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	<title>Kommentare zu Social Innovation Network</title>
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	<description>Kritik der Konkurrenzgesellschaft - Bausteine für ein kooperatives Leben jenseits des Wachstumszwangs</description>
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		<title>Kommentare von Irmi Salzer zu Warum Besetzung? SoliLa und die vielen Schichten einer höchst notwendigen Aktionsform</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=4036&#038;cpage=1#comment-8280</link>
		<dc:creator>Irmi Salzer</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2012 21:02:04 +0000</pubDate>
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		<description>Danke Andreas.
Perfekt auf den Punkt gebracht.
wie heißt es so unschön - &quot;teile und herrsche&quot;. funktioniert wieder mal prächtig.
lg irmi</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Danke Andreas.<br />
Perfekt auf den Punkt gebracht.<br />
wie heißt es so unschön &#8211; &#8220;teile und herrsche&#8221;. funktioniert wieder mal prächtig.<br />
lg irmi</p>
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	<item>
		<title>Kommentare von Andreas Exner zu Antikapitalismus mit 2 Beinen. Solidarische Ökonomie &amp; Grundeinkommen</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=1632&#038;cpage=1#comment-7884</link>
		<dc:creator>Andreas Exner</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 17:35:52 +0000</pubDate>
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		<description>Mit Karl Marx ist inzwischen schwer zu diskutieren. Seine Position hinsichtlich des Landlebens ist bekannt, allerdings denke ich, dass der Idiotismus der Bourgeoisie summa summarum der größere war. Studien zur Geschichte des &quot;Landlebens&quot; (um damit ironisch die Produktions- und Lebensverhältnisse kleinbäuerlicher Art zu umschreiben) zeigen eher, dass wir ihm unsere heutige Idee des Kommunismus zu verdanken haben. Silvia Federicis &quot;Caliban and the Witch&quot; ist eine der dahingehend zentralen Arbeiten. Was Marx als &quot;Idiotie&quot; bezeichnet ist schon eine von kapitalistischen Produktionsverhältnissen dominierte Landwirtschaft - ein Bild, das er möglicherweise auch weit in die Vergangenheit zurückprojizierte. 

Marx hat seine Einschätzung bäuerlicher Verhältnisse im Laufe seines Lebens bezeichnenderweise verändert. Während die oben zitierten Passagen ganz dem bürgerlichen Vorurteil der &quot;rückständigen Bauern&quot; entsprechen, klingt in seinen Briefen an Vera Sassulitsch, aber auch in seiner veränderten Position gegenüber der Koloniapolitik der Briten in Indien ein Abrücken davon an. Ich denke, diese Distanzierung ist noch zu radikalisieren.

Die Arbeiterklasse heutzutage zeichnet sich durch eine weitaus größere Idiotie (und das nicht in Anführungsstriche gesetzt) aus als die Klasse der Kleinbäuerinnen und -bauern. Was uns als Rebellismus der Arbeiter entgegentritt, ist die Wehrhaftigkeit von Menschen, die nicht oder noch nicht ganz als Arbeiter sozialisiert sind, die Arbeit verabscheuen. Damit ist es in der zweiten Generation zumeist vorbei. 

Daraus ist zu schließen, dass die kapitalistischen Produktionsverhältnisse noch idiotischer und idiotisierender sind als die kleinbäuerlichen - freilich ohne selbige ihrerseits zu verklären. Den Kommunismus gibt es eben noch nicht.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Karl Marx ist inzwischen schwer zu diskutieren. Seine Position hinsichtlich des Landlebens ist bekannt, allerdings denke ich, dass der Idiotismus der Bourgeoisie summa summarum der größere war. Studien zur Geschichte des &#8220;Landlebens&#8221; (um damit ironisch die Produktions- und Lebensverhältnisse kleinbäuerlicher Art zu umschreiben) zeigen eher, dass wir ihm unsere heutige Idee des Kommunismus zu verdanken haben. Silvia Federicis &#8220;Caliban and the Witch&#8221; ist eine der dahingehend zentralen Arbeiten. Was Marx als &#8220;Idiotie&#8221; bezeichnet ist schon eine von kapitalistischen Produktionsverhältnissen dominierte Landwirtschaft &#8211; ein Bild, das er möglicherweise auch weit in die Vergangenheit zurückprojizierte. </p>
<p>Marx hat seine Einschätzung bäuerlicher Verhältnisse im Laufe seines Lebens bezeichnenderweise verändert. Während die oben zitierten Passagen ganz dem bürgerlichen Vorurteil der &#8220;rückständigen Bauern&#8221; entsprechen, klingt in seinen Briefen an Vera Sassulitsch, aber auch in seiner veränderten Position gegenüber der Koloniapolitik der Briten in Indien ein Abrücken davon an. Ich denke, diese Distanzierung ist noch zu radikalisieren.</p>
<p>Die Arbeiterklasse heutzutage zeichnet sich durch eine weitaus größere Idiotie (und das nicht in Anführungsstriche gesetzt) aus als die Klasse der Kleinbäuerinnen und -bauern. Was uns als Rebellismus der Arbeiter entgegentritt, ist die Wehrhaftigkeit von Menschen, die nicht oder noch nicht ganz als Arbeiter sozialisiert sind, die Arbeit verabscheuen. Damit ist es in der zweiten Generation zumeist vorbei. </p>
<p>Daraus ist zu schließen, dass die kapitalistischen Produktionsverhältnisse noch idiotischer und idiotisierender sind als die kleinbäuerlichen &#8211; freilich ohne selbige ihrerseits zu verklären. Den Kommunismus gibt es eben noch nicht.</p>
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	<item>
		<title>Kommentare von Karl Marx zu Antikapitalismus mit 2 Beinen. Solidarische Ökonomie &amp; Grundeinkommen</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=1632&#038;cpage=1#comment-7825</link>
		<dc:creator>Karl Marx</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Apr 2012 20:05:33 +0000</pubDate>
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		<description>Zur Subsistenz habe ich geschrieben, allen Euphemismem zum Trotz:

- Die Bourgeoisie hat […] einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen. (MEW 4, 466)

- In Ländern kapitalistischer Produktion […] ein großer Teil der an der Agrikultur beteiligten Produzenten […] dem Idiotismus des Landlebens entrissen sind, zur industriellen Bevölkerung gehören.  (MEW 26.2, 476)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Subsistenz habe ich geschrieben, allen Euphemismem zum Trotz:</p>
<p>- Die Bourgeoisie hat […] einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen. (MEW 4, 466)</p>
<p>- In Ländern kapitalistischer Produktion […] ein großer Teil der an der Agrikultur beteiligten Produzenten […] dem Idiotismus des Landlebens entrissen sind, zur industriellen Bevölkerung gehören.  (MEW 26.2, 476)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Arno Niesner zu Solidarische statt „Gemeinwohl-Ökonomie“</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=3799&#038;cpage=1#comment-7805</link>
		<dc:creator>Arno Niesner</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 12:18:14 +0000</pubDate>
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		<description>Hallo Andreas,

ich versuch´s noch einmal mit anderen Worten: der &quot;Dritte Weg&quot; und MCC als Konzern sind nicht miteinander vergleichbar. Das eine betrifft (u. a. auch) die Wunschvorstellungen von J. M. Arizmendiarrieta, das andere hat auf seinem Weg zum Konzern eine Eigendynamik entwickelt, die mit den ursprünglichen Vorstellungen immer weniger zu tun haben. Kritik an Mondragón C. C. trifft somit nicht den Dritten Weg selbst.

Das, was ich aus all den bisherigen Versuchen solidarischen Wirtschaftens heraus lesen kann, ist das (vorprogrammierte) Scheitern aufgrund hierarchisch angeordneter Machtstrukturen. Nur so lange wir die effizienzsteigernden und mit Macht ausgestatteten Hierarchiestufen vermeiden können, so lange ist solidarisches Wirtschaften auf Dauer realisierbar. In größeren Zusammenhängen wird dies langfristig nicht ohne Kontrolle und verteilter Macht lebendig bleiben können. Ein Verein als rechtliche Basis für wirtschaftliches Engagement könnte diese Anforderungen noch am ehesten bewerkstelligen - siehe Südwind in Österreich oder ähnlich gelagerte Beispiele aus dem Non-, pardon &quot;Social Profit Enterprises&quot;-Bereich.

Ach ja, was das mehr assoziative Wirtschaften (vergleichbar mit Rudolf Steiner - doch dieser hatte eher das genossenschaftliche Miteinander damit gemeint) anlangt, hier ein Link zur Wirtschaft in Gemeinschaft:
http://www.fokolar-bewegung.de/staticsite/staticsite.php?menuid=35&amp;topmenu=34

Angenehme Feiertage und sonnige Grüße
Arno

PS: Vielleicht interessiert dich im Zusammenhang mit Macht eine Geschichte aus dem Pharaonenreich: http://oesostrom.at/ideenforum.html#Lionel-Casson_aegypten</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Andreas,</p>
<p>ich versuch´s noch einmal mit anderen Worten: der &#8220;Dritte Weg&#8221; und MCC als Konzern sind nicht miteinander vergleichbar. Das eine betrifft (u. a. auch) die Wunschvorstellungen von J. M. Arizmendiarrieta, das andere hat auf seinem Weg zum Konzern eine Eigendynamik entwickelt, die mit den ursprünglichen Vorstellungen immer weniger zu tun haben. Kritik an Mondragón C. C. trifft somit nicht den Dritten Weg selbst.</p>
<p>Das, was ich aus all den bisherigen Versuchen solidarischen Wirtschaftens heraus lesen kann, ist das (vorprogrammierte) Scheitern aufgrund hierarchisch angeordneter Machtstrukturen. Nur so lange wir die effizienzsteigernden und mit Macht ausgestatteten Hierarchiestufen vermeiden können, so lange ist solidarisches Wirtschaften auf Dauer realisierbar. In größeren Zusammenhängen wird dies langfristig nicht ohne Kontrolle und verteilter Macht lebendig bleiben können. Ein Verein als rechtliche Basis für wirtschaftliches Engagement könnte diese Anforderungen noch am ehesten bewerkstelligen &#8211; siehe Südwind in Österreich oder ähnlich gelagerte Beispiele aus dem Non-, pardon &#8220;Social Profit Enterprises&#8221;-Bereich.</p>
<p>Ach ja, was das mehr assoziative Wirtschaften (vergleichbar mit Rudolf Steiner &#8211; doch dieser hatte eher das genossenschaftliche Miteinander damit gemeint) anlangt, hier ein Link zur Wirtschaft in Gemeinschaft:<br />
<a href="http://www.fokolar-bewegung.de/staticsite/staticsite.php?menuid=35&#038;topmenu=34" rel="nofollow">http://www.fokolar-bewegung.de/staticsite/staticsite.php?menuid=35&#038;topmenu=34</a></p>
<p>Angenehme Feiertage und sonnige Grüße<br />
Arno</p>
<p>PS: Vielleicht interessiert dich im Zusammenhang mit Macht eine Geschichte aus dem Pharaonenreich: <a href="http://oesostrom.at/ideenforum.html#Lionel-Casson_aegypten" rel="nofollow">http://oesostrom.at/ideenforum.html#Lionel-Casson_aegypten</a></p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Andreas Exner zu Solidarische statt „Gemeinwohl-Ökonomie“</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=3799&#038;cpage=1#comment-7799</link>
		<dc:creator>Andreas Exner</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 08:59:15 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.social-innovation.org/?p=3799#comment-7799</guid>
		<description>Hallo Arno

Das Problem mit Mondragons &quot;Drittem Weg&quot; ist, dass er nicht die Klassenspaltung beseitigt hat und emanzipatorische Selbstorganisation sogar stärker behindert als dies in einem normalen kapitalistischen Unternehmen geschieht. 

1. gibt es auch in Mondragon eine Kommandohierarchie. Daran ändert nichts, dass die Mitglieder alle gleiche Unternehmensanteile haben. Die Generalversammlung ist zwar das höchste Entscheidungsgremium. Das sieht aber so aus wie die Nationalratswahl in Österreich: &quot;Demokratie&quot; dient hier der Legitimation der Machtelite und ihrer Politik. Denn die GV bestätigt in der Regel die Vorschläge des Managements. Die Versammlungen werden in der Literatur (selbst bei Sympathisanten von Mondragon) als apathisch oder bloß formelle, inhaltlich weitgehend entleerte Rituale beschrieben.

Einzig die weitere Vergrößerung der Einkommensspanne (derzeit bei ca. 1:9) wurde bislang blockiert (aber vom Ausgangspunkt 1:3 schrittweise gelockert). Während die einfachen Mitglieder durch die hohe Arbeitslosigkeit in der Region relativ an die Kooperative gebunden sind, gilt das für das Management nicht im selben Maße, das relativ leicht in einen kapitalistischen Betrieb überwechseln kann (ein Umstand, der auch explizit als Drohung im Konfliktfall eingesetzt worden ist und als Argument für die beständigen Versuche, die Einkommensspanne auszuweiten, herhalten muss).

2. in Mondragon sind jedoch - dem &quot;Dritten Weg&quot; folgend - Streiks verboten. So kann das real existierende Management seine Maßnahmen deutlich besser umsetzen als in kapitalistischen Betrieben (deshalb nimmt es auch wenig Wunder, dass die Produktivität in der Kooperative höher ist als in vielen kapitalistischen Betrieben.) Dazu kommt, dass sogar eine autonome Vertretung der einfachen Belegschaft nicht erlaubt ist. Anstelle der üblichen Betriebsräte gibt es Sozialräte, die aber weit weniger Befugnisse und Ressourcen als ein Betriebsrat in einem kapitalistischen Unternehmen haben.

3. die Ideologie der Kooperative führt zu einer Verringerung der Solidarität, erstens innerhalb der Betriebe, zweitens im Außenverhältnis. Das hat gar nichts mit der Globalisierung zu tun, wie gemeinhin angenommen wird, obwohl die Globalisierung die Entsolidarisierung vermutlich noch beschleunigt hat, sondern wurde vom linken Flügel der ETA und in einer Stellungnahme des Sozialreferats der katholischen Kirche im Baskenland schon in den 1960er und 1970er Jahre kritisiert. 

Der einzige Streik bei Mondragon fand 1974 statt und wurde weit schwerer geahndet als in einem kapitalistischen Betrieb. Dabei spielte der Konflikt zwischen linkem und rechtem Flügel der ETA und den linken und den rechten nationalistischen Strömungen eine wesentliche Rolle. Die Streikführerinnen (die Streikenden waren mehrheitlich Frauen) gehörten einer maoistischen Fraktion der ETA an, die sich von der ETA abspaltete, während viele Mondragon-Manager dem rechten Flügel der ETA angehörten (aus dem sich die heutige ETA entwickelte) oder der rechtskonservativ-nationalistischen PNV.

Die Belegschaft selbst bestätigte den Ausschluss der 17 Streikführerinnen (knapp 400 Mitglieder wurden bestraft) in wiederholten Generalversammlungen (die Streikführerinnen versuchten über Jahre hinweg ihre Wiederaufnahme zu erwirken). Auch nach dem Ende der Franco-Diktatur, als die kapitalistischen Betriebe per Gesetz verpflichtet waren, während der Diktatur entlassene Mitarbeiter_innen wieder einzustellen, blieb Mondragon bei seiner Politik - erneut mit dem Argument, dass sie sei ja eine Kooperative und kein kapitalistischer Betrieb. Es gibt mehrere Hinweise, dass Mondragon sogar schwarze Listen mit den Namen der Streikführerinnen im Baskenlang in Umlauf brachte. Die Sache geriet zum öffentlichen Skandal und auf Druck von Außen wurden die Streikführerinnen schließlich wieder eingestellt.

Offenbar führt die Kooperativen-Ideologie und &quot;Eigentum in Arbeiterhand&quot; zu einer Verbürgerlichung im Sinn einer Entsolidarisierung. Das war auch das erklärte Ziel von Pater Arizmendiarrieta, der eine Alternative zu der vor dem Entstehen von Mondragon militanten Arbeiterkultur in der Stadt Mondragon entwickeln wollte und eine Revolution mit dem Ziel einer Auflösung der Klassengesellschaft dezidiert ablehnte.

Sharryn Kasmir hat zwei vergleichbare Betriebe - der eine Kooperativen-Mitglied, der andere normal kapitalistisch - untersucht und kommt zum Schluss, dass Solidarität in der Belegschaft und Identifikation mit dem Unternehmen im kapitalistischen Vergleichsbetrieb höher ist. Die Kooperativen-Ideologie verschleiert die realen Machtverhältnisse zusätzlich und nimmt der Belegschaft so auch ihre Sprache. Offiziell sind ja alle Entscheidungen dem Willen der Generalversammlung geschuldet. Kasmirs Ergebnisse basieren auf Interviews. Sie hat darüberhinaus das gesamte Umfeld von Mondragon ethnografisch untersucht. 

Mondragon unterminiert tendenziell das Lohnniveau und arbeitsrechtliche Standards im Baskenland, weil es, der Kooperativen-Ideologie folgend, ja angeblich keine gewerkschaftliche Vertretung benötigt und sich mit gewerkschaftlichen Kämpfen im Baskenland laut Kasmir nicht solidarisiert. So zog sich Mondragon im Verlauf der 70er Jahre aus den heftigen Arbeitskämpfen (mehrere Generalstreiks am Ende der Franco-Diktatur) zurück. Die Ergebnisse von Kasmir hat später George Cheney bestätigt, der sich zugleich bemüht, die positiven Aspekte von Mondragon hervorzuheben (wo ich ihn weniger überzeugend finde).

Aus meiner Sicht ist das einzige, jedoch fragwürdige Positivum die bislang weitgehende Arbeitsplatzsicherheit für Mitglieder - zulasten der Nicht-Mitglieder.

Die Größe als solche halte ich nicht unbedingt für ein Problem. Das zeigt sich sogar in Mondragon: die Kooperation zwischen den Managements funktionierte relativ &quot;demokratisch&quot; (unter Ausschluss der Belegschaften freilich) bis zur Umstrukturierung in den 1990er Jahren.

Wirtschaft in Gemeinschaft behandeln wir als Konzept nicht und ist mir als solches auch noch nicht bekannt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Arno</p>
<p>Das Problem mit Mondragons &#8220;Drittem Weg&#8221; ist, dass er nicht die Klassenspaltung beseitigt hat und emanzipatorische Selbstorganisation sogar stärker behindert als dies in einem normalen kapitalistischen Unternehmen geschieht. </p>
<p>1. gibt es auch in Mondragon eine Kommandohierarchie. Daran ändert nichts, dass die Mitglieder alle gleiche Unternehmensanteile haben. Die Generalversammlung ist zwar das höchste Entscheidungsgremium. Das sieht aber so aus wie die Nationalratswahl in Österreich: &#8220;Demokratie&#8221; dient hier der Legitimation der Machtelite und ihrer Politik. Denn die GV bestätigt in der Regel die Vorschläge des Managements. Die Versammlungen werden in der Literatur (selbst bei Sympathisanten von Mondragon) als apathisch oder bloß formelle, inhaltlich weitgehend entleerte Rituale beschrieben.</p>
<p>Einzig die weitere Vergrößerung der Einkommensspanne (derzeit bei ca. 1:9) wurde bislang blockiert (aber vom Ausgangspunkt 1:3 schrittweise gelockert). Während die einfachen Mitglieder durch die hohe Arbeitslosigkeit in der Region relativ an die Kooperative gebunden sind, gilt das für das Management nicht im selben Maße, das relativ leicht in einen kapitalistischen Betrieb überwechseln kann (ein Umstand, der auch explizit als Drohung im Konfliktfall eingesetzt worden ist und als Argument für die beständigen Versuche, die Einkommensspanne auszuweiten, herhalten muss).</p>
<p>2. in Mondragon sind jedoch &#8211; dem &#8220;Dritten Weg&#8221; folgend &#8211; Streiks verboten. So kann das real existierende Management seine Maßnahmen deutlich besser umsetzen als in kapitalistischen Betrieben (deshalb nimmt es auch wenig Wunder, dass die Produktivität in der Kooperative höher ist als in vielen kapitalistischen Betrieben.) Dazu kommt, dass sogar eine autonome Vertretung der einfachen Belegschaft nicht erlaubt ist. Anstelle der üblichen Betriebsräte gibt es Sozialräte, die aber weit weniger Befugnisse und Ressourcen als ein Betriebsrat in einem kapitalistischen Unternehmen haben.</p>
<p>3. die Ideologie der Kooperative führt zu einer Verringerung der Solidarität, erstens innerhalb der Betriebe, zweitens im Außenverhältnis. Das hat gar nichts mit der Globalisierung zu tun, wie gemeinhin angenommen wird, obwohl die Globalisierung die Entsolidarisierung vermutlich noch beschleunigt hat, sondern wurde vom linken Flügel der ETA und in einer Stellungnahme des Sozialreferats der katholischen Kirche im Baskenland schon in den 1960er und 1970er Jahre kritisiert. </p>
<p>Der einzige Streik bei Mondragon fand 1974 statt und wurde weit schwerer geahndet als in einem kapitalistischen Betrieb. Dabei spielte der Konflikt zwischen linkem und rechtem Flügel der ETA und den linken und den rechten nationalistischen Strömungen eine wesentliche Rolle. Die Streikführerinnen (die Streikenden waren mehrheitlich Frauen) gehörten einer maoistischen Fraktion der ETA an, die sich von der ETA abspaltete, während viele Mondragon-Manager dem rechten Flügel der ETA angehörten (aus dem sich die heutige ETA entwickelte) oder der rechtskonservativ-nationalistischen PNV.</p>
<p>Die Belegschaft selbst bestätigte den Ausschluss der 17 Streikführerinnen (knapp 400 Mitglieder wurden bestraft) in wiederholten Generalversammlungen (die Streikführerinnen versuchten über Jahre hinweg ihre Wiederaufnahme zu erwirken). Auch nach dem Ende der Franco-Diktatur, als die kapitalistischen Betriebe per Gesetz verpflichtet waren, während der Diktatur entlassene Mitarbeiter_innen wieder einzustellen, blieb Mondragon bei seiner Politik &#8211; erneut mit dem Argument, dass sie sei ja eine Kooperative und kein kapitalistischer Betrieb. Es gibt mehrere Hinweise, dass Mondragon sogar schwarze Listen mit den Namen der Streikführerinnen im Baskenlang in Umlauf brachte. Die Sache geriet zum öffentlichen Skandal und auf Druck von Außen wurden die Streikführerinnen schließlich wieder eingestellt.</p>
<p>Offenbar führt die Kooperativen-Ideologie und &#8220;Eigentum in Arbeiterhand&#8221; zu einer Verbürgerlichung im Sinn einer Entsolidarisierung. Das war auch das erklärte Ziel von Pater Arizmendiarrieta, der eine Alternative zu der vor dem Entstehen von Mondragon militanten Arbeiterkultur in der Stadt Mondragon entwickeln wollte und eine Revolution mit dem Ziel einer Auflösung der Klassengesellschaft dezidiert ablehnte.</p>
<p>Sharryn Kasmir hat zwei vergleichbare Betriebe &#8211; der eine Kooperativen-Mitglied, der andere normal kapitalistisch &#8211; untersucht und kommt zum Schluss, dass Solidarität in der Belegschaft und Identifikation mit dem Unternehmen im kapitalistischen Vergleichsbetrieb höher ist. Die Kooperativen-Ideologie verschleiert die realen Machtverhältnisse zusätzlich und nimmt der Belegschaft so auch ihre Sprache. Offiziell sind ja alle Entscheidungen dem Willen der Generalversammlung geschuldet. Kasmirs Ergebnisse basieren auf Interviews. Sie hat darüberhinaus das gesamte Umfeld von Mondragon ethnografisch untersucht. </p>
<p>Mondragon unterminiert tendenziell das Lohnniveau und arbeitsrechtliche Standards im Baskenland, weil es, der Kooperativen-Ideologie folgend, ja angeblich keine gewerkschaftliche Vertretung benötigt und sich mit gewerkschaftlichen Kämpfen im Baskenland laut Kasmir nicht solidarisiert. So zog sich Mondragon im Verlauf der 70er Jahre aus den heftigen Arbeitskämpfen (mehrere Generalstreiks am Ende der Franco-Diktatur) zurück. Die Ergebnisse von Kasmir hat später George Cheney bestätigt, der sich zugleich bemüht, die positiven Aspekte von Mondragon hervorzuheben (wo ich ihn weniger überzeugend finde).</p>
<p>Aus meiner Sicht ist das einzige, jedoch fragwürdige Positivum die bislang weitgehende Arbeitsplatzsicherheit für Mitglieder &#8211; zulasten der Nicht-Mitglieder.</p>
<p>Die Größe als solche halte ich nicht unbedingt für ein Problem. Das zeigt sich sogar in Mondragon: die Kooperation zwischen den Managements funktionierte relativ &#8220;demokratisch&#8221; (unter Ausschluss der Belegschaften freilich) bis zur Umstrukturierung in den 1990er Jahren.</p>
<p>Wirtschaft in Gemeinschaft behandeln wir als Konzept nicht und ist mir als solches auch noch nicht bekannt.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Arno Niesner zu Solidarische statt „Gemeinwohl-Ökonomie“</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=3799&#038;cpage=1#comment-7791</link>
		<dc:creator>Arno Niesner</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Mar 2012 16:59:25 +0000</pubDate>
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		<description>Hallo Andreas,

danke für deinen Hinweis im letzten Satz. Ich sehe die Sache mit dem gescheiterten &quot;dritten Weg&quot; doch um einiges ideologiefreier. Das von Pater Arizmendiarrieta gedachte Wirtschaftsmodell auf der Basis eines ([wahrscheinlich mehr] assoziativen [eine Vermutung von mir - vielleicht weißt du da mehr?]) Zusammenschlusses von Unternehmen mit der maximalen Größe eines KMU scheiterte in seiner Umsetzung &quot;ganz einfach nur&quot; aus organisationsstrukturellen Gegebenheiten. Das liegt doch in der Natur der Sache, dass ein &quot;dritter Weg&quot; niemals in der Form eines Konzerns lebendig werden kann. Doch diese Auswirkungen übertragener genossenschaftlicher Prinzipien auf ein wachsendes Unternehmensnetzwerk wurden vom Pater vermutlich nicht gesehen. Selbstverständlich kann es sich bei einem Wirtschaftsmodell, das auf eklektizistische Weise die Vorteile des Kapitalismus mit jenen des Sozialismus zu verbinden sucht, nicht um ein Konzernmodell handeln. Vielmehr darf der &quot;dritte Weg&quot; - will er erfolgreich sein - nicht mehr als eine rahmengebende Infrastruktur sein. Zumindestens sind das meine Schlüsse aus den bisherigen Erfahrungen, die ich nun versuche ins oekosozialmarkt-Modell einfließen zu lassen.

Übrigens: hast du in deinem Buch mit Brigitte auch die &quot;Wirtschaft in Gemeinschaft&quot; erwähnt?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Andreas,</p>
<p>danke für deinen Hinweis im letzten Satz. Ich sehe die Sache mit dem gescheiterten &#8220;dritten Weg&#8221; doch um einiges ideologiefreier. Das von Pater Arizmendiarrieta gedachte Wirtschaftsmodell auf der Basis eines ([wahrscheinlich mehr] assoziativen [eine Vermutung von mir - vielleicht weißt du da mehr?]) Zusammenschlusses von Unternehmen mit der maximalen Größe eines KMU scheiterte in seiner Umsetzung &#8220;ganz einfach nur&#8221; aus organisationsstrukturellen Gegebenheiten. Das liegt doch in der Natur der Sache, dass ein &#8220;dritter Weg&#8221; niemals in der Form eines Konzerns lebendig werden kann. Doch diese Auswirkungen übertragener genossenschaftlicher Prinzipien auf ein wachsendes Unternehmensnetzwerk wurden vom Pater vermutlich nicht gesehen. Selbstverständlich kann es sich bei einem Wirtschaftsmodell, das auf eklektizistische Weise die Vorteile des Kapitalismus mit jenen des Sozialismus zu verbinden sucht, nicht um ein Konzernmodell handeln. Vielmehr darf der &#8220;dritte Weg&#8221; &#8211; will er erfolgreich sein &#8211; nicht mehr als eine rahmengebende Infrastruktur sein. Zumindestens sind das meine Schlüsse aus den bisherigen Erfahrungen, die ich nun versuche ins oekosozialmarkt-Modell einfließen zu lassen.</p>
<p>Übrigens: hast du in deinem Buch mit Brigitte auch die &#8220;Wirtschaft in Gemeinschaft&#8221; erwähnt?</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Andreas Exner zu Solidarische statt „Gemeinwohl-Ökonomie“</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=3799&#038;cpage=1#comment-7780</link>
		<dc:creator>Andreas Exner</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 07:12:24 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.social-innovation.org/?p=3799#comment-7780</guid>
		<description>hi arno, zu mondragon hab ich eine längere fallstudie gemacht, in hinblick auf das buch mit brigitte kratzwald &quot;Solidarische Ökonomie und Commons&quot;, das im frühjahr bei mandelbaum erscheinen wird. diese fallstudie ist nur sehr verkürzt in das buch eingeflossen (als abschnitt) und das gesammelte material mit vollen quellenverweisen möchte ich einer zeitschrift anbieten bevor ich es online stelle (vermutlich zuerst mal den grundrissen). meine persönliche erfahrung war, dass ich mondragon zu positiv eingeschätzt hatte und ich glaube, es wird hier viel voneinander abgeschrieben, weshalb sich ein bestimmtes image dann reproduziert. eine schlüsselstudie zu mondragon stammt von sharryn kasmir, &quot;the myth of mondragon&quot;, vieles wird in george cheney &quot;values at work&quot; bestätigt (allerdings ist sein bemühen deutlich, die positiven seiten von mondragon - die mir nicht mehr so positiv scheinen - stärker zu beleuchten). beachtlich ist die weitgehende arbeitsplatzsicherheit, die mondragon seinen mitgliedern gewährt - allerdings zu lasten der nicht-mitglieder innerhalb und außerhalb des baskenlandes. mein verweis auf den &quot;dritten weg&quot; bezieht sich auf den katholischen, anti-kommunistischen nationalismus, dem pater arizmendiarrieta zuzurechnen ist, der mondragon initiierte und die ideologische vor- und begleitarbeit leistete.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>hi arno, zu mondragon hab ich eine längere fallstudie gemacht, in hinblick auf das buch mit brigitte kratzwald &#8220;Solidarische Ökonomie und Commons&#8221;, das im frühjahr bei mandelbaum erscheinen wird. diese fallstudie ist nur sehr verkürzt in das buch eingeflossen (als abschnitt) und das gesammelte material mit vollen quellenverweisen möchte ich einer zeitschrift anbieten bevor ich es online stelle (vermutlich zuerst mal den grundrissen). meine persönliche erfahrung war, dass ich mondragon zu positiv eingeschätzt hatte und ich glaube, es wird hier viel voneinander abgeschrieben, weshalb sich ein bestimmtes image dann reproduziert. eine schlüsselstudie zu mondragon stammt von sharryn kasmir, &#8220;the myth of mondragon&#8221;, vieles wird in george cheney &#8220;values at work&#8221; bestätigt (allerdings ist sein bemühen deutlich, die positiven seiten von mondragon &#8211; die mir nicht mehr so positiv scheinen &#8211; stärker zu beleuchten). beachtlich ist die weitgehende arbeitsplatzsicherheit, die mondragon seinen mitgliedern gewährt &#8211; allerdings zu lasten der nicht-mitglieder innerhalb und außerhalb des baskenlandes. mein verweis auf den &#8220;dritten weg&#8221; bezieht sich auf den katholischen, anti-kommunistischen nationalismus, dem pater arizmendiarrieta zuzurechnen ist, der mondragon initiierte und die ideologische vor- und begleitarbeit leistete.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Arno Niesner zu Solidarische statt „Gemeinwohl-Ökonomie“</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=3799&#038;cpage=1#comment-7778</link>
		<dc:creator>Arno Niesner</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Mar 2012 15:35:40 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.social-innovation.org/?p=3799#comment-7778</guid>
		<description>Hallo Andreas,

so schlimm stufe ich Mondragòn nicht ein, dass es mir als Beispiel für Defizite beim Versuch solidarisch zu wirtschaften dient. Unterm Strich ist Mondragòn in vielerlei Hinsicht sehr erfolgreich, trotz - oder vielleicht auch gerade wegen - der hohen Ansprüche.

Interessiert bin ich an deiner Interpretation, was am &quot;Dritten Weg&quot; so verfänglich ist. Vielleicht kannst du mir einen Linkhinweis zu deinem angekündigten Beitrag zukommen lassen. Danke.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Andreas,</p>
<p>so schlimm stufe ich Mondragòn nicht ein, dass es mir als Beispiel für Defizite beim Versuch solidarisch zu wirtschaften dient. Unterm Strich ist Mondragòn in vielerlei Hinsicht sehr erfolgreich, trotz &#8211; oder vielleicht auch gerade wegen &#8211; der hohen Ansprüche.</p>
<p>Interessiert bin ich an deiner Interpretation, was am &#8220;Dritten Weg&#8221; so verfänglich ist. Vielleicht kannst du mir einen Linkhinweis zu deinem angekündigten Beitrag zukommen lassen. Danke.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von helmut kraus zu Attac = Christian Felber = Gemeinwohlökonomie. Zur Monologie eines Promotionapparats</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=2255&#038;cpage=1#comment-7760</link>
		<dc:creator>helmut kraus</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Mar 2012 16:40:25 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.social-innovation.org/?p=2255#comment-7760</guid>
		<description>Anti-Felber – oder die Sekte der Fetischisten  
Februar 2012
Man fürchte sich vor den bewegten Bürgern, denn sie wissen nicht was sie tun. Der engagierte „Bürger“ meint es stets gut. Er bleibt aber stets „Staatsbürger“, Staatsfetischist und wirft im besten Falle der Welt Mangel an Moral vor. Durch mehr Moral und „Anständigkeit“ sollte diese Welt gesunden. Er kennt seine eigenen Voraussetzungen nicht. Er glaubt im Kern, dass wir in der besten aller Welten leben. Diese Welt habe doch die Menschenrechte, die Demokratie und das Licht der Aufklärung hervorgebracht. So schlecht kann sie also gar nicht sein. Christian Felber ist so ein moralschwangerer Bürger. Er meint ausdrücklich, dass man sich an der bayrischen Verfassung orientieren könnte. Hier stünde doch etwas von der Verpflichtung zum Gemeinwohl. Die Wirtschaft sollte sich dieser Idee doch endlich annehmen.  Man müsse nur die Bürger und bürgerlichen Einrichtungen beim Wort nehmen. So die radikale Forderung von Felber. Vor protestierenden Studenten konstatiert er in radikaler Offenlegung, dass der Staat leider Unternehmer im globalen Netzwerk sei. Dagegen müssten Forderungen nach Demokratie und Gemeinwohlökonomie erhoben werden. Nein, nicht nur fordern sondern selbst aktiv werden. Es gibt hier praktikable Ideen zum sofortigen Handeln. Felber ist ein Mann der Tat.  Der staatstreue Bürger verkündet hier seine Unwahrheiten. 

Es geht um eine „Bewegung“, die aus ATTAC hervorgewachsen ist und heuten auf den Christian Felber oder Hund gekommen ist. Einst eine lose Zusammensetzung von vielen jungen Globalisierungskritikern mit noch relativ offener Bestimmung, aber heute mit Felber an der Spitze zu einer Bankenkeileraktivität geworden. Auch der superkonservative CDUler Heiner Geißler ist seit 2007 prominentes Attac-Mitglied. Das hat  schon den eingeschlagenen Weg sichtbar gemacht. Wortradikalität und Fundamentalkonservativismus gehen zusammen. So hat der einstige Hardliner und „Linkenfresser“ Heiner Geißler kein Problem gewisse Oberflächenerscheinungen „scharf“ zu kritisieren, an ihnen eine Oberflächenkritik zu üben und stets vom Wesen, vom Treibenden abzulenken. Unter einer ungeheuren Menge von „reinen Fakten“ soll der tatsächliche Charakter der Gesellschaft begraben werden. Diese Methode wenden die Scheinkritiker Jean Ziegler, Josef Stieglitz und ebenso Christian Felber an. So Geißler 2002 im „Schwarzbuch Straße“: „Pervers bis zum Irrsinn ist der Transit in den Alpen. Ex und Hopp: Belgien exportiert über 300.000 Schweine zur Schlachtung in die italienische Po-Ebene, wo sie mit Milch, die aus Deutschland in Tankwagen angeliefert wird, gemästet und dann als Parmaschinken, wiederum per LKW, nach Norden transportiert werden. 1.800 Tonnen holländische Tomaten werden jährlich nach Italien geliefert und im Gegenzug 12.500 Tonnen italienische Tomaten nach Deutschland.“ Hier der eindrucksvolle Versuch mit „Sachkenntnis“ zu punkten und  die Sache selbst zum Verschwinden zu bringen. Die Sache wäre in Wirklichkeit die darin zum Vorschein kommende Wertgesetzlichkeit der ganzen Veranstaltung. Nicht die Oberflächenerscheinung eines verrückten und zerstörerischen Transits ist pervers, sondern, das darin zum Ausdruck kommende Verwertungs- und Wertgesetz. Die Jagd nach den besten Verwertungsbedingungen. Davon soll aber nicht gesprochen werden. In die Tiefe soll das Denken nicht gehen, nicht das Ganze soll in Frage gestellt werden. Nicht die Wertabspaltung, nicht das warenproduzierende Patriarchat, nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit, die nicht in den Erscheinungen aufgeht, soll ins Visier genommen werden. Es soll nur der „bürgerliche“ kritische Geist geweckt werden, der fetischistisch an die Bedingungen seines Seins glaubt. Gleiches passiert bei Felber mit seinen Rettungsprogrammen. Das Spiel mit den „Fakten“. 
Von Anfang an gab es die Debatte um den strukturellen Antisemitismus in der Grundstruktur von ATTAC. Im Zentrum stand immer eine oberflächliche Spekulantenkritik, die stets auf breite Zustimmung stieß. Mit der Spekulantenkritik ersparte man sich eine fundamentale und wirkliche Kritik der Verhältnisse. Diese Ersatzkritik war mit den Verhältnissen vereinbar und ungefährlich. Hollywood hat es gespielt von Wall Street bis zum aktuellen Big Crash. Für Seelenschmalz reicht es immer noch aus.  Heute versucht Felber und seine „demokratische Bank“ mit den „gemeinwohlorientierten“ UnternehmerInnen die Früchte zu ernten. 

Christian Felber ist zum Prediger dieser „Bewegung“ geworden. Er läuft auf Hochtouren von einer Predigt zur anderen.  Er verkauft sie im wahrsten Sinne des Wortes als seine Ideen, die sich durch eine ungeheure Plattheit, verführerische Vereinfachung und Verdrehung der Wirklichkeit auszeichnet. Wie viele biedert er sich als Kapitalismusretter an. Der Kapitalismus ist am Ende  und jetzt gibt es eine Chance als Arzt am Totenbett des untergehenden Systems gefragt zu werden. Morgenluft für Retter? Mit dieser Plattheit wird bei den Grünen, Wirtschaftsverbänden und religiösen Zusammenhängen im wahrsten Sinne hausiert.(„mit 1000 Euro können sie sich schon beteiligen“)  Er bewegt sich gerne in konservativen und unbedarften Kreisen in denen er sich sogar als Linksradikaler verdächtig machen möchte.(Diskussion in Salzburg) Er möchte gern als radikaler Kritiker anerkannt werden, seine Aktualität ins rechte Licht setzen, aber stets betonen, dass schließlich sich keiner fürchten bräuchte, weil ja alles beim alten bliebe. Er schnurrt als ATTAC -Vertreter Solidarisches bei den Studentenaktivitäten an der Uni ab. Er surft auf der Welle der völligen Unbedarftheit seines Publikums, das selbst das traurige Ergebnis einer jahrzehntelangen Denkpause ist. Er ist ein Ergebnis der postmodernen Belanglosigkeit mit ihrer gemeingefährlichen Oberflächlichkeit.
Das Felberphänomen ist nicht harmlos. Es verklebt das Denken, lenkt ab und produziert ein völlig verdrehtes Bild von dieser Gesellschaft in der wir leben. Einem Raubtierphänomen soll die Zwangsjacke des frommen Lammes umgehängt werden.  Unter Beibehaltung aller kapitalistischer Eigenheiten und Wesensbestandteile soll das „System“ verändert werden. Wir  brauchen aber ein richtiges Bild von dieser Gesellschaft und von den Insassen dieser Welt, die wir selber sind. 
Mit einem falschen Bild werden wir uns keinen Millimeter aus den mörderischen Kategorien herausbewegen können. Durch Umdefinition lassen sich die Kategorien nicht entschärfen. Attac und Felber garantieren, dass man an den Kategorien haften bleibt und sich schreckliche Illusionen über die Wirkweisen der gesellschaftlichen Dynamik macht. Also ein durch und durch bürgerlichen Phänomen. Bis zu einem gewissen Grad sogar noch eine abstoßende Krisengewinnlerbewegung, die die Widersprüche auf die alten und ausgemergelten Mühlen lenken möchte. Eine müde Sache, die sich alternativ geben möchte und die sich in der Krise noch an jene richtet, die noch etwas Geld aufbringen können, um in „alternativen“ Banken ihr Geldheil suchen.  Attac reiht sich ein in die immer größer werdende Schar der Kapitalismusretter. Das neuere Buch von Felber: „Retten wir den Euro“ (2012)
In seinen langen, salbungsvollen und fast religiös anmutenden Vorträgen betont er stets den Unterschied zwischen den “systemrelevanten Banken“ und den notwendigen Banken, die sich wieder dem Kerngeschäft der Geldversorgung widmen sollten. 

Wie geht das Spiel?
In fast allen Kritiken der jetzigen Globalkrise geht es um die Loslösung der inneren Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise vom Finanzkapital. Das Finanzkapital, das Geld und schließlich das Zinssystem seien an der Krise schuld. So einfach ist das. Jean Ziegler war schon immer dafür „Ross und Reiter“ zu nennen, die Schuldigen ausfindig zu machen und die Verhältnisse zu personalisieren. Durch diese Trennung wird die Sache tatsächlich gefährlich und kommt in die Nähe faschistischer Denkweise, die immer schon die Produktionsweise rausgenommen hat und in der direkten Personifikation bis zum rassistischen Massenmord die „Klärung“ gefunden hat.  Felber scheut sich nicht den von den Nazis so beliebten und eindeutig rassistisch verstandenen Begriff der Plutokratie wieder zu verwenden. „Dann wird die Propaganda der Plutograten, der freie Kapitalverkehr sei ein Naturgesetz, entlarvt und wirkungslos“ (Retten wir den Euro-Seite 78).  Die Macht des Geldes sei also Schuld. Man gibt sich antikapitalistisch und verteidigt ihn zugleich. Damit zielt man gleich auf die entsprechenden Teile der Gesellschaft, personifiziert und lässt die Produktionsweise aus der Betrachtung. So haben es die Faschisten gemacht und sind mit dem „Volksvorurteil“(Marx) erfolgreich propagandistisch geworden. Um dieses alte „Volksvorurteil“ geht es hier wieder. 

Der Kapitalismus sei doch von Menschen gemacht, leider fehlgeleitet durch falsche Ideologie und nun gelte es das systemisch falsch Geleitete auf die richtigen Bahnen zu bringen- Im Kern durch eine Bankenbewegung mit moralischen Prinzipien, denn die Banken seien bloß von ihren eigentlichen Aufgaben abgekommen, spekulativ geworden und das Geld wurde von einem reinen Mittel des Tausches zum Selbstzweck. Banken müssen also wieder zum „Kerngeschäft“ zurück und das Geld wieder zum eigentlichen Kern des Tauschmittels gemacht werden. Der Markt soll bleiben, nur nicht spekulativen Geldgeschäften ausgeliefert. Die „systemrelevanten Banken“ müssen zurückgedrängt werden und die „guten Banken“ (im Gegensatz zu den &gt;bad banksauf dem Wert beruhenden Produktionsweiseautomatisches SubjektRealisationArbeit&lt;, die ihre Rückverwandlung in die Geldform durchlaufen muss. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Begriffe Kapitalismus (Kapitalverhältnis oder kapitalistische Produktionsweise), Wertvergesellschaftung, warenproduzierendes System, Marktwirtschaft, Arbeitsgesellschaft und Leistungsgesellschaft nur verschiedene Aspekte ein- und derselben Fetisch-Konstitution der modernen Gesellschaftsform bezeichnen.“ Wer sich weigert von diesem System zu sprechen und stattdessen von einem „System mit falschem Leitstern“ faselt, der will gar nicht von den wirklichen Voraussetzungen reden, sondern kritiklos die Bedingungen seines blinden Handelns akzeptieren. Ganz wie es einst Herr Raiffeisen meinte: „Wir wollen uns die guten alten Zeiten nicht zurückwünschen. Unsere Zeit ist ebenso gut, ja besser. Man kommt überhaupt am besten vorwärts, wenn man Verhältnisse, welche man nicht ändern kann, nimmt, wie sie sind, und möglichst viele Vorteile aus ihnen zu ziehen versucht. So auch mit unserer Zeit.“ (1866) 
Ganz im Gegensatz zur Definition des Marktes bei Robert Kurz als Ort der Realisierung des „gesellschaftlichen Mehrwerts“ formt Attac-Felber die Wirklichkeit nach seinem Gutdünken um:

„Für mich ist der Markt zunächst ein Begegnungs- und Beziehungsraum von Menschen. Wie sich die Menschen dort begegnen und wie sie ihre Beziehungen gestalten, ist durch kein Naturgesetz vorgegeben. Die derzeit dominante Form ist Eigennutzstreben und Konkurrenz – das lehnen wir gemeinsam ab. Eine andere Möglichkeit ist gegenseitige Hilfe und Kooperation, wie bei einem Picknick, wie in der Nachbarschaft, wie zwischen solidarischen Betrieben.“
Die Wirklichkeit ist diametral. Jeder, der vom Markt redet muss auch von Marktgesetzen reden, von der „Natur“ des Marktes. Da hilft keine gute Absicht und dort werden schon gar nicht „Beziehungen gestaltet“. Hier wird die warenproduzierende Gewaltgesellschaft zu einem Plüschtier umdefiniert.
Felber ist gegenüber der realen Wirklichkeit frei: 

„Ich nehme mir die Freiheit, eine diametral entgegen gesetzte Konstruktion des Marktes, eine grundlegende Neugestaltung der ökonomischen Beziehungen zu denken und vorzuschlagen.“

Man braucht sich also nur in den „guten Banken“ zusammenschließen“, sein „gutes Geld“ investieren und dem „guten Willen“ zum Durchbruch verhelfen. Der Bankenvertreter mit dem sanften Gesicht und menschlichen Image erobert die Welt. Das Gemeinwohl als Logo. Die Allmachtsphantasie des Geldmenschen.  So Felber:

„Je fortgeschrittener aber die Gemeinwohl-Ökonomie, desto sauberer werden alle Wirtschaftsakteure, weil sich schmutzige Geschäfte schlicht nicht mehr rentieren.“

Die Welt ist gerettet. 
Nur mit militanter Ignoranz lässt sich so ein Programm formulieren. Der aktive Bürger hat sich noch nie um seine Voraussetzungen gekümmert. Das ist die Freiheit nach Felber.

Für diese Freiheit braucht man aber auch ein entsprechendes Publikum.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Anti-Felber – oder die Sekte der Fetischisten<br />
Februar 2012<br />
Man fürchte sich vor den bewegten Bürgern, denn sie wissen nicht was sie tun. Der engagierte „Bürger“ meint es stets gut. Er bleibt aber stets „Staatsbürger“, Staatsfetischist und wirft im besten Falle der Welt Mangel an Moral vor. Durch mehr Moral und „Anständigkeit“ sollte diese Welt gesunden. Er kennt seine eigenen Voraussetzungen nicht. Er glaubt im Kern, dass wir in der besten aller Welten leben. Diese Welt habe doch die Menschenrechte, die Demokratie und das Licht der Aufklärung hervorgebracht. So schlecht kann sie also gar nicht sein. Christian Felber ist so ein moralschwangerer Bürger. Er meint ausdrücklich, dass man sich an der bayrischen Verfassung orientieren könnte. Hier stünde doch etwas von der Verpflichtung zum Gemeinwohl. Die Wirtschaft sollte sich dieser Idee doch endlich annehmen.  Man müsse nur die Bürger und bürgerlichen Einrichtungen beim Wort nehmen. So die radikale Forderung von Felber. Vor protestierenden Studenten konstatiert er in radikaler Offenlegung, dass der Staat leider Unternehmer im globalen Netzwerk sei. Dagegen müssten Forderungen nach Demokratie und Gemeinwohlökonomie erhoben werden. Nein, nicht nur fordern sondern selbst aktiv werden. Es gibt hier praktikable Ideen zum sofortigen Handeln. Felber ist ein Mann der Tat.  Der staatstreue Bürger verkündet hier seine Unwahrheiten. </p>
<p>Es geht um eine „Bewegung“, die aus ATTAC hervorgewachsen ist und heuten auf den Christian Felber oder Hund gekommen ist. Einst eine lose Zusammensetzung von vielen jungen Globalisierungskritikern mit noch relativ offener Bestimmung, aber heute mit Felber an der Spitze zu einer Bankenkeileraktivität geworden. Auch der superkonservative CDUler Heiner Geißler ist seit 2007 prominentes Attac-Mitglied. Das hat  schon den eingeschlagenen Weg sichtbar gemacht. Wortradikalität und Fundamentalkonservativismus gehen zusammen. So hat der einstige Hardliner und „Linkenfresser“ Heiner Geißler kein Problem gewisse Oberflächenerscheinungen „scharf“ zu kritisieren, an ihnen eine Oberflächenkritik zu üben und stets vom Wesen, vom Treibenden abzulenken. Unter einer ungeheuren Menge von „reinen Fakten“ soll der tatsächliche Charakter der Gesellschaft begraben werden. Diese Methode wenden die Scheinkritiker Jean Ziegler, Josef Stieglitz und ebenso Christian Felber an. So Geißler 2002 im „Schwarzbuch Straße“: „Pervers bis zum Irrsinn ist der Transit in den Alpen. Ex und Hopp: Belgien exportiert über 300.000 Schweine zur Schlachtung in die italienische Po-Ebene, wo sie mit Milch, die aus Deutschland in Tankwagen angeliefert wird, gemästet und dann als Parmaschinken, wiederum per LKW, nach Norden transportiert werden. 1.800 Tonnen holländische Tomaten werden jährlich nach Italien geliefert und im Gegenzug 12.500 Tonnen italienische Tomaten nach Deutschland.“ Hier der eindrucksvolle Versuch mit „Sachkenntnis“ zu punkten und  die Sache selbst zum Verschwinden zu bringen. Die Sache wäre in Wirklichkeit die darin zum Vorschein kommende Wertgesetzlichkeit der ganzen Veranstaltung. Nicht die Oberflächenerscheinung eines verrückten und zerstörerischen Transits ist pervers, sondern, das darin zum Ausdruck kommende Verwertungs- und Wertgesetz. Die Jagd nach den besten Verwertungsbedingungen. Davon soll aber nicht gesprochen werden. In die Tiefe soll das Denken nicht gehen, nicht das Ganze soll in Frage gestellt werden. Nicht die Wertabspaltung, nicht das warenproduzierende Patriarchat, nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit, die nicht in den Erscheinungen aufgeht, soll ins Visier genommen werden. Es soll nur der „bürgerliche“ kritische Geist geweckt werden, der fetischistisch an die Bedingungen seines Seins glaubt. Gleiches passiert bei Felber mit seinen Rettungsprogrammen. Das Spiel mit den „Fakten“.<br />
Von Anfang an gab es die Debatte um den strukturellen Antisemitismus in der Grundstruktur von ATTAC. Im Zentrum stand immer eine oberflächliche Spekulantenkritik, die stets auf breite Zustimmung stieß. Mit der Spekulantenkritik ersparte man sich eine fundamentale und wirkliche Kritik der Verhältnisse. Diese Ersatzkritik war mit den Verhältnissen vereinbar und ungefährlich. Hollywood hat es gespielt von Wall Street bis zum aktuellen Big Crash. Für Seelenschmalz reicht es immer noch aus.  Heute versucht Felber und seine „demokratische Bank“ mit den „gemeinwohlorientierten“ UnternehmerInnen die Früchte zu ernten. </p>
<p>Christian Felber ist zum Prediger dieser „Bewegung“ geworden. Er läuft auf Hochtouren von einer Predigt zur anderen.  Er verkauft sie im wahrsten Sinne des Wortes als seine Ideen, die sich durch eine ungeheure Plattheit, verführerische Vereinfachung und Verdrehung der Wirklichkeit auszeichnet. Wie viele biedert er sich als Kapitalismusretter an. Der Kapitalismus ist am Ende  und jetzt gibt es eine Chance als Arzt am Totenbett des untergehenden Systems gefragt zu werden. Morgenluft für Retter? Mit dieser Plattheit wird bei den Grünen, Wirtschaftsverbänden und religiösen Zusammenhängen im wahrsten Sinne hausiert.(„mit 1000 Euro können sie sich schon beteiligen“)  Er bewegt sich gerne in konservativen und unbedarften Kreisen in denen er sich sogar als Linksradikaler verdächtig machen möchte.(Diskussion in Salzburg) Er möchte gern als radikaler Kritiker anerkannt werden, seine Aktualität ins rechte Licht setzen, aber stets betonen, dass schließlich sich keiner fürchten bräuchte, weil ja alles beim alten bliebe. Er schnurrt als ATTAC -Vertreter Solidarisches bei den Studentenaktivitäten an der Uni ab. Er surft auf der Welle der völligen Unbedarftheit seines Publikums, das selbst das traurige Ergebnis einer jahrzehntelangen Denkpause ist. Er ist ein Ergebnis der postmodernen Belanglosigkeit mit ihrer gemeingefährlichen Oberflächlichkeit.<br />
Das Felberphänomen ist nicht harmlos. Es verklebt das Denken, lenkt ab und produziert ein völlig verdrehtes Bild von dieser Gesellschaft in der wir leben. Einem Raubtierphänomen soll die Zwangsjacke des frommen Lammes umgehängt werden.  Unter Beibehaltung aller kapitalistischer Eigenheiten und Wesensbestandteile soll das „System“ verändert werden. Wir  brauchen aber ein richtiges Bild von dieser Gesellschaft und von den Insassen dieser Welt, die wir selber sind.<br />
Mit einem falschen Bild werden wir uns keinen Millimeter aus den mörderischen Kategorien herausbewegen können. Durch Umdefinition lassen sich die Kategorien nicht entschärfen. Attac und Felber garantieren, dass man an den Kategorien haften bleibt und sich schreckliche Illusionen über die Wirkweisen der gesellschaftlichen Dynamik macht. Also ein durch und durch bürgerlichen Phänomen. Bis zu einem gewissen Grad sogar noch eine abstoßende Krisengewinnlerbewegung, die die Widersprüche auf die alten und ausgemergelten Mühlen lenken möchte. Eine müde Sache, die sich alternativ geben möchte und die sich in der Krise noch an jene richtet, die noch etwas Geld aufbringen können, um in „alternativen“ Banken ihr Geldheil suchen.  Attac reiht sich ein in die immer größer werdende Schar der Kapitalismusretter. Das neuere Buch von Felber: „Retten wir den Euro“ (2012)<br />
In seinen langen, salbungsvollen und fast religiös anmutenden Vorträgen betont er stets den Unterschied zwischen den “systemrelevanten Banken“ und den notwendigen Banken, die sich wieder dem Kerngeschäft der Geldversorgung widmen sollten. </p>
<p>Wie geht das Spiel?<br />
In fast allen Kritiken der jetzigen Globalkrise geht es um die Loslösung der inneren Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise vom Finanzkapital. Das Finanzkapital, das Geld und schließlich das Zinssystem seien an der Krise schuld. So einfach ist das. Jean Ziegler war schon immer dafür „Ross und Reiter“ zu nennen, die Schuldigen ausfindig zu machen und die Verhältnisse zu personalisieren. Durch diese Trennung wird die Sache tatsächlich gefährlich und kommt in die Nähe faschistischer Denkweise, die immer schon die Produktionsweise rausgenommen hat und in der direkten Personifikation bis zum rassistischen Massenmord die „Klärung“ gefunden hat.  Felber scheut sich nicht den von den Nazis so beliebten und eindeutig rassistisch verstandenen Begriff der Plutokratie wieder zu verwenden. „Dann wird die Propaganda der Plutograten, der freie Kapitalverkehr sei ein Naturgesetz, entlarvt und wirkungslos“ (Retten wir den Euro-Seite 78).  Die Macht des Geldes sei also Schuld. Man gibt sich antikapitalistisch und verteidigt ihn zugleich. Damit zielt man gleich auf die entsprechenden Teile der Gesellschaft, personifiziert und lässt die Produktionsweise aus der Betrachtung. So haben es die Faschisten gemacht und sind mit dem „Volksvorurteil“(Marx) erfolgreich propagandistisch geworden. Um dieses alte „Volksvorurteil“ geht es hier wieder. </p>
<p>Der Kapitalismus sei doch von Menschen gemacht, leider fehlgeleitet durch falsche Ideologie und nun gelte es das systemisch falsch Geleitete auf die richtigen Bahnen zu bringen- Im Kern durch eine Bankenbewegung mit moralischen Prinzipien, denn die Banken seien bloß von ihren eigentlichen Aufgaben abgekommen, spekulativ geworden und das Geld wurde von einem reinen Mittel des Tausches zum Selbstzweck. Banken müssen also wieder zum „Kerngeschäft“ zurück und das Geld wieder zum eigentlichen Kern des Tauschmittels gemacht werden. Der Markt soll bleiben, nur nicht spekulativen Geldgeschäften ausgeliefert. Die „systemrelevanten Banken“ müssen zurückgedrängt werden und die „guten Banken“ (im Gegensatz zu den &gt;bad banksauf dem Wert beruhenden Produktionsweiseautomatisches SubjektRealisationArbeit&lt;, die ihre Rückverwandlung in die Geldform durchlaufen muss. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Begriffe Kapitalismus (Kapitalverhältnis oder kapitalistische Produktionsweise), Wertvergesellschaftung, warenproduzierendes System, Marktwirtschaft, Arbeitsgesellschaft und Leistungsgesellschaft nur verschiedene Aspekte ein- und derselben Fetisch-Konstitution der modernen Gesellschaftsform bezeichnen.“ Wer sich weigert von diesem System zu sprechen und stattdessen von einem „System mit falschem Leitstern“ faselt, der will gar nicht von den wirklichen Voraussetzungen reden, sondern kritiklos die Bedingungen seines blinden Handelns akzeptieren. Ganz wie es einst Herr Raiffeisen meinte: „Wir wollen uns die guten alten Zeiten nicht zurückwünschen. Unsere Zeit ist ebenso gut, ja besser. Man kommt überhaupt am besten vorwärts, wenn man Verhältnisse, welche man nicht ändern kann, nimmt, wie sie sind, und möglichst viele Vorteile aus ihnen zu ziehen versucht. So auch mit unserer Zeit.“ (1866)<br />
Ganz im Gegensatz zur Definition des Marktes bei Robert Kurz als Ort der Realisierung des „gesellschaftlichen Mehrwerts“ formt Attac-Felber die Wirklichkeit nach seinem Gutdünken um:</p>
<p>„Für mich ist der Markt zunächst ein Begegnungs- und Beziehungsraum von Menschen. Wie sich die Menschen dort begegnen und wie sie ihre Beziehungen gestalten, ist durch kein Naturgesetz vorgegeben. Die derzeit dominante Form ist Eigennutzstreben und Konkurrenz – das lehnen wir gemeinsam ab. Eine andere Möglichkeit ist gegenseitige Hilfe und Kooperation, wie bei einem Picknick, wie in der Nachbarschaft, wie zwischen solidarischen Betrieben.“<br />
Die Wirklichkeit ist diametral. Jeder, der vom Markt redet muss auch von Marktgesetzen reden, von der „Natur“ des Marktes. Da hilft keine gute Absicht und dort werden schon gar nicht „Beziehungen gestaltet“. Hier wird die warenproduzierende Gewaltgesellschaft zu einem Plüschtier umdefiniert.<br />
Felber ist gegenüber der realen Wirklichkeit frei: </p>
<p>„Ich nehme mir die Freiheit, eine diametral entgegen gesetzte Konstruktion des Marktes, eine grundlegende Neugestaltung der ökonomischen Beziehungen zu denken und vorzuschlagen.“</p>
<p>Man braucht sich also nur in den „guten Banken“ zusammenschließen“, sein „gutes Geld“ investieren und dem „guten Willen“ zum Durchbruch verhelfen. Der Bankenvertreter mit dem sanften Gesicht und menschlichen Image erobert die Welt. Das Gemeinwohl als Logo. Die Allmachtsphantasie des Geldmenschen.  So Felber:</p>
<p>„Je fortgeschrittener aber die Gemeinwohl-Ökonomie, desto sauberer werden alle Wirtschaftsakteure, weil sich schmutzige Geschäfte schlicht nicht mehr rentieren.“</p>
<p>Die Welt ist gerettet.<br />
Nur mit militanter Ignoranz lässt sich so ein Programm formulieren. Der aktive Bürger hat sich noch nie um seine Voraussetzungen gekümmert. Das ist die Freiheit nach Felber.</p>
<p>Für diese Freiheit braucht man aber auch ein entsprechendes Publikum.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Kommentare von Andreas Exner zu Solidarische statt „Gemeinwohl-Ökonomie“</title>
		<link>http://www.social-innovation.org/?p=3799&#038;cpage=1#comment-7756</link>
		<dc:creator>Andreas Exner</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 11:05:40 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.social-innovation.org/?p=3799#comment-7756</guid>
		<description>Danke, Arno: Mondragòn ist eigentlich eher ein Beispiel, welche Defizite Versuche Solidarischer Ökonomien haben können. Die sind in dem Fall gar nicht auf die Globalisierung (wie oft angenommen wird) zurückzuführen, sondern sind schon in dem von Dir besagten &quot;Dritten Weg&quot; enthalten. Ich werde dazu in den kommenden Tage was posten.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Danke, Arno: Mondragòn ist eigentlich eher ein Beispiel, welche Defizite Versuche Solidarischer Ökonomien haben können. Die sind in dem Fall gar nicht auf die Globalisierung (wie oft angenommen wird) zurückzuführen, sondern sind schon in dem von Dir besagten &#8220;Dritten Weg&#8221; enthalten. Ich werde dazu in den kommenden Tage was posten.</p>
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