Das Ende der fossilen Ära? A.Exner und W.Zittel in “Von Tag zu Tag”

Radiosendung “Von Tag zu Tag” in Ö1

Dienstag, 07. Februar 2012, ab 14:05

“Das Ende der fossilen Ära?” Gäste: Andreas Exner und Werner Zittel. Moderation: Philipp Blom. Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79

Seit die Menschheit vor anderthalb Jahrhunderten die kommerzielle Nutzung des Erdöls entdeckte hat die Geschichte sich grundlegend verändert: als Treibstoff für Industrie, Schifffahrt und Kraftverkehr, als Plastik und in unzähligen weiteren Anwendungen ist es nicht mehr wegzudenken.

Gerade das aber ist notwendig, argumentieren Werner Zittel und Andreas Exner, die über eine Menschheit im postfossilen Zeitalter forschen. Über Möglichkeiten und Herausforderungen dieser gigantischen Umstellung sprechen sie mit Moderator Philipp Blom.

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Solidarische Postwachstumsökonomie: Positive Ansätze

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Positive Ansätze einer Solidarischen Postwachstumsökonomie

Eine Solidarische Postwachstumsökonomie entsteht aus sozialen Basisinnovationen, die sich durch vielfältige Auseinandersetzungen in die Gesellschaft verbreiten. Einiges dazu kann man von Solidarischen Produktionsketten lernen, zum Beispiel Justa Trama, www.justatrama.com.br.

Wer sich sozusagen als Gedankenübung eine mögliche Solidarische Postwachstumsökonomie vor Augen führen will, der und dem sei die Peer Economy von Christian Siefkes (peerconomy.org/wiki/Main_Page) oder die Bedürfnisorientierte Versorgungswirtschaft von Alfred Fresin (stattkapitalismus.blogsport.de/) empfohlen.

Das Buch „Subcoma“ von P.M. (Paranoia City Verlag, 2000) beschreibt ein einfacheres Modell einer Solidarischen Postwachstumsökonomie und einen möglichen Prozess dorthin.

Die Transition Town-Bewegung entwickelt kommunale Strategien der Anpassung an Peak Oil, die Teil einer Solidarischen Postwachstumsökonomie werden könnten: transitionaustria.ning.com

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Lebensstiländerung und Solidarische Postwachstumsökonomie: wie geht das?

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Lebensstiländerung und Solidarische Postwachstumsökonomie: wie geht das?

Der wichtigste Ansatzpunkt für eine Solidarische Postwachstumsökonomie ist die Produktion. Dort wird entschieden, welche und wieviele Ressourcen verbraucht werden.

Ein breites Feld entsprechender Lebensstiländerungen eröffnet Vivir Bien, vivirbien.mediavirus.org/. Die Plattform gibt viele Infos zu Projekten solidarischer Lebensweisen, die für Mitarbeit offen sind – von Food Coops bis zu Gemeinschaftsgärten.

Solidarische Ökonomie erfordert die Fähigkeit, selbstorganisiert Perspektiven aufzubauen. Das kann man lernen, etwa am Kongress zur Solidarischen Ökonomie in Wien 2012, siehe www.solidarische-oekonomie.at oder bei Haus-Instand-Besetzungen. Dort kann man auch die für demokratische Betriebsübernahmen nötige Zivilcourage entwickeln. Einfach Augen und Ohren offen halten.

Den Fleischkonsum gering zu halten und Autofahrten möglichst zu vermeiden ist auf jeden Fall wichtig.

Weitere Möglichkeiten persönlicher Lebensstiländerungen finden sich unter Doing/Tun auf www.demonetize.it

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Solidarische Postwachstumsökonomie – ein Set von Alternativen zur Vielfachkrise

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Solidarische Postwachstumsökonomie – ein Set von Alternativen zur Vielfachkrise

von Andreas Exner und Peter Fleissner

In der gegenwärtigen Phase des kapitalistischen Systems zeigen sich zwei bedrohliche Entwicklungen: Einerseits erzwingt die Konkurrenz auf den Gütermärkten die Produktion von Profiten, die – wenn sie in Sachgüter investiert werden – zu einem Wachstum des gesamten Realkapitals der Gesellschaft führen. Werden die Profite zur Spekulation verwendet, so verschiebt sich andererseits die Einkommensverteilung längerfristig von den Lohneinkommen und den Gewinnen der Realwirtschaft in den Bereich der Finanzwirtschaft. Die Krise des Finanzkapitals kann deshalb heute bereits ganze Staaten in ihrer Existenz bedrohen.

Der profitvermittelte Wachstumsimperativ steigert den Ressourcen- und Flächenverbrauch und intensiviert Nutzungskonkurrenzen. Die ökologische Nachhaltigkeit wird gefährdet. Deshalb muss die Produktion schrumpfen und danach auf niedrigem Niveau konstant bleiben. Die neoliberale Globalisierung unterminiert aber auch den Lebensstandard der Lohnabhängigen und stellt damit die soziale Nachhaltigkeit in Frage. Diese Tendenzen weisen darauf hin, dass die kapitalistische Wirtschaftsweise nicht in der Lage ist, die auf uns zukommenden ökologischen und sozialen Schwierigkeiten zu meistern, sondern im Gegenteil zu weiteren Krisen führt.

Der Ausweg aus den Schwierigkeiten besteht letztlich in einer konstanten und niedrigen Wirtschaftsleistung. Dies erfordert allerdings eine gesellschaftliche Regelung, die der chaotischen und von sozialen Interessensgegensätzen bestimmten kapitalistischen Produktionsweise fremd ist: Überschüsse dürfen nur für den stetigen Ersatz von Maschinerie oder die Verbesserung der Ressourceneffizienz verwendet werden; allen muss gleichermaßen und bedingungslos der Zugang zu den Ressourcen eines guten Lebens gewährleistet sein.

Abbildung: Maßnahmen zum Aufbau einer Solidarischen Postwachstumsökonomie. Rot: Gegenwärtige Wirtschaftsweise, von der Akkumulation abstrakten ökonomischen Werts (Kapital) bestimmt. Grün: Maßnahmen zur Entwicklung einer Solidarischen Postwachstumsökonomie. Blau: Reduktionswirkungen auf die gegenwärtige
Wirtschaftsweise. Pfeile symbolisieren Kausalbeziehungen.

Der Umbau der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu einer Solidarischen Postwachstumsökonomie (siehe Abbildung) auf Basis von Gemeingütern ist daher entscheidend. Dieser Umbau basiert auf sozialen Basisinnovationen, die in Nischen entstehen, geschützt vor dem Markt und vor der Intervention des Staates. Solche Nischen verbinden (1) gleichberechtigte Kooperation und (2) eine solidarische Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Gesellschaft mit (3) demokratischer Selbstverwaltung. Beispiele dafür sind Energiegenossenschaften, die baskische Megakooperative Mondragon, genossenschaftliche Regionalökonomien wie in der italienischen Region Emilia Romagna oder der brasilianische Solidarökonomiesektor.

Soziale Basisinnovationen sind zum Teil notwendig, um technische Maßnahmen der Energieverbrauchsreduktion überhaupt wirksam zu machen. Sie sind jedoch selbst ein wesentliches Ziel: durch mehr Befriedigung in der Arbeit – was kompensatorischen Warenkonsum reduziert; durch eine demokratische, nicht am Profit und an der Konkurrenzfähigkeit, sondern an den konkreten Bedürfnissen orientierte Steuerung der Produktion – was den Zwang, ständige Überschüsse und damit wachsende Energieverbräuche zu generieren, aufhebt und eine Postwachstumsökonomie ermöglicht; durch den Ausbau kollektiven Konsums – was mehr Lebensqualität schafft bei weniger Energieverbrauch; durch eine Einschränkung des Statuswettbewerbs, der nach individuellem materiellen Zugewinn verlangt – was in größerer gesellschaftlicher Gleichheit resultiert.

Der Strukturumbau zu einer Solidarischen Postwachstumsökonomie erfordert das selbstorganisierte Engagement der Menschen. Der Staat kann den Umbau unterstützen, etwa indem er rechtliche Rahmenbedingungen schafft, damit Belegschaften Produktionsbereiche in demokratische und bedarfsorientierte Unternehmensformen überführen und sie in kooperative Netze der Steuerung von Produktion und Konsum einbetten können. Dabei sind Instrumente der demokratischen Wirtschaftslenkung (Investitionsräte, Losdemokratie, demokratische Banken und partizipative Budgets), vermittelt über Change Agents und Pioniergruppen, hilfreich.

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Peak Oil: Stellenwert sektoraler Maßnahmen in Landwirtschaft, Raum- und Verkehrspolitik

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Sektorale Anpassungen

von Ernst Schriefl, Lukas Kranzl, Christian Lauk, Werner Zittel und Andreas Exner

Unmittelbar für die Flächennutzung relevant sind die Sektoren Ernährung und Landwirtschaft, die Raumordnung und der Verkehr. Parallel zu sektoralen Maßnahmen in diesen Bereichen ist eine soziale Absicherung notwendig, die nicht von Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Wachstum abhängen darf. Eine solche Absicherung besteht in einem bedingungslosen Grundeinkommen oder im bedingungslosen Zugang zu den Gütern und Diensten, die für einen kulturell angemessenen Lebensstandard nötig sind.

Ernährungsregime

Fleisch sollte nicht öfter als ein bis zwei Mal pro Woche gegessen werden. Eine Reduktion des Fleischkonsums um 60% geht konform mit Ernährungsempfehlungen und reduziert den Druck auf die Flächennutzung deutlich. Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen, sind beispielsweise ein Werbeverbot für Fleisch und Fleischprodukte, eine Förderung vegetarischer und veganer Ernährung in öffentlichen Einrichtungen oder der Abbau der Subventionierung industrieller Fleischproduktion. Um einen gleichberechtigten Zugang zu Fleisch zu sichern, ist eine Rationierung denkbar.

Landwirtschaft

Biogene Treibstoffe sind aufgrund des hohen Flächenbedarfs in der Produktion v.a. in jenen Sektoren einzusetzen, in denen ein Umstieg auf elektrische Antriebe schwer möglich ist und denen im Krisenfall ein besonderer Stellenwert zukommt. Inländisch produzierte biogene Treibstoffe sollten daher prioritär den Bedarf der Landwirtschaft decken, im Gegenzug sind allgemeine Beimischungsquoten, die zu einer überdimensionierten Agrotreibstoffproduktion führen, aufzuheben.

Um angesichts von Peak Oil und den möglichen Krisenfolgen Ernährungssicherheit zu gewährleisten, sollte in der Landwirtschaftspolitik Ernährungssouveränität statt Freihandel die politische Leitschnur sein. Instrumente in dieser Hinsicht wären z.B.: eine stärkere staatliche Angebots- und Nachfrageregulierung, eine Erhöhung der Attraktivität von kleinbäuerlichen Betriebsneugründungen und Hofübernahmen, die Förderung nichtkommerziellen Saatguts oder die stärkere Vernetzung landwirtschaftlicher Erzeuger_innen mit Verbraucher_innen, z.B. als Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften. Eine entsprechende Neuausrichtung landwirtschaftlicher Subventionen kann dafür einen wichtigen Rahmen liefern. Städtische Landwirtschaft mit Fokus auf Gemeinschaftsgärten kann die Versorgungssicherheit und den sozialen Zusammenhalt verbessern.

Im globalen Süden geht es vor allem eine Stärkung kollektiver Subsistenz durch eine umverteilende Landreform, den Stopp der Landnahme für die Exportproduktion und den Aufbau von lokal angepassten Produktionsmitteln und Wissen.

Angesichts eines möglichen Produktionsmaximums bei Phosphor zwischen 2020 und 2030 ist eine weitgehende Schließung von Phosphorkreisläufen von zentraler Bedeutung. Neben technischen Maßnahmen der Abwasserbehandlung beinhaltet das auch eine räumliche Reorganisation der Landwirtschaft, indem Ackerbau und
Viehzucht wieder zusammengeführt werden.

Verkehrssystem

Grundsätzlich muss der motorisierte Individualverkehr stark reduziert werden. Insbesondere sind durch einen Umbau der Städte der Radverkehr und Fußwege zu fördern. Eine prioritäre Förderung der Elektromobilität ist aufgrund der hohen Kosten und der Abhängigkeit von nicht-erneuerbaren Ressourcen (v.a. für Batterien und Motoren) kritisch zu sehen. E-Mobilität ist sinnvoll, jedoch nur in schwer erreichbaren Regionen sowie für bestimmte Mobilitätszwecke.

Raumordnung

Wesentliche Instrumente sind in diesem Bereich die Ausweisung von Zonen landwirtschaftlicher Produktion und deren absoluter gesetzlicher Schutz vor anderen, konkurrierenden Nutzungen sowie ein gesetzliches Verbot weiterer Netto-Flächenversiegelung. Weitere wichtige Prinzipien sind eine Siedlungsentwicklung in Abstimmung mit dem öffentlichen Verkehr, das Wiederherstellen von Nähe zwischen verschiedenen Lebensbereichen (z.B. Wohnen und Arbeiten) und der Rückbau peripherer zersiedelter Strukturen.

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

Buchpräsentation Kämpfe um Land in der Stadtbücherei Wien

“Pro und contra: Aktuelle Sachbücher im Gespräch”

Mittwoch, 18. Jänner 2012, 19:00 bis 21:00 Uhr

Hauptbücherei am Gürtel, 1070 Urban-Loritz-Platz 2a, Veranstaltungssaal

Andreas Exner/ Peter Fleissner/ Lukas Kranzl/ Zittel Werner (Hrsg.): Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter (mandelbaum)

Diskussion mit den Autoren und Mitherausgebern Andreas Exner und Lukas Kranzl | Moderation: Bettina Urbanek

2008 zeigte sich die harte Realität der kapitalistischen Ökokrise: steigende Preise bei Erdöl und Nahrungsmitteln und ein weiterer Schub der Verelendung, der die Hoffnung auf allgemeinen Wohlstand durch Wirtschaftswachstum immer unglaubwürdiger macht. Energie- und Nahrungsmittelpreise steigen seit 2010 erneut, der „unterirdische Wald” in Form von Erdöl ist zur Hälfte „abgeholzt”. Für das energiehungrige Kapital wird nun der Zugang zu Land entscheidend, die nutzbare Erdoberfläche ist jedoch begrenzt und für Menschen im Süden eine Überlebensgrundlage.

Eine Welle neuer Landnahmen für biogene Kraftstoffe, Nahrungsmittel für den Milch- und Fleischkonsum westlicher Prägung hat deshalb katastrophale Auswirkungen: Die Lebensperspektiven ganzer Bevölkerungsgruppen werden zugunsten von Automobil, Fleisch und Co. zerstört. Eine Alternative ist möglich: sie besteht in solidarischen Ökonomien und sozialen Innovationen. Energie, Rohstoffe und Nahrung sind möglichst versorgungsnah herzustellen. Landnutzung sollte  gemeinschaftlich reguliert werden, wobei das Recht auf Nahrung im Zentrum stehen muss.

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Peak Oil: Demokratische Krisenpläne nötig

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Demokratische Krisenpläne

von Ernst Schriefl und Andreas Exner

Neben eher schleichenden Veränderungen aufgrund von Peak Oil und Peak Gas sowie des Klimawandels (steigende Preise, ökonomische Instabilitäten etc.) kann eine zunehmende Verknappung von fossilen Energieträgern auch zu akuten Versorgungsengpässen führen. Das betrifft u.a. die Bereiche der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff, Wärme und Strom. Die „Gaskrise“ im Jahr 2009 hat etwa die hohe Abhängigkeit von importiertem Erdgas vor Augen geführt.

Wie Erhebungen im Rahmen des ebenfalls vom Österreichischen Klima- und Energiefonds geförderten Projekts „Powerdown“ gezeigt haben, existieren in Österreich keine Krisen- oder Notfallpläne auf kommunaler Ebene (abgesehen von Ansätzen in größeren Städten). Die Inhalte dieser Pläne sind – sofern sie existieren – nicht öffentlich bekannt, geschweige denn unter gleichberechtigter Beteiligung der Bevölkerung erstellt.

Obwohl Vorbilder für solche Pläne bislang fehlen, kann man stichwortartig folgende Eckpunkte für kommunale Krisenpläne festmachen:

Einschätzung der Verwundbarkeit von Infrastruktur: Welche kommunalen Infrastrukturen könnten in welchem Ausmaß von Versorgungskrisen betroffen sein?

Definition von Prioritäten: Welche Infrastrukturen / Aktivitäten sollten prioritär versorgt werden?

Vorratshaltung und Inventarisierung: Überlegung, in welchem Ausmaß Vorratshaltung möglich und sinnvoll ist. Was ist an nützlichen Werkzeugen etc. vorhanden (Inventarisierung), das beispielsweise auch ohne externe Energiezufuhr, also „low tech“, funktioniert?

Betrieb von autarken Systemen: Netzunabhängige Stromversorgung und Ähnliches andenken – zumindest für Krisenfall und eingeschränkte Versorgungsbereiche.

Verhaltensänderungen und Anpassung: Wie können kurzfristig wirksame energieverbrauchssenkende Verhaltensänderungen und die spontane, selbstorganisierte Anpassung der Bevölkerung unterstützt werden?

Menschenrechte (UN-Sozialpakt) und soziale Nachhaltigkeit: Wie ist eine Mindestversorgung für alle sicherzustellen? Wie soll im Fall einer Versorgungskrise kommuniziert werden? Wie kann Solidarität gefördert werden?

Partizipative Erstellung: Die Konfrontation mit Krisenszenarien kann Denkprozesse auslösen bzw. unterstützen. So kann man etwa mit der Frage „Was könnte man wirklich tun bei Verknappung?“ Themen ansprechen, die sonst nicht auf den Tisch kommen (Suffizienz, Verhaltensveränderung). Ein heikles Thema ist sicherlich die Vorbereitung der Bevölkerung ohne Panikmache. Panik wird vermieden, wenn Menschen in Umweltinitiativen, den Gewerkschaften, den Wirtschaftsverbänden und in selbstorganisierten Gruppen das Thema eigenständig aufgreifen und thematisieren. Ein Beispiel für einen solchen Weg sind die Transition Towns in England.

Re-Skilling: Wiederaneignen von Fähigkeiten und Wissen, die in einer Krisensituation nützlich sein können.

Sinnvoll ist natürlich (sofern möglich), kommunale Krisenpläne mit solchen für regionale und überregionale Ebenen abzustimmen.

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Land Grabbing: die Große Enteignung

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Land Grabbing: die Große Enteignung

von Andreas Exner

Seit 2008 ist eine Welle von Käufen oder Pachten sehr großer Landflächen vor allem im globalen Süden zu beobachten, angetrieben von Unternehmen aus der OECD-Welt und den Schwellenländern, den Golfstaaten sowie von Anlagefonds. Möglicherweise noch bedeutsamer sind inländische Investoren, die jedoch nur selten in das Licht der Öffentlichkeit geraten. Private Investoren wollen in erster Linie von steigenden Preisen für Nahrungsmittel und dem staatlich verordneten Agrospritverbrauch etwa in der EU profitieren. Investoren aus Ländern mit einer starken Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten sollen die Versorgungssicherheit dieser Staaten erhöhen. Zudem suchen Anleger seit der Finanzkrise 2008 nach sicheren Investitionsgelegenheiten. Land gilt als eine solche Option. Man geht von der wachsenden Bedeutung der Landfläche in einer Welt nach dem Ende billiger fossiler Stoffe und bei zunehmender Wasserknappheit aus.

Die Investoren haben vor allem Land im globalen Süden im Visier, mit Afrika als Hauptziel, gefolgt von Asien und Lateinamerika. Aber auch in Osteuropa eignen sich Investoren große Flächen an, aus Österreich beteiligt sich daran der Raiffeisenkonzern. Laut Medienberichten, die nur einen kleinen Ausschnitt sichtbar machen, wurden weltweit allein zwischen 2008 und 2009, am Beginn des neuen Land Grab, rund 46 Millionen Hektar Ackerland oder ackerfähiges Land akquiriert oder von Investoren nachgefragt [1]. Das ist eine Fläche etwa in der Größe Frankreichs. In der Provinz Katanga im Ost-Kongo sollen 14 Millionen Hektar verpachtet werden, eine Fläche größer als Griechenland. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die Weltbank und UN-Organisationen rechtfertigen die Landnahme mit der Hoffnung auf Win-Win-Situationen, würden Menschenrechte eingehalten und faire Pachtverträge mit lokalen Bäuerinnen und Bauern vereinbart. Das Problem liegt jedoch erstens darin, dass Menschenrechte in einer Welt, die das Kapital und seine Herrschaft prägt, im Zweifelsfall keine große Rolle spielen. Zweitens ist das Machtgefälle zwischen international tätigen Firmen und der lokalen Bauernschaft etwa in Afrika derart groß, dass es keine Grundlage für faire Verträge gibt – sofern Verträge überhaupt abgeschlossen werden, was offenbar praktisch nicht der Fall ist. De facto legitimiert die Hoffnung auf ein Win-Win also die brutale Enteignung. La Via Campesina und kritische NGOs fordern daher den Stopp der Landnahme. Selbst eine „faire“ Vertragslandwirtschaft würde, wie Beispiele zeigen, das Risiko für die Kleinbetriebe erhöhen und zugleich mit den Einnahmen auch die notwendigen Ausgaben steigern. Arme Schichten bleiben von Vertragslandwirtschaft in der Regel ausgeschlossen.

Die Weltbank und UN-Organisationen argumentieren weiters, dass es etwa in Afrika genug ungenutztes Land gäbe. Doch dies ist tatsächlich zum großen Teil überlebenswichtig für die lokale Bevölkerung. Wanderhirtinnen und -hirten hängen vom flexiblen Zugang zu den saisonalen Weidegründen ab. Der Rotationsfeldbau benötigt pro Ackerfläche ein Vielfaches an Brachefläche. Wälder dienen der Gewinnung von Brennholz, von Medizinalpflanzen und als lebensentscheidende Pufferflächen bei Dürre.

Das Ende des billigen Erdöls beendet die Hoffnung auf die großangelegte Entwicklung einer kapitalistischen Industrie. Die Opfer der neuen Landnahme werden sich daher kaum mit Lohnarbeit über Wasser halten können, sondern vielfach direkt in den Hunger getrieben. Der plagt schon heute weite Teile Afrikas und hat ein Bündel von Ursachen: die von Weltbank und IWF erzwungene Streichung von Subventionen und Schutzzöllen und Verteuerung öffentlicher Dienstleistungen, die geringe agrarische Forschung, die fehlende gleichberechtigte Einbindung der Bauernschaft in die staatliche Landwirtschaftspolitik, die Erosion von solidarischen Unterstützungsbeziehungen durch die Marktwirtschaft, Enteignung und Zwangsumsiedelung sowie die mangelhafte Beteiligung der (patriarchal orientierten) Männer an der Landarbeit.

[1] Diese Zahl beruht auf der ersten, von der Weltbank online bereits als “finale Version” bezeichneten Ausgabe des Reports “Rising interest in global farmland” vom Sept. 2010 (siehe Seite 35). In der tatsächlichen Endversion hat die Weltbank die Angabe auf 56 Mio. ha erhöht und die Zahlen zur regionalen Verteilung der Akquisitionen verändert (allerdings ohne die Flächenanteile der einzelnen geplanten Nutzungsarten anzupassen).

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Die Potenziale der österreichischen Landwirtschaft im Klimawandel

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Die Potenziale der österreichischen Landwirtschaft im Klimawandel

von Jakob Schaumberger

Der Klimawandel beeinflusst die Ertragspotenziale der Landwirtschaft und damit die Möglichkeiten der Nahrungsmittelproduktion, aber auch der Herstellung von biogenen Energieträgern und Materialien. Mit Hilfe eines regionalisierten Klimamodells (siehe Gobiet und Heinrich) und der Standortsansprüche relevanter Kulturpflanzen ist es möglich, die Veränderungen von Flächennutzungspotenzialen räumlich hochaufgelöst darzustellen (siehe Abbildung 1).Abbildung 1: Ermittlung der Flächennutzungspotenziale

Abbildung 2 zeigt als Beispiel für eine solche Potenzialkarte das Flächennutzungspotenzial für Grünland. Flächen mit hohem Potenzial sind dunkelgrün dargestellt.

Abbildung 2: Flächennutzungspotenzial Grünland (intensiv und extensiv) der Dekade 2001-2010 bei moderat warmer und trockener Klimaentwicklung

Die Klimaänderung bis 2050 hat einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Flächennutzungspotenziale. Zunahmen sowie Abnahmen der potenziellen Erträge zwischen 10 und 20 % sind möglich. Auf Grundlage des im Projekt „Save our Surface“ entwickelten Modells können Entscheidungen zur Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Nutzflächen unterstützt werden, um Nutzungskonflikte zu minimieren. Das Flächennutzungsmodell könnte die vorausschauende Anpassung von Rahmenbedingungen der österreichischen Landwirtschaft an den Klimawandel und Peak Oil erleichtern.

Darüberhinaus konnten mit Hilfe dieses Modells Szenarien entwickelt werden, die zeigen, wieviel Nahrungsmittel sowie biogene Energie und Stoffe bis 2050 in Österreich produziert werden können (siehe Schriefl u.a. sowie die Artikel von Christian Lauk zu erneuerbaren Stoffen und zu Nahrungsmitteln).Abbildung 3: Räumliche Verteilung der Nutzungsarten für die Dekade 2001-2010 bei moderat warmer und trockener Klimaentwicklung, Szenario Ernährungsempfehlung

In Abbildung 3 und Abbildung 4 wird der Flächenverbrauch entsprechend Verwendungszweck bzw. Nutzungsart gezeigt. Wird ein Trendszenario unterstellt, so erhöht sich bis 2050 der Flächenbedarf an Nahrungsmitteln bei einer Ernährungsautonomie Österreichs erheblich (Abb. 4). Ebenso ist ein größerer Flächenanteil für Energiepflanzen festzustellen.Abbildung 4: Räumliche Verteilung der Nutzungsarten für die Dekade 2041-2050 bei moderat warmer und trockener Klimaentwicklung, Szenario Ernährungsempfehlung

Wie hoch wäre der „Flächenimport“ in einem Szenario, das die Ernährung inländisch deckt und erneuerbare Energien (darunter Biomasse) sehr stark ausbaut? Abbildung 5 liegt das in den vorigen Abbildungen dargestellte Szenario zugrunde, das sich an der Ernährungsempfehlung des österreichischen Ernährungsberichts orientiert. Weitere wesentliche Annahmen dieses Szenarios sind: ausgeglichene Handelsbilanz (bei Nahrungs- und Futtermitteln), Rückgang des Konsums und mittlere Recyclingrate bei den im Modell berücksichtigten Stoffen, konstante Erträge (in der landwirtschaftlichen Produktion) und intensive Waldbewirtschaftung. Die Entwicklung des Importbedarfes in Hektar wird für alle Dekaden von 2010 bis 2050 bei moderat warmer und trockener Klimaentwicklung dargestellt. Der Importbedarf für energetisch und technisch genutzte Biomasse steigt nach diesem Szenario von 2010 bis 2020 beträchtlich und bleibt bis 2050 hoch.

Abbildung 5: Importbedarf als Flächenäquivalent für alle Dekaden von 2010 bis 2050 bei moderat warmer und trockener Klimaentwicklung entspricht somit also rund 30% der eigenen Fläche, Szenario Ernährungsempfehlung

Zum Weiterlesen:

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Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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Szenarien der Energieautonomie in Österreich bis 2050

Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.

Szenarien der Energieautonomie in Österreich bis 2050

von Ernst Schriefl, Gerald Kalt, Christian Lauk und Lukas Kranzl

Im postfossilen Zeitalter müssen fossile Rohstoffe durch erneuerbare ersetzt werden. Wie könnte eine postfossile Energiezukunft in Österreich beispielsweise im Jahr 2050 aussehen, und welche Rolle kommt dabei der Biomasse zu?

Zunächst sollte man sich vor Augen halten, dass fossile Energieträger eine Reihe von günstigen Eigenschaften haben, aufgrund derer sie alternativen Energiequellen in vielen Bereichen überlegen sind. Erstens können fossile Energieträger mit ausgereiften Technologien in jede andere Energieform umgewandelt werden, sie können zweitens auf Grund ihrer hohen Energiedichte mit geringem Aufwand über weite Strecken transportiert werden und sind drittens als gespeicherte Energieform jederzeit abrufbar. Bei Technologien, die Sonnenlicht und Windenergie nutzen, besteht hingegen in der Regel eine Diskrepanz zwischen Verfügbarkeit und Bedarf – sowohl zeitlich als auch räumlich. Der massive Ausbau von Technologien wie Windkraft- oder Photovoltaikanlagen bringt daher einen erhöhten Aufwand für Speicherung, Regelung und Transport mit sich. Viele damit verbundene Fragen sind noch nicht geklärt.

Biogene Energieträger können fossile Energieträger in der Regel direkt ersetzen (z.B. im Verkehrssektor: Biodiesel statt fossilem Diesel). Der wesentliche limitierende Faktor ist die zur Biomasseproduktion verfügbare Fläche. Bereits einfache Rechnungen zeigen, dass der derzeitige Energiebedarf mit inländisch produzierter Biomasse nicht einmal ansatzweise gedeckt werden kann. So müssten alleine, um den Kraftstoffbedarf für PKW-Verkehr mit Biodiesel aus Raps zu decken, auf etwa 3 Millionen Hektar Raps angebaut werden. Dem gegenüber steht eine zurzeit in Österreich verfügbare Ackerfläche von 1,4 Millionen Hektar.

Im Projekt „Save Our Surface“ wurden verschiedene Szenarien einer Energieautonomie Österreichs im Jahr 2050 modelliert und der damit verbundene Biomassebedarf ermittelt. Energieautonomie bedeutet, den gesamten Energiebedarf mit heimischen erneuerbaren Energieträgern bzw. Erzeugungskapazitäten zu decken. Die Szenarien unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich des unterstellten Bedarfs an „Energiedienstleistungen“ und der Anteile von Bioenergie im Energiemix (d.h. in den Sektoren Raumwärme, Industrie, Verkehr etc.).

Die in den Szenarien errechneten Ergebnisse hinsichtlich Flächenbedarf fußen auf folgenden Annahmen:
- Nur konventionelle Energiepflanzen (Raps, Sonnenblume (für Biodiesel/Pflanzenöl), Zuckerrübe, Weizen (für Bioethanol), Maissilage, Grünschnitt, Roggen (für Biogas bzw. Biomethan)) wurden berücksichtigt. Kurzumtriebsplantagen, Miscanthus, “neue” Biogaspflanzen (Neuzüchtungen mit höheren Erträgen) wurden nicht berücksichtigt.
- Keine Berücksichtigung von Nebenprodukten der Biokraftstoffproduktion (diese können als Futtermittel eingesetzt werden und reduzieren so Flächenbedarf für Futtermittelanbau)
- Biogas wird ausschließlich aus Energiepflanzen produziert – d.h. Biogasproduktion aus biogenen Abfällen, Gülle/Mist, Zwischenfrüchten, Klärschlamm, Deponiegas, der “Biotonne” ist nicht berücksichtigt.
- Keine Ertragssteigerungen bei den berücksichtigten Pflanzen.
(Die Berücksichtigung all der oben genannten Punkte reduziert den Flächenbedarf in den Szenarien. An zusätzlichen adaptierten Szenarien, die die obigen Punkte berücksichtigen, wird noch gearbeitet – Stand Nov.2011)

Die Ergebnisse zeigen, dass nur im radikalsten der drei Szenarien, bei dem ein Rückgang des Energiebedarfs um 64% gegenüber 2009 unterstellt ist, der Biomassebedarf ohne Beeinträchtigung der Nahrungsmittelversorgung und der stofflichen Biomassenutzung gedeckt werden kann. In diesem Szenario werden etwa 20% der Ackerflächen und 24% des Wirtschaftsgrünlands für die Bioenergieproduktion genutzt. Es stünde also in diesem Szenario noch ein relevanter Anteil an Biomasse für Ernährung und stoffliche Nutzung zur Verfügung. In Szenarien mit einer geringeren Reduktion des Energieverbrauchs wäre das Ziel der Energieautonomie mit dem Risiko einer (massiv) zunehmenden Flächenkonkurrenz verbunden.

Zum Weiterlesen:

EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter

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