Die Zeitschrift SOL – von “Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil” – widmet ein Special Issue in ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 57) dem Projekt “Save our Surface“, das der Österreichische Klima- und Energiefonds gefördert hat. Zeitgleich zum Buch “Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter” (Mandelbaum Verlag) sind hier die Hauptergebnisse in kurzen Texten nachzulesen. Auf diesem Weblog werden einige daraus wiedergegeben.
Demokratische Krisenpläne
von Ernst Schriefl und Andreas Exner
Neben eher schleichenden Veränderungen aufgrund von Peak Oil und Peak Gas sowie des Klimawandels (steigende Preise, ökonomische Instabilitäten etc.) kann eine zunehmende Verknappung von fossilen Energieträgern auch zu akuten Versorgungsengpässen führen. Das betrifft u.a. die Bereiche der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff, Wärme und Strom. Die „Gaskrise“ im Jahr 2009 hat etwa die hohe Abhängigkeit von importiertem Erdgas vor Augen geführt.
Wie Erhebungen im Rahmen des ebenfalls vom Österreichischen Klima- und Energiefonds geförderten Projekts „Powerdown“ gezeigt haben, existieren in Österreich keine Krisen- oder Notfallpläne auf kommunaler Ebene (abgesehen von Ansätzen in größeren Städten). Die Inhalte dieser Pläne sind – sofern sie existieren – nicht öffentlich bekannt, geschweige denn unter gleichberechtigter Beteiligung der Bevölkerung erstellt.
Obwohl Vorbilder für solche Pläne bislang fehlen, kann man stichwortartig folgende Eckpunkte für kommunale Krisenpläne festmachen:
Einschätzung der Verwundbarkeit von Infrastruktur: Welche kommunalen Infrastrukturen könnten in welchem Ausmaß von Versorgungskrisen betroffen sein?
Definition von Prioritäten: Welche Infrastrukturen / Aktivitäten sollten prioritär versorgt werden?
Vorratshaltung und Inventarisierung: Überlegung, in welchem Ausmaß Vorratshaltung möglich und sinnvoll ist. Was ist an nützlichen Werkzeugen etc. vorhanden (Inventarisierung), das beispielsweise auch ohne externe Energiezufuhr, also „low tech“, funktioniert?
Betrieb von autarken Systemen: Netzunabhängige Stromversorgung und Ähnliches andenken – zumindest für Krisenfall und eingeschränkte Versorgungsbereiche.
Verhaltensänderungen und Anpassung: Wie können kurzfristig wirksame energieverbrauchssenkende Verhaltensänderungen und die spontane, selbstorganisierte Anpassung der Bevölkerung unterstützt werden?
Menschenrechte (UN-Sozialpakt) und soziale Nachhaltigkeit: Wie ist eine Mindestversorgung für alle sicherzustellen? Wie soll im Fall einer Versorgungskrise kommuniziert werden? Wie kann Solidarität gefördert werden?
Partizipative Erstellung: Die Konfrontation mit Krisenszenarien kann Denkprozesse auslösen bzw. unterstützen. So kann man etwa mit der Frage „Was könnte man wirklich tun bei Verknappung?“ Themen ansprechen, die sonst nicht auf den Tisch kommen (Suffizienz, Verhaltensveränderung). Ein heikles Thema ist sicherlich die Vorbereitung der Bevölkerung ohne Panikmache. Panik wird vermieden, wenn Menschen in Umweltinitiativen, den Gewerkschaften, den Wirtschaftsverbänden und in selbstorganisierten Gruppen das Thema eigenständig aufgreifen und thematisieren. Ein Beispiel für einen solchen Weg sind die Transition Towns in England.
Re-Skilling: Wiederaneignen von Fähigkeiten und Wissen, die in einer Krisensituation nützlich sein können.
Sinnvoll ist natürlich (sofern möglich), kommunale Krisenpläne mit solchen für regionale und überregionale Ebenen abzustimmen.
Zum Weiterlesen:
EXNER, Andreas / FLEISSNER, Peter / KRANZL, Lukas / ZITTEL, Werner (Hg.):
Kämpfe um Land. Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter
