Peak Metal

von Andreas Exner

Allerorten wird Knappheit beklagt. Von der EU allen voran. Ihre Rohstoffinitiative argumentiert, dass Metalle knapp seien, die man doch gerade für den angeblich ökologischen Umbau des Energiesystems benötige. Ein Forschungsprojekt des Österreichischen Klima- und Energiefonds (KLIEN) namens Feasible Futures for the Common Good geht der Frage nach, wie Versorgungskrisen bei fossilen und metallischen Stoffen die Wende hin zu erneuerbaren Energien beeinflussen und ob sie diese vielleicht gefährden könnten.

Erste Projektergebnisse sind nun als Zwischenbericht auf der Projektwebsite verfügbar.

Tatsächlich benötigen Erneuerbare Energietechnologien wie etwa Photovoltaik oder die für den Ausgleich von Schwankungen erneuerbarer Energiequellen benötigten Speichertechnologien Metalle, die nicht endlos vorhanden sind. Dazu kommt, dass viele Metalle nicht nur für erneuerbare Energietechnologien, sondern auch für andere industrielle Nutzungen von großer Bedeutung sind. Natürliche Ressourcengrenzen können so durch Nutzungskonkurrenz verschärft werden. Auch bei Massenmetallen wie etwa Kupfer ist eine problemlose Verfügbarkeit nicht garantiert.

Werner Zittel von der Energywatchgroup in Deutschland kommt in seinem Report basierend auf Originaldaten und eigenen Auswertungen zum Schluss: Kadmium, Chrom, Kupfer, Gold, Blei, Nickel, Silber, Zinn und Zink sind möglicherweise nahe dem Peak (Höhepunkt) ihrer Förderung oder schon jenseits davon. Das würde bedeuten, dass die Produktion dieser Metalle im Zeitverlauf in der nahen Zukunft durchschnittlich zurückgehen wird. Darüber hinaus wird mehr Energie erforderlich sein, um sie zu fördern. Das verschärft die Versorgungslage angesichts von Peak Oil und der Verknappung von Erdgas und Kohle.

Produktionsprofil von Kupfer und Prognose des weiteren Förderverlaufs (Quelle: Zittel 2012)

Metalle wie Bismut, Bor, Germanium, Mangan, Molybdän, Niobium, Wolfram und Zirkonium erreichen ihren Peak wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte.

Doch es gibt auch “Elemente der Hoffnung”. Sie sind relativ reichhaltig in der Erdkruste vertreten – obgleich auch in diesem Fall die Förderkosten in Zukunft bedeutend steigen könnten: Sauerstoff, Silicium, Aluminium, Eisen, Calcium, Natrium, Kalium und Magnesium.

Eine resiliente Strategie unter Beachtung des Vorsichtsprinzips”, so Werner Zittel laut einer Presseaussendung des Projekts, “würde die Elemente nahe dem Peak oder jenseits davon nur sehr eingeschränkt nutzen und sie, soweit möglich, durch die ‘Elemente der Hoffnung’ ersetzen. Auch eine erhöhte Rezyklierung und gesteigerte Effizienz beim Einsatz von Metallen sind wichtig. Allerdings wird mit gesteigerter Ressourceneffizienz auch das Recycling schwieriger, weil der Metallgehalt in den betreffenden Bauteilen abnimmt”, warnt er. “Zukunftstechnologien sollten sich auf die reichhaltig vorhandenen Metalle konzentrieren. Das ist freilich technisch sehr anspruchsvoll.”

Wo es keinen Ersatz für die für eine Technologie notwendigen Metalle gibt“, so meint der Physiker, “dürfte es vernünftig sein, die betreffenden Technologien nicht zu verwenden.”

Alle Einträge, Stofflich genutzte Ressourcen, Wachstumskritik, Zur UmweltkrisePermalink

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