Schlagworte: Alternative, Depression, Klimawandel, Krise
Österreich nähert sich mit Riesenschritten der Erreichung seiner Klimaziele. Die Industrie schraubt ihren Betrieb zurück. Massenentlassungen stehen an, und dies nicht zuletzt gerade in der Dreckbranche Autoerzeugung. Der Verkehr und die Industrie emittierten im Jahr 2005 immerhin 52,7% der Treibhausgase, die Österreich in die Atmosphäre entließ. Weniger Produktion heißt deshalb weniger Emission.
Auch das gesellschaftliche Arbeitstempo nimmt sichtbar ab. In vielen Betrieben regiert die Kurzarbeit. Weniger arbeiten, schöner leben. Man hat wieder mehr Zeit, den eigenen Interessen und Gefühlsbewegungen nachzugehen. Nicht nur das Wochenende ist nun frei für Liebe, Berge und für Freunde. Eine Tageszeitung berichtet, das liebste Hobby der Briten ist laut Umfrage seit Neuestem der Partnersex. Garantiert gratis sei das nämlich. Es soll noch andere Gründe dafür geben.
Und nicht zuletzt: Beim Einkaufen schaut man wieder zweimal, ob man die Ware des Begehrs auch wirklich braucht. So reduziert sich der Shoppingstress. Unnötiger Verbrauch geht zurück.
Ist das gefährliche Naivität? Oder gar Zynismus?
Es ist eine seltsame Jahreszeit. Allerorts spricht man von Depression. Unter vorgehaltener Hand sieht der Berufsoptimist sie kommen. Der unbefangene Betrachter erstellt bereits die Diagnose. Als Antidepressivum verschreibt man die Beschäftigungsoffensive – ein “Green New Deal” soll her, oder, in Österreich typisch kleinkariert und gar nicht “öko”, eine “Verschrottungsprämie” für Autos; der österreichische Sozialminister Hundstorfer bekräftigt derweil gemeinsam mit Wirtschaftsminister Mitterlehner, sich für die Ausbildung von Lehrlingen einsetzen zu wollen. Von den diversen “Rettungspaketen” einmal ganz zu schweigen.
Ein Sammelsurium von Ideen also, die zum Teil sinnvoll sind, die Krise jedoch nicht überwinden werden.
Aber ist die Depression denn bloß eine Katastrophe?
Angesichts des Klimawandels und der sozial destruktiven Entwicklung eines Kapitalismus, der vielen ausweglos erscheint, sodass in der Tat und genau deshalb kein Ausweg aufscheint, sehe ich in der Depression zuerst einmal den unglücklich glücklichen Fall, dass die Gesellschaft ihren bedrohlichen Betrieb zurückzuschrauben gewungen ist, weil er an ihren eigenen Kriterien des rücksichtslosen Profits scheitert. Es ist nicht zynisch, darin zugleich auch eine Voraussetzung (neben anderen) zu sehen, dass eine große Zahl von Menschen dahin kommt, eine Alternative zu entwickeln. Es ist realistisch.
Damit kein Missverständnis entsteht: Solange die Produktion den Regeln des Kapitals unterworfen bleibt – Markt, Lohnarbeit, Profit, Konkurrenz und Kostendeckung – wird das Ergebnis des Produktionsrückgangs nichts weniger als verheerend sein. Eine Reduktion des Warenkonsums ohne eine gesellschaftliche Alternative des freien Zugangs zu den Gütern und Diensten des täglichen Bedarfs ist für die Mittelschicht die Talfahrt in die Unterschicht; für die schon Armen dagegen der Absturz in das Nichts.
Dass diese Krise eine Chance sei, ist deshalb platt. Es geht um den Bruch mit dem System und seinen Proponenten. Und dem Aufbau einer Alternative.
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