden, neben dem Hysteresis-Effekt und der Klassendynamik (Bourdieu 1979). Das entscheidende Klassenkriterium ist dabei die Abgrenzungspraxis einer Gruppe gegen andere (Vester et al. 2001). Dies hatte schon Reich (1933) betont. Auf dieser Grundlage zeigen Vester et al. (2001) deutliche Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Parteipräferenz im Kontext gesellschaftspolitischer Lager auf. Otte demonstriert das statistische Erklärungspotenzial von Lebensstil für Parteipräferenz (1997), dessen Lebensstilbegriff sich aber nicht an Bourdieu orientiert.

Der Aufstieg rechtsradikaler Parteien

Die Wahlerfolge rechtsradikaler2 Parteien seit den 1990er Jahren haben zu einer Vielzahl politikwissenschaftlich orientierter Studien mit wichtigen Ergebnissen geführt. Diese sind u.a.: Ökonomische Faktoren bedingen einen Anstieg von Verunsicherung und Konkurrenz (Butterwegge 2006, 29; vgl. Walter/Maduz 2009); ein einfacher Schluss von wirtschaftlichen Faktoren auf individueller und gesellschaftlicher Ebene auf den Stimmenanteil rechtsradikaler Parteien ist jedoch nicht möglich (Knigge 1998, Lubbers et al. 2002, Arzheimer/Carter 2006, Jesuit et al. 2009). Kulturelle Faktoren erklären die strategische Rolle von Immigration für rechtsradikale Wahlerfolge (Mudde 1997, Ivarsflaten 2007, Boomgaarden/Vliegenhart 2007, Dinas/Spanje 2011, Bloom et al. 2015, Baur et al. 2016, Heinzmann 2016, Hellwig/Sinno 2016; siehe jedoch: Spanje 2011); der Regierungserfolg dieser Parteien leide allerdings unter strukturellen Beschränkungen (Afonso 2014); rechtsradikale Wahlerfolge können auf verschiedene Weise in übergreifende kulturelle Rahmenbedingungen eingeordnet werden (Wertewandel: Inglehart/Norris 2016; Nationalismus: Ivarsflaten 2005b, McLaren 2016; gefühlter Abstieg: Neckel 2008); wirtschaftliche und kulturelle Faktoren sind miteinander verschränkt (Flecker et al. 2004, Weerdt et al. 2007); soziale Faktoren spielen wahrscheinlich eine Rolle (Weerdt et al. 2007, Jesuit et al. 2009, Arndt/Rennwald 2015; siehe jedoch: Rydgren 2009); institutionelle Faktoren erklären in hohem Maß den Wahlerfolg rechtsradikaler Parteien im Ländervergleich (Rydgren 2004, 2005, Van der Brug et al. 2008).

Als wesentliche Effekte des Aufstiegs rechtsradikaler Parteien werden festgehalten: eine Neudefinition zentraler politischer Konfliktlinien, von issues, und deren Entkoppelung von leicht identifizierbaren sozio-ökonomischen Unterschieden (Heinisch 2003, Schain 2006, Wagner/Kritzinger 2012, Aichholzer et al. 2013, Ivarsflaten 2005a; vgl. Kriesi et al. 2006). Der direkte Effekt ist Akkerman (2012) und Bohman et al. (2016) zufolge bislang eher gering.

Ein alleiniger Fokus auf institutionelle Faktoren ist trotz seines hohen statistischen Erklärungswerts zu eng. Erstens besteht eine enge Verbindung rechtsradikaler Parteien mit hegemonialen Diskursen, die Konkurrenz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ins Zentrum stellen (Butterwegge 2006). Sie ordnen sich zweitens in einen Wechsel der dominanten gesellschaftlichen Konfliktlinien von ökonomischen zu kulturellen issues ein, der ein nicht-intendiertes Ergebnis der Neuen Linken der 1970er Jahre darstellt3. Drittens stehen die ideologischen Kernmerkmale rechtsradikaler Politik – Nativismus, Autoritarismus und Populismus – nicht in grundlegendem Widerspruch zu nationalstaatlicher Verfasstheit und demokratischen Institutionen. Diese Politik ist folglich weniger eine “normale Pathologie” demokratischer Gesellschaften, sondern eher Teil einer “pathologischen Normalität” (Mudde 2010). Der Unterschied zu anderen Parteien stellt sich daher als “moderate versus radical versions of roughly the same views” dar (Mudde 2010, 1178).

Das Konzept des autoritären Charakters spielt im politikwissenschaftlichen Forschungsstrang eine untergeordnete Rolle. Mudde meint entsprechend: “Widespread demand [für rechtsradikale Parteien, Anm.d.A.] is a given4, rather than the main puzzle, in contemporary western democracies” (Mudde 2010, 1181). Allerdings ist die Nachfrage nicht einfach gegeben. Zudem wirken die Einflussgrößen des Wahlverhaltens auf bestimmte Charakterstrukturen, die sich nicht umstandslos aus Umfragen ablesen lassen, wie Mudde sie zitiert. Die Diagnose einer “pathologischen Normalität” verlangt nach einer differenzierten Erklärung.

Ausblick auf eine integrative Forschungsperspektive

Dafür scheint eine multidimensionale Betrachtungsweise unerlässlich. Diese könnte von einer erneuten Rezeption der Theoriegeschichte profitieren. Die Konzeptualisierung des autoritären Charakters durch Adorno et al. (1950) ist dafür weniger hilfreich als es die Arbeiten von Wilhelm Reich und Erich Fromm sind, deren Herangehensweisen sich ergänzen.

Die Eckpunkte dieser Zugänge könnten mit dem Modell von Jost et al. (2009) integriert und als Thesen für künftige Untersuchungen verstanden werden. Die Abbildung unten präsentiert ein theoretisches Arbeitsmodell dafür. Eine Analyse der “pathologischen Normalität” demokratischer Gesellschaften müsste zunächst die hegemoniale Ideologie untersuchen (vgl. Butterwegge 2006), die den Links/Rechts-Gradienten formt. So findet sich beispielsweise wohl kaum eine Partei (wenn überhaupt) in europäischen Parlamenten, die Leistung, Konkurrenz und “wirtschaftliche Sachzwänge” infrage stellen würde. Die Varianz zwischen links und rechts wird von dem in diesem hegemonialen Diskurs Denk- und Sagbaren eingegrenzt. Die hegemoniale Ideologie steht mit dem hegemonialen Gesellschafts-Charakter in Verbindung. Der bei Fromm nicht ganz klare Bezug des Begriffs des Gesellschafts-Charakters auf entweder eine Gesellschaft oder aber auf eine Klasse sollte mit Hilfe dieses Adjektivs präzisiert werden. Der hegemoniale Gesellschafts-Charakter ist v.a. im Gesellschafts-Charakter einer hegemonialen Klasse verankert. Für die heute hegemoniale ästhetisch-ökonomische Subjektivität – Merkmal eines spezifischen Gesellschafts-Charakters – fungiert v.a. ein im weiteren Sinne postmodernes Milieu als Träger (Reckwitz 2006, 2012, vgl. Vester et al. 2001). Die subhegemonialen, nicht-hegemonialen und anti-hegemonialen Klassen sind davon mehr oder weniger geprägt, weisen jedoch spezifische Klassenkulturen (Lebensstile/Milieus) mit bestimmten ökonomischen, sozialen und politischen Charakteristika auf. Ökonomischer und sozialer Wandel wird wesentlich vom Parteiensystem und der Dynamik des hegemonialen Gesellschafts-Charakters (und seiner Trägerklassen) bestimmt (Reckwitz 2006; vgl. dazu den Prozess sozialer Selektion by Fromm/Maccoby 1970). Dieser wirkt auf die klassenspezifischen Gesellschafts-Charaktere (sowie darin eingebettete Individualcharaktere und ökonomische Interessen) ein, die vermittelt über psychologische Motivationen und am ideologischen Links/Rechts-Gradienten orientiert zu handlungsrelevanten Bewertungen kommen. Für die Bewertung von Themen, Parteien und deren Kandidierenden ist v.a. das Parteiensystem und seine Themensetzungsdynamik wichtig, für die Bewertung sozialer Gruppen der Links/Rechts-Gradient, und für die Bewertung der Gesellschaft die hegemoniale Ideologie. Von Reich ist die Betonung der Widersprüchlichkeit von Charakter und Ideologie aufzunehmen, die auch die neuere Subjektforschung hervorhebt (Reckwitz 2006, 2012).

Abbildung: Thesenhaftes Arbeitsmodell von Zusammenhängen zwischen Charakter, Klassenposition, psychologischen Motivationen, institutionell-diskursiver Superstruktur (Parteiensystem, Links/Rechts-Gradient, hegemoniale Ideologie) und daraus folgenden politisch-sozialen Bewertungen. Z.T. in Anlehnung an Jost et al. (2009), stark verändert.

Eine diesem thesenhaften Arbeitsmodell entsprechende Methodologie müsste qualitative mit quantitativen Methoden kombinieren, um den Einfluss von distinkten Lebensstilen (Klassen im Sinn von Bourdieu) in ihrem Verhältnis zu ökonomischen und sozialen Faktoren auf politische Einstellungen und Dynamiken hin analysieren zu können. Das Konzept der Werte könnte als eine quantitative Operationalisierung der Orientierungsmuster des hegemonialen Gesellschafts-Charakters (vgl. Schwartz 1999), der klassenspezifischen Gesellschafts-Charaktere (vgl. de Almeida et al. 2006) und möglicher Zusammenhänge (vgl. Schwartz/Bardi 1997, Schwartz 2007) in Betracht gezogen werden. Dabei ist nicht umstandslos davon auszugehen, dass die klassische Konzeption des autoritären Charakters (bzw. das Konzept selbst) heutigen Verhältnissen angemessen ist. Die F-Skala von Adorno et al. (1950) z.B. war nur für die weiße, gut gebildete Mittelschicht in den USA der 1950er Jahre entwickelt worden. Der Begriff des autoritären Charakters in Fromm (1941) wiederum stellt v.a. auf die Unterwerfung unter dem Ich äußerlich erscheinende Mächte ab. In diesem Sinn sind die hegemoniale Ideologie und der ihr entsprechende Gesellschafts-Charakter grundlegend autoritär – “wirtschaftliche Sachzwänge” gelten in der Regel als unbeeinflussbar. Andererseits ist fraglich, dass die Beziehung der Wähler und Wählerinnen heutiger rechtsradikaler Parteien zu deren Führungspersonen der Masse-Führer-Beziehung der faschistischen Parteien der Zwischenkriegszeit entspricht. Auch scheint möglich, dass sich eine Schwerpunktverschiebung von RWA zu SDO im Lauf der letzten Jahrzehnte ergeben hat, entspricht die SDO doch stärker als RWA der hegemonialen Ideologie (und Praxis) der Konkurrenz, während Unterwürfigkeit und Ridigität in heutigen Arbeitsverhältnissen vielfach dysfunktional geworden sind und sich wohl u.a. aus diesem Grund in den stagnierenden Teilen des Kleinbürgertums konzentrieren (Vester et al. 2001).

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1 Die Debatte um den linken Autoritarismus scheint bis heute unabgeschlossen (Kemmelmeier 2015; vgl. Jost et al. 2009, 2015). Grundsätzlich sei angemerkt: Wird linke Ideologie wie in Jost et al. (2009) als gleichheitsorientiert gefasst, können zentralistischer Parteikommunismus, Kaderorganisationen und Staatssozialismus – der Staat ist ein Herrschaftsapparat – nicht als radikal links gelten.

2 Ich verstehe Radikalismus als Position am äußeren Ende eines ideologischen Gradienten, Extremismus als Position am äußeren Ende eines Gradienten politischer Mittel.

3 In der soziologischen Kulturwissenschaft ist dies als eine Kulturalisierung des Politischen und ein Wandel zu einer ästhetischen Subjektivität beschrieben worden (Reckwitz 2006, 2012).

4 vgl. Kitschelt (2007), Arzheimer/Carter (2006), Arzheimer (2012).

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