Schlagworte: autoritärer Charakter, Befreiung, Charakter, Erich Fromm, Haider, konformistischer Rebell, Krise
Sekretärinnen stellen an ihren Arbeitsplätzen Kerzen auf; Schulklassen pilgern in den Landtag, um seinen Sarg zu sehen; ein Meer von Kerzen macht aus der Unfallstelle einen Friedhof; der ORF wittert große Traurigkeit; sie lege sich auf den Klagenfurter Hauptplatz, breite sich aus über das ganze Land. Und wirklich, wer dieser Tage den Winden Südösterreichs lauschte, hörte sie leise weinen. Unsere Kärntnerinnen und Kärntner. Trauert, Leute, trauert. Und zwar um mich. Ich wohne hier, es ist entsetzlich.
Die Reaktion auf Haiders Tod ist ein soziales Phänomen, das wir analysieren müssen. Diese Hysterie ist eine Warnung. Ihre Gefühlswucht macht im ersten Moment nachgerade fassungslos. Noch fassungsloser aber macht, dass nicht nur seine Anhänger, sondern auch angebliche Kritiker von Haiders Tod betroffen sind. Jedenfalls wird der Sachverhalt so von den Medien dargestellt. An sich ist das bereits ein soziales Faktum, das befremden muss.
Haider war der Typ, dem man im NS besser nicht begegnet wäre, sofern man kein Nazi war oder kollaborierte. Haider wusste, was er tat; und ihm war klar, worauf seine Politik hinauslief. Wie funktionieren also Haider-Gegner psychisch, wenn sie angesichts seines Todes Trauer spüren, oder Betroffenheit?
Zweierlei ist denkbar. Entweder es gibt eine Identifikation mit dem Angreifer. So erklärt die Psychoanalyse die paradoxe Sympathie, die Opfer von Gewalt mitunter für die Täter fühlen. Das scheint fraglich, denn Basis dieses Mechanismus ist ein Gefühl großer Ohnmacht, die im Fall der Kritik an Haider nicht gegeben war. Es ist aber auch Folgendes möglich: Vermeintliche Kritiker übten ihre Kritik aufgrund ihnen äußerlicher Normen, und weniger aus dem Motiv, Haiders Politik zu brechen. Könnte es nicht sogar möglich sein, dass, wer Haider kritisierte, das weniger aus einer grundsätzlichen Ablehnung heraus tat, sondern eher weil sein Auftreten zu rabiat und rotzig, zu irrational war, inhaltlich aber durchaus Übereinstimmungen bestanden?
In diese Richtung deutet jedenfalls, dass man Haider nicht unbedingt dafür verurteilte, was er wollte, sondern weil er es nicht umsetze. So wurde zumal in Teilen der Linken argumentiert. Wetterte Haider gegen die Globalisierung, wollte er einen starken Staat, setzte er sich für die “kleinen Leute” ein, denunzierte er arrogante Bonzen oder agitierte gegen “Schmarotzer” und migrantische Billigarbeitskräfte, so wusste er in der Tat den sozialdemokratischen Volkskonsens unter sich, der Nation, Arbeit und Autorität hoch hält wie sonst nichts und sich von den Gewerkschaften bis in die Globalisierungskritik hinein erstreckt.
Wahre Haiderfans allerdings unterscheiden sich von einer solchen Übereinstimmung, die still bleibt und sich unter Kritik verbergen konnte, durch das Moment der Begeisterung. Woher rührt sie?
Ihre Quelle liegt darin, dass Haider der Idealtypus des konformistischen Rebellen war. Er war der Cop der Politik. Wie der Bulle abendlicher Krimiserien war Haider ein Zwitterwesen, das Widersprüchliches vereinte: Während er der Autorität ins Gesicht schlug, sehnte er sich zugleich nach Autorität, ja, er übte sie mit Genuss in Kärnten aus. So brachte er einen fundamentalen Zwiespalt adäquat zum Ausdruck – nämlich den Hass auf “die da Oben”, die “uns” kanifeln und sich erheben, gegen die man dennoch nicht aufbegehrt, sondern lieber selbst kanifelt und sich erhebt. Aus diesem Hass wächst keine Sehnsucht nach Befreiung, sondern die Leidenschaft dafür, hart durchzugreifen. Man will sich nicht die Autorität vom Leib halten, sondern schlicht eine andere; will endlich selbst autoritär sein dürfen, am besten noch autorisiert. Das Pogrom als Verhaltensvorlage.
Der konformistische Rebell verspottet das Gesetz, nur um es selbst noch härter einzufordern und zu setzen. War Haider der Polit-Cop, so die “Altpartei” der Staatsanwalt. Der Polit-Cop wühlt auch ohne den Befehl zur Hausdurchsuchung, erpresst ein Geständnis und prügelt, er, der Arm des Gesetzes, braucht sich um Verfassungsnormen nicht zu kümmern – er nämlich ist des Gesetzes Ursprung, der nackte Wille zur Gewalt außerhalb des Raums des Rechts. Dieser Wille spannt diesen Raum erst auf. Der Polit-Cop Haider: Freiheit und Notwendigkeit in Personalunion. Seine Freiheit war Einsicht in das, was man als kleiner Mann für nötig hält. Arbeit muss sein. Österreich den Österreichern. Freiheit für uns, damit wir tun können, was wir müssen.
Damit bewegte sich Haider im weiten Feld der Schnittmenge im Gefühlshaushalt der Rechten und der Linken. Das konnte er so spielend leicht, nicht nur weil er eine psychobiografisch bedingte Begabung dafür aufwies, sondern weil die konformistische Rebellion in allen steckt, die es in dieser Gesellschaftsform aushalten sollen. Sein potenzielles Publikum war demnach groß. Denn Rebellion ganz ohne Konformismus heißt in der kapitalistischen Gesellschaft letztlich, die eigene Vernichtung zu betreiben. Konformismus ohne Rebellion jedoch ist ebensowenig möglich, weil dem Zwang am Individuum immer etwas entkommt – sexuelle Leidenschaft, ein Traum vom besseren Leben, Zweifel, Enttäuschung, Wut, die Erfahrung von Liebe.
Die besondere Gefährlichkeit von Haider und seinen Fans liegt allerdings darin, das, was in ihnen vorgeht, vollständig zu verdrängen. Sie können so ungeniert den Anderen zum Sündenbock, zur Ursache ihres Leidens erklären, weil sie ihr Leben für so richtig halten. Alles daran stimmt: die Heimat, die so schön ist; die Arbeit, die man tun muss; die Leistung, die belohnt wird; und dass man kein Slowene ist, ein Ausländer oder gar ein Jude; und auch kein Homosexueller (der Haider – Heuchelei verpflichtet – offenkundig war).
Das freilich ist wiederum Allgemeingut, in abgeschwächter Form. Und genau deshalb ist die kapitalistische Gesellschaftsform, gerade in ihrer Krise, so gefährlich: dass in dieser Sicht im Grunde alles daran stimmt – die Lohnarbeit, die man mitbestimmen will; die Steuern, die man zahlen soll; die Demokratie, die unser höchstes Gut ist und die man ausweiten müsste; der Nationalstaat und das Geld, beides feine Sachen; würde man nur richtig regieren und regulieren. Wären da nicht die Regellosen und die Deregulierten.
Anders als beim Polit-Cop Haider und in Leserbriefen an die Kronen-Zeitung, wo man hinter der Finanzkrise dunkle Personen ahnt, die ins Gefängnis gehören, steht man hier, im Allgemeinen, allerdings auf der Seite des Staatsanwalts. Man fordert Regeln für die Reichen, appelliert an die Autorität, in deren Händen die Macht zum Guten liegt. Ist Haider ein konformistischer Rebell, so handelt es sich hier um einen rebellischen Konformismus. Befreiung ist für ihn ein Fremdwort, die Regulierung ist sein Nonplusultra.
Wenn Bundespräsident Heinz Fischer Jörg Haider “Talente” und “Begabungen” nachsagt, so ist das deutlich zu relativieren. Haider glänzte weder intellektuell noch moralisch oder ästhetisch. Er war nicht integer und auch kein Visionär. Als Haider plakatierte, “Er hat Euch nicht belogen”, glaubten ihm das laut einer Umfrage nicht einmal seine Wähler. Hier ist eine Analogie zu Hitler ausnahmsweise stimmig. Allerdings springt diese Durchschnittlichkeit, mit dem Abstand der Jahrzehnte, bei Hitler noch frappierender ins Auge. Wer heute mit heutigen Augen und Ohren eine Rede Hitlers verfolgt, sieht einen unscheinbaren, ja, unappetitlichen Menschen, hört einen, der brüllt und undeutlich Sätze artikuliert, die keinen Sinn mehr haben. “Groß” und “bedeutend” war Hitler, war Haider, nicht aus eigener Kraft, sondern weil die Leute ihre Kraft auf sie projizierten, sich ihrer Eigenständigkeit enteigneten, die zum Idol gerann.
Der konformistische Rebell zieht alle Wünsche der Wunschlosen auf sich. Er verkörpert das, was ihnen abgeht: ihren Zusammenhang als Menschen. Das tut er, weil die, die ihn anhimmeln, sich nicht anders aufeinander beziehen können als durch ihn, das allgemeine Äquivalent ihrer Ohnmacht, Spektakel ihrer Unterwürfigkeit, in die sie selbst sich begeben haben. Wer Äußerungen zum Tod von Haider liest oder hört, dem wird dieses Moment ins Auge springen – Haider, der mir geholfen hat; Haider, ohne den ich Angst habe; Haider, der Sicherheit gab; Haider, ohne den wir nicht wissen, wie es weitergeht; Haider, der ein echter Haider war, bis in den Tod; das war einfach er, der Haider.
Ich und Haider, Haider und Ich. Wir, die Haiderianer. Nicht Du und Ich, keine freie Assoziation der Individuen, sondern die Uniformität der Isolierten, der voneinander Abgewandten und deshalb auf ihn Ausgerichteten – das wird hier deutlich sichtbar. Seine Fans existieren als Fans nur durch ihn und in ihm, wie Dr. Haider als Dr. Haider nur in ihnen und durch sie existiert, fleischgewordene Projektionsfigur ihres wunschlosen Unglücks.
Als Erich Fromm in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also am Vorabend der NS-Herrschaft, den Sozialcharakter von Arbeitern und Angestellten in Deutschland mit den Methoden der statistischen Psychoanalyse studierte, kam er zu folgendem Ergebnis: 10 % der mehr als 3.000 Befragten hatten einen autoritären, 15 % einen stark antiautoritären Charakter. 75 % fielen in die Kategorie des ambivalenten Charakters zwischen diesen Polen. Fromm wollte wissen, “in welchem Ausmaß die jeweiligen politischen Meinungen mit der Gesamtpersönlichkeit übereinstimmen.” Seine These war, dass bewusst verfolgte Ziele, all das, was Menschen behaupten, politisch anzustreben, nicht unbedingt das sein muss, was sie tatsächlich mit Leidenschaft erhoffen, und wofür sie letztlich eintreten.
Diese These erwies sich nach Abschluss der Erhebungen, die in der Hauptsache zu Beginn der Großen Depression, 1929 und 1930 durchgeführt worden waren, von einer schlagenden Evidenz, “denn der Triumph des Nationalsozialismus enthüllte einen erschreckenden Mangel an Widerstandskraft in den deutschen Arbeiterparteien, der in scharfem Gegensatz zu deren numerischer Stärke stand, wie sie sich in den Wahlergebnissen und Massendemonstrationen vor 1933 gezeigt hatte”, schreibt Fromm. Tatsächlich entsprach der Massencharakter der Menschen, die in der Arbeiterbewegung aktiv waren, eher einem autoritären Muster, was es den Nazis leicht machte, ihre Ziele zu erreichen, als sie darum zu kämpfen begannen, die Ambivalenten auf ihre Seite zu ziehen.
So erklärt sich auch der politische Verlauf vieler Rebellionen und eine häufige persönliche Biografie politisch Aktiver. “Man könnte das politische Leben des zwanzigsten Jahrhunderts als einen moralischen Friedhof von Persönlichkeiten bezeichnen, die als angebliche Revolutionäre begannen und sich als bloße opportunistische Rebellen entpuppten”, schreibt Erich Fromm in Der revolutionäre Charakter 1963.
Wohin wird die Globalisierungskritik tendieren, wenn die Krise erst einmal ihre Regulierungsillusionen überrollt hat? Wie werden die Gewerkschaften reagieren, wenn die Hoffnung, mit Wohlverhalten Zugeständnisse abringen zu können, zunichte ist? Wie handeln wir, wenn das Eintreten für eine gesellschaftliche Alternative schwieriger, aber auch entscheidender wird? Wollen wir auf Autoritäten vertrauen oder beginnen wir, ein anderes Leben praktisch ins Werk zu setzen? Wie können wir den Konformismus zurückdrängen und die Eigenständigkeit stärken, auch in uns selbst? Wie wird die Freiheit vom Leiden an der Gesellschaft attraktiv – und damit die einzige Perspektive, die uns bleibt, real.
Dass Haiders Tod massenhaft Trauer auslöst, ist schlimm genug. Schlimmer jedoch ist die Rücksichtnahme auf die Gefühle seiner Fans, die von allen geteilte Betroffenheit, die allgemeine Identifikation mit der Herrschaft. Der konformistische Rebell ist eine gefährliche Figur. Nun ist zu sehen, dass diese Charakterstruktur hierzulande dominiert. Begrabt Haider.
Tja, der “Bewegung” treu noch im Tod: Im KdF-Wagen abgetreten…
oas
liest sich schnell und leicht, wie alle Deine Texte aber für den Nicht- oder Schnell-Leser etwas lange
das, was mir auffällt und wo ich nicht ganz übereinstimme, sind die Vergleiche mit der NS Zeit, ich glaube, da ist schon noch eine Dimension dazwischen
trotzdem interessant der Ausspruch, in der NS Zeit hätte man den Haider als Nicht-Nazi nicht angetroffen
wo ich Dir als Auch Trauernder recht gebe, ist die Frage, wie dieses Phänomen Haider, das immer und überall seinen eigentständigen Senf abgegeben hat, geschafft hat, so dermaßen präsent zu sein, dass sein Fehlen so dermaßen durchschlägt und wie es möglich ist, dass man sich bei seinen Fernsehauftritten immer emotional erfasst wusste
konformistische Rebellion, Polit-cop…sehr treffend, ein bißchen in die Comic-, Fernseh- und Cyberwelt verfremdet
Wo is n jetzt die verfickte Pietät?…
Boy oh boy, der Wahlkampf ‘08 hat web2.0 in Österreich ja einen ziemlichen Boost verschafft. Aber für die Ankurbelung von Vernetzung und traffic in den schönen web2.0-Strukturen, hey, da geht doch nichts über den Heldentod eines Volkstribunen…
Hallo Andreas,
finde Deine Analyse gut und weitgreifend – persönliche, gesellschaftliche und politische Dimension unseres Da-Seins integrativ besprochen.
Du könntest den Text auf weniger Hauptpunkte beschränkt (z.B. zum Thema „Haiders Rolle in Politik und Gesellschaft“) und im Umfang deutlich gekürzt als Leserbrief/Forumsbeitrag an einige Tageszeitungen in Österreich schicken.
Was mir besonders aufleuchtet ist die Beschreibung des konformistischen Rebellentums Haiders und der vielfach (rebellische) Konformismus in uns.
Dazu ein Eindruck, den ich bei Arbeiten in Kärnten gewonnen habe: die von Haider kritisierte Freunderlwirtschaft auf bundespolitischer Ebene gab es vermutlich zumindest im selben Ausmaß in Kärnten selbst. Ich hab mal einen Landesbediensteten hohen Ranges kennen gelernt und mich gefragt, wie er seine Stelle bekommen hatte: kümmerlich enges Weltbild und die von Dir beschriebene Bezogeheit auf die(vaterhafte) Autoritäsfigur Jörg Haider.
Sehr bedeutend finde ich die Fragen im vorletzten Absatz: wie wir Menschen auf schwierigere Lebensbedingungen reagieren werden – das geht mir seit längerem in Kopf und Herz um.
Diese “Analyse” ist letztklassig! Die Vergleiche mit dem NS sind unseriös und fern jeglicher Realität. Hier geht es nur darum, einem Menschen ins Grab nachzuspucken und die Kärntner in ihrer Gesamtheit zu diffamieren. Um die große Anteilnahme zu erklären braucht man keine Psychoanalyse und auch keine pseudo(politik)wissenschaftliche Kritzelei. Die einzige Erklärung ist tiefe Betroffenheit und Trauer!!!!
Wenn ich richtig informiert bin, leben in Kärnten ca.550 000 Menschen. Ca. 20 000 sorgen für ein wenig triste Stimmung. Und Medien versuchen nun die restlichen Nullen zu produzieren, damit aus reativ normalen Trauerfeierlichkeiten ein Massenphänomen wird. Wozu das Theater? Was steckt denn hinter großen Engagement der Medien? Sind die immer noch böse auf den Haider? Und ihre Rache besteht darin jetzt zu bestimmen was über die magischen Kanäle läuft? Mediales Leichenfledern vielleicht? Haider war ja vielleicht schwul, aber topen Medien diese Heuchelei nicht mit einer ihnen innewohnenden Nekrophilie?
M
Vielen Dank für diesen Artikel, der keine klaren Worte scheut, um eine bei wachen Menschen grosses Unbehagen hervorrufende Entwicklung zu erfassen. Nun ist posthume Verklärung, besonders beim Ableben umstrittener Persönlichkeiten, nichts spektakulär Neues, ebensowenig die Neigung, etwaige Korrekturen durch Berufung auf Totenehre und ähnliche Ethoskeulen mit dem Bann des Indiskutablen zu belegen. Ein Sprichwort sagt “a man will only be remembered for his deeds and his death”- es ist übrigens davon auszugehen, dass ein tiefes intuitives Wissen darum den in puncto Spektakelhaftigkeit einzig vergleichbaren bundesrepublikanischen Fall, nämlich den des J. Möllemann, mitgetragen hat. Allerdings hat das Wesen des Freitods immer auch eine selbstinszenatorische Komponente, was dem Unfalltod so natürlich nicht zu eigen sein kann. Aber: was wäre gewesen, wenn Haider anstatt der Konsequenzen der Selbstgefährdung Verantwortung für eine Fremdgefährdung hätte tragen müssen, also wen anderes anstatt sich selbst umgebracht hätte? Für das Täter-Profil betrunken Auto fahrender Menschen ist das Unvermögen zur realisitschen Selbsteinschätzung typisch, man begegnet in den Welten rund um die MPU oft dem narzistischen, sich und die Welt zwischen Überhöhung und Entwertung deklinierenden Typus. (“Nach Kernberg stellt das Größen-Selbst ein pathologisches Verschmelzungsprodukt von Anteilen des Real-Selbst, des Ideal-Selbst und der Ideal-Objekte dar. Das Real-Selbst beinhaltet nach Kernberg die Vorstellung, jemand besonderes zu sein”; das Ideal-Selbst umfaßt Größenphantasien und die Ideal-Objekte beinhalten Phantasien von grenzenlos liebenden und spendenden Elternfiguren.”) In Koppelung mit Rethorik (bzw, bei entsprechender Berufswahl, Demagogie) lässt sich effizient Faszination unter den Mitmenschen kreieren, das täglich Brot des Narzissten. Dass Haider diese pathologische Kraft noch post mortem in so einem Maße ausstrahlt, hat er der vordergründigen Tragik seines Dahinscheidens zu verdanken. Natürlich ist Haiders Tod im Vergleich zu einem möglichen, durch Haiders Fahruntüchtigkeit hervorgerufenen Tod eines anderen Verkehrsteilnehmers das kleinere Übel, auf der anderen Seite wäre es dann vielleicht zu einem gar kollektiven Erwachen gekommen und mehr als jetzt hätten erkannt, dass die allgemeine Paralyse nicht Folge von Haiders Tod, sondern seinem Wirken ist, dass sie teils recht willfährig Opfer einer Verführung geworden sind, inzwischen aber als aktive Träger einer Geisteshaltung, die von ebenjenen narzisstischen Kräften, aus denen die Empfänglichkeit für irgendwelche von völkisch über national bis individualistisch begründeten Prädestinationen gezüchtet wird, in öffentlicher Kritik stehen. Die Chance zur Einsicht ist jetzt da und offenbar werden Hilfestellungen wie dieser Artikel derzeit dringend benötigt. Also: Druck erhöhen!
Jelinek über Haider.
[...] manche von Euch wissen, ist es mir erlaubt, im Land-in-dem-die-Sonne-vom-Himmel-fiel meine Tage zu verbringen. Kärnten liegt im Süden Österreichs und auch hier ist nicht alles zum [...]